Produkttest: REINER SCT cyberJack RFID-Kartenleser

von dirk-haase

· 7 min Lesezeit

Produkttest: REINER SCT cyberJack RFID-Kartenleser

Homebanking und der neue Personalausweis unter Mac OS X und Windows
Früher oder später bekommt ihn jede/r, den neuen Personalausweis – kurz nPA. Als normaler Ausweis im täglichen Leben wird er sicher seinen Zweck erfüllen, genau wie der bisherige auch. Das besondere am nPA sind die gespeicherten Fingerabdrücke (freiwillig) und die Onlinefunktion. Ersteres konnte ich noch nicht testen, die zweite Funktion dagegen schon, denn trotz der vielen Kritik die es gab, habe ich die Onlinefunktion nicht deaktivieren lassen. Da ich bereits gute Erfahrungen mit dem cyberJack pinpad von REINER SCT (aktuelles Modell: REINER SCT cyberJack e-com) – sowohl unter Windows als auch unter Mac OS X – hatte, wurden für den nPA ebenfalls die passenden Kartenleser von Reiner-SCT getestet – die basis– und die standard-Version.
Unterschiedliche Modelle
Schon rein optisch unterscheiden sich die beiden getesteten Kartenleser in der Bauform: Der RFID basis bietet nur eine kleine schwarze Box mit USB-Kabel. Der RFID standard dagegen sieht dem pinpad ähnlich – er besitzt eine eigene Tastatur und ein Display. Reiner-SCT bietet mit dem RFID komfort eine dritte Variante an, welcher aber auf Grund der geringen Unterschiede zum RFID standard nicht extra getestet wurde. Die Unterschiede sind in der Übersicht des Herstellers schnell zu finden. Leider ist das ganze neben den offensichtlichen Unterschieden (beleuchtetes Display) etwas kryptisch – „Bestätigung nach SigG / SigV für nPA QES“ und das sagt mir was? „QES“ ist die „Qualifizierte elektronische Signatur“, das heißt die elektronische Version der eigenen Unterschrift. Daraus folgt dann wohl leider auch, das man nur mit dem teuersten Kartenleser rechtskräftige Verträge Online per nPA abschließen kann.

cyberJack RFID basis“

Auf der anderen Seite des Angebots ist der RFID basis das schwächste Gerät – zum einen ist er nur für den nPA und einige RFID-Anwendungen zu gebrauchen und selbst dafür stellt er ein Risiko dar. Mangels einer eigenen Tastatur ist keine sichere Pin-Eingabe möglich. Das Risiko eines Missbrauchs wird vom Bundesinnenministerium zu den Anwendern verlagert, die sich bitte schön selbst um die Sicherheit ihres Rechners kümmern sollen und noch eine Antivirus-Software plus Firewall kaufen dürfen. Da hätte sich das Ministerium die kostenlose Verteilung dieses Kartenlesers sparen sollen und lieber nur den Kauf der standard-Variante unterstützt. Diese kostet zwar das Doppelte, bietet aber mit einer eigenen Tastatur erhöhte Sicherheit bei der Pin-Eingabe und lässt sich zusätzlich als Kartenleser für sicheres HBCI-Homebanking nutzen. Ebenso haben die beiden teureren Geräte diverse Zulassungen/Bestätigungen/Sicherheitsüberprüfungen, welche die basis-Variante nicht hat.

cyberJack RFID standard“

Lieferumfang
Dem RFID basis liegen nur ein paar Faltblätter und eine „loginCard“ bei. Beim RFID standard zusätzlich noch eine CD mit Treibern (Download der aktuellen Version) und ein langes USB-Kabel, so das sich der Kartenleser ohne großen Aufwand an der gewünschten Stelle auf dem Schreibtisch platzieren lässt. Für den RFID basis ist kein Treiber-Download notwenig, die Installation erfolgt unter Linux, MacOS und Windows automatisch. Peinlich für Reiner-SCT fand ich persönlich, das es zum Erscheinen der RFID-Kartenleser mit dem Mac-OS-X-Treibern nicht möglich war, die Pin sicher über den Kartenleser einzugeben. Beim cyberJack pinpad funktionierte dies aber schon seit „Ewigkeiten“ problemlos. Mit der Mitte Mai erschienenen neuen Treiber-Version 3.99.5 wurde dieses Problem aber behoben.

Praxiseinsatz
Ist der Kartenleser betriebsbereit sollte er auch genutzt werden. Unter Windows funktioniert der RFID standard problemlos mit moneyplex und StarMoney. Unter Mac OS X konnte ich etwas umfangreicher testen und alle Programme die schon Ende 2009 angetreten waren, durften sich noch einmal versuchen. moneyplex Mac arbeitete von Anfang an mit dem RFID standard, abgesehen von dem Treiberproblem zur sicheren Pin-Eingabe, problemlos zusammen. Leider befindet sich das Programm auch nach 1 1/2 Jahren immer noch im Betatest – soll wohl eine Konkurrenz für Duke Nukem werden ;-). Matrica musste für einen mehrfach verschobenen Erscheinungstermin viel Kritik einstecken , aber es gibt auch Fortschritte, sowohl in der Funktion als auch in der Optik. Auf der anderen Seite hat mir der lange Betatest bisher den Kauf des Programms erspart. Wer sich selber ein Bild vom aktuellen Stand machen will, kann sich die beta-Version direkt beim Hersteller laden. Ja, ich mag das Programm und bevorzuge es, aber matrica hat auch viele „Meckermails“ bezüglich der Fehler und der Handhabung des Betatests von mir bekommen, insofern gleicht sich das aus. ;-)

moneyplex Mac 11 (beta)
moneyplex Mac 11 (beta)
BankX
Hibiscus
Hibiscus
REINER SCT cyberJack – Praxis – Teil 1″

