Produkttest: Audyssey Audio Dock

von Ben Walther

· 8 min Lesezeit

Produkttest: Audyssey Audio Dock

Schlank, galant und dennoch kraftvoller Klang
Aus meinen Tagen als Produktmanager bei Cyberport habe ich die Entwicklung der Lautsprecher mit iPod/iPad/iPhone-Dock eine Zeit lang begleitet. Waren es zu Beginn noch wenige Hersteller, die frühzeitig erkannten, welches Potential in Steve Jobs Geniestreich steckt, so wurden es in den letzten Jahr immer mehr, die sich ihren Platz im hart umkämpften Markt sichern wollten. Vor einigen Tagen bekam ich von meinem geschätzten Kollegen zwei Pakete von Audyssey überreicht. Im heutigen Test knöpfe ich mir das Audio Dock vor, dass zum Preis von aktuell 329,90 Euro zu haben ist. Bei diesem Kaufpreis erwarte ich natürlich schon ein optisches und besonders klangliches Feuerwerk. Heißt es wieder einmal, außen hui, innen pfui oder überzeugt das optisch schlanke und attraktive Topmodel Audyssey Audio Dock auch abseits von Kameras und Laufstegen mit einem tollen Klangbild?
Bereits auf dem ersten Blick erweckt das Audyssey Audio Dock mein Interesse. Die Verpackung hebt sich mit einem tollen Design von der breiten Masse ab und die Form des abgebildeten Soundsystems macht mich neugierig. Bereits beim Öffnen des Kartons macht sich allerdings schnell wieder Ernüchterung breit, schließlich finden sich in ihr nur zwei Dinge: Der Lautsprecher und eine Box, in der das mitgelieferte Zubehör etwas lieblos verstaut ist. Auch wenn ich Produkte der Produkte wegen kaufe, sollten sich die Hersteller heutzutage doch etwas mehr bemühen, meine Vorfreude vom ersten Augenkontakt im Laden bis zum ersten Klang hin zu steigern. Hier könnte man sich bei Audyssey ruhig eine Scheibe von Jawbone abschneiden. Aber zurück zum eigentlichen Sinn des Artikels. Mit den Abmessungen von 130 x 280 x 230 mm und einem Gewicht von 4,1 kg gehört das Audio Dock wahrlich nicht zu den Winzlingen oder Leichtgewichten. Die Form ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch nur aufgrund der Tatsache, dass wir durch die Flut der anderen Speaker-Docks so etwas nicht erwarten. Nachdem ich das Audyssey Audio Dock eine Weile auf mich habe wirken lassen, freue ich mich immer mehr, hebt es sich doch stilvoll von der breiten Masse ab. Nein, so ein tolles Gerät möchte man nirgends im Raum verstecken wollen.

Wie ich finde, ein tolles Verpackungsdesign.
Auch die Rückseite kann entzücken.
Der Inhalt der Box auf den ersten Blick.
Der vollständige Lieferumfang des Audio Docks.
Der vollständige Lieferumfang des Audio Docks.
Audyssey Audio Dock – Teil 1″

Was steckt drin im Karton?
Im Lieferumfang befinden sich neben zwei Netzkabeln (EU und UK), zwei 3,5-mm-Stereo-Klinkenkabel für Line-In und Mic-In, ein USB-Kabel für die Synchronisation mit Mac oder PC sowie eine Fernbedienung, die sich von der breiten Masse abzuheben weiß. Reduziert auf die notwendigsten Funktionen und mit einer perfekte Kombination aus Größe und Gewicht, liegt sie perfekt in der Hand und fasst sich auch sehr gut an. Leider bietet sie keine zusätzlichen Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Wechseln zwischen Playlisten oder Alben. Zudem stellte ich im Test eine etwas störende Verzögerung auf meine Befehle fest, was oftmals aber am Winkel zum Geräte hing. Daher sollte man davon absehen, das Gerät so zu positionieren, dass man mit der Fernbedienung stets von der Seite auf das Audio Dock zeigt.

