Microsoft Surface Pro 2 im Test

von Ben Walther

· 7 min Lesezeit

Getreu dem Motto „Aus eins mach zwei“ stellte Microsoft knapp ein halbes Jahr nach dem ersten Surface Pro dessen Nachfolger vor. Nicht ohne Grund, schließlich gibt es endlich auch das neue Windows 8.1. Nach dem eher durchwachsenen Abschneiden des Vorgängers wollen die Entwickler aus Redmond nichts weniger bieten als das produktivste Tablet aller Zeiten. Vielmehr noch: Das Surface Pro 2 will Tablet und Ultrabook in einem sein. Ein großes Unterfangen, das nach dem ersten Blick auf die Haswell-Hardware realistisch erscheint.

Dass Microsoft seine Hausaufgaben offensichtlich gemacht hat, zeigt bereits der Blick aufs Datenblatt. Das größte Problem des ersten Surface Pro – die Akkulaufzeit – behebt der Umstieg auf die Haswell-Architektur. Ab sofort sollen wir bis zu neun Stunden fernab jeder Steckdose produktiv sein können.

Produktives, aber schweres Tablet

Pro
  • Leistungsstark
  • Hochwertig verarbeitet
  • USB-3.0- und Mini DisplayPort
  • Digitizer (Stylus)
  • Windows 8.1
Contra
  • Schwer
  • Schlechte Hauptkamera
  • Digitizer verdeckt Mini
  • DisplayPort, ist in den Ecken
  • ungenau und fällt zu schnell ab
Unsere Gesamtbewertung4

Ein ganz schöner Wonneproppen

Da will Microsoft das aktuell produktivste Tablet anbieten und vergisst im 979 Euro teuren Paket das Tastatur-Cover. Dieses ist aus meiner Sicht zum produktiven Arbeiten unabdingbar und leider nur optional für zusätzliche 100 Euro erhältlich. Damit müsst ihr für das Surface Pro 2 knapp 1.000 Euro auf den Tisch legen. Für dieses Geld gibt es bereits gut ausgestattete Notebooks oder Ultrabooks.

Der Lieferumfang meines Testkandidaten ist spärlich. Neben dem Microsoft Surface Pro 2 selbst liegen ein Stylus sowie das Ladegerät inklusive USB-Kabel bei. Die Ladevorrichtung wirkt im Vergleich mit dem Apple-Ladegerät fürs iPad wie ein großer Klotz.

Optisch unterscheidet sich Microsofts zweiter Streich nicht vom ersten Surface Pro. Die Form bleibt ebenso unangetastet wie das titangraue Gehäuse mit der Magnesiumlegierung VaporMg. Dieses gefällt mir gut und ist hochwertiger als die Kunststoffgehäuse von Galaxy Tab & Co.

Mit seinen 900 Gramm und den Abmessungen von 274,6 mal 172,5 mal 13,5 Millimetern ist das Surface Pro 2 schwerer und größer als seine Tablet-Konkurrenten, aber leichter als die meisten Ultrabooks. Verglichen mit dem ersten Surface Pro bringt es zehn Gramm weniger auf die Waage – immerhin. Der Grund für die wuchtigen Abmessungen: die Haswell-Hardware.

Nur gut, dass das Surface Pro eindeutig ein produktives Tablet ist, weniger ein Entertainment-Superstar. So stören das Gewicht und der füllige Körper nicht, sobald das Gerät auf dem Tisch steht oder liegt. Neben der flachen Liegeposition erweiterte Microsoft den bekannten Anstellwinkel um eine zusätzliche flachere Position. Damit lässt es sich besser tippen oder auf dem Schoß arbeiten.

Der Kickstand und das Scharnier machen einen soliden Eindruck. Das Surface steht sehr stabil, jedoch bietet der Klappständer nur zwei Einstellungen.

Finger oder Stylus – sofern ich ihn finde

Völlig unverändert übernimmt Microsoft das Display vom Vorgänger: Auch im Surface Pro 2 ist ein 10,6 Zoll großes IPS-Display mit einer Full-HD-Auflösung von 1.920 mal 1.080 Pixeln verbaut. Die Farben wirken satt, die Helligkeit überzeugt und dank IPS-Panel ist der ungetrübte Blick von der Seite auf das Display möglich. Wie die meisten anderen Tablets verfügt auch das Surface Pro 2 über ein spiegelndes Display.

