Sony Cyber-shot DSC-RX100 II im Test
Sony Cyber-shot DSC-RX100 II im Test
Der Herbst steht vor der Tür und wird im Elbtal standesgemäß mit zahlreichen Weinfesten eingeläutet, so etwa in Weinböhla, Meißen oder Radebeul. Jedes Jahr strömen zahlreiche Besucher auf die Festgelände und mit ihnen auch ich. Zusammen mit Freunden genieße ich die Abende bei der einen oder anderen Flasche Wein. Natürlich will ich diese seltenen Momente der Zusammenkunft festhalten. Das ginge zwar mit dem Apple iPhone, doch die Bildqualität… Sprechen wir nicht darüber, sondern wenden uns direkt dem Testkandidaten zu.
Mit der Cyber-shot DSC-RX100 II brachte Sony vor wenigen Monaten die Nachfolgerin der RX100 auf den Markt. Auffälligste Neuerung auf den ersten Blick: das praktische Klappdisplay. Viel spannender für mich: der brandneue Exmor-R®-CMOS-Sensor im Zusammenspiel mit dem von der Vorgängerin übernommenen Carl Zeiss®-F1,8-Vario-Sonnar®-Objektiv. Getreu dem Motto „klein, aber oho“ verspricht Sony gestochen scharfe Aufnahmen mit weniger Bildrauschen – auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Ein wichtiger Aspekt, um abends noch ordentliche Bilder schießen zu können. Nach Aufnahmen zum Federweißerfest auf Schloss Wackerbarth hießen die idealen Testgebiete zu später Stunde: Weinfest in Meißen sowie Radebeuler Herbst- und Weinfest.
Klein, aber oho
-
Herausragende Bildqualität dank Exmor-R®-CMOS-Sensor
Offenblende bis f/1,8
RAW-Format
WiFi und NFC integriert
Klappdisplay
-
Kein Touch-Display/Klappdisplay zu unflexibel
Teils kleine Tasten
Einschaltzeit von 2,1 Sekunden
Lieferumfang und Ersteindruck Liebe auf den ersten Blick? Eher auf die erste Berührung
Seit vielen Jahren bin ich von meinen DSLRs und ihren Möglichkeiten begeistert. Die Kehrseite der Medaille: Packmaße und Gewicht fordern hin und wieder einen Träger. Während meines Tests der DSC-RX100 II konnte dieser entspannt die Beine hochlegen, kompakten Abmessungen und humanem Gewicht sei Dank. Zusammen mit Akku und Speicherkarte bringt die Kamera trotz Aluminiumgehäuse lediglich 281 Gramm auf die Waage. Mit 102 x 58 x 36 mm passt sie perfekt in die Hosen- oder Jackentasche, ohne dick aufzutragen.
Leidtragende der geringen Abmessungen waren meine Finger, die anfänglich größere Schwierigkeiten hatten, die kleinen Tasten zu treffen. Für jemanden wie mich, der sonst mit einer Sony Alpha A77 fotografiert, zunächst eine immense Umstellung.
Für meinen Geschmack wurde die Klappe für Akku und Speicherkarte samt Verriegelung etwas umständlich gelöst. Diese wird nicht automatisch mit einem sanften Klick versperrt, sondern verlangt meine Fingerfertigkeit – äußerst nervig, wenn ich nur eine Hand frei habe.
Ausgeliefert wird die Kamera zusammen mit einem 1.240-mAh-NiMH-Akku, dem obligatorischen Netzteil und microUSB-Kabel sowie einer Handgelenksschlaufe, Schultergurt-Adapter und Bedienungsanleitung.
Knackig scharf, eingeschränkt klappbar
Die RX 100 II besticht mit ihrem scharfen, bei Sonnenlicht gut erkennbaren 3-Zoll-Fine-LC-Klappdisplay samt 1,2 Mio. Pixeln. Dieses ist allerdings nur sehr eingeschränkt klappbar: Ihr könnt es 45° nach unten und knapp 84° nach oben klappen. Dies erleichtert euch immerhin in einigen Situationen das Fotografieren. Leider kann ich das Display weder zur Seite noch über die Oberseite hinweg schwenken, um zum Beispiel mich selbst zu fotografieren. Ebenso lässt sich das Display auch nicht um 180° wenden, um es während des Transports zu schützen.
