Panasonic Lumix DMC-FZ1000 Bridgekamera im Test
„Nie im Leben hole ich mir eine Bridgekamera. Die kann nicht viel mehr als die meisten Kompakten, kostet viel zu viel Geld und erreicht bei Weitem nicht die Qualität von DSLRs.“ Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, solche Gedanken seien mir noch nie durch den Kopf gegangen. Genau genommen bin ich sogar ein Spiegelreflexverfechter bis aufs Messer. Und trotzdem konnte ich nicht ablehnen, als ich die Möglichkeit bekam, die Panasonic Lumix DMC-FZ1000 zu testen.
Ja, sie liegt mit derzeit 735,- Euro im Preisniveau vieler Consumer-DSLRs. Ja, sie kann mit Wechselobjektiven nichts anfangen. Ja, sie ist nicht uneingeschränkt kompakt. Aber 20,9 Megapixel, Klapp-Display, digitaler Sucher, Megazoom und 4K-Videoaufzeichnung sprechen eine deutliche Sprache. Und gerade bei Letzterer gibt sich die FZ1000 als Vorreiter. Das klingt doch alles in allem sehr spannend und macht es für mich besonders interessant zu erfahren, inwieweit die Bridgekamera klassischen DSLRs das Wasser reichen kann. Gehen wir ans Werk.
Überragende Bridge-Cam
- 4K-Videofunktion
- Schneller & leiser Autofokus
- Großer Sensor für eine Bridgekamera
- Geringes Bildrauschen
- Große Blende
- Große Brennweite
- Gute Soundleistung bei Aufnahmen
- Hoher Bedienkomfort
- Gute Verarbeitung
- Annehmbares Gewicht
- Kein Touch
- Beiliegende Software mäßig
- Zoom-Umschalter ungewöhnlich
- Batteriefach-Abdeckung lässt sich leicht versehentlich öffnen
Ausstattung: Klassische Zubehör-Ausstattung auf DSLR-Niveau
Schon beim Unboxing verschiebt die Lumix DMC-FZ1000 die Bridgekamera-Messlatte deutlich Richtung Spiegelreflex. Unter der nützlichen Anleitung und einer CD mit Treibern und Software-Sammlung finde ich die Panasonic-Cam sowie ein stattliches Zubehör-Portfolio. Hierzu gehören Tragegurt, Gegenlichtblende, Ladegerät, Akku sowie USB-Kabel.
Was zum Knipsen nun noch fehlt ist eine SD-Karte, die idealerweise mindestens den Standard UHS Class 3 beherrschen sollte. Für reine Fotoaufnahmen ist diese Geschwindigkeitsklasse zwar keine Voraussetzung, für die reibungslose Aufzeichnung von 4K-Videos hingegen schon. Ich habe mich hier für eine Panasonic Gold Pro SDHC-Karte mit 32 Gigabyte Kapazität entschieden, die mir gute 30 Minuten 4K-Videoaufzeichnung ermöglicht.
Haptik: So muss eine Bridge-Cam in der Hand liegen
Auch in Sachen Haptik schmeichelt die FZ1000 eher den DSLR-geschulten Händen. Dabei fällt zunächst das doch recht stattliche Gewicht von 830 Gramm inklusive Akku und SD-Karte auf. Zum Vergleich: Der Body der Nikon D5500, der preislich ähnlich aufgestellt ist, liegt inklusive Akku und Karte bei 470 Gramm. Nimmt man hier jedoch ein Objektiv mit vergleichbarer Brennweite hinzu, bringt die SLR noch einmal bis zu 1 Kilogramm mehr auf die Waage. So ist die Lumix DMC-FZ1000 letztlich die „kompaktere“ und leichtere Reise-Option, die aber gleichzeitig sehr gut und sicher in der Hand liegt.
Ebenso positiv fallen die zahlreichen Funktionstasten auf, die den Weg über das Menü in vielen Fällen ersparen. Hier stehen 5 vordefinierte und alternativ frei belegbare Funktionstasten, ein vielseitiges Steuerkreuz für unter anderem ISO- und Weißabgleichs-Direkteinstellung sowie drei Rändelräder für Moduswahl, Auslöse-Vorwahl und Blendenwertsteuerung zur Verfügung. All das ist in Daumen- und Zeigefingerreichweite und sorgt so dafür, dass ich mich schon beim ersten Experimentieren mit der Panasonic-Cam absolut zuhause fühle.
