Der große In-Ear-Test (Teil 1): Creative EP-630 & Apple In-Ear-Kopfhörer

von dominik-briselat

· 6 min Lesezeit

Der große In-Ear-Test (Teil 1): Creative EP-630 & Apple In-Ear-Kopfhörer

Wer macht das Rennen in der Unter-50-Euro-Kategorie?
image

Beginnen möchte ich die Testreihe mit den Creative EP-630 und den Apple In-Ears, von mir auch liebevoll als „Discounter-In-Ears“ bezeichnet. Diese Ohrhörer stellen für viele den Übergang von den normalen Ohrhörern zu den Canalphones – also Ohrhörern, die im oder am Gehörgang sitzen – dar. Allerdings wird der Test dieser Modelle kompakter ausfallen, da ich mich voll und ganz den hochpreisigen IEMs („in ear monitors“) widmen möchte.

Creative EP-630

Technische Daten
Treiber: 8-mm-Neodym-Magnet-Treiber (Membran)
Empfindlichkeit (1 kHz): 106 dB SPL/mW
Impedanz (1 kHz): 16 Ohm
Abgedeckter Frequenzbereich: 6 Hz bis 23 kHz
Kabellänge: 120 cm
Gewicht: 9 g
Farben: schwarz und weiß

image

Hörerlebnis
Der Membrantreiber der EP-630 ist von Haus aus auf Extreme abgestimmt, nämlich Höhen und Tiefen. Und, nein, diese erlebt man nicht etwa abwechselnd beim Musikhören, sondern kontinuierlich in Form von überbetonten Frequenzen. So sind die Höhen selten extrem scharf und meist sehr klar und präzise, aber im Vergleich zu den Vocals, also den Mitten, deutlich überbetont. Die angesprochenen Mitten geraten so ins Hintertreffen und klingen teils etwas „matschig“. Darauf folgt gleich das nächste Extrem: der Bassbereich einschließlich den unteren Mitten. Dieser ist bei den EP oft zu stark betont – die Anhebung hier dürfte wohl nahezu +15 bis 20 dBr betragen. Zwar eignet sich dieses Soundprofil wunderbar für bassliebende iPod-Besitzer, aber mit wirklich gutem Klang hat es selten etwas gemein.

Deshalb wurde der EP-630 aber auch im unteren Preissegment eingeordnet. Klangfetischisten und Audiophile bedienen sich bei der Auswahl eines passenden Kopf- oder Ohrhörers sowieso bei „den Hundertern“. So entspricht der EP-630 mit seiner spaßigen „Badewannenabstimmung“ – viele Bässe, wenig Mitten, viele Höhen – genau seiner Zielgruppe, nämlich Jugendlichen, die nicht viel Geld für exzellenten Klang ausgeben (hierzu habe ich mal ein bisschen herumgefragt), die aber auch nicht auf Grund des häufig engen Geldbeutels mit Dauerrauschen und schneidenden Höhen (wie es z.B. die Standard-iPod-Buds haben) bestraft werden möchten. So ist für diese der EP-630 mit seinem auch teils detailreichen Klang eine gute Wahl. Wer aber nicht auf die nahezu komplett zu vermissende Bühne verzichten will, muss tiefer in die Tasche greifen.

Zubehör

  • Silikonaufsätze (1 x S, 1 x M, 1 x L)

    Das Zubehör ist zwar für den Preis von ca. 25 Euro angemessen, aber nicht überragend und sehr spartanisch. Zumindest eine Spule zum Aufwickeln wäre ein intelligentes und preislich gerechtfertigtes Accessoir. Zudem sind die Silikonpads sehr, sehr dünn.

