Angetestet: Das Surface Pro 4 von Microsoft

von André Nimtz

· 8 min Lesezeit

Es ist mal wieder Surface-Time und ein laut gellendes „Jaaaaaaaa“ durchdrang das Redaktionsbüro, als mir die Frage angetragen wurde, ob ich denn das neue Surface Pro 4 testen wolle. Natürlich wollte ich, schließlich war ich bereits bei der Keynote hellauf begeistert vom Produktvideo und bin nun mehr als nur gespannt, ob die vierte Generation des Microsoft-Tablets dem Vorab-Marketing-Bohei gerecht wird.

Auf dem Datenblatt sieht es schon einmal ganz danach aus: Intel-Prozessor der sechsten Generation, höher auflösendes Display als der Vorgänger und dabei auch noch ein Müh leichter. Damit empfiehlt sich der neue Surface-Ableger all jenen, die ein ebenso performantes wie kompaktes Office-Tablet mit Notebook-Potenzial und Multimedia-Tauglichkeit suchen. Wie gut sich das Pro 4 jedoch im Alltag schlägt, wird der Testbericht zeigen.

Vorzeige-Tablet

Pro
  • Tolles Display mit hoher Auflösung
  • Aktuelle Hardware
  • Multimedia- & Gaming-tauglich
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Sehr guter Stift im Lieferumfang
  • Gelungenes Type Cover
  • Überraschend guter Sound
  • Funktionales OS
Contra
  • Geringer Gewichtsvorteil zum Vorgänger
  • Systemstart langsamer als erwartet
  • Manche Windows-Features müssen noch reifen
  • Durchschnittliche Kameras
Unsere Gesamtbewertung4,5

Starke Tablet-Hardware, gewohnt gute Haptik

Da ich ein Test-Gerät direkt vom Hersteller zur Verfügung gestellt bekommen habe, fällt das Unboxing kaum erwähnenswert aus. Immerhin sind neben dem Tablet auch der Stylus und das Type Cover (in der amerikanischen Keyboard-Variante) an Bord. Hinzu kommt ein Ladekabel mit dem falschen Stecker, den ich jedoch gegen jeden zweipoligen Kaltgerätestecker tauschen kann.

Beim Blick auf die Ausstattung finde ich in meinem Test-Surface eine der kleineren Konfigurationen. Folgende Specs stehen zu Buche:

  • Prozessor: Intel Core i5-6300U mit Dual-Core & bis zu 2,4 Gigahertz
  • Ressourcen: 4 Gigabyte Arbeitsspeicher, 128 Gigabyte SSD
  • Display: 31,2 Zentimeter (12 Zoll), Pixel Sense, 2.736 x 1.824 Pixel
  • Kameras: 8,0 Megapixel & 5,0 Megapixel
  • Konnektivität: Full-Size-USB, WLAN bis Standard ac, Bluetooth, SDXC-Leser

Klar, da geht mehr, dafür ruft das Tablet für Surface-Pro-Verhältnisse mit derzeit 1.099 Euro ohne Cover einen annehmbaren Preispunkt auf. Und für diesen „Einsteiger-Preis“ erhalte ich ja auch immerhin das gleiche hochwertige Äußere der größeren Surface-Varianten.

Letzteres kann nach wie vor überzeugen, wobei sich hier doch recht wenig zum Vorgänger geändert hat. Die kaum zwanzig Gramm Gewichtsreduktion sind zwar nicht spürbar, aber ebenso wenig entdecke ich Verarbeitungsmängel. Nichts klappert, nichts knarzt, die Haptik überzeugt durchweg. Und natürlich punktet das Pro 4 auch mit dem stufenlosen Klappständer.

Bildqualität auf ganz hohem Niveau

Stattliche 1,8 Millionen Bildpunkte mehr hat das neue Surface Pro 4 im Vergleich zum Vorgänger im Gepäck und schafft auf dem Pixel Sense getauften Panel eine beeindruckende Bildbrillanz. Neben dem geringfügig größeren Display findet sich hierin auch einer der wesentlichsten Aspekte für das neue Microsoft-Tablet, denn der Pixel-Sense-Touchscreen liefert aus jedem Blickwinkel eine beachtliche Show ab – bei lediglich minimalem Helligkeitsverlust.

Neben natürlichen Farben, hervorragenden Kontrasten und ordentlicher Bewegungsschärfe beim Multimedia-Einsatz überzeugt das neue Surface auch beim Faktor Touch. Punktgenau reagiert der Multitouch-Screen auf jede Finger-Eingabe und sogar das Tippen auf die recht kleinen Links in der Standard-Desktop-Ansicht nimmt das Panel treffsicher an. Ob im Desktop oder in der Kacheloberfläche, das Surface Pro 4 macht dank präziser Touch-Eingabe und aktuellem Windows-Betriebssystem ordentlich Laune.

