Produkttest: Nikon D7000

von Hans-Peter Pfeil

· 5 min Lesezeit

Produkttest: Nikon D7000

Die neue Mittelklasse in der DSLR-Fotografie
Hervorragend! Nikons neue DSLR hat das Zeug zum Kassenschlager. Doch der Reihe nach…Erinnern sich unsere Leser noch an meine Besprechung der Canon EOS 60D vor etwa zwei Monaten? Wir stellten dem Konkurrenten damals ein gutes Zeugnis aus. Nichts anderes hat die neue Mittelklasse Kamera D7000 aus dem Hause Nikon zu erwarten. Handlich im Format und solide in der Verarbeitung überzeugt sie bereits beim Auspacken. Der 16 Megapixel-Bolide mit neuem CMOS-Bildsensor ergänzt Nikons DSLR-Angebot und siedelt sich qualitativ exakt zwischen den beiden Schwestern D90 und D300s an. Hinsichtlich Preis und Leistung rückt sie sogar näher an die höherpreisige D300s ran. In Sachen Konkurrenz bleibt die Nikon D7000 nur knapp hinter oben genanntem Canon Body zurück.
Ähnlich wie in der EOS 60D werkelt in der Nikon D7000 ein CMOS-Bildsensor im APS-C-Format. Nur, dass die relative Auflösung bei Nikon lediglich 16 statt 18 Millionen Bildpunkte beträgt. Wer jetzt schlechtere Bildergebnisse befürchtet, dem sei gesagt: Die Nikon D7000 zeigt bei niedrigster Lichtempfindlichkeit nur wenig Bildrauschen. Die Kollegen von chip.de haben sogar herausgefunden, dass der „Visual-Noise-Messwert bei ISO 100 nur 0,5“ beträgt. Deshalb kann man die D7000 selbst in höheren ISO-Bereichen als rauscharm bezeichnen.

Nikon D7000 – Teil 1″

Geschwindigkeit
Das Arbeitstempo der D7000 ist etwas für beschauliche Fotofreunde. Die gefühlten Reaktionszeiten sind für eine Mittelklasse DSLR dieser Preisklasse jedoch im Rahmen des Üblichen. Für die gemütliche Fotosafari eignet sich der Autofokus im Live-View-Modus, wenn der Fotograf knapp zwei Sekunden fürs Scharfstellen einkalkuliert. Eilige Pressetermine oder schnelle Sportereignisse lassen bei der D7000 eher auf einen Spielverderber tippen. Für Action und Sport ist sie nicht gerade konzipiert, ähnlich wie die Canon EOS 60D übrigens. Zwar gelingen der D7000 Serienbilder von sechs Aufnahmen in der Sekunde, aber der AF braucht seine Zeit zum Scharfstellen und zieht sehr oft etwas hinterher. Der Schärfepunkt liegt nicht immer dort, wo er soll. Manuell zu fokussieren, geht dabei leichter von der Hand. Bei den Reihenaufnahmen in RAW-Format legt die Kamera übrigens nach zehn Bildern eine kurze Speicherpause ein. Im JPEG-Format sind 100 Fotos das Höchste der Gefühle. Der Li-Ionen Batterie-Pack EN-EL15 liefert mit 1900 mAh und 7.0V ausreichend Energie. Nach Herstellerangaben sollen damit 2.240 Aufnahmen möglich sein.

Gehäuse
Die D7000 ist wie die Canon EOS 60D zwar gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet, aber Allwettertauglich und robust für den harten Reporteralltag in Krisengebieten sind beide Modelle nicht unbedingt. Wichtige Gehäuse-Teile sind aus einer Magnesium-Legierung gefertigt, der Rest besteht aus Hartgummi und Kunststoff. Auf dem Parkett des Wiener Opernballs dürfte sich die D7000 wohl eher zuhause fühlen, als auf den staubigen Straßen Lybiens oder zwischen den Trümmern im Japanischen Fukushima.


Film-Review der Kollegen von CHIP Online.

Bedienung
Die Anordnung der Bedienelemente ist wie beim Kontrahenten Canon auch bei Nikons D7000 auf höchstem DSLR-Standard und damit intuitiv erlernbar oder einfach nur praxisgerecht angeordnet. Die Funktionen von Tasten und der beiden Drehräder können wie bei Canon individuell angepasst werden. Via Fn-Taste, vorne rechts neben dem Griffstück, kann sich jeder Fotograf die Lieblingsfunktion sogar per Knopfdruck aufrufen. Zwanzig Möglichkeiten stehen zur Auswahl. Wer sich bei den Aufnahmemodi zu den bekannten Programm- und Motiv-Voreinstellungen gerne weitere Vorgaben aufs Moduswahlrad legen möchte, findet dort zwei zusätzliche Positionen vor. Per Einstellring unterhalb des Programmwahlrads können sowohl die Auslösefunktionen wie Selbstauslöser, als auch die Auslösemodi wie Singleshot oder Bildfolge eingestellt werden. Selbst das Auslösegeräusch kann kontrolliert werden. Im Q-Modus klingt der satte Plopp des Spiegels dann etwas gedämpfter. Beim diskreten Fotografieren bei Ansprachen oder feierlichen Anlässen ist diese Flüster-Funktion sehr begrüßenswert. Insgesamt störte uns das Auslösegeräusch im Normalbetrieb aber nicht im Geringsten. Für Umsteiger vielleicht etwas irritierend: Über die „Q-Taste“ an der Gehäuse-Rückseite der EOS 60D erreicht der Fotograf dort ein Bildschirmmenü mit allen wichtigen Belichtungseinstellungen.