Aber auch die anderen Hersteller haben die Zeit genutzt und ihre Programme weiterentwickelt. Aber BankX (v4.2.1) wollte die eingegebene Pin nicht akzeptieren, der Kartenleser wurde aber korrekt erkannt. GnuCash (2.4.5) sollte inzwischen mit HBCI-Kartenlesern auch unter Mac OS X klarkommen. Allerdings wird diese Möglichkeit nicht direkt beim ersten Programmstart angeboten, sondern versteckt sich im Menü Werkzeuge/Onlinebanking Einrichtung. Der Assistent startet zwar, GnuCash stürzt aber beim Einrichten eines neuen Benutzers ab. Auch Jameica/Hibiscus (v1.12.3) kann in der Grundeinstellung mit dem RFID standard nichts anfangen, eine manuelle Konfiguration bricht mit der Meldung ab, das ein Fehler beim testen des Sicherheitsmediums auftrat. Da auch MacGiro (v6.5.1) die Zusammenarbeit verweigert, tippe ich momentan eher auf ein Kommunikationsproblem mit dem neuen Treiber als einen Programmfehler, welches sicher mit einem Programmupdate behoben werden kann. Zu Linux kann ich keine Aussage treffen, aber auch dort sollte es auch zumindest mit moneyplex funktionieren.

Einsatz des neuen Personalausweises
Der Haupteinsatzzweck für die RFID-Leser ist der neue Personalausweis (nPA). Mit diesem kann man sich Online ausweisen und den ein oder anderen Gang oder Brief ersparen. Zu all dem wird die AusweisApp benötigt, welche aktuell (Mai 2011) nur für Windows verfügbar ist. Die ehemals genannten Termine für die Linux- und Mac-OS-X-Versionen wurden inzwischen durch „im Laufe des Jahres“ ersetzt. Nach der Installation klinkt sich das Programm in die Taskleiste ein und „lauert“ von da an auf den Aufruf. Als zweiter Schritt muss der Transportpin gegen einen neuen ersetzt werden, erst dann kann der Ausweis genutzt werden. Die AusweisApp wird dann von der Webseite aufgerufen, welche den nPA unterstützt. Diese wiederum zeigt an, welcher Anbieter welche Daten von der Karte abrufen will. Ist man damit einverstanden ist die Pin einzugeben und der Kartenleser leitet die Daten an die Webseite zur Identifizierung weiter.

AusweisApp
AusweisApp
Von der Webseite gewünschte Daten
Anzeige der Renteninformationen
Anzeige der Renteninformationen
REINER SCT cyberJack – Praxis – Teil 2″

Was kann man konkret machen? Derzeit noch nicht viel, nur wenige Städte und Gemeinden bieten eine Unterstützung an, zum Großteil sind es Versicherungen welche ihren Kunden den Login erleichtern. Eine aktuelle Übersicht welche Unternehmen die Online-Ausweisfunktion unterstützen findet sich hier online oder ausführlicher als PDF.

Seit Anfang Mai ist die Abfrage des aktuellen Punktstandes beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg möglich. Leider wird das Ergebnis nicht direkt mitgeteilt, sondern altmodisch per Brief verschickt. Informationen zur eigenen Rente können dagegen schon länger direkt Online abgerufen. Bei meiner Versicherung konnte ich die Daten zu den bestehenden Verträgen abrufen, eine neue Versicherung wollte ich zum Test aber nicht abschließen. ;-)

Nutzung der loginCard
Um die den Lesern beiliegende loginCard zu nutzen, ist zunächst ein Plugin für den Browser zu installieren (Windows – automatisch, Linux und Mac manuell), eine Pin festzulegen und sich für den Service zu registrieren. Aktuell werden folgende Anwendungen angeboten: Strato HiDrive (Onlinespeicher), Internet Cockpit (viele Onlinedienste mit einem Login nutzen – aber warum soll ich denen meine Passwörter mitteilen?), ComputerBild-Login (wer es braucht) und Login bei CyberGhostVPN (anonymes Surfen). Mit der notwendigen Registrierung verlängert sich die Garantie für den Kartenleser auf drei Jahre, was nützlich sein könnte, aber mit dem Rest kann ich derzeit nicht wirklich etwas anfangen. Die auf der Rückseite der Karte erwähnte Computeranmeldung per loginCard oder der Zugriff auf verschlüsselte Dateien scheint auf Windows-Systeme beschränkt zu sein, aber dafür konnte ich keine Setup-Dateien auf der Seite finden und somit auch nicht testen.

Fazit
Und welchen Kartenleser soll man kaufen? Die beste Variante ist wohl der RFID standard – er ermöglicht gegenüber der basis-Version eine sichere Pin-Eingabe und lässt sich zusätzlich für das Homebanking per HBCI-Karte nutzen. Den doppelten Preis für die komfort-Variante, nur damit man auch Verträge rechtskräftig im Internet unterschreiben kann, würde ich persönlich allerdings nicht zahlen. Da investiere ich lieber etwas Kleingeld in einen „analogen“, altmodischen Brief, so viele neue Verträge schließe ich nicht ab, als dass sich die Investition derzeit lohnen würde. Bleibt die Hoffnung, dass das Angebot in Zukunft großzügig ausgebaut wird und der Kartenleser dann nützliche Anwendungen für den nPA bietet.

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