
Fair produziert, modular gebaut und leicht zu reparieren: Das Fairphone 5 im Test

Reparieren statt neu kaufen – so lautet die Devise des modular gebauten Fairphone, das nun in bereits fünfter Generation erschienen ist. Anders als üblich, werden dessen Bauteile nicht verklebt, sondern nur verschraubt, sodass sie leicht ausgetauscht werden können. Spezielles Werkzeug braucht es dazu nicht, ein gewöhnlicher Schraubendreher genügt. Das neueste Modell legt in dieser Hinsicht nochmals nach und erlaubt den Austausch von zehn Einzelteilen. Obendrauf erklärt der Hersteller, das nachhaltige Smartphone bis 2031 mit Updates versorgen zu wollen und verspricht ganze fünf Jahre Garantie.
Als jemand, der selbst großen Wert auf Nachhaltigkeit legt, spricht mich die Grundidee eines lang haltenden, fair und nachhaltig produzierten Smartphones sehr an. Nach vielen Jahren tiefer Verwurzelung im Apple-Ökosystem reizt mich zudem ein frischer Blick in die Android-Welt. Also habe ich mein iPhone zur Seite gelegt und das Fairphone 5 für einige Zeit zu meinem täglichen Begleiter ernannt. Wie es sich geschlagen hat, welche Stolpersteine es mir in den Weg gelegt und mit welch ungeahnten Überraschungen es mich begeistert hat, erfahrt ihr in diesem Bericht.
Licht und Schatten
- Nachhaltige Produktion
- Leicht zu reparieren
- 5 Jahre Garantie
- 8 Jahre Software-Updates
- Hochauflösende Frontkamera mit Autofokus
- Gute Connectivity (5G, WiFi 6E, Bluetooth 5.2 LE und Dual SIM)
- Wechselbarer Akku
- Fingerabdrucksensor überempfindlich
- Relativ groß und unhandlich
- Enttäuschende 50 Megapixel-Aufnahmen
Lieferumfang: Nur, was Du wirklich brauchst
Das Fairphone 5 wird in einer auffällig flachen Verpackung ausgeliefert. Im ersten Moment vermute ich, vielleicht eine Art Presse-Modell erhalten zu haben, dessen Verpackung sich von der für den Verkauf bestimmten unterscheidet. Tatsächlich ist aber der im Sinne der Nachhaltigkeit sehr reduzierte Lieferumfang Grund für den kleinen Karton. In dem liegen, neben dem Fairphone selbst, nämlich lediglich ein Quickstart-Guide und Sicherheitshinweise auf Papier. Wie Apple legt auch Fairphone weder Headset noch Netzteil bei, auch ein Kabel befindet sich nicht in der Verpackung. Ich begrüße das sehr, frage mich aber kurz, ob ich das Fairphone 5 versehentlich in ein ungeeignetes Netzteil stecken und so Schaden verursachen könnte.
Haptik und Handling: Das Fairphone 5 ist eine Wucht
Mein erster Gedanke ist: Das Fairphone 5 ist groß, dick und schwer. Obwohl im Inneren recht moderne Technik steckt, habe ich das Gefühl, ein eher altbackenes Smartphone in der Hand zu halten. Die abnehmbare Rückseite, die ich so zuletzt vor vielen Jahren erlebt habe, bestärkt diesen Eindruck. Immer wieder denke ich: So muss sich ein Senioren-Handy anfühlen.
Das Fairphone 5 ist, trotz der vielen austauschbaren Teile und des Verzichts auf Klebstoff, stabil gebaut. An keiner Stelle lässt sich das Gehäuse eindrücken oder ihm gar ein Knarzen entlocken. Auch der Kunststoff-Deckel auf der Rückseite sitzt fest. Fast ein wenig zu fest, denn es braucht wirklich Kraft und wenigstens beim ersten Mal auch Mut, ihn abzunehmen. Unter dem Deckel verbergen sich der herausnehmbare Akku und zwei Einschübe für eine nanoSIM- und eine microSD-Karte. Eine Zeitreise!