Während die Bedienung per Fingertipp im Kachelmodus flüssig und problemlos von der Hand geht, komme ich im Desktop-Modus nicht um den Digitizer herum. Schriften und Schaltflächen sind zu klein, um sie beim ersten Versuch erfolgreich mit dem Finger zu treffen. Da erscheinen mir die Chancen auf einen Lottogewinn höher.

Zum Glück liegt dem Surface Pro 2, wie auch dem Vorgänger, ein Stylus bei. Dieser stammt von Wacom und eignet sich perfekt für handschriftliche Notizen sowie Zeichnungen während meiner Meetings und erleichtert die Selektion kleiner Auswahlflächen. Befestigt wird der Digitizer-Stift per Magnet am Stromanschluss. Dort sitzt er sicher – solange das Surface auf dem Tisch steht. Nur allzu leicht fällt er in anderen Situationen ab und geht dann in der Tasche verloren. Die Platzierung ist somit leider suboptimal.

Angedockt am Tablet verdeckt der Stylus außerdem den Mini DisplayPort. Sorry, Microsoft, das hättet ihr besser lösen können und müssen!

Ein Ultrabook im Tablet-Gehäuse

Das neue Microsoft Surface Pro 2 strotz nur so vor Kraft. Die verbaute Hardware könnte ihre Arbeit auch in einem Ultrabook verrichten. Den Takt gibt ein Core-i5-Prozessor von Intel der vierten Generation mit 2 mal 1,6 Gigahertz an, die bei Bedarf per TurboBoost auf bis zu 2,6 Gigahertz hochtakten. Ihm zur Seite steht Intels HD-Graphics-4.400. Während die 64-Gigabyte- und 128-Gigabyte-Variante auf 4 Gigabyte Arbeitsspeicher zugreifen können, sind es bei den Modellen mit 256 bzw. 512 Gigabyte Speicher ganze 8 Gigabyte RAM. Genug, um anspruchsvolle Aufgaben wie Grafik- und Videobearbeitung zu stemmen.

Anschlussfreudig zeigt sich das Surface Pro 2 mit seinem Mini DisplayPort und dem USB-3.0-Anschluss. Für kabellose Verbindungen stehen Bluetooth 4.0 und eine äußerst schnelle WiFi-Verbindung dank 2×2-MIMO-Antennen zur Verfügung. An der Unterkante sitzen die Kontakte für das optional erhältliche Tastaturcover und die Surface-Dockingstation.

Mit dem microSDXC-Speicherkarten-Steckplatz könnt ihr den internen Speicher um bis zu 64 Gigabyte erweitern. Schaue ich mir die Aufpreise für die einzelnen Modelle an, dürfte dies für viele Nutzer die attraktivere Lösung für mehr Speicher sein. Noch mehr Speicher bekommt ihr zwei Jahre lang gratis. In der Zeit stehen euch 200 Gigabyte des SkyDrive-Onlinespeichers zur Verfügung. Damit toppt Microsoft den 50 Gigabyte fassenden Dropbox-Speicher, den Samsung seinen Kunden bietet.

Windows 8.1 und Office Suite 365

Dank des vollwertigen Windows 8.1 könnt ihr mit dem Surface Pro 2 alle aus der Windows-Welt bekannten Programme nutzen. Ein deutlicher Vorteil gegenüber iOS und Android. Zudem stehen euch mit jedem neuen Microsoft-Tablet ein Jahr lang unbegrenzte Skype-Minuten zur Verfügung.

Viel interessanter für die meisten Käufer dürfte aber das einmonatige Gratis-Testpaket der  Office-Suite-365 von Microsoft sein. Dies wäre für mich der Hauptgrund, mir ein Surface zuzulegen. So kann ich von überall weiter an Dokumenten, Präsentationen oder Excel-Tabellen arbeiten.

Schlechte Kameras und leise Töne

Ganz so schlimm ist es nicht, aber die beiden verbauten 720-Pixel-Kameras enttäuschen auf ganzer Linie. Für Videotelefonie genügen sie zwar, aber selbst dafür bietet die Konkurrenz Frontkameras an, die besser ausgestattet sind als Microsofts Hauptkamera.

Das Surface Pro 2 kommt auf leisen Sohlen daher. Zwar ist der Klang der Stereolautsprecher klar und gut, doch wie bei den ersten Surface-Modellen enttäuscht die maximale Lautstärke.

Ausdauernder als der Vorgänger

Laut Herstellerangaben hält das Microsoft Surface Pro 2 bis zu neun Stunden durch – fast doppelt so lange wie der Vorgänger. Das verdanken wir der verbauten Haswell-Technologie. Jedoch gibt es Tablets, die eine deutlich längere Laufzeit aufweisen, denen fehlt es jedoch häufig an Leistung. Wie im wahren Leben kann man eben selten alles haben.

