Produkttest: TechniSat Technistar S1+

von dirk-haase

· 8 min Lesezeit

Produkttest: TechniSat Technistar S1+

HDTV mit Aufzeichnungsmöglichkeit
Das aktuelle Testgerät im Mai ist ein HDTV-Sat-Receiver der Firma TechniSat, genauer gesagt der Technistar S1+. Neben dem frei empfangbaren SD- und HDTV-Programmen der öffentlich-rechtlichen Sender, ermöglichen es die S1-Geräte auch HD+ (bspw. Privatfernsehen in HD) zu empfangen. Laut Werbung bietet „HD+ ein Programmangebot in HD-Qualität“, aber im wahren Leben sieht die Sache anders aus. Als Besonderheit kann der Receiver per Netzwerkkabel oder WLAN in das heimische Netzwerk eingebunden werden, um die Aufnahmen auf den eigenen Rechner zu übertragen und aus der Ferne Aufnahmen zu programmieren, zumindest bei den S1-Modellen (jene ohne +). Um das Fazit schon etwas vorweg zu nehmen, mein eigener, älterer Humax PR-HD1000 hat keine wirkliche Chance gegen den Technistar.
Modellunterschiede
Auch wenn alle Modelle Technistar S1 heißen, so gibt es doch Unterschiede. Die Farbe ist dabei noch die einfachste Entscheidung, da man nur zwischen Silber und Schwarz wählen muss. Der getestete S1+ unterscheidet sich zu dem von Cyberport angebotenen S1 dadurch, dass in diesem das Modul für die HD+-Entschlüsselung fest eingebaut ist und zumindest laut Produktbeschreibung des Herstellers zusätzlich ein Sleep-/Wecktimer integriert ist. Eine Fernprogrammierung ist beim S1+ nicht möglich, beim S1 dagegen schon. Aber Cyberport bietet seinen Kunden ebenso ein Paket aus S1 plus CI+-Modul plus HD+-Smartcard an. Dies ist meiner Meinung die bessere Wahl gegenüber dem S1+ – mehr dazu später.

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Produktbeschreibung
Von der technischen Seite gesehen ermöglicht der Technistar S1/S1+ den Empfang von digitalem Satellitenfernsehen – in SD (Standard Definition) und HDTV (High Definition). Es können alle frei empfangbaren Sender empfangen werden, für verschlüsselte Angebote steht ein CI+ (Common Interface) zur Verfügung. Die Sendungen können auf einer über USB angeschlossenen Festplatte oder einem USB-Stick gespeichert werden. Per HDMI, SCART und Video-Out (Chinch) kann das Bild an ein TV-Gerät weitergegeben werden. Wobei die letzten beiden Möglichkeiten eher eine analoge Altlast und nicht für HDTV zu gebrauchen sind. Der Ton kann per HDMI, SCART, Chinch und S/PDIF ausgegeben werden. Über die integrierte Netzwerkbuchse können Aufnahmen auf den eigenen Computer (Windows) übertragen werden oder von diesem bereitgestellte Inhalte [Fotos (jpeg), Musik(mp3) und Video (ts, ts4, vob, mpeg)] wiedergegeben werden. Das gleiche gilt für die angeschlossene Festplatte, der Anschluss lieferte im Test genügend Strom um eine 2,5-Zoll-Festplatte problemlos zu betreiben. TechniSat bietet auch einen USB-WLAN-Adapter an, über welchen der Receiver in das heimische Funknetz integriert werden kann. Mit diesem ist dann allerdings die einzige USB-Buchse belegt und der Anschluss einer Festplatte verhindert. Über einen USB-Hub mit eigener Stromversorgung sollte der Parallelbetrieb möglich sein.

