Produkttest: Nikon D40
Produkttest: Nikon D40
Die Liebe meines Lebens…
Auch wenn es momentan etwas stressig in meinem Alltag ist, möchte ich mir heute etwas Zeit nehmen und meinen Testbericht zu Nikons aktueller Einsteigerkamera DSLR D40 verfassen. Eines kann ich schon vorweg nehmen: Die D40 ist mir in meinem dreieinhalbwöchigen Testzeitraum sehr ans Herz gewachsen, sodass es mir schwer fiel, sie wieder abgeben zu müssen. Aber wie es eben so ist – Schüler & Studenten, ich glaube, das sagt schon alles (zumal ich meine letzten, noch nicht verplanten Mäuse in Shures E4c investiert habe)…
Starten wir also gleich durch und nehmen die D40 genauer unter die Lupe: Wie schon geschrieben, handelt es sich bei der Nikon D40 um eine Einsteiger-DSLR, die zwar noch weit entfernt von Profi-DSLRs wie der Canon EOS 1D oder anderen gleichrangigen Konsorten ist, aber dennoch jede andere „Kompaktknipse“ im Regen stehen lässt, wie sich im späteren Teil des Artikels deutlich zeigen wird. Beginnen wir aber erst einmal mit einem kurzen Auszug aus den technischen Daten.

Technische Daten
Auflösung: 6,1 Megapixel
Dateiformat: Komprimiertes NEF (RAW), JPEG
Wechselspeicher: SD-Speicherkarte
Monitor/Sucher: TFT-Display mit 230.000 Punkten, 2,5 Zoll (Helligkeitsregelung)
Belichtungssteuerung: 8 Aufnahmeprogramme
Belichtungszeiten: 30 Sekunden bis 1/4000 Sekunde & Langzeitbelichtung (Bulb)
weitere Funktionen: ISO 200 bis ISO 1600, Serienaufnahmen: 2,5 Bilder/s, 40 JPEG-Aufnahmen bzw. 5 RAW-Aufnahmen (NEF) in Folge (ohne Verzögerung)
Blitz: Blitzautomatik, automatisches und manuelles Aufklappen möglich
Verbindung zum Computer: USB 2.0 Hi Speed
sonstige Anschlüsse: NTSC oder PAL, Mass Storage oder PTP
Stromversorgung: Lithium-Ionen-Akku (optional: Netzadapter)
Abmessungen/Gewicht: ca. 94 x 126 x 64 mm, ca. 475 g (ohne Akku, Speicherkarte und Gehäusedeckel)
Lieferumfang (Herstellerangaben): Objektiv 18-55 mm, Lithium-Ionen-Akku, Schnellladegerät, USB-Kabel, PictureProject, Gummi-Augenmuschel, Tragegurt, Gehäusedeckel, Okularabdeckung, Abdeckung für Zubehörschuh