Schade ist, dass weder die nanoSIM- noch microSD-Karte bei eingelegtem Akku eingelegt beziehungsweise entnommen werden können. Das Fairphone muss dazu also ausgeschaltet werden. Der USB-C-Anschluss ist erwartungsgemäß an der Unterseite platziert und vermittelt mir einen vertrauenswürdigen Eindruck. Obwohl er zu den austauschbaren Teilen zählt, bin ich überzeugt, dass er nie seinen festen Sitz verlieren wird.
Die Frontkamera hat Fairphone in einer kreisrunden Aussparung des Displays untergebracht. Das wirkt, gerade im Vergleich mit der breiten Notch meines iPhone, ziemlich modern. Die Haupt- und die Weitwinkel-Kamera auf der Rückseite sind, wie schon beim Vorgänger, in einer Art dreieckigen, leicht aus dem Gehäuse ragender Insel zusammengefasst. Das erhöht die Wiedererkennung.
Bedienung: Fairphone 5 macht sich selbstständig
Auf der rechten Seite sind zwei Tasten zur Lautstärke-Regelung und eine weitere zum Ein- und Ausschalten untergebracht. Darin befindet sich ein Fingerabdruck-Scanner, der meistens gut funktioniert und dann auch sehr schnell arbeitet. Leider ist er auch ein wenig übereifrig, was dazu führt, dass das Fairphone 5 gefühlt ständig Eingaben vermutet und deshalb leichte, für mein Empfinden unangenehme Vibrationen von sich gibt. Ich bin wohl von Apples Taptic Engine verwöhnt.
Weil ausgerechnet diese Taste als einzige nicht aus dem Gehäuse herausragt, ist es auch ein Leichtes, sie ungewollt zu berühren und zu aktivieren. Es reicht, das Smartphone mittig in der rechten Hand zu halten, eine direkte Berührung mit dem Finger ist nicht nötig. Ich trage mein Smartphone unterwegs oft auch ohne es aktiv zu nutzen in der Hand und muss sehr darauf achten, das Fairphone 5 so zu halten, dass der Fingerabdruck-Sensor dabei nicht bedeckt wird. You’re holding it wrong!
In Verbindung mit dem glatten Rahmen und der Höhe von fast 16 Zentimetern, die einer komfortable Einhand-Bedienung sehr im Weg stehen, entsteht so gelegentlich das Gefühl, eine heiße Kartoffel in den Händen zu balancieren.
Während meines Tests kommt es außerdem vor, dass sich das Smartphone in meiner Tasche entsperrt oder Eingaben entgegennimmt. So wird etwa ein laufendes Telefonat auf Lautsprecher umgestellt und immer wieder der Bildschirm zur Eingabe von Eigentümer- und Gesundheitsdaten aufgerufen. Als langjähriger iPhone-Nutzer fällt es mir anfangs schwer mich daran zu gewöhnen, die Lautstärke nun plötzlich über rechtsseitige Tasten zu regulieren. Weil sich alle Tasten auf der gleichen Seite befinden, ist es mir nicht möglich, einhändig einen Screenshot zu erzeugen.
Kameras: 50 Megapixel-Sensoren in allen Kameras
Die Entscheidung für den Kauf eines Smartphones hängt heute maßgeblich von dessen Foto- und Video-Qualitäten ab. Zumindest auf dem Papier weiß das Fairphone 5 diesbezüglich zu beeindrucken. Optische und Elektronische Bildstabilisierung, 50 Megapixel in allen Kameras, Pro-, Super-Nacht- und Makro-Modus sind nur einige der Begriffe, die große Erwartungen wecken.
In der Praxis werden leider nicht alle Features diesen gerecht: Die Stabilisierung ist zwar gut und heute unabdingbar, stabilisiert Videos aber weniger als die meines drei Jahre alten iPhone 12. Aufnahmen mit 50 Megapixeln müssen immer wieder bewusst aktiviert werden und sind nur im 4-zu-3 Format möglich. Auch weisen sie augenscheinlich keine qualitativen Unterschiede zu den 12-Megapixel-Fotos auf und sind den rückseitigen Kameras vorbehalten. Aus meiner Sicht neigen sowohl die Haupt- als auch die Weitwinkel-Kamera dazu, leicht überzubelichten, wodurch besonders in hellen Bereichen Details verloren gehen.