Im Detail steckt der Fehlerteufel: Warum hat Sony hinter dem Display eine kleine Kante verbaut? Ich kann es mir wahrlich nicht erklären. Klappe ich das Display aus der Ausgangsposition heraus direkt nach oben, bleibt es nämlich an dieser Stelle hängen. Auch wenn beide Punkte nicht weiter tragisch sind, gleichen sie einem Rotweinfleck auf einer ansonst weißen Weste.
Entgegen dem Trend bietet die Sony Cyber-shot DSC-RX100 II kein Touch-Display. Auch einen Sucher „suche“ ich vergeblich. Diesen kann ich zwar optional nachkaufen (Sony FDA-EV1MK elektronischer Sucher für RX1), das wäre bei einem Preis von 400 Euro ein tiefer Griff ins Portemonnaie.
Neuer Sensor, tolles Objektiv, WiFi, NFC …
Meine neue Liebe beginnt mit der ersten Berührung. Hochwertige Materialien, vorbildliche Verarbeitung, edle Optik und tolle Technik sprechen für sich. Als Nachfolgerin der RX100 bietet die DSC-RX100 II einen neuen Bildsensor, ein Klappdisplay, einen elektronischen Zubehörschuh sowie WLAN und NFC. Mit der kostenlosen Play-Memories-App (Android bzw. iOS) könnt ihr die Kamera per WiFi bedienen. Der Verbindungsaufbau lässt sich bequem per NFC-Chip realisieren. Durch Letzteren kommuniziert die Kamera mit eurem Smartphone und lässt sich darüber fernsteuern (kostenlose Play-Memories-App). Zwei ideale Features, mit denen ihr unterwegs eure Bilder via Smartphone bearbeiten und mit Freunden teilen könnt.
Die wichtigsten technischen Features im Überblick:
- Sensor: 20,2 MP Exmor-R®-CMOS-Sensor (1 Zoll/13,2 x 8,8 mm)
- Brennweite: 28 bis 100 mm (Kleinbildformat)
- Blende: f/1.8 (28 mm) bis f/4,9 (100 mm)
- Lichtempfindlichkeit: ISO 100 bis 12.800
- Serienaufnahme: bis zu 10 Bilder/Sekunde
- Video-Aufnahme: Full HD mit bis zu 60 Bildern/Sekunde
- Sonstiges: RAW-Funktion, WiFi, NFC
Der brandneue Exmor-R®-CMOS-Sensor (Typ 1.0) besticht allein schon durch seine Größe von einem Zoll. Solch große Sensoren verbaut ansonsten nur Nikon in seinen Nikon-1-Modellen. Demzufolge kann sich die Bildqualität sehen lassen und mit der von guten DSLR-Kameras messen. Sensor und Objektiv sorgen für knackige Bilder mit tollem Dynamikumfang und hoher Farbtreue. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Ergebnisse beeindruckend rauscharm. Möglich macht dies die rückwärtige Belichtung des Sensors. Dadurch erreicht die Kamera eine größere Lichtausbeute und minimiert das Rauschen bei hohen ISO-Werten.
Besonders begeistert mich die Möglichkeit, mit der RX-100 II im RAW-Format zu fotografieren. Das öffnet mir bei der Bildbearbeitung im Nachhinein zahlreiche Türen. Nicht verändert hat sich die Auflösung von 20,2 MP. Die Lichtempfindlichkeit lässt sich von ISO 100 bis ISO 12.800 einstellen, die Belichtungszeit bis auf 1/2.000 Sekunden.
