Saeco GranBaristo HD8964/01 im Geschmackstest

von Ben Walther

· 8 min Lesezeit

Saeco GranBaristo HD8964/01 im Geschmackstest

Knapp 1.000 Euro für eine Kaffeemaschine? Kein Pappenstiel, für einen Kaffee-Vollautomaten aber nicht ungewöhnlich. Ich habe viele Erwartungen an eine Maschine, die so viel kostet und „nur“ Kaffee kocht. Zudem muss ich gestehen: Ich bin kein Kaffee-Junkie, trinke eher Tee und habe in den Küchen meiner Arbeitgeber nie darauf gewartet, dass ein Vollautomat meine Tasse mit wohl duftendem Kaffee füllte. Vielmehr bin ich seit meinem ersten Trip in die USA vor über 13 Jahren ein Starbucks-Anhänger, der fleißig Treue-Sterne sammelt.

Trotzdem war ich gespannt, als sich mir im Rahmen der Markenjury-Aktion die Chance bot, die neue Saeco GranBaristo zu testen. Sie kocht nicht „nur“ Kaffee, sondern bietet mit ihren 16 Kaffee- und Milchspezialitäten quasi meinen persönlichen Barista für die eigenen vier Wände. Für den perfekten Start unserer intensiven Beziehung betrat sie meine Wohnung mit zwei Kilogramm Kaffee im Karton. Wie schnell die zwei Kilo durch die Maschine fließen würden, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Einfach & effizient

PRO
    Köstliche Kaffeekreationen
    Toller Milchschaum
    Kompakte Maschine mit kleiner Stellfläche
    Schnelle, einfache Reinigung der meisten Teile
    Individuelle Benutzerprofile (Kaffee-/Milchmenge, Temperatur, Mahlgrad, Stärke, Aroma)
CONTRA
    Wasser im Tresterbehälter
    Aufwendige Reinigung von Trester- & Milchbehälter
    Kleinerer Wasserbehälter als bei anderen Vollautomaten
Gesamtbewertung 4,5

Lieferumfang & Ersteindruck Schicke Optik, schmale Stellfläche

Schon vor dem Auspacken wird klar: Die GranBaristo HD 8964/01 ist ein sehr schmaler Kaffeevollautomat. Genauer gesagt, misst sie nur 205 mal 360 mal 460 Millimeter (Breite mal Höhe mal Tiefe). Sie ist zwar recht tief und für viele Küchen mit Oberschränken einen Tick zu hoch, zumal Kaffeebohnen, -pulver und Wasser allesamt von oben eingefüllt werden. In meiner Küche ist das zum Glück kein Problem. Ich kann bequem den Wassertank entnehmen oder Bohnen nachfüllen.

Zwar bestehen das Gehäuse der Saeco sowie der mitgelieferte Behälter für Milch aus Kunststoff (ABS Thermoplastik), dennoch wirkt die Maschine sehr edel. Optisch würde ich vermutlich eine Jura ENA 9 One Touch vorziehen, die mir einerseits besser gefällt und andererseits perfekt in meine Küche beziehungsweise zu den anderen Geräten passt.

Neben besagtem Milchbehälter liegen der GranBaristo eine Garantiekarte und eine 24-sprachige Bedienungsanleitung in digitaler sowie Papierform bei. Die braucht es auch, schließlich gibt es auf dem Weg zum perfekten Latte macchiato oder Espresso viele Einstellungsmöglichkeiten.

Ansonsten noch im Karton enthalten: Wasserfilter, Teststreifen, Entkalker, Reinigungspinsel, Fett und ein Hilfswerkzeug für die Einstellung des Mahlgrads.

Schnell den Versandkarton öffnen, schon strahlt mich die GranBaristo an
Schnell den Versandkarton öffnen, schon strahlt mich die GranBaristo an
Bei der Markenjury-Aktion lagen noch zwei Kilo Kaffee bei
Bei der Markenjury-Aktion lagen noch zwei Kilo Kaffee bei
Sicher verpackt: Benutzerhandbücher und Zubehör
Sicher verpackt: Benutzerhandbücher und Zubehör
Die Maschine mit dem kompletten Lieferumfang
Die Maschine mit dem kompletten Lieferumfang
Schicke Optik der GranBaristo mit Kaffeekreation
Schicke Optik der GranBaristo mit Kaffeekreation
Modernes Touch-Display statt altmodischer Schalter
Modernes Touch-Display statt altmodischer Schalter

Technische Daten Fassungsvermögen & Lautstärke

Die Entwickler von Philips spendierten der GranBaristo Themospeed- und Latte-Perfetto-Technologie sowie eine VariPresso-Brühgruppe, doch werfen wir zuerst einen Blick auf die nackten Zahlen:

  • Durchlauferhitzer: Edelstahl
  • Leistung: 1.900 W
  • Pumpendruck: 15 bar
  • Fassungsvermögen (Kaffeebohnen): 270 g
  • Fassungsvermögen (Satzbehälter): bis zu 20 Portionen
  • Fassungsvermögen (Milchbehälter): 0,5 l
  • Fassungsvermögen (Wasserbehälter): 1,7 l

Die GranBaristo ist mit einem Keramikmahlwerk ausgestattet, das mit seinem stetigen Mahlvorgang eine schonende und für den Geschmack optimierte Zubereitung verspricht. Es soll laut der Philips Pressemitteilung „besonders leise und langlebig“ sein, doch für meine Ohren ist es immer noch laut. Unterhalte ich mich nebenbei mit Freunden oder Verwandten, müssen wir die Stimmen deutlich anheben, um uns zu verstehen. Leiser ist die Maschine zumindest, wenn die Spülung vor dem ersten oder nach dem letzten Kaffee ansteht. Da kenne ich wesentlich lautere Geräte.