Windows 10 Professional für hohe Produktivität

Apropos Windows: Eine weitere, aber selbstverständliche Neuerung gegenüber dem Vorgänger ist die werksseitige Auslieferung mit Windows 10 Professional. Mir persönlich gefällt das neue Microsoft-OS ziemlich gut, weil es mir bei allen möglichen Einstellungen und Nutzungsmodi die Wahl lässt. Dementsprechend positiv bin ich auch dem Surface Pro 4 mit Windows 10 Pro gegenüber eingestellt, hat es doch alle Windows-Neuerungen an Bord und lädt zum Experimentieren ein.

Und ein wenig experimentieren sollte das Gewohnheitstier auch, denn der Windows-8-Verweigerer muss zum Beispiel erst einmal die gewohnte Systemsteuerung und die nötigen Unterkapitel finden, um alle Individualisierungsmöglichkeiten zu nutzen. Mit etwas Eingewöhnung läuft’s allerdings ganz gut und ich manövriere mich zum Beispiel zügig zum Setup des Log-ins via Gesichtserkennung. Das klappt im Nachgang übrigens reibungslos und mein Surface entsperrt sich erst, wenn die Frontkamera mein Gesicht erkannt hat.

Was gibt’s sonst noch Neues? Wie wäre es mit Edge? An sich macht auch der neue Microsoft-Browser eine gute Figur und bringt einige clevere Features wie das Markieren und Kommentieren in Webseiten mit. Leider hängt sich der Browser im Test gern mal beim Öffnen einer wenig aufwändigen Seite auf. Und Cortana? Sie reiht sich sehr gut in die Riege der bekannten Android- und iOS-Sprachassistenten ein und passt sich Tag für Tag mehr an meine Ansprüche an. Termine notiert sie auf Zuruf, automatische Erinnerungsfunktion inklusive. Und auch Notizen oder Such-Befehle nimmt sie zuverlässig entgegen. Alles in allem also auch für das Surface Pro 4 eine durchaus sinnvolle Produktiv-Sache.

So weit, so gut, allerdings habe ich doch noch etwas zu meckern: Die Boot-Dauer ins Windows-10-System hat mich etwas ernüchtert. Ich kenne den Start ins OS von meinem Aspire R13 und der klappt innerhalb von 2 bis 3 Sekunden. Das Surface braucht zumeist gut doppelt so lang. Das verwundert, da ich der Meinung war, dass die Komponenten gerade hier besonders reibungslos Hand in Hand gehen sollten.

Microsoft Surface mit schwarzem Keyboard auf einem Holztisch mit Stylus
Netbook Tablet Hybrid mit Windows 10 Professional

Surface-Stift: Sehr guter Stift, auch für Photoshop-Projekte

Anders als das iPad Pro bringt das Surface Pro 4 einen Stift als zusätzliche Eingabe-Option serienmäßig mit. Damit der reibungslos funktioniert, muss er zunächst einmal eindeutig per Bluetooth mit dem Surface gekoppelt werden. Danach nehme ich in den Einstellungen das Fine-Tuning für die Stift-Empfindlichkeit vor, sodass ich später auch garantiert von den 1.024 Druckstufen profitiere.

Einmal ordentlich eingerichtet erweist sich der Surface-Stift als ansehnliches Produktiv-Tool, das neben der Stift-Spitze und dem „Radiergummi“ mit zwei Tasten und einer Menge Short-Cuts daherkommt. Taste 1 finde ich an der Seite des Stiftes und rufe mit ihr bei Berührung von Stift-Spitze und Display das Kontextmenü auf. Taste 2 befindet sich im „Radiergummi“ und startet bei einmaligem Drücken OneNote, speichert bei zweimaligem Drücken einen Screenshot und ruft Cortana auf, wenn ich die Taste drücke und halte. Das klappt durchweg hervorragend.

Darüber hinaus überzeugt der Stift natürlich auch im Programm-Kontext. Die Texterkennung läuft absolut grandios und bis auf wenige Ausnahmen erkennt das Surface die geschriebenen Worte auf Anhieb. Nur mit Google Docs konnte sich der Stift während des gesamten Tests nicht anfreunden. Jenseits davon macht der Pen auch bei der Photoshop-Arbeit eine hervorragende Figur: Ob maskieren, zeichnen, freistellen oder radieren – meine Eingaben werden anstandslos in die Tat umgesetzt und machen den Stift schnell zum Kreativ-Werkzeug der Wahl. Und nach getaner Arbeit klicke ich ihn einfach per Magnet wieder an die Seite des Surface Pro 4. Saubere Sache.

