Digital Outfit der Woche: LuDBeat – Kopfhörer, die deine Ohren nicht berühren

von Maria Klipphahn

· 6 min Lesezeit

„Dreh die Musik nicht zu laut, sonst machst du deine Ohren kaputt!“, ist ein Satz, den wir alle wahrscheinlich schon von unseren Eltern oder Großeltern hören mussten. Doch so oft diese Aussage durch ein Augenrollen quittiert wurde, so berechtigt ist die Befürchtung.

Denn werden unsere Ohren zu lange mit lauter Musik beschallt, können unsere Haarzellen, also die Sinneszellen im Innenohr, durch die hohe Schallenergie „plattgedrückt“ werden. Auch Trommelfell oder Gehörknöchelchen können leiden, was dauerhafte Hörschäden zur Folge haben kann.

Doch was ist die Lösung? Einen Ansatz bietet LuDBeat, ein kabelloser Kopfhörer, der uns Musik ohne Kontakt zum Ohr scheinbar direkt im Kopf hören lässt.

Für Gesundheit, Sicherheit & Ästhetik

Man könnte tatsächlich meinen, die Erfinderinnen und Erfinder haben sich bei der Entwicklung der neuartigen Kopfhörer mit unseren Eltern und Großeltern abgesprochen. LuDBeat bedeckt die Ohren nämlich nicht – es berührt sie nicht einmal. Stattdessen überträgt das Gadget den Sound per Vibrationen über unsere Knochen. Dieser Übertragungsweg wird Knochenschall oder Knochenleitung (engl. „bone conduction“) genannt.

Doch wie funktioniert dieser Knochenschall genau? Der Ausgangspunkt liegt in der Physik: Schall kann nicht nur – wie auf herkömmlichem Wege – über Gase wie die Luft übertragen werden, sondern auch über Festkörper, in diesem Fall also unseren Schädelknochen.

Dazu wandeln die Kopfhörer die elektrische Energie des Audiosignals in mechanische Energie, also Vibrationen, um. Diese Vibrationen werden dann vom Kopfhörer auf unseren Schädelknochen und von dort direkt ins Innenohr übertragen, in dem unsere Hörsinneszellen liegen. Dadurch werden beispielsweise Gehörgang und Trommelfell von vornherein übersprungen und es entsteht der Eindruck, die Musik komme direkt aus dem Kopf.

Zum Vergleich: Bei der gewöhnlichen Musikübertragung über die Luft gelangen die Schallwellen durch den Gehörgang zum Trommelfell. Dieses beginnt zu schwingen und stößt die Gehörknöchelchen (Hammer, Steigbügel und Amboss) an, die im Mittelohr liegen. Über diesen mechanischen Anstoß gelangen die Schwingungen dann ins Innenohr.

https://www.youtube.com/watch?v=AOVsKttyb18

Ludbeat haftet kabellos vor oder hinter dem Ohr. Gespräche und Außengeräusche sind dadurch weiterhin wahrnehmbar. Quelle: twitter.com/ludbeatofficial
Ludbeat haftet kabellos vor oder hinter dem Ohr. Gespräche und Außengeräusche sind dadurch weiterhin wahrnehmbar. Quelle: twitter.com/ludbeatofficial

Musik "aus dem Kopf": Ein unglaubliches Klangerlebnis?

Genug mit der Theorie, kommen wir zur Praxis: Wie halten die LuDBeat-Kopfhörer kabellos am Kopf?

Damit die eben beschriebene Vibration der Kopfhörer übertragen werden kann, müssen sie vor oder hinter dem Ohr platziert werden. Dort haften sie kabellos und bügellos mithilfe eines Magneten, der mit einem transparenten Pflaster direkt auf die Haut geklebt wird.

Weil hier medizinischer Klebstoff verwendet wird, ist sowohl die Hautverträglichkeit als auch die Haftung garantiert: Mindestens vier Tage soll das Pflaster selbst bei Kontakt mit Schweiß oder Wasser halten.

https://giphy.com/gifs/OTpvBUUW66lCZposMI

Und was kann das handliche Gadget? Laut Informationen der Entwickler und Entwicklerinnen soll die Wahrnehmung der Musik durch die verwendete Technologie besonders gut sein. Weil der Sound nicht wie gewohnt über den Gehörgang transportiert wird, fühle es sich zudem so an, als käme die Musik direkt aus dem Kopf.

Ein besonders hochqualitatives und breit gefächertes Klangerlebnis sollte man dennoch nicht erwarten, denn unser Schädelknochen überträgt lediglich mittlere Frequenzen, die etwa zwischen 600 und 3.000 Hertz liegen. Für Podcasts oder Telefonate ist das auf jeden Fall ausreichend. Was jedoch die Musikwiedergabe angeht, muss sich wohl jeder ein eigenes Bild machen und die Kopfhörer selbst testen.