Ein optischer Leckerbesser ohne Makel.
Einem Topmodel gleich steht das Audio Dock galant und schlank mit dezenten Rundungen vor mir und beweist eindrucksvoll, dass Lautsprecher nicht einem Ei dem anderen gleichen müssen. Einzig das Dock steht bei dem faltenfreien Außenkleid hervor, ansonsten sind auf den ersten Blick keine Knöpfe zu erkennen. Leider haben das bislang noch nicht alle Hersteller begriffen und verschandeln ihr Produkte mit unnötigen und wuchtigen Bedienelementen. Ganz anders das Audio Dock, welches sich aber dennoch auch ohne Fernbedienung bedienen lässt. An der Vorderseite des Docks befindet sich eine Wippschalter. Mit einem leichten Druck links und rechts regle ich die Lautstärke, wobei ich den Pegel formschön über eine LED-Leiste oberhalb das angedockten Apple-Gerätes angezeigt bekomme. Mit einem kleinen Push auf die Mitte der Dock-Vorderseite schalte ich das integrierte Mikrofon für die Freisprechfunktion stumm. Auf der Oberseite erstrahlt zudem die Play/Stopp-Steuerung, sobald ich das Audio Dock mit Strom zum Leben erwecke wird. Auch auf der Rückseite setzt sich der äußerlich sehr hochwertige Eindruck fort. Zum einen befinden sich hier die beiden Synchronisation-Buttons für die Bluetooth-Verbindung und die Synchronisation via USB-Kabel, zum anderen der An/Aus-Schalter für das Gerät sowie der Line-In- und Mikrofon-Eingang. Damit eignet sich das Audyssey Audio Dock nicht nur für Besitzer eines Apple iPod, iPad oder iPhone, sondern auch für Android-User und alle weiteren Musikquellen mit A2DP-Bluetooth-Unterstützung bzw. Klinkenausgang.

Oben: Push the Buttons: Bluetooth- (oben) und USB-Synchronisation (unten) sowie die Anschlüsse.
Schlank wie ein Topmodel.
Touch-sensitive Play/Pause-Anzeige (leuchtet rot beim Bluetooth-Verbindungsaufbau) und der versteckte Hochtöner.
Statt Knöpfe gibt es eine touch-sensitive Play/Pause-Funktion sowie eine schicke LED-Lautstärkeanzeige.
Statt Knöpfe gibt es eine touch-sensitive Play/Pause-Funktion sowie eine schicke LED-Lautstärkeanzeige.
Audyssey Audio Dock – Teil 2″

Außen hui, innen pfui?
Obwohl unser kleines Topmodel sehr schlank ist, bringt es doch einiges an Gewicht mit auf die Waage. Doch das hat seinen Grund. Zum einen ist einiges an Technik verbaut und zum anderen muss auch verhindert werden, dass uns zu viel Bass das schöne Gerät zum Stolpern bringt. Damit sich die Schwingungen nicht auf die Fläche übertragen, auf dem das Audio platziert wird, gibt es einen gut gummierten und rutschfesten Standfuß. Doch genug mit der Lobhudelei was das äußere Erscheinungsbild angeht, schließlich zählen auch die inneren Werte. Verbaut wurden pro Seite je ein 0,75-Zoll-Hochtöner und ein 4-Zoll-Tieftöner, die von jeweils einem eigenen Verstärker angetrieben werden. Man mag es auf den ersten Blick auch kaum glauben, aber das Audio Dock hat es faustdick hinter den Ohren bzw. in den Seiten und kann so manche Nachbarschaft aus dem Schlaf holen. Genug Power also, um bei der nächsten Party groß aufzuspielen? Bei „kleinen“ Geräten, die mit einer solchen Lautstärke daherkommen, wie es das Audio Dock von Audyssey tut, kommt es oft dazu, dass sie übersteuern. Je höher der Lautstärkepegel geht, desto krächzender wird der Sound und umso mehr scheppert‘s im Gebälk. Aber nicht in diesem Fall. Der Sound klingt satt und bei den ersten Songs auch sehr ausgeglichen. Beim Test mit rockiger, souliger oder klassischer Musik ist mir der Bass aber ein Stück weit zu dominant. Mir scheint, dass das System von Haus aus für bass-lastigere Musik ausgelegt ist, denn die Tieftöner können sich zu einem wahren Grollen auftürmen, der, bei Platzierung des Audio Docks im Regal, das gute Prozellangeschirr in Gefahr bringt. Ich kenne es ansonsten fast nur von den Premium-Marken wie Bose oder Bowers & Wilkins: Da man nicht ständig Musik bei vollem Lautstärkepegel hören möchte, muss das Klangbild auch bei leiseren Tönen ausgewogen und nicht zu bassarm klingen – und das tut es auch beim Audio Dock.