In jeder der Kameras arbeitet ein 50 Megapixel-Sensor, Fotos werden aber standardmäßig mittels Pixel-Binning auf 12,5 Megapixel skaliert. Dabei werden mehrere Pixel zu einem zusammengefasst, wodurch zwar die Auflösung reduziert, zugleich aber die Low-Light-Performance erhöht wird.
In der Galerie seht ihr Beispiel-Aufnahmen, die ich mit dem Fairphone 5 aufgenommen habe. Die ersten zwei sind im „Hohe Pixel“ Modus, also mit 50 Megapixel aufgenommen, alle anderen mit den für Aufnahmen im 16:9 Format vorgegebenen 9 Megapixel. Ich habe mich grundsätzlich auf das Fairphone verlassen und keine manuellen Einstellungen vorgenommen.
Einen optischen Zoom, wie er inzwischen in einigen Smartphones der Konkurrenz verbaut ist, hat das Fairphone 5 nicht. Allerdings ist der zweifache, digitale Zoom durchaus zu gebrauchen. Alles darüber hinaus ist allenfalls, wenn überhaupt, zu Dokumentationszwecken zu gebrauchen.
Die Kamera-App wirkt auf mich etwas überladen und unaufgeräumt. Hinter dem Zahnrad-Symbol verbergen sich auffallend wenige Einstellungen, dafür sind unzählige Optionen über alle Ecken und Kanten des Bildschirms verteilt. Foto und Video mitgezählt, stehen insgesamt neun Modi zur Auswahl, aber nur fünf davon können in der Schnellansicht angezeigt werden. Abzüglich Foto und Video kann ich drei davon selbst festlegen. Zu den neun Kamera-Modi gesellen sich 21 Szenen-Profile, die zum Motiv passende Einstellungen enthalten und manuell, aber auch automatisch mittels AI-Erkennung aktiviert werden können.
Ein Nachtmodus ist heute kaum mehr wegzudenken und auch im Fairphone 5 vorzufinden. Dessen Leistung lässt den Wow-Effekt der ersten Nachtmodi-Aufnahmen zwar vermissen, liefert bei Verwendung mit der Hauptkamera aber gute Ergebnisse. Das gilt sowohl für die Automatik, als auch den Super-Nacht-Modus. Leider lässt die Qualität stark nach, wenn die Aufnahmen stattdessen mit der Weitwinkel-Kamera gemacht werden. Texturen sind verwaschen, Farben wirken unnatürlich und die Aufnahmen haben insgesamt nur noch wenig mit der Realität gemeinsam.
Sowohl die Aufnahmen im Super-Nacht- als auch im Automatik-Modus gefallen mir sehr gut. Unterschiede sind oft nur schwer auszumachen. Beide hellen nicht einfach nur auf, sondern behalten auch die Lichtstimmung bei. Aufnahmen bei Dunkelheit sind also auch als solche zu erkennen und entsprechen, Weitwinkel ausgenommen, so manches Mal viel eher der Realität, als die Nachtaufnahmen meines iPhone 12. Mir gefällt, dass zwar mehr zu sehen ist, dabei aber weiterhin die Dunkelheit zu erkennen ist. Das iPhone scheint hier lediglich die Muskeln spielen lassen zu wollen und hellt ohne Rücksicht auf Verluste soweit auf wie nur möglich.
Auch den integrierten Makro-Modus empfinde ich als große Bereicherung, erspart er mir doch das Mitführen entsprechender Aufsteck-Linsen.
