Produkttest: Apple Thunderbolt Display

von anne-meissner

· 7 min Lesezeit

Display der Spitzenklasse aus dem Hause Apple
Fast jeder der ein Apple MacBook besitzt, wird irgendwann an den Punkt kommen, an dem man sich überlegt, ob es für den heimischen Gebrauch nicht Sinn macht, sich einen externen Monitor zuzulegen. Naheliegend ist dann natürlich der Gedanke, sich ein weiteres Gerät aus dem Hause Apple zuzulegen. Doch selbst ich komme als Apple-Fan bei dem Thunderbolt Display wirklich an eine Schmerzgrenze, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. 899 Euro für ein 27-Zoll-Display ist stolzer Preis, starten doch Displays der Konkurrenz aktuell bei 199 Euro. Apple behauptet bei seinem Thunderbolt Display: „So ein Display hast du noch nie gesehen.“ Stimmt. Deswegen unterziehe ich es einem ausführlichen Test, um herauszufinden, ob Apple Recht behält und ob der Preis wirklich gerechtfertigt ist.
Technische Daten

Bildschirmgröße: 27″ (sichtbare Bildschirmdiagonale: 68,58 cm)
Bildschirmtyp: TFT-Aktivmatrix-LCD mit In-Plane-Switching (IPS)
Auflösung: 2.560 x 1.440 Pixel
Farben: 16,7 Millionen
Seitenverhältnis: 16:9
Betrachtungswinkel: 178 Grad horizontal, 178 Grad vertikal
Helligkeit: 375 cd/m2
Kontrastverhältnis: 1000:1
Reaktionszeit: 12 ms
Abmessungen: 65 x 49,1 x 20,7 cm (B x H x T)
Gewicht: 10,7 kg

Lieferumfang:
Zum Lieferumfang gehören das Thunderbolt Display, ein Netzkabel, das Thunderbolt- und MagSafe Kabel sowie ein gedrucktes Handbuch.

Thunderbolt-Technologie
Klingt toll, aber was ist das überhaupt? Bevor wir ins Detail gehen, kurz zur Technik: bei Thunderbolt-Technologie handelt es sich um eine Technologie, die speziell von Intel und Apple entwickelt wurde. Damit sollen Daten besonders schnell zwischen den Geräten übertragen werden. Datenraten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 Gbit/s in beide Richtungen sind möglich. Damit ist Thunderbolt 20x schneller als USB 2.0. Die Technologie ist jedoch nur bei den aktuellen Apple-Geräten, wie dem Macbook Air/Pro, iMac oder Mac mini verfügbar. Besitzt man kein Gerät mit Thunderbolt-Anschluss, macht es natürlich auch wenig Sinn, sich ein entsprechendes Zubehörprodukt zu kaufen. Genau aus diesem Grund bietet Apple weiterhin den Vorgänger, das Cinema Display an. Preislich gibt es bei den Modellen aber kaum einen Unterschied.

Der erste Eindruck
Zum ersten Eindruck zählt natürlich auch die Verpackung. Und die ist, wie man bereits in der Postfiliale feststellen wird, riesig. Ich hatte sogar Bedenken, ob ich das Thunderbolt Display überhaupt in mein Auto zu bekommen. Nach dem Öffnen des Pakets zeigt sich die übliche Apple Verpackung – Ein weißer Karton und darauf abgebildet das Objekt der Begierde. Doch auch nach dem Auspacken kommt man nicht aus dem Staunen heraus. Im ersten Moment fühlt man sich regelrecht erschlagen. Auch wenn man, wie ich, bereits vorher einen 27-Zoll-Monitor benutzt hat. Das Thunderbolt Display setzt durch die Auflösung ganz neue Maßstäbe. Man muss sich zwar nicht mit irgendwelchen Installationen beschäftigen, sich aber dennoch erst einmal mit seinem neuen Display anfreunden, an das Blickfeld gewöhnen, Fenstergrößen neu einstellen, usw. Davon mal abgesehen, ist der erste Eindruck jedoch nicht negativ. Im Gegenteil. Das Herz erfreut sich an dem neuen Schmuckstück auf dem Schreibtisch.

