Produkttest: iPad mini
Der Tablet-Zwerg von Apple ging gleich am ersten Verkaufswochenende rund 2,3 Millionen Mal über den Ladentisch und übertraf damit sogar Apples Erwartungen deutlich. Dabei gibt es inzwischen reichlich Konkurrenz für die Produkte aus Cupertino: Amazons Kindle Fire oder das Nexus 7: preisgünstigere Tablets mit dem Betriebssystem Android machen Apple die Marktführerposition streitig und Microsoft will mit dem Surface und Windows angreifen.
Am 23.10.2012 beendete Apple alle Spekulationen um ein kleineres iPad und stellte das iPad mini vor.
Varianten
Apples kleines iPad gibt es in zwei Farben: weiß und schwarz. Beim Speicher könnt ihr zwischen 16, 32 und 64 GB wählen. Zurzeit sind nur die Modelle mit WLAN erhältlich, das iPad mini mit WLAN und UMTS/LTE kommt erst Ende November in die Läden. Für meinen Test habe ich das schwarze Modell mit 16 GB Speicher und WLAN gewählt.
Die beiden Kameras
Dem iPad mini hat Apple zwei Kameras spendiert: auf der Vorderseite eine FaceTime HD Kamera für Videochats und auf der Rückseite die iSight-Kamera mit 5-Megapixel-Auflösung.
Die technischen Daten der Kameras im Überblick:
FaceTime HD Kamera
- 1,2 Megapixel, 1.260×960 Pixel
- HD-Videoaufnahme (720p)
- Gesichtserkennung
iSight Kamera
- 5 Megapixel, Blende f/2,4, 1.920×1.080 Pixel
- HD-Videoaufnahme (1.080p)
- Gesichtserkennung
- Autofokus
- Hybrid-Infrarotfilter
- Bildstabilisator
- kein Blitz
Bei den Modellen mit GPS können Fotos und Videos mit Geo-Daten versehen werden. Fotos kann man übrigens auch mit Hilfe der Lautstärketasten machen.
Mit der iSight-Kamera sind bei hellen Lichtverhältnissen durchaus gute Bilder machbar, allerdings etwas verrauscht.
Die vorinstallierte Kamera-App ist sehr spartanisch, aber da gibt es gute kostenlose Alternativen im App Store wie Camera Awesome.
Software
Natürlich ist auch auf dem IPad mini Apples Betriebssystem iOS installiert. Auch wenn nur 512 MB Hauptspeicher zur Verfügung stehen, flüssiges Arbeiten ist kein Problem. Da gibt es keine Verzögerungen beim Starten der Apps, mehrere Apps laufen problemlos nebeneinander.
Einige Apps wie der Safari Browser, iTunes, Mail, Game Center, Kalender und der App Store sind bereits vorinstalliert.
Da alle iPad-Apps für Displays im 4:3-Format ausgelegt sind, müssen für das iPad mini keine Anpassungen bei den Apps vorgenommen werden. Ihr könnt natürlich auch ein kleines Schwätzchen mit dem iPad mini führen: der Sprachassistent Siri ist ebenfalls installiert, ihr startet ihn mit einem längeren Druck auf den Home-Button.
Lieferumfang: Lieferumfang und Einrichtung
Das iPad mini kommt in einer kleinen weißen Box an, darin befinden sich neben dem Tablet ein USB-Kabel mit Lightning-Anschluss, der Netzteil-Adapter (5 Watt), eine Kurzanleitung und zwei Apple-Aufkleber.
Die Einrichtung des iPad mini ist schnell erledigt: WLAN-Zugangsdaten und Apple-ID eingeben, mit iCloud verbinden und schon ist das iPad mini einsatzbereit. Die ca. 100 Kontakte wurden per iCloud in wenigen Sekunden mit dem iPad mini synchronisiert. Apples Betriebssystem iOS ist in der Version 6.0.1 installiert. Von den 16 GB Speicher meines Testgeräts sind nach der Erst-Einrichtung noch 13,7 GB übrig.
Erster Eindruck: Erster Eindruck – leicht und handlich
Typisch Apple: die Verarbeitung ist sehr gut. Das Unibody-Gehäuse aus Aluminium liegt wunderbar in der Hand. Überrascht war ich von dem geringen Gewicht: lediglich 308 Gram wiegt das iPad mini, das größere 10-Zoll-Pad ist doppelt so schwer. Außerdem ist es sehr dünn: 7,2 mm und damit nicht dicker als ein Bleistift. Für Griffigkeit sorgt beim schwarzen Modell die eloxierte Rückseite, beim weißen Modell muss man leider darauf verzichten. Man kann das iPad mini bequem und für längere Zeit mit einer Hand halten. Der Rahmen um das Display aus Gorilla-Glas ist an den Seiten schmaler als beim großen iPad, der obere und untere Rand sind etwas breiter. Die Kanten sind abgeschrägt (sie werden übrigens mit Diamanten geschnitten).