Ratgeber Veröffentlicht am: 1. Februar 2023
Display: Großes OLED-Display mit 90 Hertz
Das Display des Fairphone 5 wurde gegenüber dem Vorgänger in vielerlei Hinsicht verbessert. Erstmals setzt Fairphone auf ein OLED-Display, das sattere Farben, höhere Kontraste und bessere Schwarzwerte bietet. Es ist mit 6,46 Zoll leicht gewachsen, löst mit 1.224 mal 2.700 Pixeln auf und unterstützt eine 90-Hertz-Bildwiederholrate. Sowohl der Blickwinkel als auch die Farbwiedergabe sind sehr gut und das Panel mit bis zu 880 Nits (Peak) auch im Freien ausreichend hell. Erstmals ist auch ein Always-on-Modus an Bord, der es mir ermöglicht, Informationen auf dem Sperrbildschirm abzulesen, ohne das Fairphone 5 entsperren zu müssen.
Sound: Unausgeglichene Lautsprecher
Im Fairphone 5 sind Stereo-Lautsprecher verbaut, denen es, wie wohl jedem Smartphone-Lautsprecher, an Bass fehlt. Sie klingen außerdem leiser als die meines iPhone 12 und der Unterschied zwischen den Lautsprechern ist deutlicher zu vernehmen. Bei quer gehaltenem Smartphone kommt das der Akustik, die etwa dann zu hören ist, wenn sich nach dem Schwimmen noch etwas Wasser in einem Ohr befindet, recht nahe.
Akku: Mehr Kapazität und Laufzeit
Gegenüber dem Fairphone 4 ist der Akku auf 4.200 Milliampere-Stunden gewachsen. Er lässt sich zwar nicht kabellos, aber mit bis zu 30 Watt schnell laden. Im besten Fall genügen 20 Minuten, um den Akku bis zur Hälfte zu laden. Auch er lässt sich austauschen.
Um die Laufzeit des Akkus zu messen führe ich keine Benchmarks aus, verlasse mich aber auch nicht einfach auf Zahlen. Stattdessen messe ich, wie lange ich das Smartphone nutzen kann, bevor es ausgeht. Für gewöhnlich nutze ich mein Smartphone zum Hören von Podcasts, dem Aufnehmen von Fotos und Videos, Social Media und sehr wenig Telefonie. Meine erste Messung beginne ich mit 100 Prozent an einem Donnerstag um 16 Uhr. Nicht ganz zwei Tage später, am darauffolgenden Samstag, verlässt mich das Fairphone 5 zwischen 14:30 Uhr und 14:45 Uhr.
Meine zweite und letzte Messung beginne ich noch am Abend des gleichen Tages mit 100 Prozent um 19:15 Uhr. Dieses Mal hält der Akku bis zum Morgen des Dienstag durch, bevor das Smartphone um 09:05 Uhr automatisch herunterfährt. Vor dem Test ändere ich keine Einstellungen am Fairphone, sie entsprechen also den Werkseinstellungen. Die erreichten Werte sind wesentlich besser als jene, die ich mit meinem iPhone erreiche, das ich inzwischen mehrmals täglich zwischenlade.
Nachhaltige Fertigung: Der bisher fairste Akku
Nach Angaben des Herstellers handelt es sich übrigens um den bisher fairsten Akku. Das darin verwendete Kobalt wird zu 100 Prozent aus dem Kleinbergbau unter verbesserten Arbeitsbedingungen gewonnen. Außerdem wurden faires Lithium und 100 Prozent Fairtrade-Gold integriert. Sogar die Lötpaste besteht vollständig aus recyceltem Zinn, weiter sind 80 Prozent Recycling-Stahl und -Nickelliegierung sowie 75 Prozent recycelte Kunststoffe enthalten. Vorbildlich!
Leistung: Ungewöhnlicher Chipsatz
Auch beim Chipsatz geht Fairphone einen einzigartigen Weg und setzt auf einen Qualcomm QCM6490, der eigentlich für IoT-Geräte wie etwa Selbstbedienungs-Terminals entwickelt wurde. Der Prozessor verfügt über acht Rechenkerne, wovon einer eine Taktrate von bis zu 2,7 Gigahertz erreicht. Drei weitere liegen mit bis zu 2,4 Gigahertz nur leicht darunter, die übrigen vier sollen mit 1,9 Gigahertz beim Energiesparen helfen. Als Grafikchip kommt ein Adreno 643 zum Einsatz. Die Wahl des Chipsatz ist sicher auf den langen Software-Support seitens Qualcomm zurückzuführen.