Besonderheiten
Erwähnenswert ist der MagSafe-Anschluss, der dafür zuständig ist, dass das MacBook direkt über den Monitor mit Strom versorgt. Daher wird bei Verwendung eines Laptops und dem Monitor nur ein Netzkabel benötigt. Das ist überaus praktisch, denn so ziemlich jeder mit einem mobilen Mac wird vermutlich schon mal über die Anschaffung eines zweiten Netzsteils nachgedacht haben. Darüber hinaus verfügt das Thunderbolt Display über ein integriertes Audiosystem und eine FaceTime HD Kamera. Weiteres Highlight ist der Umgebungslichtsensor, der die Helligkeit an die entsprechenden Lichtverhältnisse anpasst. Praktisch ist, dass der Monitor sich automatisch abschaltet, sobald man den Mac selbst abschaltet. Somit muss man zukünftig nur noch einen Knopf betätigen, wenn man sich anderen Dingen widmen möchte.

Verarbeitung und Design
Wie von Apple gewohnt, gibt es auch beim Thunderbolt Display keine Kritikpunkte, was die Verarbeitung angeht. Nichts wackelt oder sieht schlecht verarbeitet aus. Hier macht das Thunderbolt Display seinem Hersteller natürlich alle Ehre und wird so dem höheren Anschaffungspreis gerecht. Das Display selber steht sehr stabil auf dem Schreibtisch und wackelt auch nicht, sobald man auf die Tastatur haut. Auch das Gelenk zur Neigung des Displays wirkt sehr stabil. Ich bin beeindruckt.

Das Gehäuse besteht auf der Rückseite aus Aluminium, genau wie der Fuß. Der vordere Rahmen ist schwarz. Der Glossy Look wirkt natürlich sehr edel und das gesamte Design unterscheidet sich maßgeblich von herkömmlichen Monitoren. Lediglich den schwarzen Rahmen auf der Vorderseite finde ich etwas zu breit geraten und nicht sehr zeitgemäß.

Lautsprecher
Apple wirbt in diesem Punkt mit „Groß. Schön. Auch beim Klang.“. Ich würde sagen: Apple übertreibt. Es handelt es sich insgesamt um ein tolles Produkt und der Sound ist auch besser als bei anderen On-Board-Systemen. Vor allem die hohen Töne können sich hören lassen. Aber tiefe Töne wirken doch sehr flach. Der Bass ist kaum wahrnehmbar und nicht besonders angenehm, sodass ich wohl weiterhin auf ein externes Soundsystem setzen werde.

Bedienung
Das Display verfügt zwar über eine Menge Anschlüsse, aber über keinen einzigen Knopf. Daher lassen sich auch keine Einstellungen am Monitor selbst vornehmen. Diese, wie zum Beispiel der Kontrast, muss man unter den Systemeinstellungen des MacBooks einstellen. Auch die Helligkeit lässt sich über die Tasten des MacBooks regeln.

Neigung
Das Display lässt sich durch sein Gelenk an jede beliebige Position anpassen. Das Gelenk lässt sich butterweich bedienen, sodass man es je nach Bedürfnis nach oben, unten oder seitlich schwenken kann. Das Gelenk sitzt aber nicht so locker, dass man den Winkel aus versehen ändern würde. Der Neigungswinkel ist jedoch von -5 bis 25 Grad begrenzt.

Auflösung und Bildqualität
Das Display hat eine Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln und ein Seitenverhältnis von 16:9. Die Brillanz und Farbechtheit ist meiner Meinung nach mit ein Hauptgrund, warum sich das Apple-Display von anderen unterscheidet. Die Qualität ist wirklich kaum zu überbieten. Das Display verfügt außerdem über eine gute Blickwinkelstabilität.

