Produkttest: Canon HV20
Produkttest: Canon HV20
Professionelles Filmen mit kleinem Budget?
Filmen wie ein Profi – ein Traum vieler, doch die Technik dafür ist teuer und nur von geübter Hand nutzbar. Um dem Otto-Normal-Verbraucher aber trotzdem eine Möglichkeit zu bieten, gibt es die Consumer-Camcorder von Herstellern wie beispielsweise JVC, Sony, Toshiba oder Canon. Doch was bietet eine so vielversprechende, kleine Kamera wirklich? Wir haben die Canon HV20 – deren Nachfolgerin, die HV30, im Grunde dasselbe Modell ist – während eines Spielfilmdrehs ein Jahr lang getestet.
Das Äußere
Klein aber fein, das denkt man, wenn man die Kamera aus der klassischen Kartonbox herausnimmt. Man glaubt gar nicht, dass Full HD, drei Chips, CMOS und zahlreiche manuelle Funktionen in diesem Gerät Platz finden sollen. Die Verarbeitung scheint auf den ersten Blick gut, auch wenn das Ganze aufgrund der PVC-Optik etwas billig wirkt, denn die HV20 besteht größtenteils aus Plastik und ist nur teilweise mit einer Aluminium-Legierung versehen. Die Kamera, die kaum größer als eine Hand ist, birgt bereits am Gehäuse einige Features: vorn ein Filtergewinde, einen Blitzschuh für Erweiterungen wie Mikros oder Blitze, ein Fokusrädchen, einen kleinen Joystick für die Menünavigation und obligatorische weitere Knöpfe, die in der Zahl bemerkenswert gering vorhanden sind.
Dem Profi-Filmer fällt jedoch sofort auf: Es fehlt ein ordentlicher Sucher. Aber weil die Hersteller im Consumer-Bereich generell immer mehr davon abgehen, weiterhin Sucher einzubauen, gibt man sich mit dem vorhandenen dennoch zufrieden. Was weiterhin fehlt, ist ein S-Video-Anschluss, um beispielsweise während des Drehs einen weiteren Monitor mit Live-Bild anschließen zu können.
Praxistest
Wir nutzten die HV20 in Kombination mit einem externen Mikrofon, dem beyerdynamic EMX 72, weil sich das eingebaute HV20-Mikro nicht unbedingt für Spielfilmaufnahmen empfiehlt. Außerdem erweiterten wir den Camcorder mit einem UV-Filter und einer Blende für sonnige Drehtage sowie einem Sony Digital HD Video miniDV Tape – alle Erweiterungen ließen sich problemlos anbringen und nutzen. Vorab möchte ich aber sagen, dass ich nicht weiter auf die Fotofunktion der HV20 eingehen werde, denn die Standbilder haben, wie man es von Camcordern kennt, auch hier eine relativ schlechte Qualität. Nicht unbedingt ein Kaufgrund.
Beim Dreh liegt die Kamera sehr bequem in der Hand und lässt sich leicht auf Standard-Stativen befestigen. Während die Automatikfunktion alle Einstellungen übernimmt, widmeten wir uns hauptsächlich der Manuell-Funktion; hier stehen zahlreiche Funktionen zur Verfügung, die zwar ein guter Versuch sind, Kameras in höheren Preisklassen nahezukommen, allerdings bleibt es hier und da doch nur bei „gewollt und nicht gekonnt“: Das Fokusrädchen, ein labiles und nicht fixierbares Plasterädchen an einem unmöglichen Platz links neben der Linse bietet zwar die Möglichkeit, während des Drehs den Fokus selbst einzustellen, nicht aber, kontinuierliche und anschauliche Fokusveränderungen zu schaffen. Lobenswert hingegen sind die manuelle Einrichtung des Mikrofons sowie die Einstellung der Belichtung.
Doch wie sieht das Bild aus? Für die Aufnahme bietet die Kamera vier Modi: HDV, HDV Cinema-Modus (PF25), DV-Breitbild und DV. Da für den ambitionierten Filmer DV wahrscheinlich nicht mehr in Frage kommt, haben wir uns mehr Zeit für HD-Aufnahmen genommen. Hier sei gesagt, dass man keinen merklichen Unterschied zwischen Cinema-Modus und normalem High Definitionen feststellen kann, einzig die Anzahl der pro Sekunde aufgenommenen Bilder variiert.
Während des Filmens in HD fällt immer wieder auf, dass es vor allem dann, wenn man aus einem hellen Bild in ein dunkleres schwenkt, geraume Zeit dauert, bis die Kamera richtig nachbelichtet, selbst wenn Blende und Verschlusszeit manuell geändert werden. Ansonsten besticht das Bild bereits beim Betrachten auf dem 2,7 Zoll großen Display, und auch nachdem das Material, beispielsweise via FireWire-Kabel, auf den Rechner überspielt wurde, ist man begeistert – die HV20 bringt einfach ein atemberaubendes Bild auf die Leinwand. Die FireWire-Übertragung übrigens funktionierte meist problemlos, allein Adobe Premiere wollte nicht richtig mit der Kamera arbeiten.
Das Filmmaterial lässt sich, die entsprechende Technik vorausgesetzt, leicht am Rechner bearbeiten, ganz im Gegensatz zu AVCHD. Einen Unterschied zwischen einem normalen miniDV-Tape und dem wesentlich teureren Sony-HD-Tape konnten wir allerdings nicht finden; rausgeschmissenes Geld also. Während der Nachvertonung und -bearbeitung fiel zudem der leise Motor der Kamera auf, der trotz des an der Kamera installierten Mikrofons kaum zu hören war, sodass die softwareseitige Funktion „Störgeräusch entfernen“ leichtes Spiel hatte.
Fazit
Auch während harter Umwelteinflüsse wie Regen, Frost, Hitze oder Staub und selbst bei Stößen und Vibrationen lieferte die HV20 hervorragende Bilder. Zwar lassen die manuellen Einstellmöglichkeiten kein wirklich professionelles Filmen zu, dennoch ist die Canon HV20 in ihrer Preisklasse einsame Spitze und kann es, zumindest in der Bildqualität, vielleicht schon mit einer Canon XL2 aufnehmen.
Der HV20-Nachfolgerin, die Canon HV30, ist, wie bereits angedeutet, nahezu dasselbe Modell; Änderungen in den technischen Eigenschaften jedenfalls sind nicht zu finden (einen HV30-Testbericht gibt es bei den Kollegen von Slashcam). Und weil auch die JVC HD7 nicht mehr erhältlich ist, kann die Canon HV20 bzw. HV30 als einzige und kostengünstige Alternative zu professionellen Kameras angesehen werden.