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Inbetriebnahme
Geliefert wurde das Gerät mit einer Fernbedienung und passenden Batterien, einem externen Netzteil, HDMI-Kabel und einer Bedienungsanleitung, welche mit 189 Seiten schon als richtiges Handbuch bezeichnet werden kann, der Garantiekarte, Gutschein für ein kostenloses CI-Modul für den Sky-Empfang (Abo), Gutscheincode um MTV unlimited für einen Monat kostenlos zu empfangen und einer HD+-Karte inklusive 1 Jahr kostenlosem Zugang. Soweit zu den Vorbetrachtungen, nun soll es endlich losgehen. Da alle Anschlüsse eindeutig gekennzeichnet sind, bereitete das Anschließen keine Probleme und der Technistar S1+ konnte in Betrieb genommen werden. Neben dem Aus (Standby) per Fernbedienung findet sich an der Rückseite ein echter Powerschalter, so dass das Gerät bei Bedarf auch zu 100 Prozent stromlos geschaltet werden kann. Dies verhindert aber die automatische Aktualisierung des Programmguides.

Wie bei einem Computer benötigt auch der S1+ beim ersten Einschalten einige Zeit zum booten, beim zweiten mal ist er schneller. Außerdem gibt es eine Art „Speedmodus“, welcher allerdings etwas Strom verbraucht. Sobald das TechniSat-Logo vom Bildschirm verschwunden ist, beginnt die Installation von der Sprachauswahl über die Satelliten-Auswahl, Sendersuchlauf bis zum Update der Firmware. Alles in allem dauerte es circa 20 Minuten bis ich das erste Fernsehbild sehen konnte. Um den Beitrag nicht unnötig in die Länge zu ziehen, spare ich mir eine detaillierte Beschreibung der wohl für jede/n verständlichen Einrichtung und verweise auf die folgende Bildstrecke.

TechniSat Technistar S1+ – Einrichtung“

Praxistest
Anschließend stellte ich fest, dass das Bild der FullHD-Kanäle (1080 Pixel vertikale Auflösung) (z.B. ServusTV aus Österreich) im Vergleich zu den HD-Kanälen (720 Pixel vertikale Auflösung) nicht wirklich schärfer aussah. Die Ursache dafür war aber schnell gefunden – in den Bildeinstellungen war in der Voreinstellung das kleine HD-Format eingestellt. Nach Umstellung auf FullHD wirkte das Ganze noch etwa schärfer. Dadurch konnte ich mich gleich mit dem Menü etwas vertraut machen – es ist einfach und übersichtlich aufgebaut. Genauso einfach lassen sich die Senderlisten (TV und Radio) nach den eigenen Wünschen sortieren.

Nach einigen Tagen Nutzung erfreue ich mich immer noch an den gegenüber meinem Humax PR-HD1000 geringen Umschaltzeiten zwischen einzelnen HD-Kanälen und der guten HD-Qualität. Die Fernbedienung liegt gut in der Hand, die Funktion der vier farbigen Tasten ist immer eingeblendet – sofern aktuell eine Funktion für diese Taste verfügbar ist. Sehr gut und einfach gelöst ist das Umschalten zwischen den einzelnen Regionalprogrammen per Optionen-Taste. So sind diese immer erreichbar, auch wenn nur der „Hauptsender“ in der Senderliste auftaucht. Über dieselbe Taste wird zwischen eventuell vorhanden verschiedenen Tonformaten umgeschaltet. In der Werbung wird der integrierte Multytext wie folgt beworben: „MultyText® ermöglicht die Anzeige von Text- und Bildinformationen (z.B. sendungsbezogene Inhalte, Spiele und Nachrichten) via DigitalSat. Mit dem „Deutschland-& Regionalwetterservice“ hat TechniSat eine eigene MultyText®-Anwendung in Betrieb.“. Zwar existiert ist der von TechniSat dafür vorgesehene Kanal in der Programmauswahl, zeigt aber außer einem schwarzen Bild nichts an. Die Nachfrage bei TechniSat ergab, dass aktuell über diesen Sender nichts ausgestrahlt wird. Andere Sender, welche MultyText nutzen, konnte ich auf Astra nicht finden. Somit scheint es sich leider nur um etwas zu handeln, was man auf Messen und Ausstellungen präsentieren kann.