FaceTime HD Kamera
Die Facetime HD-Kamera hat, anders als man bei der Größe des Displays denken könnte, den passenden Winkel, um die Person vor dem Computer zu erfassen. Die Qualität der Kamera macht einen guten Eindruck. Das Bild wirkt scharf und der Weißabgleich funktioniert wunderbar. Die perfekte Voraussetzung also für Skype-Gespräche oder Spaß mit Photo Booth.

Anschlüsse
Anschlüsse, die das Herz begehrt. Das Thunderbolt Display bietet auf der Rückseite drei USB-2.0-Anschlüsse, einen FireWire-800-Anschluss sowie einen Gigabit-Ethernet-Anschluss. Hier hat also jedes Peripheriegerät seinen Platz.

Übertragung
Für die Übertragung von 70 GB via Firewire 800 benötigt das Display 28 Minuten. Darunter leidet die Performance des MacBooks aber ein wenig, denn Anwendungen laufen in dieser Zeit etwas verzögert. Den Fehler, dass das Display eine Festplatte nach dem Schlafmodus nicht mehr erkennt, konnte ich im Test nicht reproduzieren.

Reflexionen und Spiegelung

Das Thunderbolt Display verfügt (leider) über den altbekannten Glossy-Effekt. Während man beim Macbook Pro die Wahl hat zwischen einem matten und einem glänzenden Display, muss man sich bei dem Thunderbolt Display mit der Glossy-Variante zufrieden geben. Apple begründet das mit der Intensität der Farben, die nur so gewährleistet werden kann. Im Grunde ist im Kauf also ein 66 cm großer Spiegel inbegriffen. Die Reflexionen sind sehr stark und gerade im Bereich des schwarzen Rahmens sehr störend. Auf Dauer wirkt dies irritierend und ist auch sehr anstrengend. Man gewöhnt sich vielleicht irgendwann daran, aber in manchen Lichtsituationen wäre es schon angenehmer, ein mattes Display zu haben.

Hitzeentwicklung
Das Display entwickelt relativ schnell eine ganz schöne Wärme, welche dann über eine relativ breite Fläche auch auf einen selbst abgestrahlt wird. Im Winter sicherlich angenehm von vorne gewärmt zu werden – im Sommer, naja. Natürlich nicht dramatisch, aber mein Samsung-Display wird nicht annähernd so warm. Dort steckt natürlich auch nicht ganz so viel Technik drin.

Fazit
Ein abschließendes Urteil zu fällen ist schwierig. Zum einen handelt es sich beim Apple Thunderbolt Display um ein Gerät der Spitzenklasse, was sich auch am Preis bemerkbar macht. Zum anderen lässt sich das Gerät aber kaum für den professionellen Zweck gebrauchen, da die Spiegelung nicht nur störend, sondern nach ein paar Stunden auch sehr anstrengend wird. Bei einem Gerät dieser Preisklasse sollte man nicht mit solchen Defiziten leben müssen. Wer jedoch Wert auf ein Bild der Spitzenklasse und hübsches Design legt, der bekommt mit dem Thunderbolt Display ein sehr gutes Gerät, das ein bisschen mehr kann, als andere Monitore. Durch seine Anschlüsse wird es zur ultimativen Dockingstation. Einzig der fehlenden Klinkenausgang fehlt mir, denn das integrierte Lautsprechersystem ist mir einfach zu wenig. Interessant für MacBook-User ist aber der MagSafe-Anschluss. Damit wird das Notebook über das Display mit Strom versorgt und man spart sich damit die Belegung einer zweiten Steckdose. Sollte ein Kauf für euch in Frage kommen, aber die Frage im Raum stehen, wie stark das Display spiegelt: Geht vorher in einen Apple Store oder einen Cyberport Store und macht euch ein eigenes Bild. Nicht, dass ihr nach dem Kauf geblendet seid.

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