Ebenfalls unverändert und von der Sony Cyber-shot DSC-RX100 übernommen: das Carl-Zeiss®-Vario-Sonnar-Objektiv. Dieses bietet dank Blende 1,8 im Weitwinkelbereich (28 mm Kleinbildformat) tolle Möglichkeiten zum Spielen mit der Tiefenschärfe. Bis hin zur maximalen Brennweite von 100 Millimetern steigt die Lichtstärke auf f4,9. Dies geht in Ordnung, auch wenn jeder Fotograf Luftsprünge gemacht hätte, wenn es f2,8 oder f3,0 wären. Getreu dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ minimiert der integrierte Bildstabilisator die Gefahr von verwackelten Bildern.
Darüber hinaus zeigt sich die Sony Cyber-shot DSC-RX100 II anschlussfreudig. Als Speichermedien könnt ihr SD-/SDHC-/SDHX-Speicherkarten ebenso verwenden wie einen Sony Memory Stick (Pro/Pro-HG) Duo. Über den USB-Anschluss wird nicht nur der Akku geladen, sondern auch die Verbindung zu Mac und PC hergestellt. Dank der integrierten HDMI-Schnittstelle könnt ihr eure Urlaubserinnerungen und Schnappschüsse direkt auf dem Fernseher wiedergeben. Wie bereits erwähnt, ermöglichen euch das WLAN-Modul und der verbaute NFC die Kommunikation mit kompatiblen Geräten.
Neu hinzugekommen ist der elektronische Zubehörschuh, den ihr nutzen könnt, um einen elektronischen Sucher, ein externes Mikrofon und einen optionalen Blitz zu befestigen. Bei der Vorgängerin fehlte dieser und schränkte uns Fotografen ein.
Gewohntes Menü für Sony-Fotografen
Das Menü der Sony Cyber-shot DSC-RX100 II ist sehr übersichtlich und gleicht im Großen und Ganzen dem meiner geliebten Sony A77. Das ersparte mir Zeit bei der Eingewöhnung. Kunden, die von Canon, Nikon oder anderen Hersteller wechseln, müssen sich ein wenig umgewöhnen.

Akku Gute Akkulaufzeit, fehlendes Ladegerät
Der 1.240 mAh starke NiMH-Akku bietet eine respektable Ausdauer, die für bis zu 350 Aufnahmen reicht. Im Gegensatz zu anderen Kameras muss ich den Akku zum Laden nicht entnehmen. Auf Reisen spart das auf der einen Seite zwar Gewicht, ist auf der anderen Seite aber suboptimal, wenn ich einen zweiten Akku besitze. Ohne Ladeschale kann ich diesen nicht aufladen, während ich mit der Kamera und dem anderen Akku unterwegs bin. Für das Original-Ladegerät von Sony (BC-TRX) werden knapp 50 Euro fällig.
Praxistest Sprach- und ratlos: Ich bin beeindruckt
Der Autofokus reagiert flott und vor allem exakt. Vorbildlich schnell ist die Bildverarbeitung mit 0,3 Sekunden. Nicht ganz so zügig verhält sich die Kamera beim Ein- und Ausschalten. Dabei vergehen jeweils knapp zwei Sekunden – zu viel, wenn ihr mich fragt. Hinzu kommt der kleine On-/Off-Schalter, der nicht immer auf meinen Finger reagiert.
Auch mit dem kleinen Rändelrad auf der Rückseite des Gehäuses hatte ich so meine Probleme. Vermutlich liegt das an meiner Sony Alpha A77, die zwei wesentlich größere Räder besitzt. Alternativ zum Rändelrad bietet die getestete Cyber-shot auch die Möglichkeit, Einstellungen per Objektivring zu ändern. Dieser befindet sich, wie der Name schon sagt, direkt am Objektiv und dient wahlweise zum Regulieren von ISO-Wert, Verschlusszeit oder Blende. Gut lassen sich das Modus-Wahlrad sowie Zoom und Auslöser bedienen.