Als drittes haptisches Positivum stellt sich die Objektivsteuerung heraus. Zwar kann ich das Objektiv via Zoom-Wippe am Auslöser fernsteuern, aber wenn ich den Schalter an der Linse von Fokussierung auf Zoom umstelle, zoome ich auch mechanisch direkt am Objektiv, wie ich es von meiner Spiegelreflex gewohnt bin. Auf Fokussierung stelle ich den Schalter von da an nicht mehr, schließlich genieße ich die Freiheit zu sehr, die ich beim manuellen Zoomen direkt am Objektiv habe.
Ein kleiner Bedienungs-Wermutstropfen soll an der Stelle noch erwähnt sein: Beim Fotografieren bin ich recht häufig an der Batteriefach-Verriegelung hängen geblieben, wodurch sich das Batteriefach öffnete. Zum Glück ist der Akku selbst durch eine kleine Sicherung gegen das Herausfallen geschützt, was den kleinen funktionalen Mangel gut kaschiert.
Bildqualität: Starke Brennweiten & große Blende
Über Gedeih und Verderb einer Bridgekamera entscheidet nicht zuletzt das Objektiv, schließlich habe ich hier nicht die Möglichkeit, je nach Einsatzzweck zu wechseln, und bezahle letztlich doch zu viel, um mich mit kleinen Brennweiten zufrieden zu geben. Bei der Lumix DMC-FZ1000 hat Panasonic eindeutig geklotzt und der Kamera ein Immerdrauf mit 25 bis 400 Millimetern zur Seite gestellt. Diese Werte rechnen den Cropfaktor bereits ein, wobei die reale Brennweite bei 9,1 bis 146 Millimetern liegt. In Telestellung ist der Wert so durchaus stattlich, im Weitwinkel gänge – dem Crop-Faktor von 2,7 geschuldet – noch mehr.
Kompromisse – im Vergleich zur DSLR – geht die Lumix allerdings bei der Sensorgröße ein und kommt mit einem 1-Zoll-Sensor daher, der mit 12,8 mal 9,3 Millimetern Seitenlänge lediglich knapp 1/3 des APS-C-Formats erreicht. Im Vergleich zu anderen Bridgekameras fällt der Sensor hingegen ordentlich groß aus und liefert im Vergleich zu den üblichen 1/2,3-Zoll-Verdächtigen zirka die vierfache Sensorfläche. So schafft der Sensor in Kombination mit dem lichtstarken Objektiv eine durchweg beeindruckende Bildleistung. 20,9 Megapixel ermöglichen knackscharfe Fotos mit Potenzial für Detailvergrößerungen und dank zuverlässigem Bildstabilisator am Objektiv verwackle ich beim Auslösen in langen Brennweiten oder bei längeren Belichtungszeiten nicht gleich.
Über die gesamte Zoom-Distanz habe ich zudem eine stattliche Offenblende zur Verfügung, die bei 25 Millimetern mit 2.8 startet und bei 175 Millimetern und 4.0 landet. Lichtschwächer wird das Objektiv auch bei 400 Millimetern nicht, sodass ich auch in Low-Light-Situationen bei entsprechend angepasster ISO und Verschlusszeit noch gut aus dem Handgelenk und ohne Stativ auslöse.
Und wo wir gerade bei der ISO sind: Standardmäßig versteht sich die Panasonic Lumix DMC-FZ1000 auf ISO-Werte von 125 bis 12.800, erweitert sogar auf ISO 80 und 25.600. Dabei kommt der Bildsensor einige ISO-Stufen lang hervorragend mit dem Bildrauschen klar. Auch bei ISO 1.250 hält sich das Rauschen noch gut in Grenzen, was mir abermals das losgelöste Knipsen im Dämmerlicht erleichtert. Darüber hinaus erreicht aber auch die FZ1000 ihre Rauschgrenzen.
Bei all dem Lob muss ich allerdings auch noch einen Kritikpunkt loswerden: Der Objektivdeckel ist ein Grauen. Die Verschlussmechanik ist derart steif, dass ich den Deckel kaum am Objektiv einrasten kann. So passierte es leider mehr als einmal, dass ich trotz langen Justierens letztlich den Deckel unterwegs verlor. Hier wurde allerdings nachgebessert. Für meinen Test stand mir ein Vorserienmodell zur Verfügung, bei den aktuellen Serien-Modellen gibt es am Objektivdeckel nichts mehr auszusetzen – gut gemacht.
