VoIP-Softphone Jabra Evolve2 65 mit Bluetooth im Test

von Sebastian Kundisch

· 9 min Lesezeit

VoIP-Softphone Jabra Evolve2 65 mit Bluetooth im Test

Business-Headsets klingen schrecklich, weil sie entweder zu kleine Lautsprecher (sogenannte Treiber) besitzen, oder nur den Voice-Codec für Bluetooth-Übertragungen unterstützen. So kommt es, dass Business-Headsets und Voice-over-IP (VoIP) Softphones wie Blechdosen klingen. Nicht so bei Jabra: Evolve2 65 heißt das neue Bluetooth-Headset, welches in Dänemark entwickelt wurde. Seine Zielgruppe dürften MitarbeiterInnen in Call-Centern sein oder einfach alle, die viele Microsoft Teams Meetings, Google Chats oder Zoom-Meetings in ihre Arbeitstage einbauen müssen.

Mit dem Business-Headset Jabra Evolve2 65 hört sich selbst Musik richtig gut an. Es eignet sich auch für den Einsatz im Großraumbüro, da seine ausgefeilte Mikrofon-Technologie Stimmen im Umfeld praktisch eliminiert. Wie sich das Headset im Detail im Test geschlagen hat, lest ihr nachfolgend.

Business-Headset mit Vorzügen

PRO
    Gute passive Geräuschreduzierung
    Mikrofon filtert Umgebungsgeräusche
    Erschwingliche Ersatzteile
    Angenehmer Tragekomfort
    Lange Akkulaufzeit
    Kurze Ladezeit

CONTRA
    Kein Active-Noise-Cancelling
    Kompliziertes Firmware-Update
Gesamtbewertung 4,5

Optimale Ausstattung & große Variantenvielfalt

Das Unternehmen Jabra bietet das neue Business-Headset Evolve2 65 in vielen Varianten an. Kunden wählen zwischen folgenden Optionen:

Mein Testgerät ist beige, ein Zweiohr-Headset mit Ladestation, USB-A-Ladekabel und hat eine MS-Zertifizierung. Im Lieferumfang befinden sich neben dem Headset, einer Ladestation und dem USB-Kabel zusätzlich ein weiches Reise-Etui und der Bluetooth-Adapter Jabra Link 380. Je nach gewählter Ausstattung beginnt der Preis bei rund 150 Euro.

(5/5 Punkte)

Das Headset, seine Tasche und der Ladeständer
Das Headset, seine Tasche und der Ladeständer
Schickes Verpackungsdesign bei Jabra
Schickes Verpackungsdesign bei Jabra

Design Clevere Symbiose aus VoIP-Softphone & schickem On-Ear-Kopfhörer

Über die Farbe des Jabra Evolve2 65 Headsets kann man verschiedener Meinung sein. In der Kaufversion hätte ich mich nicht für die Farbe Beige, sondern für die schwarze Variante entschieden. Abseits von diesem subjektiven Eindruck gibt es für mich keine weiteren Kritikpunkte am Design. Das Headphone besitzt ein minimalistisches Auftreten und selbst der Steg des Mikrofons sieht nicht wie ein Fremdkörper aus. Selbigen kann man hochklappen, um das Mikrofon stumm zu schalten.

Die Bedientasten und das Mikrofon befinden sich an der rechten Seite. Die Mechanik zur Verstellung der Kopfbügellänge versteckt sich unter der Polsterung des Bügels und ist damit nicht sichtbar. Somit passt sich das Jabra Headset bequem an jede Kopfgröße an.

(4/5 Punkte)

Hinterlässt mehr als einen guten Eindruck
Hinterlässt mehr als einen guten Eindruck
Das Headset ist mit knapp 182 Gramm relativ leicht.
Das Headset ist mit knapp 182 Gramm relativ leicht.
Das minimalistische Auftreten überzeugt.
Das minimalistische Auftreten überzeugt.

Bedienung Im Großraumbüro daheim - in der Welt zuhause

Wie bei fast jedem Kopfhörer gehört auch beim Jabra Evolve2 65 ein bisschen Übung zur treffsicheren Bedienung. Es gibt einen Schieberegler am unteren rechten Ohrhörer, mit dem sich das Ein- und Ausschalten sowie das Pairing realisieren lässt. Wird das Headset eingeschaltet, leuchtet eine LED kurz farbig auf und weist somit auf den Akkustand hin. Es folgt blaues Licht, sobald eine Verbindung hergestellt wurde. Die LED wird kurz darauf ausgeschaltet, sodass es schwierig zu erkennen ist, ob das Jabra Headphone noch an ist. Beim Ausschalten blinkt die LED kurz rot auf. Direkt neben dem Hauptschalter befindet sich außerdem der USB-C-Anschluss.