    Komfort
    Das wohl größte Plus der EP-630 ist, dass sie wirklich jedem passen! Ich kenne niemanden, der sich bisher in dieser Richtung negativ über die EPs geäußert hat. Für diese universelle Anpassung hat man als Hörer aber auch einen immensen Preis zu bezahlen, denn die Isolation der Creatives ist wirklich nicht die beste. Mit Müh und Not werden so knapp bis zu -10 dB erreicht. Vielleicht sind die EP-630 aber gerade deswegen bei Einsteigern so beliebt, denn man muss sie nicht tief ins Ohr schieben – viele Menschen empfinden dies (zuerst) als sehr unangenehm. So kommt es aber zu einem weiteren negativen Punkt der Creatives: Auf Grund ihres geringen Eindringens fallen sie sehr leicht aus den Ohren (besonders beim Joggen). Dieses Manko wird anschließend noch durch den fehlenden Schieber zur Einstellung der Kabellänge und des Kabelverlaufs ausgeweitet. Im Gegensatz hierzu steht aber die Geräuschlosigkeit des gummierten Kabels.

    Verarbeitung
    Die EP-630 sind von oben bis unten mit einer elastischen Gummischicht überzogen, die die Gesamtkonstruktion trotz ihres doch sehr dünnen Kabels stabil hält – im Vergleich zu den Mitbewerbern ist das Kabel das wohl elastischste und auch, denn die Kabel der Apple In-Ears scheinen bei Kälte nämlich zu versteinern. Weitere Stabilität und Qualität vermitteln die kleinen Aluminiumringe an den Monitoren, die den Membrantreiber in Position halten. Der hier recht positive Gesamteindruck kann aber dennoch nicht ganz das Gefühl wettmachen, es mit einem minderwertigen Plastikspielzeug zu tun zu haben.

    Fazit
    Für den Durchschnittshörer stellen die EP-630 wohl die beste Wahl dar. Mit einem Marktpreis von unter 25 Euro und der gebotenen Leistung können sie sich sehen lassen. Der Eindruck, dass es sich bei den EP-630 um einen In-Ear-Hörer handelt, wird von Anfang an gut vermittelt. Die Abgrenzung hin zu den offenen Ohrhörern ist deutlich hörbar – wenn auch oft in Form von viel, viel, viel Bass! Wer auf detailgetreue Wiedergabe wert legt, sollte sich eher in Richtung des Segments ab 100/150 Euro aufwärts orientieren. Ohrhörer darunter streben i.d.R. keinen linearen Klang an.

    Kleiner Tipp: Falls man sich die EP-630 neu zulegt, erst ca. fünf bis sechs Stunden oder etwas länger mit White- und Pink-Noise einspielen (viele werden dies auch in Form von Krizzeln im Radio kennen).

    Apple In-Ears

    Technische Daten
    Treiber: k.A. (Neodym-Magnet-Treiber; Membran)
    Empfindlichkeit (1 kHz): k.A.
    Impedanz (1 kHz): k.A.
    Abgedeckter Frequenzbereich: k.A.
    Kabellänge: ca. 110 cm
    Gewicht: k.A.
    Farben: weiß

    image

    Hörerlebnis
    Wie die Creatives haben die Apples einen angehobenen Bass – allerdings nur um ca. +10 dBr. So wird das Hören allgemein angenehmer. Dazu kommen noch die ebenfalls leicht angehobenen Mitten, die die Vocals hervordringen lassen. Die Höhen sind etwas abgesenkt und wirken deshalb nicht klirrend oder unangenehm. Auch die Bühne ist etwas größer, die Stimme und eine Vielzahl von fast untrennbaren Instrumenten sitzt aber weiterhin etwa in der Mitte des Kopfes. Wie man sieht, sind die Apple In-Ears schon etwas besser abgestimmt, aber den gewonnenen positiven Einflüsse rinnen wieder dahin, wenn man den Klang weiter analysiert. Manchmal werden Passagen recht unpräzise wiedergegeben – hier könnte ich auch mein Lieblingswort „matschig“ wunderbar anbringen. So hat auch der Apple-In-Ear-Kandidat etliche Ecken und Kanten.

    Zubehör

  • Silikonaufsätze (1 x S, 1 x M, 1 x L)
  • Aufbewahrungs-Case

    Für fast 40 Euro bieten die Apple In-Ears auch etwas mehr Zubehör als der EP-630. So liegt hier eine halbtransparente Box mit weißem Boden und Spulenelement bei. Auch die Silikonaufsätze erscheinen etwas fester und hochwertiger. Wie beim Creative In-Ear werden dem Hörer auch hier drei verschiedene Größen zur Verfügung gestellt.

