Produkttest: DELL Ultrasharp U2711 – Teil 1
Produkttest: DELL Ultrasharp U2711 – Teil 1
Da hilft kein Beten mehr…ein imposanter 27-Zoll-Flachmann
Wer um Himmelswillen braucht einen 27-Zoll-Flachbildschirm (wie den DELL U2711 UltraSharp)? Denke ich mir im Stillen, als der Paketbote das riesige Paket auf der Schulter vor meiner Tür steht. Spätestens in diesem Augenblick verfluche ich den rasanten, technischen Fortschritt, der zwar einerseits MP3-Player wie jüngst den iPod nano immer mehr schrumpfen lässt, aber LCD-Displays und TV-Geräte dagegen in ungeahnte Dimensionen wachsen lässt. Nein! Oh, Lieber Gott! So ein Ding kommt mir nicht auf den Schreibtisch. Sakrale Ausmaße eines Tischaltars wie in einer Sakristei haben Computerbildschirme inzwischen angenommen.
Das Apple 30-Zoll Cinema Display war zum Beispiel auch schon so Ding und ein Grund genug zum Glaubensbekenntnis, dass ein 23-Zoll-Display für mich das Ende der Fahnenstange bei der Computerausstattung bedeutet. Ich habe die Aufrüstungsschlacht satt, die allerorten tobt. Und mein Schreibtisch ist keine Kommandozentrale der örtlichen Feuerwehr, keine Einsatzleitung der Polizei. Mein Heimarbeitsplatz braucht keine Monitorwand wie ein Energieversorgungsunternehmen, die Flugsicherung oder die Boxengasse eines Formel-1-Rennstalls. Alles, was ich benötige, ist ein vernünftig auflösendes Display zum Arbeiten im Home-Office. Zum Texten, Mails schreiben, Bildbearbeitung, Internetsurfen und Videoschauen und ab und an auch –schneiden…und da geht’s schon weiter. Aus einem 23-Zoll Apple Cinema Display (ACD) wurden schnell mal zwei.
Insofern war die CyberBloc-Offerte gar nicht so verachtenswert. „Reduce it to the max!“ Teste zur Abwechslung doch mal einen 27-Zoll-Bildschirm, hieß es. Werde ich die beiden 23-Zöller also wirklich bald in Rente schicken? Platz auf dem Schreibtisch schaffen?
Da das neue Apple LED Cinema Display in 27 Zoll derzeit (noch) nicht lieferbar ist, schickte mir die Redaktion kurzerhand den DELL Ultrasharp U2711, der angeblich das gleiche H-IPS Panel von LG nutzen soll. Zu meiner unwissenden Überraschung handelt es sich beim U2711 um einen „non-glossy“-Bildschirm. Geschmackssache, aber ich mag die Spiegelungen auf den Glossy-TFTs nicht so sehr. Schon beim Nutzen des iPads nerven mich zunehmend die Umgebungslichtreflexionen. Erleichterung! Kein Schminkspiegel! Dafür jedoch eine ungewöhnlich feine Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel im 16:9-Format. Wow! Da weicht der Betrachter erst einmal zurück und kneift die Äuglein zusammen. Ich kram gleich mal meine Lesebrille raus, weil die Schrift auf dem neuen Monitor „native“ um zwei, drei Punkte kleiner erscheint, als auf dem 23er-Monitor. Aber sie wirkt insgesamt etwas schärfer – mit und ohne Lesehilfe. Sehe ich richtig?
