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Den ganzen Tag komfortabel Musik hören und dabei trotzdem immer ein offenes Ohr für seine Umwelt haben – so preist der für seine Knochenschall-Kopfhörer bekannte Hersteller Shokz seine neuesten Open-Ear-Kopfhörer an. Sie richten sich allem voran an Sportler, eigenen sich durch ihren Aufbau aber auch für all jene, die etwa mit klassischen In-Ear-Kopfhörern Probleme haben. Ich habe sie einige Zeit auf meine Ausflüge in die Natur mitgenommen und dabei einige Überraschung erlebt.
Pro & Contra
- Offenes Ohr
- Gute Sprachqualität
- Hoher Tragekomfort
- Lange Akkulaufzeit
- Sicherer Halt
- Teuer
- Zweckmäßiges Ladecase
- Kein Multipoint-Bluetooth
Ersteindruck: Großes Case mit kleinen Schwächen
Die OpenFit sind in Schwarz und Beige erhältlich und kommen, wie es heute für True Wireless Earbuds üblich ist, in einem schützenden Ladecase. Das lädt die Buds über den integrierten Akku bis zu drei Mal voll, bereits nach fünf Minuten im Case halten sie eine Stunde durch. Im besten Fall erreichen die OpenFit so eine Spielzeit von 28 Stunden. Die Ladeschale selbst wird über einen rückseitigen USB-C-Port geladen und zeigt das über eine kleine Status-LED auf der Vorderseite an. Der Ladevorgang der Earbuds wird nicht angezeigt. Ein Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang.
Leider wirkt das Case durch sein geringes Eigengewicht und den locker sitzenden Deckel, der sich zudem hohl anfühlt, sehr zweckmäßig. Im Vergleich wirkt die Ladeschale meiner Anker Soundcore, die ebenfalls aus Kunststoff besteht, spürbar wertiger. Die Oberfläche aus mattem Kunststoff ist zwar anfällig für Kratzer, gibt Fingerabdrücken aber kaum eine Chance. Praktisch ist, dass die Buds magnetisch festgehalten werden. Das Case fällt, bedingt durch die ausladende Bauform der OpenFit, vergleichsweise groß aus.
Shokz neueste True-Wireless-Earbuds verbinden sich über Bluetooth 5.2. Zum Zeitpunkt meines Tests unterstützen sie kein Multipoint-Bluetooth, ein für September vorgesehenes Firmware-Update soll das aber nachliefern. Ich konnte die Earbuds problemlos mit meinem iPhone, meiner Apple Watch und, obwohl vom Hersteller anders behauptet, auch mit meinem MacBook Pro verbinden.
Tragekomfort: Erschreckend leicht und bequem
Die OpenFit sind meine ersten Kopfhörer, die nicht dem klassischen In-, On- oder Over-Ear-Konzept folgen. Dementsprechend fühlt es sich zu Anfang befremdlich an, sie anzulegen und zu tragen. Sie werden nicht gesteckt oder aufgesetzt, sondern, ähnlich einer Brille, mit dem Bügel beginnend von vorne hinter das Ohr geführt. Trotzdem sollen sie auch für Brillenträger geeignet und bequem zu tragen sein.
Mit nur acht Gramm Eigengewicht ist jeder Bud derart leicht, dass ich schon nach kurzer Zeit vergessen habe, dass ich sie trage. Auch das Open-Ear-Design, das die Ohren nicht wie gewohnt verschließt, macht mir das leicht. Während meines ersten Ausflugs bin ich gelegentlich sogar sehr erschrocken, weil ich glaubte, sie verloren zu haben. Die Entscheidung, den Akku im hinteren Ende des ergonomischen Bügels unterzubringen, wirkt sich ebenfalls angenehm auf den Tragekomfort aus.
Insgesamt empfinde ich das Open-Ear-Design als überaus praktisch und habe es schon nach kurzer Zeit sehr zu schätzen gelernt. Trotz laufendem Podcast kann ich selbst den Regen, der auf die Blätter prasselt, noch deutlich hören. Apropos Regen: Dank IP54-Zertifizierung ist der, genau wie Schweiß, kein Grund sich um die OpenFit zu sorgen. Viel wertvoller ist aber, dass ich nicht Gefahr laufe, wichtige Umgebungsgeräusche zu überhören. Auch kurze Gespräche sind möglich, ohne die Wiedergabe zu pausieren. Gewöhnungsbedürftig ist, dass sich meine Dreadlocks den Platz hinter meinen Ohren nun teilen müssen.
Bedienung: Nur das Nötigste
Die Bedienung ist, gängiger Praxis entsprechend, zweigeteilt. Die direkte Steuerung der Musik sowie der Telefonie-Funktionen erfolgt über berührungsempfindliche Stellen an den Earbuds selbst. Dort sind (kaum) fühlbare Markierungen angebracht, die deren Bedienung vereinfachen sollen. Anpassungen am Equalizer, die Belegung der Touch-Tasten und die Installation von Firmware-Updates wurden in die kostenlose Shokz App ausgelagert. Dort stehen insgesamt vier vorkonfigurierte Equalizer-Modi zur Auswahl. Eigene Einstellungen können aber auch getroffen und in bis zu zwei zusätzlichen Profilen gespeichert werden. Abgesehen von der Installation eines Firmware-Updates gleich beim ersten Start habe ich die App lediglich zu (seltenen) Anpassungen der Equalizer-Modi verwendet. Leider trüben wiederkehrende und nichtssagende Fehlermeldungen den sonst guten Eindruck der App, die scheinbar aber keine Auswirkungen auf deren Funktion haben.