Im oberen Teil des rechten Ohrhörers wurden drei nebeneinanderliegende Buttons verbaut. Während die Äußeren zur Lautstärkereglung und zum Springen zwischen Songs verwendet werden, steuert der mittig platzierte Button den Anfang und das Ende einer Wiedergabe. Ein weiterer Knopf auf der Oberseite des Ohrhörers aktiviert und deaktiviert das Mikrofon. Klappt ihr selbiges in eine senkrechte Lage, wird es ebenfalls auf stumm geschaltet. Zu guter Letzt befindet sich bei meinem Modell in der Mitte der Hörmuschel ein Button für Microsoft Teams, mit welchem Anrufe angenommen und aufgelegt werden. Sofern kein Anruf eingeht, öffnet der Druck auf diesen Button die Desktop App von Microsoft Teams (getestet am Mac).

Angetan bin ich von der Busy-Funktion des Jabra Headphones. Gleichzeitiges Drücken beider Lautstärketasten erreicht, dass das Evolve2 65 an beiden Ohrmuscheln rot leuchtet und herannahenden Personen signalisiert, dass man gerade nicht gestört werden möchte. Erneutes Betätigen beider Tasten lässt die rote Beleuchtung wieder erlöschen. Eine Ansage verkündet zudem, welche Funktion gerade aktiv ist. Die Stimme klingt, verglichen mit der Feedback-Stimme von Bose, erstaunlich natürlich – ist jedoch leider nur auf Englisch verfügbar.

(4/5 Punkte)

Software Die App ist die bessere Kommandozentrale

Die Desktop-Software ist wahrscheinlich mein einziger echter Kritikpunkt in diesem Test. Ich habe ewig gebraucht, um die Firmware des Dongles und die des Headsets zu aktualisieren. Nachdem ich die App in den Sicherheitseinstellungen erst autorisieren musste, ließ sich der Dongle nur manuell über den Jabra Firmware Updater aktualisieren. Das Headset konnte glücklicherweise über die Jabra Sound+ Smartphone-App auf den neusten Stand gebraucht werden. Auch hier hatte ich es zuerst vergebens mit der Desktop-App versucht.

Das Jabra Headset lässt sich parallel mit zwei Endgeräten verbinden, sodass ihr es bequem am PC oder Laptop als Softphone verwenden könnt und gleichzeitig mit dem Smartphone gekoppelt seid. So entgeht bestimmt kein Anruf. Nach dem Einschalten der Jabra Evolve2 65 sind sie nach wenigen Sekunden via Bluetooth 5.0 verbunden. Auch weitere Entfernungen zur Audioquelle sind für sie kein Problem. Im Gegenzug müsst ihr jedoch auf hochauflösende Audio-Codecs, wie AAC oder aptX, verzichten. Dieser Verlust ist jedoch überwindbar, bedenkt man den Einsatzzweck des Business-Headsets.

Das Bedienkonzept gefällt mir bei der Smartphone-App „Sound+“ von Jabra besser, als bei der Desktop App „Jabra Direct“. Sie ist einfacher aufgebaut und es lassen sich Widgets, wie die Equalizer-Einstellung, nach Belieben auf der Startseite positionieren.

(4/5 Punkte)

Übersichtliche Einleitung in der Sound+ App
Übersichtliche Einleitung in der Sound+ App
Der Equalizer und seine Voreinstellungen
Der Equalizer und seine Voreinstellungen
Die Standardeinstellung gefiel mir am besten.
Die Standardeinstellung gefiel mir am besten.
Zur besseren Konzentration beinhaltet die App auch Soundscapes.
Zur besseren Konzentration beinhaltet die App auch Soundscapes.

Tragekomfort Bequem & passiv abschirmend

Das Bluetooth-Headset wiegt genau 181,8 Gramm. Es fühlt sich dabei angenehm leicht und dennoch hochwertig an. Anfangs ist es durch die weichen Ohrpolster und den geringen Druck kaum auf dem Kopf spürbar. Nach mehreren Stunden merkt man das Headset jedoch auf dem Kopf – spätestens, wenn die Ohren warm werden. Allerdings haben nach meinen bisherigen Testerfahrungen verschiedenster Kopfhörer alle Ohren unter On-Ear- und Over-Ear-Kopfhörern spätestens im Sommer ein „Temperaturproblem“.

Die Einstellung des Überkopfbügels ist zwar nicht sehr leichtgängig, muss jedoch auch nicht bei jeder Benutzung wieder neu eingestellt werden. Die Ohrpolster lassen sich ohne Probleme und kostengünstig nachbestellen. An Punkten wie diesen zeigt sich einmal mehr, dass es sich bei diesem Headset um ein Profiprodukt handelt.

(4/5 Punkte)

Sound 40-mm-Treiber für guten Musikgenuss

Leider wird das Jabra Headset ausschließlich ohne aktive Geräuschreduzierung angeboten, auch wenn die Polsterung der Ohrmuscheln die Ohren gut abschottet. Besonders bei Telefonaten in lauten Umgebungen hätte Active-Noise-Cancelling für mich ein super Kaufargument dargestellt, da ich laute Nebengespräche leider gut wahrnehmen kann.

