SSD-Produkttest: RunCore, Patriot und original Asus Eee PC 900A

von sven-kaulfuss

· 6 min Lesezeit

SSD-Produkttest: RunCore, Patriot und original Asus Eee PC 900A

SSD ist nicht gleich SSD…
Zum Thema SSD gab es in der Vergangenheit ja schon den einen oder anderen Artikel im Blog, so gar in Filmform haben es diese modernen Massenspeicher schon bei uns geschafft. Doch ist SSD gleich SSD? Wie unser folgender Test beweißt, kann man dies definitiv verneinen, denn allein die Technologie macht einen SSD-Speicher noch lange nicht zum Überflieger, auf die Details kommt es an. Doch vorweg richtet sich mein Dank an den guten Sascha von Netbooknews. Als dieser meiner Heimatstadt Dresden anlässlich des Mobile Camps einen Besuch abstattete, hatte er neben kurzweiligen Anekdoten, noch zwei Mini-PCI-e-SSDs mit im Köfferchen bzw. der Einkaufstüte. Da ihm derzeit die notwendige Hardware zum austesten fehlt (kompatibler Eee PC 900,900A bzw. 901) überlies er mir diese Stücke der fortschrittlichen Speichertechnik für einen Haustest. Also nochmals herzlichen Dank an Sascha und einen lieben Gruß nach Taiwan (der Gute ist mal wieder an der Quelle aller Netbooknews). Stürzen wir uns nun mit voller Leidenschaft in den Test…
Worum geht es?
Zur grundsätzlichen Technik von SSD möchte ich keine großen Worte verlieren, kurz gesagt handelt es sich um Flashspeicher (bekannt von Digitalkameras und Co) die nun vermehrt auch in mobilen Rechnern Einzug halten. Normalerweise findet man diese in einer 2,5-Zoll-Form, sprich wie herkömmliche Notebookfestplatten, die auch ebenso unkompliziert einzubauen sind. Doch was eigentlich, wenn der geliebte Rechner gar keinen Platz für eine solche Erweiterung bietet? Vor allem einige, wenn auch schon etwas ältere Netbooks, verwenden anstatt eines S-ATA-Anschlusses, einen Mini-PCI-e-Port direkt auf den Board. Beispielsweise findet man diesen bei jedem Eee PC der 900er-Serie (900, 900A und 901) bzw. auch beim ersten Netbook von Dell. Diese kommen von Haus aus mit einem eigenen SSD-Speicher daher, jedoch bietet dieser nicht unbedingt genügend Platz (8 bis 16 GB) und es lässt sich auch vermuten, dass schon allein aus Kostengründen ebenso nicht unbedingt die schnellste Variante verbaut wurde.

Die Frage die sich nun stellt, gibt es die passenden Mini-PCI-e-SSDs zum nachrüsten? Nun, dies beantwortete ich schon in der Einleitung, hier und heute im Test die Patriot Lite Series SSD mit 32 GB (bei uns schon im Shop erhältlich) und die RunCore Mini PCI-e SSD mit 64 GB (bei uns noch nicht erhältlich).

Einbau der SSD“

Der Einbau
Als Basistestrechner wählte ich einen Eee PC 900A, nicht mehr der neueste Schrei, jedoch perfekt dazu geeignet die Vorteile einer SSD-Aufrüstung am Praxisbeispiel zu zeigen. Standardmäßig verfügt dieses Netbook über eine SSD mit 8 GB, vorinstalliert befindet sich Linux darauf, welches wir jedoch im späteren Verlauf durch Windows XP ersetzen werden. Der eigentliche Einbau ist eine Angelegenheit von wenigen Minuten, zwei Schrauben lösen um an die Erweiterungsschächte zu gelangen und gut. Im unteren Bereich befindet sich der Arbeitsspeicher, der uns jedoch heute nicht interessieren soll. Darüber thront die SSD. Wir lösen nochmals zwei Schräubchen, ziehen die Karte zur Seite heraus und wiederholen diesen Schritt in umgekehrter Reihenfolge für den Einbau der neuen SSD. Übrigens, RunCore ist so klug und legt gleich einen passenden Schraubendreher mit bei, sehr löblich. Die RunCore bietet übrigens noch einen Mini-USB-Anschluss, damit sollte es möglich sein, das bestehende System zu klonen. Eine Aufgabe, die ich mir unter Linux jedoch, zunächst nicht zutraue. Also bleibt es bei der klassischen Installation.