    Komfort
    In Sachen Komfort unterscheiden sich für mich die Apple In-Ears nicht von den EPs. Da ich aber in einem solchen Test zum weiteren Nachforschen verpflichtet bin, muss ich leider sagen, dass es nicht allen so geht wie mir. Die asymmetrischen Silikonaufsätze scheinen vielen Mitmenschen einige Probleme zu bereiten. Bei vielen halten die Apples gar nicht erst in den Ohren, bei anderen rutschen sie nach der ersten Kopfdrehung heraus. Der Klang bei solchen Problemen ist natürlich sehr mäßig, weshalb ich hier leider keine gute Wertung für die In-Ears unserer Freunde aus Cupertino abgeben kann. Auch wenn sie im Gegensatz zu den Creatives einen Kabelschieber bieten, rüttelt dieser nicht am Gesamtbild. So haben hier die Apple In-Ears das Nachsehen. Die Isolationsleistung ähnelt also bei gutem Sitz etwa jener der EPs, bei schlechtem Sitz ist sie fast gleich null.

    Verarbeitung
    Hier herrscht fast absoluter Gleichstand, die Materialien sind nahezu identisch – sogar der Aluminiumring wird verwendet. Allerdings können die EP mit eine Nasenlänge oder besser gesagt: mit einem Stück Kabel Vorsprung gewinnen. Denn das 10 Zentimeter längere und eher frostresistente Kabel der EPs erweist sich im Alltag als äußerst praktisch. Bei den Apple In-Ears herrscht sozusagen eine allgemeine Spannung (zwischen iPod und Ohr, da irgendetwas immer am Kabel zieht).

    Fazit
    Für mich persönlich ist der Apple In-Ear mit seiner angenehmeren und abgeklärteren Signatur, die ungewöhnlicherweise nicht in das „Badewannenprofil“ fällt, das bessere Canalphone, aber da neben meiner Ansicht noch viele andere im Raum stehen, die auch mit einbezogen werden wollen, macht hier der EP-630 das Rennen. In weiten Teilen ist es ein dichtes Kopf-an-Kopf-Rennen, der Komfort macht aber schließlich den entscheidenden Unterschied. Ein Ohrhörer, der bei fast der Hälfte der Befragten aus dem Ohr fällt, ist schlichtweg nicht akzeptabel.

    image

    Anzeige: Anzeige:
    image image
  • Thumbnail Beitrag Samsung Galaxy S25 FE

    Tablet & Smartphone im Test

    von Simone Hartmann

    Samsung GALAXY S25 FE im Test

    Tumbnail Test Google Pixel 10

    Tablet & Smartphone im Test

    von Simone Hartmann

    Google Pixel 10 Test – KI-stark und eines der besten Smartphones 2025

    Nothing Phone 3 Test

    Tablet & Smartphone im Test

    von Simone Hartmann

    Nothing Phone im Cyberport Produkttest

    Lautsprecher & Kopfhörer im Test

    von André Nimtz

    Nachhaltig und klangstark? Our Pure Planet Signature Headphones im Test

    Haushaltsgeräte im Test

    von André Nimtz

    Kompakter Kühl-Profi: Dometic CFF 18 Kompressorkühlbox im Test

    Fernseher im Test

    von Johannes Geissler

    AWOL Vision LTV-3000 Pro: Der Ultrakurzdistanzbeamer mit 150 Zoll Diagonale im Test

    Gadgets im Test

    von André Nimtz

    Nie mehr allein zuhause: enabot EBO X Überwachungsroboter im Test

    Gaming-Hardware im Test

    von Sarah Park

    ROG Ally im Test: Was taugt das erste Gaming-Handheld mit Windows 11?

    Monitore & Bildschirme im Test

    von André Nimtz

    Office-Ergonomie pur: EIZO FlexScan EV3240X 4K-Monitor im Test