Genau das Gegenteil kann ich beim Mikrofon positiv erwähnen. Es eliminiert fast alle Nebengeräusche, sodass der Anrufe wahrscheinlich nichts von der lauten Umgebung mitbekommt. Ich testete dies bei einem Abstimmungs-Meeting, indem ich über meine externen Lautsprecher Musik hörte und solange die Lautstärke erhöhte, bis ich die Leute gegenüber nicht mehr verstand. Bei meinen Gesprächspartnern war indes nichts zu hören. Prädikat „Absolut tauglich für Call-Center“.

Die Qualität der Musikwiedergabe hat mir gut gefallen, behält man im Hinterkopf, dass dies ein Business-Headset ist. Die 40 Millimeter großen Treiber bringen ordentlich Bass auf die Ohren und geben auch Mitten und Höhen gut wieder. Musikhören macht mit den Evolve2 65 durchaus Spaß. In der App oder der Desktop-Software lässt sich zudem der Musik-Equalizer einstellen, um bspw. die Bässe oder Höhen zu verstärken. Einige Pre-Sets stehen dafür zur Verfügung und sollten diese nicht ausreichen, kann eine Equalizer-Einstellung nach eigenen Vorlieben erstellt werden. Insgesamt habe ich die Standardeinstellung beibehalten, da die anderen Sets meiner Meinung nach das Klangbild zu stark verzerrten.

(5/5 Punkte)

Stimme & Audio klingen überraschend gut.
Stimme & Audio klingen überraschend gut.
Rechte und linke Hörmuschel sind eindeutig gekennzeichnet.
Rechte und linke Hörmuschel sind eindeutig gekennzeichnet.

Mobility Auch für unterwegs oder im Home Office eine echte Alternative

Eine Akkulaufzeit von bis zu 37 Stunden und schnelles Nachladen sind zwei tolle Argumente für unterbrechungsfreie Arbeitstage. Ich habe zwar nie die Laufzeit des Akkus mit der Stoppuhr überprüft, kann aber versichern, dass ich andere Kopfhörer viel häufiger laden musste.

Durch das mitgelieferte Softcase ist das Headset schnell verstaut und kann mitgenommen werden. Angesichts der sich im Wandel befindenden Arbeitswelt (Stichwort „New Work“), ist auch die Flexibilität ein Kaufkriterium. Seid ihr an eurem Hauptarbeitsplatz, stellt ihr das Headset auf die optionale Ladestation, die bei manchen Konfigurationen bereits im Lieferumfang ist. Andernorts ladet ihr das Headsets einfach via USB-C-Schnittstelle auf.

Sollte sich das Headset einmal nicht auf dem Kopf befinden, können Headphone und PC oder Notebook auch gleichzeitig klingeln. Dadurch wird kein Anruf mehr verpasst. Hat der PC wider Erwarten kein Bluetooth an Board, lässt sich über einen mitgelieferten Link-Adapter dennoch eine Bluetooth-Verbindung zum Headset herstellen. Übrigens: Das superschnelle Koppeln des Headsets macht es sogar möglich, während des eingehenden Anrufs erst das Jabra Evolve2 65 einzuschalten und das Gespräch dann entgegenzunehmen.

(5/5 Punkte)

Auch auf der Ladestation macht das Jabra Headset eine gute Figur...
Auch auf der Ladestation macht das Jabra Headset eine gute Figur...
... und das aus jedem Blickwinkel.
... und das aus jedem Blickwinkel.

Fazit Verblüffend vielseitig & absolut preiswert

Eingangs, vor allem vor dem Auspacken war ich kritisch und voreingenommen. „Ein Headset? Wie unsexy“, dachte ich mir. Umso überraschter war ich von der guten Verarbeitung, dem Klang und der tollen Geräuschreduzierung des Mikrofons. Auch die lange Akkulaufzeit und das durchdachte Bedienkonzept konnten mich überzeugen. Punktabzug gibt es beim Thema Noise-Cancelling, da dem Jabra Evolve2 65 meiner Meinung nach eine aktive Geräuschreduzierung besser gestanden hätte. Zudem hat für mich der Firmware-Update-Prozess zu lange gedauert.

Lasse ich diese zwei Punkte außen vor und betrachte stattdessen das wirklich gute passive Noise-Cancelling, ergibt sich in meinen Augen ein sehr brauchbares Arbeitsmittel. Besonders für Leute, die häufig online telefonieren und denen eine klare Sprachqualität beim Empfänger wichtig ist, ist das Jabra-Headset eine gute Wahl.

Bei einem fairen Verkaufspreis von unter 200 Euro, abhängig von der Variante,  erhaltet ihr in meinen Augen sehr viel als Gegenleistung von Jabra.

Hier geht es zu allen Jabra Evolve2 65 Produkten

Gesamtpunktzahl (31/35) —> 4,5 Cyberstars

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