Hardware | |
|---|---|
Interner Speicher | 256 GB (Mit microSD erweiterbar auf bis zu 2 TB) |
Arbeitsspeicher | 8 GB |
Prozessor | Qualcomm QCM6490 mit bis zu 2,7 Ghz |
Grafikchip | Qualcomm Adreno 643L |
Display | 6,64 Zoll OLED |
Auflösung | 1.224 x 2.700 Pixel |
Pixeldichte | 459 PPI |
Bildwiederholfrequenz | 90 Hz |
Hauptkamera | Sony IMX800 50 Megapixel f/1.88 |
Weitwinkelkamera | Sony IMX858 50 Megapixel f/2.2 |
Selfiekamera | Samsung JN1 50 Megapixel f/2.45 |
Konnektivität | 5G, LTE, WiFi 6E, Bluetooth 5.2 LE, NFC, GPS |
Lautsprecher | Stereo (SBC, AAC, APTX, APTX HD, LDAC) |
Akku | 4200 mAh |
Anschluss | USB-C 3.0 (OTG fähig) |
Schutz | IP55 (Regen) |
Besonderheiten | Modulare Bauweise, Faire Produktion, 8 Jahre Software-Updates, 5 Jahre Garantie |
Software: Das Fairphone 5 ist schnell einsatzbereit
Für eine möglichst vollständige Erfahrung installiere ich sämtliche Apps, die ich regelmäßig in meinem Alltag auf meinem iPhone verwende, auch auf dem Fairphone. Darunter fallen auch empfindlichere Anwendungen wie mehrere Banking-Apps und Authenticator. Weil sowohl mein iPhone als auch das Fairphone 5 Multi-SIM über eine physikalische und eine eSIM unterstützen, übertrage ich sowohl meine Privat- als auch meine Geschäftsnummer auf das Fairphone. Dabei verliere ich, aus eigener Unachtsamkeit, Teile des Chat-Verlaufs aus WhatsApp. Das ist natürlich nicht ideal, für mich aber leicht zu verschmerzen.
Leider ist es mir, obwohl sich die Banking-Apps anstandslos konfigurieren und nutzen lassen, nicht möglich, Google Pay einzurichten. Der Vorgang bricht mit der Warnung, dass das Smartphone nicht den für kontaktloses Bezahlen erforderlichen Sicherheitsstandards entspricht und unter Umständen gerootet ist, ab.
Abgesehen von der Möglichkeit, Zahlungen mit dem Handy durchzuführen ist das Fairphone 5 aber binnen weniger Minuten soweit eingerichtet, dass es alle notwendigen Funktionen meines iPhones erfüllen kann. Das habe ich mir sehr viel schwieriger vorgestellt.
Betriebssystem: Android 13 (fast) ohne Bloatware
Ich freue mich über Fairphones Entscheidung, für das Betriebssystem auf ein reines Android 13 zu setzen. Lediglich eine einzige App, die als eine Art Zentrale für Fairphone Neuigkeiten und Anleitungen dient, hat der Hersteller ergänzt. Die Bedienung ist durchweg flüssig und schnell erlernt, als iPhone-Nutzer brauche ich aber einige Tage, um die in iOS oft genutzte Swipe-To-Go-Back Geste nicht mehr anzuwenden. Außerdem fehlt mir Tap-To-Wake. Zwar kann ich in den Einstellungen eine ähnliche Funktion aktivieren, allerdings funktioniert sie so unzuverlässig, dass ich schnell davon absehe, sie weiter zu verwenden.
Games: Schwache Gaming-Performance
Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich realisiert und vor allem akzeptiert habe, dass die Zeit, in der mich Videospiele zu begeistern vermochten, vorbei ist. Mit zunehmendem Alter verschieben sich Interessen und ich widme mich nun anderen (und leider auch teureren) Hobbys. Gaming auf dem Smartphone war für mich aber noch nie ein reizvolles Thema, deshalb fasse ich auch meinen Test diesbezüglich entsprechend kurz:
Asphalt 9 läuft flüssig, schnell und in ansprechender, aber auch hektischer und Effekt-überladener Optik. Gelegentlich werden Hintergrund-Elemente verzögert geladen und erscheinen abrupt auf dem Bildschirm.