Begrüßenswert ist eine weitere Funktionstaste unterhalb des Bajonettverschlusses. Mittels Umschalthebel kann der Nikon-D7000-Fotograf schnell zwischen manuellem und automatischem Fokussierung hin- und herspringen. Übrigens baut das Autofokussystem der D7000 auf 39 Messfeldern auf. Neun davon sind Kreuzsensoren – die D90 besitzt nur 11 Messpunkte. Die D300s hat 51 Messfelder.

Nikon D7000 – Teil 2″

Praktisches Extra: zweifacher SD-Slot
Was bei der D7000 ebenfalls einen sehr positiven Anklang findet, ist die Tatsache, dass sie zwei SD-Kartenslots bietet. Speicherplatz quasi satt! So können je nach Fotoauftrag entweder gleich zwei identische Speicherkarten angelegt werden, JPEG- und RAW-Dateien getrennt gespeichert oder einfach nur doppelt soviel Aufnahmen gebunkert werden.

Filmaufnahme
Natürlich lassen sich mit der D7000 auch kleine Filmchen drehen. In diesem Punkt steht Nikon der Konkurrenz von Canon in nichts nach: Full-HD bei 24 B/s ist gestattet. Der Autofokus schärft während der Aufnahmen nach. Aber wie bei der EOS 60D kommt es bisweilen zu störenden Pump-Effekten. Beim Filmen im Video-Modus kann zusätzlich ein externes Mikrofon verwendet werden. Leider fehlt eine verlässliche Pegelanzeige. Beim Filmen lassen sich die ISO-Zahl und Belichtungszeit einstellen. Nicht so die Blende.

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Beispielaufnahmen in Originalgröße (4928 x 3264 Pixel): Nahaufnahme Fahrrad, Nahaufnahme Obstschale I, Nahaufnahme Obstschale II, Blumentopf I, Blumentopf II und Blumentopf III.

Display und Wasserwaage
Gut gefallen hat uns der 3-Zoll-Bildschirm, der einen farbgetreuen und scharfen Bildeindruck ermöglicht. Gut aufpassen sollte man auf die mitgelieferte Displayabdeckung, die wir fast verloren hätten, als die Kamera beim Fotospaziergang an der Jackenseite baumelte. Der optische Sucher erfreut das Auge des Bildermachers mit heller Darstellung. Er zeigt ihm ein hundertprozentiges Bildfeld bei 0,94facher Vergrößerung. Ganz neidisch können Canon-Paparazzi werden, weil die D7000 über eine elektronische Wasserwaage im Display und Sucher verfügt. Diese Kreativ-Kontrolle lässt Canon seit Jahren vermissen. Aber wie ein Canon-Urgestein in seinen Fotoseminaren immer wieder seit Jahrzehnten betont: „Wenn’de zum Knipsen ne Wasserwaage brauchst, dann schraubst’de Dir eine an Dein Gehäuse.“

Fazit
Unser Fazit zur Nikon D7000: Wer sich bereits im Nikon Foto-Universum tummelt und demnächst eine DSLR-Neuanschaffung plant, sollte sich dieses Modell mal genauer anschauen. Leistung und Technik orientieren sich am Niveau der größeren und älteren Schwester D300s. Nur im Live-View kann ihre Autofokus-Geschwindigkeit nicht mit der Großen mithalten. Dafür aber bietet die D7000 die besseren Video-Möglichkeiten. Die Bildqualität gehört derzeit sicherlich zum Besten in diesem Preissegment. Das geringe Bildrauschen sei hier nochmals erwähnt.

Das adäquate Gegenstück findet sich beim Konkurrenten Canon, der mit der EOS 60D ebenfalls mit einer guten Bildqualität und hohen Detailgenauigkeit überzeugen kann.
Wer die Qual zwischen Nikon und Canon hat, achtet beim Kauf auf die Bildauflösung. Hier hat die EOS 60D etwas die Nase vorn, wenngleich auch bei etwas mehr Bildrauschen. Auch preislich dürfte Canon mit seinem nahezu identischen Kamera und Objektiv-Kit dem
Nikon-Angebot leicht den Rang ablaufen. Zwischen 50 und 100 Euro – je nach Anbieter – ist hier Canon günstiger zu haben.

Letztlich entscheidet wohl der Geschmacksunterschied bei der Wahl zwischen beiden Fotosystemen. Oder einfach nur ein einziger Kreativ-Vorteil bei der Ausstattung: Der schwenkbare Monitor der EOS 60D entfesselt das Fotografieren, während die elektronische Wasserwaage der Nikon D7000 das Motiv ins rechte Lot bringt ;-).

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