Auch über die Ästhetik der kleinen Stäbchen lässt sich sicher streiten. Der Komfort hingegen soll besonders Sportlerbegeisterte überzeugen, die von rutschenden oder drückenden Kopfhörern genervt sind. Zudem ist LuDBeat IPX7-zertifiziert, wodurch es theoretisch sogar beim Schwimmen oder Duschen zum Einsatz kommen kann.

Im Übrigen bringt die Übertragung des Klangs über Knochenschall neben der Ohrengesundheit weitere Vorteile mit sich. Weil die Kopfhörer die Ohren nicht verdecken, können Außengeräusche weiterhin über den Gehörgang wahrgenommen werden. Das kann in einigen Situationen praktisch sein. Zum Beispiel bleibt beim Auto- oder Radfahren die Sicherheit trotz Musikwiedergabe gewährleistet. Auch eine Unterhaltung ist nebenbei möglich.

Die Kopfhörer kommen in einem Case, das gleichzeitig als Ladestation dient & via USB-C aufgeladen werden kann. Quelle: Indiegogo
Die Kopfhörer kommen in einem Case, das gleichzeitig als Ladestation dient & via USB-C aufgeladen werden kann. Quelle: Indiegogo

Knochenschall: Eine neue, hippe Übertragungstechnik?

Auch wenn Knochenschall als Musik-Übertragungsweg für uns ungewohnt oder gar revolutionär erscheint, ist das Wissen darüber längst nichts Neues mehr. Dessen sind sich auch die Erfinder und Erfinderinnen bewusst und verweisen in einem Tweet auf Ludwig van Beethoven, der dank des Phänomens trotz seiner Taubheit komponieren konnte.

https://twitter.com/ludbeatofficial/status/1319151954648416256

Selbst im Alltag begegnet uns das Phänomen: Weil wir uns selbst beim Sprechen sowohl über den Knochenschall, als auch über die Luft hören, ist der Eindruck unserer Stimme für uns verzerrt. Hören wir uns hingegen eine Aufnahme unserer Stimme zum Beispiel über Lautsprecher (, also nur über den Luftweg) an, weicht dieses Klangbild von unserer gewohnten Wahrnehmung ab. Wir denken dann: „Ich klinge ja komisch“.

Auch anderswo wird die Knochenleitung genutzt, wie in Hörgeräten, anderen Audiogeräten oder auf der großen Bühne: beispielsweise halten sich Dirigenten die Stimmgabel an den Kopf und können durch die übertragenen Schwingungen die richtige Tonhöhe finden.

Fazit: Für wen eignen sich LuDBeat-Kopfhörer?

Die Meinungen zu LuDBeat werden sicher polarisieren: Ich vermute, dass gerade Noise-Cancelling-Liebhaber mit dieser außergewöhnlichen Art des Musikhörens schwer warm werden. Auch Optisch sind die Kopfhörer definitiv gewagt. Dieses „schwebende“ Stäbchen direkt im Gesicht muss man mögen – oder eben nicht.

Allerdings bietet das neue Gadget auch ganz klare Vorteile, die andere Kopfhörer nicht bieten können. Die bereits erwähnte Sicherheit, beispielsweise im Straßenverkehr, ist einer davon. Doch auch Menschen, die in lauten Umgebungen arbeiten und Gehörschutz tragen, können von der „Musik im Kopf“ profitieren. Außerdem ist da ja noch die Möglichkeit, beim Duschen oder Schwimmen Kopfhörer tragen zu können, was ich zugegebenermaßen ziemlich cool finde.

„Ziemlich cool“ fasst es meiner Meinung nach gut zusammen. Denn LuDBeat ist ein spannender Kopfhörer, der Musikhören neu denken will und auf jeden Fall faszinieren kann. Für Gadget-Geeks und Musikbegeisterte ist die Neuheit für derzeit 111 Euro sicherlich eine Investition wert. Momentan könnt ihr LuDBeat allerdings nur über kickstarter unterstützen oder auf Indiegogo vorbestellen. Die Auslieferung soll ab September 2021 erfolgen.

Was denkt ihr: Würdet ihr eure Kopfhörer gegen ein Modell von LuDBeat eintauschen? Ich bin gespannt, wie die Kopfhörer tatsächlich ankommen und ob sie auf dem Markt Fuß fassen werden. Eine große musikalische Revolution erwarte ich allerdings nicht – zumal es auch schon Knochenschall-Kopfhörer vor LuDBeat gab. Nur konnten die eben nicht im Gesicht „schweben“.

Mit LuDBeat könnt ihr beim Sport Musik hören, ohne euch von der Außenwelt abzuschotten. Quelle: twitter.com/ludbeatofficial
Mit LuDBeat könnt ihr beim Sport Musik hören, ohne euch von der Außenwelt abzuschotten. Quelle: twitter.com/ludbeatofficial

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