Für die „Knipser“ unter uns, die bisher ohne DSLR-Technologie ihre Bilder geschossen haben, sollten vor allem der RAW-Modus, die hohe Spanne der Belichtungszeiten, die hohen ISO-Werte und der PTP-Modus (Direktübertragung von Bildern von der Kamera auf den PC/Mac) Neuland sein. All diese den DSLRs vorbehaltenen Fähigkeiten sind aber auch für den Hobbyfotografen sehr nützlich.
RAW-Modus und Formatwahl
Viele Neulinge auf diesem Gebiet werden sich hier wohl die Frage stellen, was man unter „RAW“ zu verstehen hat. Kurz und knapp bedeutet „raw“ nichts anderes als „roh“ – und das hat man hier wortwörtlich zu verstehen, denn im RAW-Modus schreibt die Kamera genau das auf die Speicherkarte, was an Licht auf den Sensor im Inneren der Kamera trifft, ohne dass die Daten wie bei JPEG komprimiert und somit die Farbgebung und der Detailreichtum verfälscht werden.
Bilder in einem RAW-Format (nahezu jeder Hersteller hat ein eigenes Format) bilden somit auch genau das ab, was durch die Linse gefallen ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Daher eignet sich dieser Modus für die Bildbearbeitung am Mac oder PC besonders gut: Per Software regelt man hier nachträglich den Weißabgleich sowie etliche weitere Filter. Für den normalen User ohne genauere Kenntnisse von digitaler Nachbearbeitung empfiehlt sich aber weiterhin wie im Low-Budget-Bereich der JPEG-Modus, der deutlich kleinere Dateien (etwa 1/5 des NEF-Formats oder noch kompakter) erstellt, die für den Gelegenheitsfotografen durchaus ausreichend sein sollten und sich in der Bildgröße (Pixelmaße) nicht unterscheiden. Außerdem bietet der JPEG-Modus den Vorteil, dass man mit der D40 satte 40 Bilder nacheinander schießen kann, ohne auf den Speicher der Kamera warten zu müssen – eine reife Leistung, denn im RAW-Modus kommt man hier nur auf 5 Bilder. Auch Unentschiedenen bietet die D40 hier eine Alternative: Es ist möglich, beide Formate gleichzeitig zu verwenden, sodass man sowohl eine NEF- und eine JPEG-Datei erhält.

Belichtungszeiten
Auch hier kann die D40 meine Erwartungen voll und ganz erfüllen. Von 1/4000 Sekunde bis zu einer beliebigen Öffnungszeit der Blende sind hier nahezu alle Einstellungen machbar. Doch was bedeutet das für meine Bilder und welche Vorteile hat das? Ganz einfach: Jeder von uns kennt sicherlich Bilder vom weichen Fluss eines Wasserfalls, von Lichtspuren von Fahrzeugen oder ähnlichem. Genau hierfür verwendet man den Bulb-Modus bzw. eine lange Belichtungszeit. Je höher die eingestellte Zeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Wie uns allen bekannt sein sollte, sehen wir Objekte nur, weil sie Licht reflektieren, also zurückwerfen. Nun bewegt sich aber das Wasser in einem Bachlauf oder wenn es einen Wasserfall herunterströmt. So kommt es zu Stande, dass die Wassertropfen ihr Licht ständig von einer neuen Position reflektieren. Bei der Langzeitbelichtung nimmt die Kamera also sozusagen die Bewegung der Wasserteilchen auf, da sie dauerhaft das reflektierte Licht aufzeichnet. Der dabei wischende Effekt ist also nichts anderes als die Überlagung der Bewegungsbahnen der Wasserteilchen. Auf diese Weise entsteht dann der „flockige“ Effekt bei der Langzeitbelichtung von fließendem Wasser. Analog dazu läuft der Prozess auch bei einer längeren Belichtung einer Straße ab, wodurch man die Bahn der Autoscheinwerfer sehen kann. Ich habe das ganze natürlich auch mal ausprobiert und war sehr begeistert. An dieser Stelle verliebte ich mich tatsächlich in die Test-Nikon.

ISO-Werte
Der ISO-Wert spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle in der Fotografie. Per ISO wird festgelegt, wie empfindlich der Sensor auf Lichteinfall reagieren soll. So kann ein hoher ISO-Wert, beispielsweise bei Innenaufnahmen, von großem Vorteil sein. Von den kleineren Digicams kennt man hier das bekannte „Rauschen“ (Verzerrung oder Sprenkelung des Bilder mit kleinen farbigen oder weißen Pixeln). Bei der D40 fällt dieser Effekt nahezu komplett weg, was auch dunklere Aufnahmen detailreich und unverfälscht erscheinen lässt. Hier soll die D40 laut einigen Artikeln bei den „1000€+“-Modellen mitspielen können (beispielsweise Nikon D80) und lässt direkte Konkurrenten von Sony oder Canon (etwa die 350D oder 400D) hinter sich.