Insgesamt beobachte ich mich, wie ich aufrechter vor der Kiste sitze und meine Körperhaltung vor dem größeren Bildschirm auch aufrecht bleibt, d.h. ich neige den Oberkörper nicht mehr so weit nach vorne. Sobald ich aber eine Weile auf den 23-Zoll Monitor blicke, auf dem ich gerade diesen Bericht schreibe, da wippe ich ständig nach vorne, immer etwas näher an den Bildschirm. Und dennoch bleibt die Schrift auf dem alten ACD etwas unscharf – trotz neuer Lesebrille. Alles nur Einbildung? Ich muss das weiter beobachten. Laut Internetrecherche erreicht der DELL U2711 mit seiner höheren Auflösung eine Pixeldichte von 109 PPI (Pixels Per Inch). Das alte Apple 23-Zoll Display wurde bei 1920 x 1200 Pixel im 16:9-Format mit 94 PPI angegeben. (Quelle: worldlingo.com)
DELL verwendet ein IPS-Panel, das gute Einblickwinkel bis 178° bietet und dabei eine Reaktionszeit von bis zu 6 ms erreicht. Diese kurze Reaktionszeit reduziert Schatteneffekte, auch Ghosting genannt, aber auch Wischeffekte bei Multimedia-Anwendungen. Dies zumindest versprechen die Herstellerangaben. Und in der Tat hält der erste optische Eindruck, was der PC-Hersteller verspricht.
Von der Größe der Arbeitsfläche haben mir meine beiden „Kleinen“ bisher mehr als gereicht. Auf dem linken Monitor mache ich die eigentliche Bildbearbeitung. Auf dem rechten Bildschirm erledige ich Vorauswahl, Katalogisierung und Verschlagwortung der Bilder. Oder ich schreibe Texte auf dem einen Monitor und auf dem anderen Display platziere ich Mail, Safari oder den Finder, eben alle Applikationen, die das tägliche Arbeiten am Mac erfordern und erleichtern. Die Arbeitsfläche eines einzigen 30-Zoll Monitors würde mit seiner höherer Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixel bei 102 PPI vermutlich auch reichen. Aber der 30-Zöller ist – wie oben bereits angedeutet – ein „megagroßes Teil“, würde mein Patenkind sagen. Relativ gesehen stimmt die Einschätzung des Dreikäsehochs: Ein Mörderteil! Ein Mordssegel! Fast schon ein gigantischer Tryptichon, um bei meiner eingangs (un-)christlichen Anwandlung zu bleiben. Obschon es da ein sehr imposantes Gegenbeispiel gibt: Der Dresdner Marienaltar von Jan van Eyck ist mit seinen 33,1 x 27,5 cm in der Gegenüberstellung zur 59,5 x 33,5 cm sichtbaren Bildschirmgröße des U2711 ein vergleichsweise kleiner Flügelaltar.
Die zentrierten Inhalte der meisten Browserfenster (Spiegel-Online) sehen auf der riesigen Darstellungsfläche verloren aus. Oder Inhalte wie Wikipedia erinnern an Breitbildkino im anamorphotischen Format. Das ist gewöhnungsbedürftig. Also, nun? Nein? – Ach, ich weiß nicht…alles wohl eine Einstellungssache, wie alles im Leben.
Einstellungssache? Da war doch noch was? Genau das Kalibrieren! Das verbaute H-IPS Panel von LG liefert „out-of-the-box“ eine ansprechende Bildqualität. Die Kollegen des Internetportals prad.de verwiesen bereits im Februar auf diese Tatsache: „Mit der verwendeten Elektronik schließt der DELL U2711 zu den Bildschirmen auf, deren besonderes Augenmerk auf der elektronischen Bildverarbeitung liegt. Zwar ist er nicht hardwarekalibrierbar, aber durch die 12-Bit LUT und hohe interne Rechengenauigkeit sollten Tonwertverluste im Zuge einer Kalibrierung nur gering ausfallen, falls er sich ab Werk annähernd neutral verhält“.
Mithilfe von Apples Systemeinstellungen lässt sich bereits eine ordentliche Monitorkalibrierung auf D65 im sRGB-Farbraum hinbekommen, mit der ich als durchschnittlicher Anwender leben kann. Mir persönlich zeichnete der U2711 bei Porträts die Gesichtsfarben allerdings einen Tick zu blass bzw. etwas fahl. Als läge ein ganz leichter Gelbschimmer über den Gesichtern. Dagegen zeigten im Vergleich die beiden Apple Cinema Displays frischere Gesichtstöne. Aber der optisch sichtbare Farbtemperaturunterschied zwischen den Apple Displays und dem DELL ist nach meinem Dafürhalten nur marginal. Die Ausleuchtung des Panels ist insgesamt gut, unabhängig von der Helligkeitseinstellung.