Video-Aufzeichnung: Überzeugende 4K-Videos mit leisem & treffsicherem Autofokus
Bevor ich mich der viel-gepriesenen Videofunktion der Panasonic Lumix DMC-FZ1000 zuwende, möchte ich zunächst noch ein Wort zum Autofokus verlieren. 49 Messfelder bringt er mit, versteht sich zeitgemäß auf Gesichts- und Augenerkennung und arbeitet selbstverständlich auf Wunsch auch kontinuierlich. Dabei funktioniert die Fokussierung einerseits äußerst treffsicher und andererseits extrem schnell und leise. Diese Facts sind beim Foto-und Videografieren unverzichtbar, wobei vor allem die ruhige Betriebsweise des Autofokusmotors jeder Videoaufnahme zugutekommt. Für Letztere steht mir bei der FZ1000 erstmalig auf einer Bridge-Cam auch der 4K-Modus zur Verfügung, sodass ich Filme mit bis zu 3.840 mal 2.160 Pixeln bei 25 Frames per Second aufnehmen kann.
Das Ergebnis: Knackscharfe, nahezu plastisch wirkende Filme, die bis ins letzte Detail überzeugen. Der kontinuierliche Autofokus arbeitet dabei souverän und trifft sein Ziel zumeist punktgenau. Liegt er einmal daneben, justiert er schnell und vor allem leise nach. So habe ich keinerlei Fokussiergeräusche des Objektivs auf meiner 4K-Aufnahme und genieße neben hervorragendem Bild auch stattlichen Stereoton – ganz ohne Zusatzmikro. Wer sich dennoch nicht auf den Autofokus verlassen möchte, kann natürlich auch manuell scharfstellen.
Voraussetzung für eine gelungene Aufzeichnung ist die bereits oben erwähnte SD-Karte mit Standard UHS Class 3, die mit genügend Megabyte pro Sekunde aufzeichnet. Ohne eine solche Karte sind zwar keine 4K-, aber sehr gute Full-HD-Videos drin, die ich mit wahlweise 25 oder 50 Bildern pro Sekunde verewige.
Bedienung: Die Wunderwelt der Lumix-Bedienung
All das funktioniert auch deshalb so beeindruckend, weil sich die Lumix DMC-FZ1000 durchweg intuitiv bei der Bedienung gibt. Das beginnt bei der Tastenanordnung auf DSLR-Niveau inklusive zahlreicher Funktionstasten sowie Rändelrädern, mit denen ich Serienbilder und Bild- beziehungsweise Videoprogramme einstelle. Hinzu kommt ein klappbares Display, das auch in schwierigen Perspektiven den optimalen Überblick garantiert. Ich muss jedoch zugeben, dass ich mich für ebensolche Perspektiven doch lieber wälze und winde und auf Teufel-komm-raus durch den Sucher schaue. Daher blieb das Klapp-Display in meinem Test zumeist auch zugeklappt.
Was ich beim Display in dieser Klasse etwas vermisst habe, ist die Touch-Funktionalität. Zu gerne hätte ich vor allem den Fokuspunkt per Touch auf das Display bestimmt, aber hier kommt mir die Kamera doch etwas umständlich mit dem Weg über die Funktionstasten.
Was die Lumix allerdings ganz souverän löst, ist die Zufriedenstellung des Sucher-Fanatikers. Der bekommt hier nämlich einen digitalen Sucher geboten, der ein gutes Fotografier-Erlebnis für all jene biete, die Spiegelreflex gewohnt und LiveView-abgeneigt sind. Ich zumindest nutze fast ausschließlich den Sucher und vergesse darüber mit der Zeit auch, dass das gebotene Bild etwas künstlich wirkt.
Alles weitere für die Bedienung Nötige stelle ich über das ausladende und sehr detailreiche Menü ein. Da ich hier ein Vorserien-Modell teste, befindet sich auch die Software noch auf Vorserienstand. Davon merke ich allerdings während des Tests nichts. Im Gegenteil: Die intuitive Menüführung und die leicht verständlichen Optionen erlauben mir Eingriff in alle Bereiche – von Bildeffekten über Belichtungsmessung bis Konnektivität. Mit etwas Zeit richte ich die Kamera so exakt auf meinen Bedürfnisse aus – eine hervorragende Vorstellung.
