Lenovo IdeaPad Yoga – Fazit und Bewertung

von Dirk Lindner

· 5 min Lesezeit

Lenovo IdeaPad Yoga – Fazit und Bewertung

Nachdem ich mich letzte Woche mit Lieferumfang und Verarbeitung des Lenovo IdeaPad Yoga beschäftigt habe, geht es heute vor allem um das Betriebssystem Windows RT. Unten stehend findet ihr aber zuerst einmal die wichtigsten Daten zu diesem flexiblen Notebook.

Technische Daten

  • 11,6 Zoll (1.366 x 768 Pixel) IPS-Touchscreen
  • 64 GB eMMC
  • 2 GB RAM
  • Nvidia Tegra 3-Chipsatz
  • Nvidia GeForce ULP
  • Windows RT
  • Office 2013 Home & Student Preview (keine kommerzielle Nutzung)
  • 739 Euro

Fazit

PRO
    Erstklassige Verarbeitung
    Lange Akkulaufzeit
    Überzeugendes Konzept
    Vier praktische Betriebsmodi
CONTRA
    Verbesserungswürdiges Betriebssystem
    Magere Softwareauswahl
    Spürbares Gewicht
Gesamtbewertung 4

Klappen, Falten & Hinstellen

Lenovo preist in der Werbung nicht weniger als vier Nutzungsarten für das IdeaPad Yoga an: Neben Notebook- und Tabletmodus spricht der Hersteller noch von Stand- und Zelt-Modus. Der Notebookmodus verwöhnt mit guter Tastatur und angemessen großem Touchpad, im Tabletmodus glänzt das IdeaPad mit seinem guten Bildschirm, starken Farben und hohen Aufsichtswinkeln. Ein Lagesensor richtet den Bildschirminhalt immer entsprechend der Haltung aus. Ganz gleich ob man im Tablet-Modus am Frühstückstisch im Hochformat in den aktuellen Nachrichten blättert oder abends – wie ich jetzt – noch ein paar Zeilen im Notebookmodus tippt – stets hat das IdeaPad die passende Antwort auf die Frage nach Notebook oder Tablet parat. Das vermeintliche KO-Kriterium Gewicht bewegt sich mit 1,2 kg zwar an der Schmerzgrenze, doch genau hier kommen die beiden weiteren Betriebsmodi ins Spiel: Im Standmodus ruht das IdeaPad auf der Tastatur, während sich der Bildschirm direkt vor dem Benutzer befindet. Obwohl ich es im Vorhinein als Spielerei abtat, macht jedoch genau dieser Faktor in der Praxis einen großen Unterschied – es macht sehr viel aus, ob sich der Bildschirm sozusagen vor oder hinter der Tastatur befindet. Durch den Stand-Modus muss der geneigte Nutzer das IdeaPad nicht ständig in der Hand halten, sondern stellt es bequem hin und kippt sich den Bildschirm in die gewünschte Position. Die Touch-Bedienung macht so besonders viel Spaß, da beide Hände frei sind und man nicht über die Tastatur hinweg langen muss. Der Zelt-Modus ähnelt dem Stand-Modus, allerdings steht das Convertible dabei nicht auf der Tastatur, sondern auf den Gehäuserändern. Dadurch lässt sich das IdeaPad auch bei nicht einwandfrei sauberem Untergrund gefahrlos aufstellen oder auch einfach beim Skype-Telefonat über die Stuhllehne hängen.

Tablet-Modus
Tablet-Modus
Zelt-Modus
Zelt-Modus
Stand-Modus
Stand-Modus
Notebook-Modus
Notebook-Modus

Windows RT – echte Alternative oder Notwindows?