Viel Kunststoff, aber dennoch schicke Optik
Viel Kunststoff, aber dennoch schicke Optik
Auslauf für heißes Wasser
Auslauf für heißes Wasser
Passt gerade noch so darunter: Starbucks-Städtetasse
Passt gerade noch so darunter: Starbucks-Städtetasse
Hier wird's eng: alte Starbucks-Standardtasse mit dickem Rand
Hier wird's eng: alte Starbucks-Standardtasse mit dickem Rand
1,7 Liter fasst der Wassertank
1,7 Liter fasst der Wassertank
0,5 Liter passen in den Milchbehälter
0,5 Liter passen in den Milchbehälter
Hier kommt die Milch rein, um nach …
Hier kommt die Milch rein, um nach …
… dem Öffnen heiß und aufgeschäumt in die Tasse zu fließen
… dem Öffnen heiß und aufgeschäumt in die Tasse zu fließen

Einrichtung & Praxistest Schneller Start, längere Einrichtung

Der große Vorteil eines Vollautomaten gegenüber herkömmlichen Kaffeemaschinen aus der Generation meiner Eltern: ihre Individualität. Auf Knopfdruck stehen dank VariPresso-Brühgruppe 16 Kaffee- und Milchspezialitäten zur Verfügung.

Wie Saeco auf diese Zahl kommt, ist mir allerdings ein Rätsel: Für mich sind 14 Möglichkeiten grafisch dargestellt – inklusive heißer Milch und heißem Wasser. Vermutlich zählt Saeco diese nicht mit, dafür aber die Zwei-Tassen-Möglichkeiten für Espresso, Café crème, Coffee und Americano. Dann käme ich auch auf 16 Varianten. Klingt aus Marketingsicht super, wenn auch ein wenig gemogelt. Das soll die GranBaristo in keinster Weise schlecht reden, denn sie ist klasse!

Folgende Spezialitäten gibt es:

  • Ristretto
  • Espresso (x2)
  • Café crème (x2)
  • Espresso mild
  • Espresso intense
  • Espresso macchiato
  • Coffee (x2)
  • Americano (x2)
  • Energy coffee
  • Cappuccino
  • Latte machiato
  • Café au lait
  • Frothed milk
  • Hot water

Die GranBaristo von Saeco bietet ein fünfstufiges Mahlwerk und eine in sechs Stufen einstellbare Kaffeeintensität. Dazu gesellen sich sechs Benutzerprofile – perfekt für die ganze Familie und jeden Geschmack. In meinem Test kam ich mit vier Benutzerprofilen aus. Jeweils zwei (mild und stark) für den Einzelbedarf und für zwei Tassen. Temperatur, Kaffeemenge und -stärke lassen sich ebenso einstellen wie Milchmenge und Aroma. Die Maschine passt je nach Variation automatisch den notwendigen Druck an. Alles Grundlagen für den perfekten Kaffeegenuss. Die Thermospeed-Technologie sorgt für sehr schnelles Aufheizen. Innerhalb weniger Sekunden nach dem Einschalten war die GranBaristo schon bereit für meinen ersten Wunsch.

Zudem lässt sich – wie bei fast allen anderen Vollautomaten – individuell die Höhe des Kaffeeauslaufs einstellen. Mit einem Spielraum von 7,5 bis 16,5 Zentimeter finden verschiedene Tassen und Gläser darunter Platz. Schwierigkeiten hatte ich jedoch mit dem Cappuccino in einer Starbucks-Standardtasse. Deren Rand ist dicker als bei anderen Tassen. Wenn ich sie nicht punktgenau unter Milch- und Kaffeeauslauf platziert habe, floss der Kaffee aus der linken Düse geschmeidig am Außenrand herunter.

Fragwürdig ist auch die Standardeinstellung für die Temperatur der Kaffee-Spezialitäten: Diese steht nämlich auf der mittleren von drei Stufen und sorgt dafür, dass der Kaffee in der Tasse bereits nach kurzer Zeit kalt ist. Wenn ihr das nicht mögt, müsst ihr für alle Variationen zunächst die Temperatur auf die höchste Stufe stellen. Und zwar für jede separat, denn es gibt keine Möglichkeit, dies mit einer einzigen Anpassung zu erledigen.

Heiß hingegen ist der Milchschaum aus der Karaffe, die schnell an der GranBaristo installiert ist: Wasserauslauf abnehmen, Karaffe einsetzen und die Öffnung nach rechts schieben, schon kann es losgehen. Der Milchschaum ist schön fluffig und fällt auch nach fünf Minuten nicht in sich zusammen. So stelle ich mir Genuss vor.

