Produkttest: Canon Legria HF20

von ansgar-babucke

· 5 min Lesezeit

Produkttest: Canon Legria HF20

1.080p für die Hosentasche!
Schon vor einiger Zeit entblätterte ich den Canon HF20 Camcorder, um das gute Stück auf Herz und Nieren zu prüfen. Leider ließ der Test nun einige Zeit auf sich warten. So hatte ich mir zuerst einmal ein paar Wochen Urlaub gegönnt und fing mir währenddessen eine Muskelentzündung ein, die mich in Sachen Arbeit ein wenig nach hinten geworfen hat. Aber nun ist endlich die Zeit gekommen, um die wichtigen Fragen zu klären: Zaubert das Gerät wirklich gute Bilder auf den Full-HD-Fernseher? Ist das Aufnehmen einfach genug, um das gute Stück auch der Oma mit auf die Vatikan-Reise in den Koffer zu stecken? Und was muss man nach dem Filmen noch alles anstellen, um die Videos ordentlich archivieren zu können? Das sind nur ein paar der Fragen, die hoffentlich nach dem Lesen dieses kleinen Artikels geklärt sind…
Was steckt unter der Haube?
Rechnen wir das ganze doch mal hoch, 1.920 x 1.080 Pixel Videoauflösung verlangen nach einem ordentlichen Pixelberg. Für den Videomodus hat die HF20 also effektiv 2,99 Megapixel, im Fotomodus sind es rund 3,31 Megapixel. Dazu muss man sagen, dass diese natürlich im für Standbilder üblichen 4:3-Format auf Speicher-Karte oder internen Flash-Speicher wandern, während Videos im heute üblichen 16:9 Format aufgenommen werden.

Im Foto-Modus verrichtet die die HF20 gar keine schlechte Arbeit. Eine Auflösung von 2.304 x 1.296 Pixel reicht für gute Ausdrucke. Sogar Reihenbildfunktion, Autofokus-Messfeldwahl und ein Selbstauslöser sind mit an Bord. Eigentlich grundsätzlich eine prima Ausstattung um ab und zu auch ein Foto zu schießen. Doch so richtig will man das Ganze nicht. Das Ganze fühlt sich irgendwie fremdartig an. Eben so, als würde man mit einer kompakten Digiknipse ein Video machen. Man hat das Gefühl, das Gerät habe zwar dieses Feature, beherrscht das Ganze aber nicht sonderlich gut, da es ja eigentlich für einen anderen Zweck geschaffen wurde. Für den kleinen Schnappschuss zwischendurch taugt das gute Stück aber alle mal.

Look&feel
Wer schon mal eine digitale Spiegelreflexkamera von Canon in der Hand hatte, weiß was ein wertiges Produkt ist, auch wenn DSLRs immer mehr nach Arbeitsgeräten als nach moderner Technik aussehen. Bei der HF20 ist das eher anders herum. Der glänzende Lack und die zylindrische Form lassen High-Tech erahnen. Doch wer hier ganz besonders wertige Materialien erwartet, wird wohl enttäuscht werden: Sonderlich teuer wirkt das Kunststoff-Gehäuse nicht. Erfüllt aber seinen Zweck. Die Bedienung geht großartig von der Hand und ist nach kurzer Eingewöhnungsphase gut zu meistern. Daumen zum Aufnehmen, Zeigefinger zum Zoomen. Viel mehr braucht man ja eigentlich nicht für das Hobby-Film-Projekt. Klar, die Qualitätsstufen müssen vorher über das Display eingestellt werden, aber das macht man ja in der Regel nicht andauernd.

Canon Legria HF20″

Die wichtigsten Fakten
Schaut man sich die offiziellen Spezifikationen der HF20 an, wird man förmlich von technischem Kauderwelsch und prinzipiell weniger wichtigen Fakten erschlagen. Hier die aus meiner Sicht wichtigsten Features und Fakten der HF20:

