Produkttest: Logitech QuickCam Sphere AF unter Mac OS X
Produkttest: Logitech QuickCam Sphere AF unter Mac OS X
Gutes Bild, schlechter Ton und keine Steuerung – Schade drum!
Mit der obigen Unterüberschrift könnte der folgende Testbericht schon als abgeschlossen gelten, doch keine Angst meine Freunde der Videotelefonie, ich nehme mir durchaus etwas mehr Zeit um Logitechs Spitzenmodell näher zu betrachten. Somit ist der vorerst letzte Teil unserer Webcam-Testreihe angebrochen…
Feines Stück Hardware
Wie immer werfe zunächst ich einen Blick auf die reine harte Ware der Kamera. Bei einer UVP von 130,- Euro sind meine Erwartungen verständlicherweise sehr hoch angesetzt, wer einen solchen dreistelligen Betrag für eine Webcam ausgibt, erhofft mehr als nur billiges Plastik und andere Merkmale aus der fernöstlichen Produktion. Um es vorweg zu nehmen, ich werde nicht enttäuscht. Die Sphere AF macht einen durchweg positiven Eindruck sowohl bei Material wie auch bei der Konstruktion. Erst einmal stellt man fest, dass eben dieser Aufbau sehr modular gehalten ist. Man erhält eine Art Basisstation (sehr wertig und schwer), in dessen Einbuchtung ein Mini-USB-Stecker vorhanden ist, das Pendant findet man direkt im kugelförmigen Kameragehäuse als auch in einer Teleskopverlängerung. Hiermit ergeben sich grundsätzlich zwei Aufbauvariationen, wie man an Hand der Bilder erkennen kann.
Dreiteilig kommt sie daher…
…kein neues Haustier, sondern eine Webcam…
…Meister Langhals lässt grüßen.
Wie man sieht, an einen mobilen Einsatz ist nicht zu denken, die Sphere ist und bleibt eine Webcam für den Desktop. Leider gibt es keine manuelle Möglichkeit der Arretierung, hierfür ist eine motorisierte Steuerung vorgesehen, doch dazu später mehr. Insgesamt überzeugt die Hardware, für ca. 130,- Euro (UVP, Marktpreis derzeit ca. 80,- Euro) erhält man eine Webcam der besonderen Art mit einem gewissen Stylefaktor, der durchaus an den einen oder anderen Sci-Fi-Film erinnert.
I’m sorry Dave, I’m afraid I can’t do that. – Nicht HAL sondern Sphere spricht zu uns.
Einsatz am Mac – Ja und Nein!
Kommen wir zum leidigen Thema des Anschlusses am Macintosh, wie immer schweigt sich die Firma Logitech hierzu aus, u.a. ein Grund warum wir vom CyberBloc den Test vornehmen. Versuchen wir zunächst macam wie bei den anderen Kameras zuvor ebenso. Wie man sieht, sieht man nichts:
macam – Funkstille im Kamerafenster.
Davon lassen wir uns noch nicht abschrecken. Die Lösung heißt schlicht und einfach: USB video device class oder USB video class, oder kurz UVC. Die meisten neueren Kameras von Logitech unterstützen diesen Standard, wie z.B. auch die von uns getestete QuickCam Pro 9000, die Sphere hält diese Regel auch ein und lässt sich somit ohne eigentliche Treiber unter verschiedenen Betriebssystemen betreiben (Mac OS X ab Version 10.4.3, Linux, Windows XP SP2 und Vista etc.). Mit anderen Worten es gibt kein Problem die Kamera sowohl unter Skype als auch unter iChat (Mac OS X 10.4.9 notwendig) und anderen Anwendungen direkt zum Laufen zu bringen. Ich selbst testete unter den Leoparden (Mac OS X 10.5).
Die Sphere im Skype-Einstellungsmenü.
Allerdings erhält man keinerlei Zugriffe auf Sonderfunktionen die der Hersteller für seine Modelle vorgesehen hat. Stört dies bei den meisten Kameras nicht sonderlich (vorausgesetzt die reine Hardware überzeugt schon und damit die Voreinstellungen) so ist dies bei der Sphere ein absolutes K.O.-Kriterium. Logitech sieht für dieses Modell eine motorisierte Steuerung der Optik vor, inklusive Gesichtsverfolgung etc. Durch den Sonderaufbau dieses Modells ist dies auch absolut notwendig, ansonsten erhält man keine optimale Position der Cam, außer direkt vor dem Bildschirm, was natürlich ein Arbeiten unmöglich macht. Konnte man die Vorgängermodelle der Sphere noch mit dem einen oder anderen Tool steuern, so gibt es hierfür derzeit keine Möglichkeit. Dumm gelaufen, aber so ist der Einsatz der Sphere unter Mac OS X derzeit doch nur sehr eingeschränkt möglich. Hoffen wir, dass sich der eine oder andere Programmierer da draußen der Angelegenheit annimmt.
Die Bildqualität
Vernachlässigen wir zunächst den Umstand der Sinnfreiheit des Einsatzes am Mac durch die fehlende Steuerung und widmen uns der eigentlichen Bildqualität. Die Bilder werden ordentlich wiedergegeben, gute Ausleuchtung, gute Schärfe und nach meinem Empfinden mit einer etwas besseren Farbdarstellung als die ebenfalls getestete QuickCam Pro 9000. Auch die gewählte Brennweite ist annehmbar. Verbaut wird ein Objektiv von Carl Zeiss, also keine billige Linse vom Hinterhof. Test bestanden!
Gutes Bild durchweg, hier im iChat-Videofenster.
Die Tonqualität
Anders sieht dies schon beim Ton aus. Ich verstehe einfach nicht, wieso die Hersteller an dieser Stelle immer versagen. Der Ton kommt insgesamt etwas dumpf rüber, noch schlimmer sind jedoch die wahrnehmbaren Störgeräusche, kein Vergleich zum integrierten Mikrofon meines iMac hier. Wir sollten grundsätzlich zur jeden Webcam ein Headset „zwangsbundlen“, alles andere ist und bleibt „Kundenverarsche“, sorry für diese harten aber wahren Worte. Aber was schreibe ich, hört selbst:
Das Mikro im Einsatz, als Referenz kommt wie immer das integrierte Mikro des iMac zum Einsatz.
Fazit
Es ist wirklich eine Schande, da bringt Logitech eine Spitzen-Webcam auf den Markt (sehen wir mal vom Ton ab) und dann können sich mit dieser nur Freunde des Fensters aus Seattle vergnügen, denn auch wenn die Sphere erkannt wird am Mac, durch die fehlende Steuerungssoftware ist an einen sinnvollen Einsatz nicht zu denken. Daher nochmals mein Aufruf an Logitech: Erwachet aus eurem Schlaf und schenkt den Mac-Usern dieser Welt eine brauchbare Softwareunterstützung. Soviel zu euren Vorsätzen für das Jahr 2008. Danke und Amen!
Solange greift man zur Pro 9000, diese reicht vollkommen aus, und man benötigt keine Motorsteuerung.








