Produkttest: iHealth BP3 für iPhone, iPod touch und iPad
Produkttest: iHealth BP3 für iPhone, iPod touch und iPad
Blutdruck und Pulsschlag mit iOS-Geräten erfassen
Wir werden alle nicht jünger und bei dem (wissenschaftlich belegten) Stress am Arbeitsplatz, ist wohl bei jedem von uns schon mal der Blutdruck „hochgegangen“. Bevor dieser wiederum zu einer dauerhaften Erkrankung wird, sollte man seinen Blutdruck regelmäßig kontrollieren lassen oder selber messen. Was wäre also besser seine „Apple-Sucht“ mit dem Notwendigen zu verbinden? Sicher könnte man auch in die nächste Apotheke gehen und ein Blutdruckmessgerät kaufen. Dort sind einfache Geräte bereits ab 20 Euro zu haben, solche mit Speicherfunktion ab 50 Euro. Für knapp 100 US Dollar (aktuell ca. 72 Euro) ist das iHealt BP3 zu haben, inklusive App für iPhone, iPod touch und iPad. Verfügbar seit 2010, seit Mitte Februar wird auch nach Europa geliefert (leider noch nicht über Cyperport zu haben), genau der richtige Zeitpunkt für einen Test.
Hintergrund
Bluthochdruck ist eine dieser Erkrankungen die man erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist und bei dadurch begünstigten Schlaganfall, Herzinfarkt, Nieren-, Herz- und Gefäßschäden sollte man lieber eher als später mit einer regelmäßigen Kontrolle beginnen. Empfohlen wird diese einmal pro Jahr, aber von den Krankenkassen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung nur aller zwei Jahre durchgeführt. Bei rechtzeitiger Erkennung bleibt jeder/m genügend Zeit ihre/seine Lebensgewohnheiten umzustellen und somit den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Bei der Blutdruckmessung werden zwei Werte gemessen, der systolische und der diastolische Druck, ersterer wenn das Herz das Blut in den Blutkreislauf drückt und zweiter wenn es sich anschließend wieder füllt. Eine ausführliche Beschreibung befindet sich in den verlinkten Wikipedia-Artikeln, ich bin schließlich kein Arzt. Nach der Messung erhält man für beide Werte die ermittelten Drücke als Zahlenwert, was einen Blick in die Tabelle nach sich zieht. Einfacher ist es dagegen das in die App integrierte WHO-Diagramm anzusehen, in welchem die aktuelle Messung als Pin eingetragen ist.

Hardware
Das BP3 wird in einer großen Plastikbox geliefert, welche neben dem Dock auch die Armmanschette, ein USB-Kabel, die Garantie-Registrierung und eine Kurzanleitung enthält. Vor der ersten Benutzung sollte der interne Akku (400 mAh) geladen werden um eine reibungslose Funktion zu garantieren. Ebenso sollte das für die Messung verwendete iOS-Gerät zuvor in den Flugmodus versetzt werden um eventuelle Störungen durch WLAN, GPRS und Bluetooth zu vermeiden. Ansonsten sind ungünstigen Bedingungen gewaltige Zacken im Pulsdiagramm zu sehen. Das Dock selbst hat einen Durchmesser von 115 mm und eine Höhe von 67 mm und lässt sich somit leicht transportieren. Am besten allerdings in der stabilen Originalverpackung, dann liegt diese nicht nur als Dekoration herum. Das angeschlossene iOS-Gerät wird über das BP3-Dock aufgeladen, wenn dieses wiederum per USB-Kabel mit einer Stromquelle (USB-Netzteil oder Rechner) verbunden ist, für eine Synchronisierung ist es dagegen nicht geeignet. Kompatibel ist das Gerät laut Hersteller mit iPod touch, iPhone und iPad mit iOS ab Version 3.