Meine Erfahrung mit der Bedienung an den Earbuds selbst gleichen leider jenen vieler Online-Renzensionen: Sie funktioniert nicht richtig. Mal wird ungewollt eine Berührung registriert, mal überhaupt nicht und ein anderes Mal stark verzögert reagiert. Ich habe mir allerdings schon immer schwer getan, weder fühl- noch sichtbare Tasten zu betätigen und verzichte deshalb meist gänzlich darauf. Die Möglichkeit, die Wiedergabe durch doppeltes Antippen eines Buds zu pausieren und fortzusetzen habe ich im Laufe der Zeit aber doch gerne genutzt.
Audioqualität: Hören und gehört werden
Dass die OpenFit keine Basswunder sind, ist ihnen schon auf den ersten Blick anzusehen. Auch der Equalizer-Modus, der den Bass verstärken soll, ändert daran nur wenig, lässt Musik insgesamt aber satter klingen. Der Sprache-Modus ist für mein Empfinden dagegen überflüssig und leider auch unbrauchbar. Sprache ist, sowohl beim Hören von Podcasts als auch Telefonieren, bereits im Standard-Modus einwandfrei zu verstehen. Das Sprache-Profil lässt sie dagegen unangenehm hoch, fast schon künstlich klingen.
Mit Ausnahme dessen erreichen die OpenFit, besonders im Hinblick auf die Bauweise, eine durchweg beeindruckende Tonqualität. Musik klingt immer gut – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Nie fallen blecherne oder verwaschene Klänge auf, nie entsteht der Eindruck, etwas nicht gehört zu haben. Auch die maximale Lautstärke empfinde ich als beachtlich. Sie reicht so weit, dass trotz offener Gehörgänge keine Umgebungsgeräusche mehr dorthin durchdringen. Das fühlt sich, hat man sich erstmal an offene Bauweise gewöhnt, schnell falsch an.
Durch diese bedingt lässt es sich bei höherer Lautstärke übrigens nicht vermeiden, dass Personen in eurer Nähe mithören können. Daran ändert leider auch die neue DirectPitch-Technologie nichts. Die soll die Tonqualität steigern und zudem die Privatsphäre erhöhen, in dem der Schall gezielt in Richtung der Gehörgänge gerichtet und Schalllecks reduziert werden.
Mikrofon: Telefonieren mit KI
Ein eingebautes Mikrofon gehört heute längst zum guten Ton und steckt, unabhängig von seiner Bauart-bedingten Eignung, in nahezu jedem Kopfhörer. Mit dementsprechend geringer Erwartungshaltung habe ich deshalb Telefonate mit den OpenFit geführt, wurde aber sehr positiv überrascht. Ich habe, abgesehen von einem kurzen Test, durchgehend im Standard-Equalizer-Profil telefoniert. Zu keiner Zeit hatte ich Probleme damit, meine Gesprächspartner zu verstehen. Außerdem empfinde ich es als äußerst angenehm, mich bei Telefonaten selbst klar hören zu können.
Wirklich beeindruckt hat mich, dass auch ich, als jemand, der generell sehr leise spricht, einwandfrei verstanden wurde. Das ist, bedenkt man die Distanz zwischen Mund und Mikrofon, erstaunlich. Möglich macht das „AI Noise Cancellation“, die Feinheiten der menschlichen Stimme erfassen und bis zu 99,7% aller Umgebungsgeräusche herausfiltern soll. Ich habe sowohl in meinem Büro als auch im Park telefoniert und wurde nahezu immer verstanden. In dieser Hinsicht unterscheiden sich meine Erfahrungen nicht von denen mit einem kabelgebundenen Headset.
Akku: Viel Ausdauer und trotzdem ein Glücksspiel
Die maximale Akkulaufzeit gibt Shokz selbst mit bis zu 28 Stunden an. Das ist natürlich ein Idealwert, der eher selten erreicht wird. Etwa 24 Stunden halte ich aber für einen durchaus realistischen – und guten – Wert.
Leider funktioniert der Ladevorgang im Case meiner Erfahrung nach nicht zuverlässig. Denn obwohl die LED unmissverständlich grün leuchtet, zeigt mir das Batterie-Widget auf meinem iPhone vor der Haustür nur noch 80 Prozent Füllstand an. Weitere zehn Minuten später ist er auf nur noch 70 Prozent gesunken. An meinem MacBook Pro, mit dem sich die OpenFit entgegen der Aussage des Herstellers ebenfalls verbinden lassen, zeigt sich ein ähnliches Bild.
Wirklich ärgerlich ist, dass sich zumindest mein (Vorserien-)Exemplar offenbar selbst entlädt. Nicht nur ein Mal ist es mir passiert, dass ich das Case nebst innenliegender Earbuds geladen ins Regal gelegt habe, nur um ein paar Tage später festzustellen, dass beide leer sind. So leer, dass sich weder der LED ein Lebenszeichen entlocken lässt, noch die Earbuds in der Bluetooth-Geräteliste erscheinen. Die Aussagekraft der Status-LED ist also wenigstens fraglich und nicht verlässlich. Das führt zu Misstrauen und einer zwar dezenten, aber konstanten Sorge über die Restlaufzeit.
In Bedrängnis bin ich, nicht zuletzt Dank der zuverlässigen Schnellladefunktion, dennoch nie geraten. Shokz gibt zudem an, dass die Problematik in den finalen Modellen nicht weiter besteht.
Mehr Open-Ear geht nicht
Die kabellosen LudBeat-Kopfhörer funktionieren, ohne eure Ohren auch nur zu berühren. Wie das funktioniert und was es mit den schwarzen Streifen auf sich hat, lest ihr in diesem Artikel:
Ratgeber Veröffentlicht am: 2. Juni 2021