  • FullHD-Videoaufnahme
  • 32 GB interner Flash-Speicher
  • 15-fach optischer Zoom, Brennweitenbereich von 4,1 – 61,5 Millimeter (entspricht einer Kleinbildbrennweite von zirka 39,5 bis 592,5 Millimeter)
  • Optischer Bildstabilisator
  • SD/SDHC-Kartenslot für Speichernachrüstung
  • Fotoauflösung von bis zu 2304×1296 Pixeln
  • 2,7 Zoll Display mit einer Auflösung von 211000 Pixeln
  • Gesichtserkennung
  • HDMI-Anschluss
  • Anschluss für externes Mikrofon
  • Standard-Akku bietet rund 100 Minuten Laufzeit
  • Gewicht: zirka 340 Gramm
  • Maße: zirka 7 Zentimeter breit, 6,2 Zentimeter hoch und 12,4 Zentimeter lang
  • 5 Qualitätsmodi
  • integriertes Videolicht
  • integrierter Blitz

    Das Gerät in der Praxis
    Nun geht’s endlich ans Eingemachte: Was kann das Gerät im Videomodus, wie lange kann man aufnehmen, was benötigt man an Zubehör? Ich mache es kurz: Als ich die Kamera zum ersten mal über das mitgelieferte YUV-Kabel an den HD-Fernseher angeschlossen habe, saß ich auf meiner Couch und war hin und weg von der Bildqualität. Satte Farben, eine großartige Schärfe und ein absolut flüssiges Bild zaubert dieser kleine Kasten auf den FullHD-Fernseher. Wow! Überraschend: Sogar der mit dem internen Mikrofon aufgezeichnete Ton weiß zu beeindrucken. Laute Hintergrundgeräusche machen nur wenig aus, Stimmen kommen klar und deutlich aus der kleinen Wunderkiste. Beim Aufnehmen macht die HF20 fast keine Probleme – lediglich mit dunklem Kunstlicht hat der Camcorder seine Probleme. Zum einen tritt hier ein gar nicht so schwaches Bildrauschen auf, zum anderen geht die Framerate hin und wieder in den Keller. Das Ergebnis sind Ruckler im aufgezeichneten Video. Das tritt aber nur bei schlechten Lichtverhältnissen auf, ansonsten sind die erzeugten Bilder stets flüssig.


    Video über die HF20 von com.puter.tv.

    Ist man länger ohne Stromversorgung unterwegs, kommt man wohl um einen zweiten Akku nicht herum. Mit rund 100 Minuten Aufnahmezeit würde es beim Abfilmen eines Überlänge-Filmes von der Kinoleinwand reichlich knapp. Wobei sich das Ergebnis sicherlich sehen lassen könnte und in diversen Tauschbörsen reißenden Absatz fände ;-). Auch das Fehlen eines HDMI-Kabels in der Verpackung kann man Canon ohne weiteres nicht durchgehen lassen. Es wäre doch kein Problem, einem Gerät in der Preisklasse ein solches Kabel beizulegen. Schließlich gibt die Kamera über das mitgelieferte YUV-Kabel nur 1080i aus, über HDMI sollten auch 1080p möglich sein.

    Ein weiterer Wehmutstropfen: Das Display ist recht niedrig aufgelöst und flimmert dazu noch ein wenig. Das geht auch besser! In der Praxis ist das zwar eigentlich nicht weiter tragisch, da der Bildschirm im Prinzip nur dazu dient, den Bildausschnitt zu skalieren, könnte Technikfetischisten aber vom Kauf abschrecken.

    Fazit
    Trotzdem: Die HF20 macht einfach Spaß. Und dafür gibt es mindestens zwei Gründe: Zum einen ist die Bedienung kinderleicht, zum Anderen liefert die HF20 einfach Bombenbilder. Sieht man die Videos zum ersten Mal über den Bildschirm oder den HD-Fernseher laufen, kann man im Prinzip nicht glauben, dass dieser kleine schwarze Kasten solch großartige Filmchen produziert. Insgesamt gibt es also eine klare Kaufempfehlung für die HF20. Oder aber für die große Schwester, die HF21 mit 64 Gigabyte internem Flash Speicher, oder aber für die kleine Schwester HF200, die ganz ohne internen Speicher daher kommt und vollends auf den Einsatz von SD beziehungsweise SDHC-Karten setzt. Eine großartige Bildqualität garantieren alle drei. Demo-Videos gibt’s übrigens im kommenden Sonderartikel zum Thema „Die Arbeit nach dem Aufnehmen von Videos mit dem Camcorder“…

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