Damit man auch bei nicht-basslastiger Musik einem Hörgenuss erleben kann, bietet Audyssey eine eigene und kostenlose iOS-App zur Verfügung mit der man ein wenig am Equalizer herumspielen kann. Problematisch, was die Klangqualität im Allgemeinen angeht, wurde es beim Andocken meines Apple iPad, da dieses wesentlich breiter ist als das Audio Dock und sich der Klang deshalb nicht mehr ungehindert entfalten kann. Hier würde ich auf die Bluetooth-Übertragung umsteigen.

Audyssey Audio Dock – iPhone-App“

Ein Soundsystem ohne Macken? Nein!
Da das Audio Dock, wie andere Docking-Lösungen auch, über zahlreiche Eingänge verfügt, wollte ich natürlich wissen, ob man bei Audyssey auch bis zu Ende gedacht hat. Stellt euch vor, ihr habt Freunde zu Besuch, die Party-Musik kommt aus dem angedockten iPhone und die Stimmung ist prima. Ein Freund gefällt die Musik aber nicht. Technisch versiert wie er ist, schaut er in sein Smartphone und entdeckt, dass das Audio Dock auch über Bluetooth angesteuert werden kann. Einen kurzen Augenblick später startet er die Audio-Wiedergabe und das Audyssey spielt beide Songs parallel ab. Ich dachte im Test, dass mich der Schlag trifft, als ich dies zufällig ausprobierte und die elektronische Musik aus dem iPhone plötzlich von Beethovens 5. Sinfonie „gestört“ wurde. Doch damit nicht genug. Schließe ich per Kline eine weitere Musikquelle an, beschallen drei Geräte über das Audio Dock die Party. Was in der Küche gilt, greift auch hier: Zu viele Player verderben den Musikgenuss. Wieso schafft es ein Hersteller nicht, andere Eingangsquellen zu blockieren, wenn bereits Musik über Dock, Bluetooth oder Klinke läuft – und das bei einem Gerät für über 300 Euro? Bei der privaten Vorstellung des neuen Bowers & Wilkins Zeppelin Air in Hamburg habe ich damals ähnliches probiert und bin kläglich gescheitert, wie es auch sein sollte.

Fazit: Schicke Optik, gutes Klangbild und ein kleines Manko
Das Audyssey Audio Dock ist ein formschönes und mit schlanken Modellmaßen gesegnetes Speakerdock, dass mit integrierter Dockingstation in erster Linie für Apple iPod, iPad und iPhone ausgelegt ist, aber auch mit andern Audioquellen via Klinke oder A2DP-Bluetooth verbunden werden kann. Die 329,90 Euro Kaufpreis (UVP: $399,99) nehmen wohl die wenigsten von uns aus der Portokasse, aber dafür bekommt man ein qualitativ hochwertiges Gerät mit tollem, kraftvollen Klang, den ich ansonsten nur vom Harman/Kardon Go + Play kannte.

Negativ anzukreiden ist dem Audio Dock auf jeden Fall die Tatsache, dass ich das Gerät zur gleichen Zeit von drei Quellen aus mit Musik bespielen kann. Ob der von Haus etwas stark dominierende Bass nun als gut oder schlecht empfunden wird, liegt im Ohr des Hörers und hängt stark vom eigenen Musikgeschmack ab. Ich selber fand den Bass dominant, aber für meinen elektronischen Musikgenuss genau richtig – und zur Not gibt es ja noch die iOS-App. Dass es bei solch schlanken Speaker-Lösungen schlecht mit einem echtem Stereoeffekt ausschaut, ist bekannt. Daran kann auch nicht das Audyssey Audio Dock nichts ändern.

Alles in allem kann ich das Audyssey Audio Dock dennoch jedem empfehlen, der mit einer etwas dickeren Brieftasche nach einer guten Speaker-Lösung für seinen Apple iPod, sein iPad oder iPhone sucht. Wenn die Preisgrenze nach oben noch etwas Spielraum bietet, würde ich persönlich aber eher zum Bowers & Wilkins Zeppelin Air für 598 Euro greifen, da mir der Klang persönlich um einiges besser gefällt. Dennoch gebe ich dem Audio Dock 8,5 von 10 Punkten.

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