Im Test kam ich mit einem Mix aus Filmschauen, Spielen, Surfen und seltenen Office-Aufgaben auf knapp sechs Stunden Laufzeit. Ein guter Wert, auch wenn viele Konkurrenten ausdauernder sind. Ganz zu schweigen von den Ultrabooks, mit denen sich das Surface Pro 2 messen will.

Ein kurzer, wichtiger Hinweis: Mit der aktuellen Firmware könnt ihr die maximale Laufzeit leicht steigern.

Das produktivste Tablet aller Zeiten? Nur mit optionalem Keyboard

Das große Manko des Vorgängers – die bescheidene Akkulaufzeit – hat Microsoft dank Haswell-Technik erfolgreich behoben. Sie ist nicht überragend, aber besser.

Ist das Surface Pro 2 nun ein Tablet, ein Ultrabook oder ein Mix aus beiden? Eher Letzteres; schließlich bietet es Technik und Anschlüsse, die wir sonst nur in beziehungsweise an Ultrabooks finden, in Kombination mit der Mobilität und Handlichkeit eines Tablets. Zum Stichwort Handlichkeit sei noch erwähnt, dass das Surface Pro 2 sowohl für die Kategorie der Ultrabooks als auch für ein Tablet im Grunde viel zu dick ist. Wir verstecken unsere zusätzlichen Pfunde im Winter gekonnt unterm Pullover, das Surface Pro 2 kann sie nicht kaschieren. Trotzdem muss ich zugeben, dass Microsoft das Motto „Aus eins mach zwei“ sehr gut umgesetzt hat.

Letztlich haben die Entwickler aus Redmond das Surface Pro an den entscheidenden Punkte verbessert und mit einem aktuellen Prozessor bestückt. Für einen recht hohen Preis von 979 Euro bekommt ihr satte Leistung bei gleichzeitig sehr guter Akkulaufzeit in einem hochwertigen, aber voluminösen und schweren Gehäuse. Auch wenn dem Lieferumfang ein guter Stylus beiliegt, braucht es für den Anspruch des produktivsten Tablets aller Zeiten ohne Wenn und Aber ein Type oder Touch Cover, welche jedoch nur separat erhältlich sind. Damit steigt der Preis der Komplettlösung bereits auf 1.099 Euro.

Hauptabnehmer des Surface Pro 2 werden vor allem Firmen und Nutzer sein, die aus Softwaresicht nicht auf die Windows-Kompatibilität verzichten können. Das Surface Pro 2, zusammen mit einem entsprechenden Keyboard und dem beiliegenden Stylus ist endlich eine perfekte Grundlage, um mobil produktiv zu arbeiten.

Wenn euch das Surface Pro 2 zu dick, zu teuer und nicht ausdauernd genug ist und wenn ihr nicht die geballte Leistung eines Ultrabooks benötigt, solltet ihr das Surface 2 anschauen. Das findet ihr bereits für 429 Euro im Cyberport-Webshop.

Xiaomi 15TPro

Tablet & Smartphone im Test

von Stephanie Beyer

Xiaomi 15T Pro im Test: Oberklasse ohne Kompromisse?

Samsung Galaxy Tab A11+ 5G

Tablet & Smartphone im Test

von Stephanie Beyer

Samsung Galaxy Tab A11 Plus 5G im Test

Motorola Edge 70

Tablet & Smartphone im Test

von Stephanie Beyer

Motorola edge 70 im Test

Thumbnail Beitrag Samsung Galaxy S25 FE

Tablet & Smartphone im Test

von Simone Hartmann

Samsung GALAXY S25 FE im Test

Tumbnail Test Google Pixel 10

Tablet & Smartphone im Test

von Simone Hartmann

Google Pixel 10 Test – KI-stark und eines der besten Smartphones 2025

Nothing Phone 3 Test

Tablet & Smartphone im Test

von Simone Hartmann

Nothing Phone im Cyberport Produkttest

Lautsprecher & Kopfhörer im Test

von André Nimtz

Nachhaltig und klangstark? Our Pure Planet Signature Headphones im Test

Haushaltsgeräte im Test

von André Nimtz

Kompakter Kühl-Profi: Dometic CFF 18 Kompressorkühlbox im Test

Fernseher im Test

von Johannes Geissler

AWOL Vision LTV-3000 Pro: Der Ultrakurzdistanzbeamer mit 150 Zoll Diagonale im Test