Das Gerät wurde laut Beschreibung nach verschiedenen Zertifikaten/Normen, welche die Betriebssicherheit für die Benutzer und die notwendige Genauigkeit definieren, gebaut: IEC, EN und ANSI/AAMI, FCC. Ebenso wurde es von der European Society of Hypertension zertifiziert und auf Genauigkeit überprüft. Eine CE-Zertifizierung liegt laut Hersteller ebenfalls für das Gerät vor, das CE-Zeichen ist bei dem mir gelieferten Gerät allerdings noch nicht aufgedruckt.
Wissenswertes zur Messung
Für die Messung wird der Blutdruck über die Oszillometrie-Methode erfasst (Wikipedia: „Es werden die durch den Blutfluß in den Arterien ausgelösten Schwingungen erfasst.“). Der Blutdruck wird in mmHG (Torr) gemessen, die Manschette erlaubt einen Bereich von 0-295mmHg, bei einer Genauigkeit von ±3mmHg, der Pulsschlag kann in einem Bereich von 40-180 Schlägen/Minute erfasst werden, bei einer Genauigkeit von ±5%. Die Manschette wird über einen circa 65 cm langen Gummischlauch am Dock angeschlossen und ist für einen Armumfang zwischen 22-30 Zentimeter geeignet. Laut Aufdruck ist es eine Manschette für Erwachsene, andere Größen werden allerdings derzeit nicht angeboten.
Software
Die zur Nutzung des BP3 notwendige App (Version 1.1.3) ist kostenlos im AppStore erhältlich und funktioniert sowohl auf dem iPhone, iPod touch als auch auf dem iPad. Aktuell nur in Englisch, wird dies sicher einige Interessenten abschrecken. Aber zum einen sollte man sich sowieso nicht nur auf die Hinweise in der App verlassen und zum anderen sind die relevanten Werte (systolischer und diastolischer Blutdruck, Puls) deutlich zu erkennen – auch ohne Englisch-Kenntnisse. Um diese richtig zu interpretieren, ist auf jeden Fall weiterführende Literatur und im Fall des Falles ein Besuch beim Arzt nötig. Zu empfehlen ist zum Beispiel das Buch „Bluthochdruck“ der Stiftung Warentest (ISBN 978-3-86851-117-8). Leider ist dieses nur in Papierform und nicht als eBook/PDF für den mobilen Einsatz erhältlich. Es erklärt die Hintergründe für Bluthochdruck, gibt Ratschläge und Tipps zur Senkung des Blutdruckes ohne Medikamente, bespricht aber auch einige zur Blutdruckverringerung eingesetzte Medikamente.
Neben der aktuellen Messung (siehe weiter unten) können alle bisherigen Ergebnisse angezeigt werden. In der Historie gibt es für jede eine einzelne Zeile, welche von Links beginnend den Status entsprechend der WHO-Definition anzeigt (rot-orange-gelb-grün), so dass man direkt sieht, ob man durchgehend zu hohen Blutdruck hatte oder ob es nur einzelne Ausreißer gibt. Daneben befinden sich die jeweiligen Werte für den Blutdruck, den Puls und Datum/Zeit der Messung. Die Anzeige lässt sich nach Messdatum oder WHO-Einordnung sortieren. Mit einem Fingertipp gelangt man zur Großanzeige der Werte, wie man sie von der Messung kennt. Nach oben gewischt erscheint das WHO-Diagramm und noch eins weiter die Pulskurve. Nach rechts oder links gewischt kann zwischen den verschiedenen Messungen gewechselt werden. Die Werte lassen sich allerdings besser in der Graph-Ansicht vergleichen – der Anzeigebereich lässt sich über das Messdatum, die Blutdruckwerte und/oder die Anzahl der Messungen eingrenzen. Im Bereich AVG lässt sich der Durchschnittswert für einen frei wählbaren Bereich ermitteln. Die Share-Funktion ermöglicht das Versenden der aktuellen Messung oder aller ausgewählten an ein oder mehrere Email-Empfänger. Eine Verbreitung über twitter und facebook ist in Vorbereitung – da sieht man mal wieder, dass die Amerikaner eine andere Vorstellung von Privatsphäre haben.