Videos nimmt die DSC-RX100 II in Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) bei bis zu 60 Bildern pro Sekunde im AVCHD-Format auf. Alternativ könnt ihr das MP4-Format nutzen. Dann steht euch eine Auflösung von 1.440 x 1.080 Pixeln bei 25 Bildern pro Sekunde zur Verfügung. Die Tonqualität geht in Ordnung, kann aber verständlicherweise nicht mit dem Full-HD-Bild mithalten. Hier empfiehlt sich der Kauf eines Mikrofons, das ihr auf dem Blitzschuh installieren könnt.
Nach den Testtagen habe ich kurz überlegt, ob ich nicht meine Sony Alpha A77 samt Zubehör verkaufen und mir dafür die Cyber-shot holen sollte. Die Bildqualität beeindruckte mich für eine Kompaktkamera, ebenso die weiteren Vorteile gegenüber meiner DSLR: geringes Gewicht, kompakte Abmessungen, Objektiv mit 1,8er-Blende (Weitwinkel), kein Verzicht auf das RAW-Format, klappbares Display. Vor allem mit dem geringen Rauschverhalten bei schlechten Lichtverhältnissen punktet die DSC-RX100 II. Jeder Vergleich mit meiner alten Canon IXUS ist ein Witz. Bei dieser konnte ich auf das Fotografieren am Abend getrost verzichten.
So beeindruckend die Sony Cyber-shot DSC-RX100 II ist, so schmerzlich vermisse ich doch die Option, mit verschiedenen Objektiven spielen zu können und für jedes Motiv eine passende Linse in der Tasche zu haben. Auch der fehlende Sucher, die kleinen Tasten sowie das eingeschränkte Klappdisplay sprechen für meine A77 und gegen die Cyber-shot.
Viel eher lohnt sich für mich der Blick auf eine Sony NEX – ähnlich klein und kompakt wie die RX100 II, dafür aber mit Sucher und Wechselobjektiven ausgestattet. Allerdings bin ich mit meiner Alpha auch sehr zufrieden und frage mich, ob ich wirklich wechseln soll… ?
Zu Recht die beste Kompaktkamera der Welt
Wow. Ich bin echt von den Socken und begeistert von der Bildqualität der Sony Cyber-shot DSC-RX100 II. Eine DSLR ist euch zu schwer, eine Digicam zu „normal“ und das Wechseln der Objektive bei einer DSLM findet ihr nervig? Dann ist mein Testkandidat eine echte Alternative.
Handlich, lichtstark im Weitwinkelbereich, zahlreiche Automatikprogramme und manuelle Funktionen sowie integriertes WLAN und NFC, das wäre ohne Zögern fünf Sterne wert. Die teils zu kleinen Tasten, das träge Ein- und Ausschalten sowie der Preis von knapp 700 Euro stehen dem perfekten Testergebnis im Weg. Ob die Tasten zu klein sind, ist natürlich subjektiv. Dem entgegen stehen die kompakten Abmessungen und das geringe Gewicht.
Klar könnte Sony noch mehr herausholen, aber letztlich überwiegen die positiven Eigenschaften deutlich. Da ich keine Viertel-Sterne vergeben kann, muss ich aufrunden auf fünf Cyberstars.
In der CHIP-Bestenliste landet die Cyber-shot DSC-RX100 II zu Recht auf Platz 1 (90,1 Prozent) und verweist Canon PowerShot G1 X sowie PowerShot G15 auf die nachfolgenden Plätze. Auf Platz 5 landet Sonys Vorgängerin mit 87,9 Prozent. Sie kann in Sachen Bildqualität (91,4 vs. 95,8) und Ausstattung/Handling (83,7 Prozent vs. 86,2 Prozent) nicht ganz mithalten. Dafür überzeugt die Sony Cyber-shot DSC-RX100 mit einer besseren Geschwindigkeit (88,6 Prozent vs. 83,7 Prozent) sowie einem Preisvorteil von knapp 200 Euro.







