Lenovo versieht das IdeaPad Yoga mit dem noch recht jungen Betriebssystem Windows RT. Dabei handelt es sich um eine auf ARM-Architektur, also der technischen Grundlage aktueller Smartphones und Tablets, hin optimierte Version. Diese gleicht in Optik und Bedienung dem Desktop-Pendant Windows 8, unter der Haube unterscheiden sich die Betriebssysteme aber doch stark: Während auf Windows 8 nahezu alle Windows-Programme installiert werden können, ist Windows RT technisch bedingt auf ARM-optimierte Programme beschränkt. Neben den bereits installierten Tools wie Evernote und Office finden sich weitere Programme im sogenannten Windows Store zum Download. Das Softwareangebot deckt derzeit wenig mehr als die Standardkost à la Angry Birds, TuneIn Radio und Dropbox ab. So fehlen weitere Browser wie Chrome gänzlich, zusätzlich scheint die Suchfunktion ein Problem zu haben. So suchte ich nach einem Twitter-Client, wurde aber mittels der Suchfunktion absolut nicht fündig. Sollte es etwa gar keinen Twitter-Client für Windows RT geben? Nach dem Hinweis eines Freundes brachte auch die Suche nach einem konkreten Programmnamen nichts zu Tage – erst die Suche im Internet Explorer und der Klick auf einen Link brachten mich zur gewünschten App im Windows Store. Die App war also definitiv vorhanden, ließ sich aber weder mit der Suche nach „Twitter“ noch der exakten App-Bezeichnung finden. Dies konnte ich beispielweise auch mit der Dropbox-App und weiteren Apps nachvollziehen. Was ist da los Microsoft? Das kann nicht sein! Der Windows Store und das Stöbern in Apps macht dementsprechend wenig Spaß. Mir ist es mit etwas Aufwand dann doch gelungen, die ein oder andere App zu installieren, sodass ich mich schließlich tatsächlich mit der Benutzung des Systems auseinander setzen konnte. Dank Tegra-3-Chipsatz läuft es stets flüssig, Ruckeln oder Hänger sind mir zu keinem Zeitpunkt aufgefallen. Die zur Bedienung notwendigen Gesten werden einem zwar nirgends erklärt, allerdings findet man deren Bedeutung recht schnell heraus und bedient Windows RT dann je nach Bedarf entweder per Touch oder per Trackpad.

Wie gut "klappt" es wirklich?

Bei der Bedienung fällt immer wieder die hohe Verarbeitungsqualität auf, die Lenovo abgeliefert hat. Das Gerät macht einen sehr soliden Eindruck, ohne schwer oder sperrig zu wirken, darüber hinaus ist es überaus dünn. Auch die Tastatur ist ein Kompliment an die schreibende Zunft: Trotz ihrer Kompaktheit lassen sich darauf auch längere Texte wunderbar schreiben. Die von Lenovo angepriesenen vier Betriebsmodi gehen nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über, man klappt, faltet und toucht dann, als hätte man nie etwas anderes gemacht. Hier stellte sich bei mir ein ähnlicher Aha-Effekt wie beim iPad ein: Zunächst als Spielzeug abgetan, überzeugte mich dieses dann relativ schnell im Praxiseinsatz – erst bei der tatsächlichen Benutzung wird klar, wie praktisch das Yoga wirklich ist. Oft sind es weiche Faktoren und keine harten Fakten, die ein Produkt ans Herz wachsen lassen, selbiges gilt auch für Lenovos IdeaPad Yoga. Dazu bringt es das IdeaPad auf erstaunliche dreizehn Stunden Akkulaufzeit, erlaubt also tatsächlich langfristig produktiven Einsatz. Das Betriebssystem gibt sich stets ruckelfrei, auch im Zusammenspiel mit einem weiteren Full-HD-Bildschirm geht es nicht in die Knie – lediglich die unterdurchschnittliche App-Auswahl und die mangelhafte Suchfunktion im Windows Store sind bedauerlich. Wünschenswert wären noch ein 3G-Modul für Datenkonnektivität fernab des heimischen WLAN, außerdem lege ich jedem Käufer das Slot-In-Case ans Herz: Dieses wird über den Tastaturteil gestülpt und schützt diesen vor Krümeln und anderen kleinen Gemeinheiten des Alltags; insbesondere da man das IdeaPad auf Grund seines Gewichts oft hinstellen oder ablegen möchte.

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