Weiterhin gibt es noch einen FAQ-Bereich (häufig gestellte Fragen), welcher Fragen zum Blutdruck, Bluthochdruck und zum iHealt BP3 beantwortet. Allerdings wie die gesamte App nur in Englisch. Daher auch der obige Hinweis auf weiterführende Literatur. Die Einstellungen sind etwas versteckt hinter dem (i) auf der Startseite zu finden. Darin lässt sich eine oder mehrere Email-Adressen festlegen, an welche die Messergebnisse versendet werden sollen und einstellen ob maximal 999 oder 9999 Messergebnisse gespeichert werden sollen. Im selben Bereich findet sich die Anleitung zur Handhabung des BP3: Zusammenbau, Messung, Batterie laden, Genauigkeit und der übliche Info-Bereich.
Messung in der Praxis
Die Messung selber stellt keine große Herausforderung dar. Zunächst ist die Manschette am Oberarm in Herzhöhe anzulegen und das iOS-Gerät ins Dock einzusetzen. Nach dem Aufruf der App ist ein großer Startknopf zu sehen und zu betätigen. Anschießend wird die Messung, wie im eingebetteten Video zu sehen, durchgeführt und die Ergebnisse auf dem Bildschirm dargestellt. Im Hauptbildschirm ist links die WHO-Ampel zu sehen – durch die Farben ist direkt eine Beurteilung des Blutdruckes möglich, auf der rechten Seiten die Werte für den systolischen und diastolischen Blutdruck und darunter der gemessene Puls. Jedes dieser Elemente kann angetippt werden um eine Erklärung dazu abzurufen. Wischt man den Hauptbildschirm nach oben weg, wird ein Diagramm mit WHO-Einteilung für die einzelnen Bereiche (normaler Blutdruck, hoher Blutdruck usw.) und einer Markierung für die aktuelle Messung dargestellt. Noch einen Wisch weiter unten ist die Pulskurve der aktuellen Messung zu sehen.
Um möglichst gute und vergleichbare Ergebnisse zu bekommen, sollte man sich vorher einige Minuten entspannen, die Messung immer an der selben Stelle und zur selben Zeit durchführen. Um Störungen der Messung zu vermeiden sollte das iOS-Gerät vor der Messung in den Flugmodus versetzt werden. Die Messung kann jederzeit unterbrochen werden – Stop in der App oder durch Druck auf den Knopf am Gerät.
Hat man sein iPhone, iPod touch oder iPad in einer Hülle, passt dieses nur in den seltensten Fällen ins Dock. Wem das Entfernen der Hülle für jede Messung zu aufwendig ist, der sollte sich nach einem Dock-Verlängerungskabel umschauen. Eine einen Meter lange Version wird zum Beispiel von DeLock angeboten. Damit sieht das ganze zwar nicht mehr so hübsch aus, ist aber überaus praktisch.
Fazit
Durch die App für iOS-Geräte wird eine sehr einfache Handhabung für die Messung selber und auch die Auswertung ermöglicht. Benutzer/innen anderer Smartphones oder Tabletts werden dadurch allerdings ausgeschlossen. Durch die Messung am Oberarm ist das Gerät zwar teurer, dafür aber genauer als die Messung am Handgelenk. Die App selber bietet für die Zukunft noch eine Menge Verbesserungspotential – zum Beispiel Unterstützung mehrerer Patienten, Mehrsprachigkeit und der Export in ein brauchbares Format.
Für Personen mit Bluthochdruck und vorhandenem iOS-Gerät lohnt sich die Anschaffung sicherlich eher, als für Personen die nur der Vorsorge halber ihre Werte regelmäßig überprüfen wollen. Ob die Krankenkassen die Kosten für das Gerät übernehmen ist mir nicht bekannt. Geliefert wurde mein Gerät innerhalb weniger Tage direkt aus China, da es für Europa noch keinen Distributor gibt.
Auf Wunsch schreibe ich gerne einen zweiten Artikel zum Thema Gesundheit, denn es gibt weitere interessante Apps. Bitte dazu die Kommentar-Funktion hier oder auf facebook nutzen.


