Genshin Impact, das mich als Zelda- und Final-Fantasy-Fan zugegebenermaßen doch reizt, stürzt, nachdem es über Stunden hinweg fast 30 Gigabyte Daten geladen hat, kurz nach der Eingangssequenz zuverlässig ab. Über die Charakter-Wahl und die Vergabe eines Namens komme ich auf dem Fairphone 5 erst hinaus, nachdem ich, plattform-unabhängiger Savegames sei Dank, auf meinem iPhone 12 weitergespielt habe.
PUBG Mobile entspricht optisch genau dem, was ich mir unter einem Handy-Spiel vorstelle und langweilt mich derart, dass ich Erleichterung empfinde, nachdem ich es mitten im Spiel beende. Spiele, deren einziges Ziel darin besteht, möglichst viele Tode zu verantworten, waren aber auch noch nie mein Fall.
Desktop-Modus: Fairphone 5 als Desktop-Ersatz
Seit ich zum ersten Mal vom Asus Padfone gehört habe, begeistert mich der Gedanke, Funktionen mehrerer Geräte in einem einzigen zu vereinen. Das Fairphone überrascht mich in dieser Hinsicht gleich zwei Mal sehr positiv.
Die Idee, das Smartphone auch als Desktop-Ersatz einzusetzen ist nicht neu. Erstmals davon gehört habe ich vor vielen Jahren im Zusammenhang mit Ubuntu Touch. Genauso zufällig, wie ich über den Desktop-Mode stolpere, habe ich ein passendes USB-C-Dock in der Schublade liegen. Es wirkt nahezu magisch auf mich, aus meinem Smartphone mit nur einem einzigen Kabel einen Schreibtisch-Computer zu machen. Ich bin so begeistert, dass ich das Dock mehrfach ein- und ausstecke, nur um dabei zuzusehen, wie sich Android auf meinem Monitor dynamisch an die Bedienung mit Maus und Tastatur anpasst.
Zum Desktop-Ersatz taugt die Funktion zwar (noch) nicht, für die Eingabe längerer Texte ziehe ich die Konstellation aber ganz klar der Smartphone-Tastatur vor.
USB-C-Monitor: Fairphone 5 als Display für Kameras
Ich filme gelegentlich mit einer Sony ZV-E10. Die Kamera besitzt ein Klapp-Display, das grundsätzlich zwar praktisch ist, bei etwas größerer Entfernung aber nur noch schwer zu erkennen ist. In Verbindung mit der App Monitor+ lässt sich das Fairphone 5 als Field-Monitor mit der Kamera verbinden, die sich sogar darüber bedienen lässt. Kabellos, Dank USB-C aber auch kabelgebunden und damit nahezu ohne Latenz. Ich bin begeistert!
Reparierbarkeit: Mit wenigen Handgriffen selbst repariert
Fairphones lobenswertes Alleinstellungsmerkmal sind die großen Bemühungen ein nachhaltiges und durchweg fair produziertes Smartphone zu entwickeln. Die beginnt bei der Materialwahl, setzt sich über faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung fort und reicht mit langem Software-Support und der modularen Bauweise bis in die Hände seiner Nutzer.
Ich lasse es mir nicht nehmen, den Austausch eines Moduls durchzuspielen. Genau wie auf der Webseite des Herstellers vorgeführt, entscheide ich mich dazu, die Hauptkamera auszubauen.
Guess what? Es ist auch genauso einfach, wie dargestellt. Insgesamt müssen, Back-Cover inklusive, nur zwei Abdeckungen entfernt, sieben gleich große Schrauben mit handelsüblichem Kreuzkopf herausgedreht und ein gestecktes Kabel gelöst werden. Jedes Unbehagen dabei verfliegt zudem mit der Gewissheit, im schlimmsten Fall nicht das ganze Smartphone, sondern lediglich ein Einzelteil ersetzen zu müssen.



