Und last but not least muss beim Thema Bedienung auch die Panasonic Image App ins Gespräch gebracht werden. Per Wi-Fi und NFC verbinde ich darüber mein Smartphone mit der Kamera und kann mir so die aufgezeichneten Fotos und Video auf dem Smartphone-Bildschirm anschauen. Oder ich gehe noch einen Schritt weiter und steuere die Kamera kurzerhand vom Phone aus fern. Von Zoom über ISO und Weißabgleich bis zu Blende und Verschlusszeit nehme ich bei Bedarf alle Einstellungen auf meinem Sony Xperia vor und drücke danach via Touch den Auslöser – die hohe Kunst der Kamera-Konnektivität.
Durchschnittliches Software-Beiwerk
Wie bereits am Anfang erwähnt liegt der Lumix DMC-FZ1000 auch eine Software-CD bei, die mit drei Programmen aufwartet, die wiederum alle wesentlichen Bereiche der Nachbearbeitung abdecken sollen. Das beginnt beim von Panasonic entwickelten PHOTOfunSTUDIO 9.5 PE, das sich auf Archivierung und dem Management von Bildern und Videos fokussiert. Die Aufnahmen sortiere ich dabei auf Wunsch nach Keyword oder verlasse mich auf Icons, die die Software entsprechend dem Ordner-Inhalt zuweist. Leider geht das alles aber nur bei verbundener Lumix oder eingelegter SD-Karte. Auf beliebige Quell-Ordner kann ich hier nicht zugreifen. Schade, denn so verliert die Software einiges an Attraktivität.
Hinzu gesellt sich SILKYPIX Developer Studio 4.1 SE, das der Nachbearbeitung von Fotos dient und am ehesten mit Lightroom oder Camera Raw gleichzusetzen ist. An sich bietet die Software auch zahlreiche Features, die ich von Adobe kenne und macht einen ordentlich intuitiven Eindruck. Leider kann ich mich als alter Photoshopper partout nicht mit der Gratis-Software anfreunden. Doch das soll der Suite nicht zur Last gelegt werden.
Zu guter Letzt liegt auch noch die Full-HD-Videobearbeitung LoiLoScope bei, die ich nach Setzen eines Shortcuts auf dem Desktop erst einmal aus dem Netz laden muss. Nach Download und Installation nimmt mich die Software Schritt für Schritt an die Hand und erklärt mir, wie ich zum fertigen Video komme. Dabei gibt sie sich auch in Hinblick auf die Effekte eher plakativ und erinnert an „preiswerte“ Urlaubsvideo-Tools. Doch das größte Manko: Full HD kann sie ganz gut, aber sobald ich die 4K-Videos der Lumix bearbeiten will, gerät LoiLo massiv ins Stocken und arbeitet gleich einmal nicht weiter.
Fazit: Hervorragende Bridgekamera für brillante Bilder
Ich hätte nie gedacht, dass ich mal von einer Bridgekamera so begeistert sein würde, lasse ich doch nichts über meine Nikon-DSLR kommen. Die Lumix DMC-FZ1000 von Panasonic hat mich jedoch eines beeindruckend Besseren belehrt. Bei annehmbarem Gewicht bietet die Lumix-Cam Bedienkomfort pur auf Spiegelreflexniveau und punktet zudem mit licht- und brennweitenstarkem Objektiv. Die Bildqualität ist über jeden Zweifel erhaben, ebenso wie die 4K-Videofunktion, die vor allem vom schnellen und leisen Autofokus profitiert.
Clevere Details wie Klapp-Display, digitaler Sucher und Blitzschuh runden das Kamerapaket ab und lassen kleinere Mängel wie die fehlende Touch-Funktionalität und die leicht versehentlich entriegelbare Akkuklappe schnell vergessen. Letztlich gilt aber auch bei der FZ1000 die Gretchenfrage: Wie viel willst du für eine Kamera ausgeben und was erwartest du bei einer Kamera für gut 750 Euro. Wer auf Wechselobjektive und größere Sensoren verzichten kann und dennoch eine Profi-würdige Kamera mit Mobilitätsbonus kaufen möchte – von der 4K-Funktion ganz zu schweigen – dem sei die Panasonic Lumix DMC-FZ1000 wärmstens empfohlen.





