Systeminstallation“

Wer den Rechner danach startet, findet natürlich einen hilflosen Computer vor sich, denn wo kein System, da auch kein Systemstart. Für die Installation des notwendigen Win XP wählte ich die Methode über einen externen DVD-Brenner, hierfür verwendete ich einen Samsung SE-S084B/RSRN (ein separater Test für diesen wird noch folgen). Noch fix im BIOS (Taste F2) die Boot-Reiehnfolge ändern und schon kann es losgehen. Die Formatierung ist schnell erledigt, danach folgt der langweilige und vor allem ausdauernde Teil: die Windows-Installation! Hat man dieses hinter sich gebracht, gilt es im nächsten Schritt noch die beiliegenden Asus-Treiber aufzuspielen. Klingt alles recht einfach, nur es dauert und dauert, bei mir im Übrigen dreimal so lange, denn wir haben es ja auch mit drei SSDs zu tun. Wer im Bild der Diashow übrigens eine gebrannte CD sieht, kann sich beruhigen, wir benutzen hier Windows-Volumenlizensen, die Datenträger hierfür müssen wir uns selber brennen, die Lizensschlüssel kosten natürlich Geld ;-).

Benchmarks und Ergebnisse
Bevor wir reine Zahlen sprechen lassen, möchte ich euch kurz meinen subjektiven Eindruck wiedergeben. Als erstes verbaute ich die RunCore und wahr von den schnellen Reaktionszeiten sehr angetan, irgendwie fühlte sich Windows auf dieser Maschine fix an, ganz anders als man es bisher kannte. Dabei spielte ich nur im System ein wenig herum, aber allein hier war der Unterschied schon feststellbar. Keine Wartezeiten oder ähnliches, wunderbar. Hier ein kleiner Film um dies zu verdeutlichen (Starten des Systems und einiger Anwendungen):

Link: Runcore SSD 64 GB im Eee PC 900A (Mini-PCI)

Als nächstes war dann die Patriot dran, zuerst dachte ich, ich hätte einen Fehler begangen, denn allein schon bei der Installation und der ersten Inbetriebnahme hatte ich das Gefühl mit angezogener Handbremse unterwegs zu sein. Die Reaktionszeiten waren im Vergleich einfach grausam, und dabei verlangte ich dem armen Eee PC noch gar nichts ab. Das gleiche Spiel mit der originalen 8 GB SSD die Asus verbaute. Doch lassen wir das Gefühl beiseite und werfen einen objektiven Blick auf die Zahlen (gemessen mit CrystalDiskMark 2.2):

image

Mein Gefühl bestätigt sich. Die RunCore läuft im wahrsten Sinne des Wortes auf und davon, die beiden anderen SSDs befinden sich auf vergleichbarem, unterem Niveau. Was heißt dies nun übersetzt?

Benchmarks“

Fazit
In der Patriot findet der geneigte Käufer zwar eine Aufrüstmöglichkeit für die Speicherkapazität des eigenen Netbooks, jedoch einen Zuwachs an Performance erhält man hierfür nicht. Die RunCore dagegen bietet nicht nur eine reine Speichererweiterung, sondern sorgt noch für einen gehörigen Schuss Systembeschleunigung, man hat beinahe das Gefühl vor einem neuen Rechner zu sitzen. Doch leider hat dies auch seinen Preis, kostet die Patriot ca. 180 Euro (64 GB) bzw. 93 Euro (32 GB), so muss man für eine RunCore ca. 150 Euro (32 GB) bzw. 220 Euro (64 GB) investieren. Wir sprechen also über einen Aufpreis von ca. 50 Euro für ein wesentlich schnelleres System. In diesem Licht betrachtet, mag man die RunCore unter Umständen als Schnäppchen bezeichnen. Wer meint, es lohne sich doch nicht, einen solchen Betrag in ein billiges Netbook hineinzustecken, dem sei gesagt, dass gerade eine schnelle SSD den Sinn eines Netbooks entspricht. Wer möchte schon gerne unterwegs auf die Daten seiner lahmen Festplatte warten, oder eine halbe Ewigkeit bis Windows startet bzw. aus dem Sleep-Modus erwacht. Übrigens, wie es scheint, passt die RunCore auch in einen Eee PC S101, ich denke da wächst zusammen was zusammen gehört: Premium-Netbook und ebenso ein solcher Speicher.

Derzeit können wir RunCore bei uns noch nicht anbieten, da ein deutscher Vertrieb praktisch nicht wirklich existiert. Es könnte sich aber lohnen, vielleicht sollten wir mal unsere Distributionspartner darauf aufmerksam machen, denn die Jungs haben neben diesen eher speziellen SSDs, auch noch Standard-Systeme für den Rest der Net- bzw. Notebookwelt im Angebot.