Allerdings finde ich es schade, dass mich die Maschine nicht vor der Zubereitung der Kaffee- oder Milchspezialität auf zu wenig Kaffee, Wasser oder Milch hinweist. Das tut sie erst, wenn es während der Zubereitung an einer der drei Ressourcen mangelt. Den gestarteten Vorgang kann ich nach dem Auffüllen dann aber nicht fortsetzen, sondern muss ihn neu starten und die unfertige Kreation wegschütten.

Auf die Plätze, fertig, los
Auf die Plätze, fertig, los
Schon gelangt die heiße Milch aufgeschäumt in die Tasse
Schon gelangt die heiße Milch aufgeschäumt in die Tasse
Kurz darauf folgt der Kaffee für meinen Cappuccino
Kurz darauf folgt der Kaffee für meinen Cappuccino
So schön, dass ich dem Prozedere stundenlang zusehen könnte
So schön, dass ich dem Prozedere stundenlang zusehen könnte
Auch für zwei Tassen ist Platz unter dem Auslauf
Auch für zwei Tassen ist Platz unter dem Auslauf
Fertig zur ersten Geschmacksprobe
Fertig zur ersten Geschmacksprobe

Reinigung Sauberkeit für höchsten Kaffeegenuss

In der Vergangenheit war das Reinigen von Muttis Kaffeemaschine unkompliziert und einfach: Filter samt Kaffeesatz entnehmen, Kanne und Aufsatz in den Abwasch, fertig. Bei Vollautomaten ist es aufwendiger: Abtropfschale, Kaffeesatzbehälter, Kaffeeauslauf, Brühgruppe und gegebenenfalls der Milchbehälter – all das will und muss gereinigt werden, um das Aroma auch noch nach Wochen gewährleisten zu können.

Die Reinigung der Saeco GranBaristo gestaltet sich zum Glück sehr einfach. Bei Inbetriebnahme und vorm Abschalten der Maschine beziehungsweise deren Wechsel in den Standby-Modus wird der Kaffeekreislauf gründlich durchgespült. Dafür benötigt die Saeco knapp 40 ml Wasser pro Spülung. Zum Vergleich: Die De’Longhi Magnifica verbraucht die doppelte Wassermenge pro Spülvorgang.

Etwas mehr Wasser verlangt die Reinigung der Brühgruppe. Diese lässt sich mit einem Fingerzug aus dem Vollautomaten entnehmen, abspülen und wieder einsetzen. Erfreulich finde ich, dass sowohl Milchkaraffe als auch Abtropfschale und Kaffeesatzbehälter bequem in die Spülmaschine gepackt werden können.

Saeco GranBaristo HD8964/01 im Cyberbloc-Test (Quelle: Philips)

Aufwendiger und schmutziger ist die Reinigung des Tresterbehälters. Normalerweise landet darin trockener, gepresster Kaffeesatz. In der GranBaristo sammelt sich darin immer wieder auch Flüssigkeit. Und das, obwohl ich Behälter sowie Auffangschale für Wasser vorschriftsmäßig untereinander platziert habe. So endet die Reinigung stets in einer unnötigen Sauerei.

Fazit Großer Kaffeegenuss auf kleinem Raum

Sicher, 989 Euro sind kein Pappenstiel, auch nicht für einen Kaffeevollautomaten wie die Saeco GranBaristo. Allerdings ist die Saeco das Geld auch wert, bietet sie doch perfekten Kaffeegenuss. Dass jede Medaille zwei Seiten hat, ist auch bei der GranBaristo nicht anders. Mit ihren geringen Abmessungen passt sie in jede Küche, dafür muss ich häufiger Wasser, Milch und Kaffee nachfüllen beziehungsweise den Kaffeesatz ausleeren als bei größeren Maschinen.

Ich war nie ein großer Kaffeeliebhaber und wurde vielmehr Fan von Starbucks Vanilla Latte und Co. Nun muss ich gestehen: Ich bin auf den Geschmack gekommen und es vergeht kein Morgen ohne eine Tasse Kaffee, gern auch einen Espresso, einen Cappuccino oder eine Latte macchiato. Individuell einstellbare Kaffeestärke und Aroma, aber auch Wasser- und Milchmenge lassen kaum Wünsche offen. Jede Kaffeekreation trifft neben meinen auch die Geschmacksnerven von Freunden und Verwandten.

Steht mehr als ein halbes Dutzend Besucher gleichzeitig vor der Tür, wünsche ich mir allerdings doch die alte Kaffeemaschine zurück. Damals bekamen alle gleichzeitig ihre Tasse Kaffee, was bei Vollautomaten schwierig ist. Es dauert schon mal fünf Minuten, bis alle in den Genuss kommen. Dafür gibt’s aber für jeden auf Wunsch seine individuelle Kaffeekreation.

Die Saeco GranBaristo überzeugt im Geschmack gleichermaßen wie in Optik, Geschwindigkeit und Sparsamkeit. Alles in allem: eine klare Kaufempfehlung von mir.

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