Die genauen Abmessungen des iPad mini:
- 200 mm Höhe
- 134,7 mm Breite
- 7,2 mm Tiefe
- 308 Gramm Gewicht ohne LTE
- 312 Gramm Gewicht mit LTE
Innenleben: Das Innenleben des iPad mini
Im Inneren arbeitet ein mit einem Gigahertz getakteter DualCore-Prozessor, genauer ein A5-Prozessor, der dem Prozessor des iPad 2 ähnelt. Trotz der nur 512 MB Hauptspeicher arbeitet das iPad mini flott und ohne Ruckler, selbst Spiele mit aufwändiger Grafik laufen ohne Probleme.
Beim Akku, der nicht ausgetauscht werden kann, macht Apple wieder alles richtig: bis zu 10 Stunden hält das iPad mini ohne Steckdose durch, komplett geladen ist es mit dem mitgelieferten Netzteil nach 4 Stunden.
Für die Kommunikation stehen WLAN (802.11a/b/g/n, Dualband 2,4 und 5 GHz) und Bluetooth (4.0) zur Verfügung. GPS und Glonass gibt es nur für die Minis mit Mobilfunk-Modul.
Stereo-Lautsprecher, Anschlüsse und Tasten
Das iPad mini hat Stereolautsprecher bekommen, sie befinden sich am unteren Rand des Tablets. Hält man das iPad mini im Querformat geht jeder Stereo-Effekt verloren, außerdem ist der Abstand zwischen den beiden Lautsprechern dafür zu gering. Wer bei Videos auch einen ordentlichen Klang haben möchte, muss Kopfhörer oder externe Lautsprecher verwenden.
Gewohnt sparsam ist Apple auch beim iPad mini mit den Anschlüssen. Es gibt nur den Lightning Connector (mittig am unteren Rand) und einen 3,5 mm Kopfhöreranschluss.
Der Power-Button befindet sich auf der Oberseite rechts, in der Mitte ist das Mikrofon und links die Buchse für die Kopfhörer. Auf der rechten Seite des iPad minis (wenn man es im Hochformat hält) ist der Knopf zum Aus- bzw. Einschalten des Tones und der automatischen Drehung des Displays. Darunter befinden sich 2 Tasten zum Regeln der Lautstärke. Diese 3 Tasten aus Aluminium sind etwas klein geraten und da sie in sehr geringem Abstand zueinander angeordnet sind, erwischt man anfangs schnell mal den falschen Knopf. Auf dem unteren Rand befindet sich mittig der Home-Button.
Die Mobilfunk-Versionen des iPad mini verfügen zusätzlich über einen Slot für die Nano-Sim-Karte.
Display: Das Display – kein Retina, trotzdem scharf
Das 7,9 Zoll große Display des iPad mini mit LED-Hintergrundbeleuchtung und einer Auflösung von 1.024 x 768 Pixel bei 163 ppi ist in der Bilddiagonalen ca. fünf Zentimeter kürzer als das Display eines iPads. Trotzdem reicht die Größe zum Lesen von eBooks, Surfen, Mailen usw. vollkommen aus. Apple hat dem iPad mini (noch) kein Retina–Display spendiert, denn damit wären die Herstellerkosten höher und die Akkulaufzeit kürzer. Ich habe bisher noch nicht mit Geräten mit Retina-Display gearbeitet, deshalb stört mich das nicht. IPad- oder iPhone-Nutzer, deren Gerät mit einem Retina-Display ausgestattet ist, werden sich mit dem iPad mini sicher nicht anfreunden können. Apple geht mit dem Display einen Kompromiss ein: geringes Gewicht und flache Bauweise, dafür ein weniger scharfes Display.
Das Display aus kratzfestem Gorilla-Glas. Der Touchscreen reagiert ohne jede Verzögerung. Apple hat dem iPad mini eine Antifettbeschichtung verpasst. Trotzdem sammeln sich auf dem Display schnell zahlreiche Fingerabdrücke.
Wenn man das iPad mini mit einer Hand hält, kommt man zwangsläufig mit dem Daumen auf das Display. Die Software analysiert nun, ob ihr mit dem Daumen zum Beispiel ein Icon antippt oder der Daumen nur auf dem Display aufliegt, dann passiert nämlich gar nichts.
Fazit
Der deutsche Durchschnittsbürger möchte in diesem Jahr 230 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Dafür bekommt er das Nexus 7 von Google, aber für ein iPad mini reicht es nicht: für die preisgünstigste Version des iPad mini mit 16 GB Speicher und WLAN sind 329 Euro fällig. Die teuerste Variante mit 64 GB Speicher, WLAN und LTE kostet stolze 659 Euro.
Für alle, die ein kleines, sehr leichtes und flottes Tablet zum Surfen, Mailen, Lesen und Spielen suchen und die auf das Retina-Display verzichten können, ist das iPad mini ein perfekter, wenn auch recht teurer, Begleiter. Wer bisher ein Gerät mit Retina-Display genutzt hat, wird vermutlich eher zum neuen iPad greifen oder hoffen, dass Apple bald ein iPad mini mit Retina-Display auf den Markt bringt.
Falls ihr noch unschlüssig seid, ob das iPad mini unter eurem Weihnachtsbaum liegen soll: in einem unserer Cyberport-Stores könnt ihr das kleine Tablet in die Hand nehmen und ausprobieren.