Wie schon in der Einleitung geschrieben, klingt das Versprechen von HD+ zunächst sehr gut, nur wird man leider recht schnell enttäuscht, denn für die wenigsten Sendungen wird von den privaten Sendern echtes HD-Material verwendet. Und das unbearbeitete SD-Material einfach auf HD-Auflösung aufzublasen kann ja wohl keine Lösung sein. Selbst innerhalb einer Werbepause muss man sich mit wechselnder Qualität abfinden. Wird die HD-Auflösung genutzt, sieht das Bild gestochen scharf aus und man kann das Ereignis genießen – Formel 1 in HD hat schon was. Die öffentlich-rechtlichen Sender nutzen zwar nur die kleinere HD-Auflösung dafür aber durchgehend im gesamten Programm, was ein wesentlich besseres Gesamtbild ergibt. Über die aktuell wenigen echten HD-Sendungen per HD+ kann man sich bei HD-plus, TV movie oder media channel informieren.

Durch das verwendete HD+ per CI+ ergeben sich für die Benutzer einige Einschränkungen: Der Fernzugriff und damit die Fernprogrammierung ist beim S1+ deaktiviert. Die angebotene App funktioniert nur mit dem S1. Das mag zwar durch Lizenzgründe notwendig sein, aber ist es wirklich so schwer, die HD+-Kanäle von der Fernprogrammierung auszuschließen? Am Gerät selber lassen sie sich dagegen aufzeichnen, was das Ganze noch unverständlicher macht. Den nächsten Nachteil merkt man bei der Wiedergabe – will man die ganze Aufnahme sehen, muss man sie sich 1:1 von Anfang bis Ende, inklusive Werbung anschauen, da das vorspulen für HD+-Aufnahmen deaktiviert wurde. CI+ bietet laut Beschreibung auch die Möglichkeit das Aufnehmen von Sendungen zu verbieten, was ich aber bei meinen Aufnahmen nicht feststellen konnte.

Senderauswahl
Musikwiedergabe
SiehFernInfo mit programmierter Aufnahme
Aufnahmemedium prüfen
Aufnahmemedium prüfen
TechniSat Technistar S1+“

Aufnahmen lassen sich sehr einfach aus dem guten „SiehFernInfo“ – Programmguide heraus programmieren – Sendung auswählen, rote Taste drücken, eventuell Aufnahmeparameter anpassen und fertig. Die Aufnahmen werden im Roh-Format gespeichert, so wie es ausgestrahlt wird. Will man sie außerhalb des Receivers anschauen, müssen die Sendungen konvertiert werden, bspw. per Receiver – was für mich dann doch etwas umständlich war, genauso wie die Möglichkeit die Aufnahmen per Fernbedienung zu schneiden. Aufnahmen können aber auch mit einem Windows-PC und dem von TechniSat angebotenen „MediaPort“ konvertiert werden. Das Programm ermöglicht auch das Übertragen der Aufnahmen per Netzwerk vom Receiver auf den PC, ein direktes anschließen der Festplatte über USB an den PC beschleunigt das Übertragen aber um ein vielfaches und ist somit dem Netzwerk (Kabel oder WLAN) vorzuziehen. Was mir außerdem gefiel, ist die Möglichkeit für Radioaufnahmen zusätzlich den Audio-Teil direkt in einer mp2-Datei zu speichern. Das erleichtert die Weiterverarbeitung am Rechner – iPods zum Beispiel mögen keine mp2-Aufnahmen. Eine Konvertierung innerhalb von iTunes ist aber kein Problem.