Blitz, Fokus, Weißabgleich und Co.
Auch an dieser Stelle ist die D40 nur zu loben. Sie bietet acht Aufnahmemodi, einen automatisch/manuellen Blitz, Fokus und Weißabgleich. Somit kann sich der Benutzer entweder auf das Können der Kamerasoftware verlassen oder selbst Hand anlegen. Egal, wie man vorgeht, fast immer perfekte Aufnahmen sind die Folge. Mir persönlich hat aber der komplett manuelle Modus am besten gefallen, da man hier als Fotograf wenigstens ein wenig das Gefühl hat, etwas zu arbeiten und zum Ergebnis beizusteuern. Zwischendurch habe ich dann aber auch per Menü-Rad auf den Auto-Modus zugegriffen, der mit Blitzaktivierung und -stärke, Weißabgleich, Fokus, ISO und Belichtungszeit alles Nötige völlig automatisch geregelt hat. Zum integrierten Blitz ist noch zu sagen, dass er sehr hell ist, aber dennoch kaum Bildverfälschungen, beispielsweise Rote Augen, produziert, was wohl auf das sehr durchdachte Designkonzept der DSLR-Kameras zurückzuführen ist. Falls der interne Blitz nicht genügen sollte, kann man auf der Oberseite problemlos über ein „universelles Dock“ einen zusätzlichen anstecken.

Weiteres Erfreuliches – und Unerfreuliches
Wie schon in meinen iPod-Produkt-Tests, möchte ich auch hier auf den Akku eingehen. Da es sich um einen Lithium-Ionen-Akku handelt, ist eine lange Akkulaufzeit garantiert. Im Test schoss die D40 so an die 300 Bilder, bis der Akku den Geist aufgab. Das Laden ging dann recht flott von der Bühne, sodass ich schon nach etwas mehr als einer Stunde erneut loslegen konnte. Schnellladegerät sei Dank! Positiv zeigt sich auch die Menü-Führung der D40: Klar strukturiert, listet Nikon eine Vielzahl an Spezialfunktionen (Rauschreduzierung) sowie Details zur Kamera-Hardware auf.
Weniger erfreulich ist allerdings die Software, Nikon Capture NX. Falls man nämlich auf Dauer, d.h. länger als 30 Tage, mit dem NEF-Format arbeiten möchte, muss man satte 100 Euro auf den Tisch legen, um die Trial-Version zu entriegeln. Bei einem Gerätepreis von fast 600 Euro finde ich so etwas sehr unverschämt. Die Konkurrenz leistet sich bei der Software keine solche Kapriole.

Fazit
Es ist unbeschreiblich, wie man eine Kamera vermissen kann. Seitdem mich die D40 am letzten Freitag wieder verlassen hat, muss ich wieder mit einer kleineren Nikon E4800 – ab sofort meinerseits nur noch als „Spielball für den Hund“ bezeichnet – leben. Die Nikon D40 war wohl die beste Digitalkamera, die ich jemals über einen längeren Zeitraum benutzt habe. Abgesehen von der D80, die ich manchmal in der Schule mitbenutze, kenne ich keine Kamera in meiner Umgebung, die mit der D40 mithalten kann: fast unbeschränkte Einstellungsmöglichkeiten, ein guter Akku, das Gefühl von echter Arbeit. Egal, für welches Speicherformat man sich entscheidet – NEF oder JPEG – die Bilder sind immer gestochen scharf, ohne sie verkleinern oder „filtern“ (Photoshop) zu müssen. Diese Kamera ist definitiv ihr Geld wert. Wer also momentan plant, sich eine DSLR in dieser Preisklasse zuzulegen, sollte sich die D40 einmal genauer ansehen.

PS: Ein Testbericht zu den eingangs erwähnten Shure-E4c-Kopfhörern, wird Anfang April im direkten Vergleich zu Shures neuen SE210 – die bisher in Deutschland noch nicht erhältlich sind, aber mir von Shures PR-Abteilung zur Verfügung gestellt wurden – erscheinen. Also freut euch schon auf die nächste größere Testreihe.