Kommentare

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Gepostete Kommentare

Joerg Pittermann 12.05.2009, 16:52 Uhr

Schöner Bericht zu den SSD, die hoffentlich bald in den Netbooks eine grössere Rolle spielen. Warum ein Netbook mit einer langsamen 4200er (Umdrehungen) Platte kaufen, wenn es fuer einen kleinen Mehrpreis bereits mehr Leistung gibt? Das habe ich auch schon nicht beim MacBook Air verstanden. Alleine die schnellen Startzeiten sind gesparte Zeit, die man für bessere Sachen nutzen kann. ;-) Und ganz ehrlich: Wer belegt sich 160 GB komplett mit Daten? In meinem (Arbeitsnotebook) steckt eine 80er Platte (7200 Umdrehungen), die ist gerade mal zu 60% gefüllt. Und das schon seit über einem Jahr.

Jack Melon 07.10.2009, 16:15 Uhr

Ist die RunCore auch in einem gewöhnlichen Notebook anstandslos einsetzbar???

Sven Kaulfuß 07.10.2009, 16:53 Uhr

@ Jack Melon: Leider nein, da die von mir getestete Karte einen Mini-PCIe-Slot benötigt. Allerdings bietet RunCore auch entsprechende Modelle mit Standard SATA-Anschluss im 2,5-Zoll-Format an. Diese haben wir aber noch nicht gelistet, jedoch gibt es leistungsmäßig vergleichbare Modelle auch von Intel, Samsung und Co.

Manni 10.04.2010, 19:04 Uhr

Bin am überlegen mir eine Runcore zuzulegen. In anderen Foren wird von einer übermäßigen Wärmeentwicklung und reduzierter Akkuleistung gesprochen. Wie ist das bei deinem Test gewesen? Mittlerweile gibt es bei uns folgende Platte: RCP-IV-S7064-C mit Read Speed bis zu 258MB/s und Sustain Write Speed bis zu 161MB/s anstelle der RCP-I-S7064-C mit Read Speed bis zu 125MB/s und Sustain Write Speed bis zu 90MB/s Der Preis ist der gleiche. Wie ist es hier mit der Wäremeentwicklung?

Sven Kaulfuß 12.04.2010, 08:33 Uhr

@ Manni: Ich hatte die SSD leider nicht wirklich im Dauertest laufen, kann also sicherlich nur eingeschränkte Infos geben. Mir selbst fiel zumindest in der Kürze der Zeit damals keine Problematik auf. Würde mich auch wundern, denn theoretisch sollte eine SSD ja eigentlich immer weniger Strom ziehen als eine mechanische Platte. Zu den von dir genannten Modellen kann ich leider nichts sagen, da wir nach wie vor Runcore noch nicht im Sortiment haben und ich mir daher selbst kein Bild machen kann.

Manni 21.04.2010, 17:40 Uhr

Hallo Sven, habe mir die schnelle Runcore jetzt gekauft und werde diese am Wochenende einbauen. Nach einem Test werde ich einen Erfahrungsbericht schreiben.

Sven Kaulfuß 22.04.2010, 08:23 Uhr

@ Manni: Danke für die Info, nur zu. Vielleicht nehmen wir dann demnächst Runcore doch mal bei uns ins Sortiment.

Manni 27.04.2010, 19:02 Uhr

Hallo Sven, anbei ein erster Erfahrungsbericht über den Einbau der Runcore 64 GB: Nachdem ich das System eh neu aufsetzen wollte habe ich die Platte nicht geklont sondern die Runcore direkt anstelle der 8GB eingebaut. Im Bios wurde die Reihenfolge der Platten geändert. Danach das System mit der beiliegenden Recovery CD aufgespielt und mit Paragon Partition Manager die Festplatte geteilt. Nach ersten Versuchen mit dem "nackten" System ist ein deutlicher gefühlter Performance-sprung zu sehen. Einen objektiven Test mit CrystalDiskMark werde ich bei Gelegenheit noch machen. Die Wärmeentwicklung ist gefühlt nicht höher als bei der alten Karte. Was mir aufgefallen ist, das im Dateimanager nur 59 GB verfügbarer Speicher angezeigt werden. Zusätzlich zeigt der Paragon Partition Manager noch einen 39 MB großen Bereich der Linux formatiert ist. Die Fragen wären nun ob wirklich 4 GB für das System verbraten werden und für was der 39 MB große Bereich ist. Fortsetzung folgt :-)

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