Fazit
Natürlich ist auch dieses Gerät nicht die „Eierlegende Wollmilchsau“ und es gibt einiges zu kritisieren. So wurde die aktuellste Firmware über den Suchlauf nicht gefunden und musste von technisat.de geladen und manuell installiert werden. Auch wenn dies recht einfach funktionierte, wozu gibt es dann den Update-Kanal per Satellit? Das der Fernzugriff auf dem S1+ nicht möglich ist, ist ärgerlich und ein klares Argument gegen den S1+, dann lieber den schon erwähnten S1 plus separates HD+-Modul. Geht man über die „normale“ Bedienung hinaus und will TV-Aufnahmen am Gerät schneiden wird es schon komplizierter und per Fernbedienung Filme schneiden ist nicht wirklich praktisch. Dann hätte man lieber die „MediaPort“-Software um diese Funktion erweitern sollen. Zudem ist das Programm nicht unter den Downloads zum Receiver zu finden, sondern nur per Suchfunktion. Ebenso funktionierte der HDMI-TechniLink, welcher automatisches Ein-/Ausschalten des TV-Gerätes wenn der Receiver eingeschaltet wird ermöglicht, nicht mit meinem Toshiba-TV. Aber das lässt sich verschmerzen, auch wenn man zu einer zweiten Fernbedienung greifen muss.

Positiv ist natürlich die Bildqualität von HD-Sendungen (für die mangelhafte Umsetzung von HD+ kann TechniSat ja nichts), die geringen Umschaltzeiten, die einfache Bedienung bei „normaler“ Benutzung und der schnelle Kundenservice, welcher auch an einem Sonntag Anfragen per Mail beantwortet. Registriert man seinen S1 bei TechniSat wird die 2-jährige Gewährleistung in eine 3-jährige Garantie umgewandelt, was als zusätzlicher Pluspunkt zählt.

Kommentare

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Gepostete Kommentare

Ronny 20.05.2011, 07:56 Uhr

Kann man mit dem Gerät auch Sendungen von Sky aufnehmen? Die müssten ja eigentlich geschützt sein?

Dirk Haase 20.05.2011, 08:12 Uhr

Das kann ich leider nicht sagen, da ich kein Sky-Abo habe. Wenn es wie HD+ gehandhabt wird, liegt es im Ermessen des Senders die Aufzeichnung zu erlauben oder eben nicht.

Ronny 23.05.2011, 15:02 Uhr

Danke für die Info

Sebastian 29.05.2011, 19:07 Uhr

Ein paar Anmerkungen: Wenn man HD+ nutzen will (also die Privatsender in HD empfangen) sollte man unbedingt den S1+ nehmen und keinesfalls die Kombination aus S1 und CI+ Modul (so wie im Testbericht empfohlen). Denn nur mit dem S1+ kann man die HD+ Sender auch aufzeichnen. Wenn man den S1 in Kombination mit dem CI+ Modul nutzt, ist die Aufnahmemöglichkeit (von HD+ Sendern) von vornherein gesperrt/gar nicht möglich! Über die weiteren Nachteile von HD+, wie z.B. Aufnahmesperren, Vorspulsperre, automatisches Löschen, nur wenig echtes HD kann man sich mit Hilfe von Goole informieren. Außerdem ist der Fernzugriff sowieso der größte Schrott: Festplattenaufnahmen lassen sich nämlich nur programmieren, wenn der Receiver eingeschaltet ist (und somit auch unnötig Strom verbraucht); im Standby klappts nicht. Zum Update über Satellit: Dieses funktioniert grundsätzlich einwandfrei. Vor ein paar Tagen ist aber erst eine neue Softwareversion rausgekommen und TechniSat hat die Angewohnheit, Updates über Satellit immer erst 2 Wochen nach dem Internet-Release anzubieten. Also so im Lauf der nächsten Woche, sollte das Update dann auch über Sat angeboten werden. Zurück zum Thema Aufnahmesperren bei der Nutzung eines CI+ Moduls: Bei Sky sieht es genauso aus. Nutzt man Sky im offiziellen Sky CI+ Modul (für das der Gutschein beiliegt), sind keinerlei Aufnahmen möglich. Bestellt man sich bei Sky dagegen eine S02 Karte und nutzt diese in einem Alphacrypt Light Modul, kann man alles ohne Beschränkungen aufnehmen.

Attenberger 16.11.2018, 07:59 Uhr

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Attenbergerseppatt 16.11.2018, 08:03 Uhr

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