Type Cover: Schreibkomfort dank starkem Type Cover

Must-have-Zubehör #1? Check. Must-have-Zubehör #2 offenbart sich wie nicht anders zu erwarten im neuen Type Cover. Auch wenn ich mich im Test mit der amerikanischen Variante und entsprechend ungewohnter Tasten-Anordnung abfinden musste, das Type Cover macht einmal mehr und mehr denn je eine Top-Figur am Surface.

Der Tastenhub ist trotz des schlanken Designs beachtlich und das Schreibgefühl dank eines sehr guten Druckpunktes überragend. Da kann so manches 2in1 nicht mit dem Surface-Zubehör mithalten. Auch der Abstand zwischen den Tasten kommt meinen Schreibgewohnheiten sehr entgegen und das größere TouchPad macht einen Top-Eindruck. Selbst die Geräuschkulisse beim Tippen hält sich in Grenzen, sodass ich ziemlich ungestört arbeiten kann – und ohne andere zu nerven.

Nebenbei: Das Type Cover des Surface Pro 4 verfügt auch über eine 5-stufige Hintergrundbeleuchtung, die das Arbeiten im Dunkeln erleichtert. Das alles ist weit mehr, als ich von einem 150-Euro-Zubehör erwartet hätte, und macht das Type Cover zweifelsohne zum absoluten Pflichtkauf.

Multimedia: Und wie steht’s um die Multimedia-Tauglichkeit?

Es muss ja nicht immer nur Office sein, deshalb habe ich auch den Entertainer-Qualitäten des Surface Pro 4 auf den Zahn gefühlt. Video- und Bild-Darstellung sollen hier einmal außen vor sein, denn beides profitiert fraglos von den Vorzügen des tollen Displays. Aber wie steht’s zum Beispiel um die Gaming-Leistung?

Nun, die Apps aus dem Microsoft Store bis hoch zu „Modern Combat 5“ bereiten dem Pro 4 keinerlei Probleme. Etwas anders liegt der Fall bei aktuellen PC-Games. Nachdem schon das Surface 3 unter meinen Test-Eskapaden leiden musste, durfte sich auch das neue Surface an „The Witcher 3: Wild Hunt“ versuchen. Und zu meiner Überraschung schlägt sich das Pro 4 deutlich besser als sein kleiner Bruder. Klar, bei höchster Auflösung sieht auch das aktuelle Microsoft-Top-Tablet keinen Stich, aber schraube ich alle Details runter und spiele mit 1.024 mal 768 Pixeln, läuft das Game überaus flüssig. Allerdings muss ich neben der mageren Grafik auch mit einigen Grafikfehlern leben. Aber hey, es läuft.

Was mir beim Zocken ebenfalls aufgefallen ist: Das Surface Pro 4 schafft eine beachtliche Geräuschkulisse. Die Stereolautsprecher erzeugen ein rundes und räumliches Klangbild, das in den Mitten und Höhen seine Stärken ausspielt und auch im Bassbereich zumindest gute Ansätze erkennen lässt.

Und last but not least noch ein Wort zu den Kameras: Nutzt sie für Videokonferenzen oder für Schnappschüsse, bei denen es nicht auf die Details ankommt. Jenseits davon bringt das Surface Pro 4 einfach zwei durchschnittliche Knipsen mit, die dem Tablet-Standard entsprechen – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Fazit: Top-Tablet mit brillantem Bild, Ton & Type Cover

Besseres Display, optimiertes Type Cover, aktuelle Systemkomponenten: Letzten Endes macht das Surface Pro 4 alles richtig und setzt sich so erneut an die Spitze der Produktiv-Tablets. Dabei ist die Microsoft-Neuheit doch auch ein bisschen mehr, als nur ein Update auf die neue Prozessoren-Generation, wodurch das Pro 4 vielleicht auch für Besitzer des Vorgängers interessant werden könnte.

Das Leistungsplus bei gleichbleibend langer Akku-Ausdauer von 6 bis 8 Stunden hat natürlich auch seinen Preis: Während Einsteiger, denen Core M und 128 Gigabyte SSD genügen, mit derzeit 999 Euro rechnen müssen, dürfen sich besonders anspruchsvolle Nutzer auch auf Core i7, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und 512 Gigabyte SSD verlassen – dann eben nur für stattliche 2.449 Euro. Sei’s drum, das Surface Pro ist und bleibt meines Erachtens einzigartig in seinem Segment und das hat die vierte Generation des Microsoft-Tablets wieder überdeutlich bewiesen – daran wird auch ein iPad Pro (vorerst) nichts ändern.

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