Produkttest: Canon Powershot G9
Produkttest: Canon Powershot G9
Robust & Gut
Als ich mich vor ca. zwei Jahren in einem Fotogeschäft in Düsseldorf für eine digitale Kamera interessiert hatte, stand ich vor der Wahl eine sogenannte Bridgekamera (nicht wechselbares Objektiv, hoher Zoombereich, hochwertige Technik) zu kaufen oder eine digitale Spiegelreflexkamera. Eine Canon Ixus hatte ich damals schon, aber ich war nicht so begeistert von den Möglichkeiten und der Bildqualität, die auf Grund der kleinen Linsenöffnung gegeben war. Der Händler hatte mir damals zu einer SLR geraten, weil die Bridgekameras ein Auslaufmodell seien, die würden eh in den nächsten Jahren von der SLR abgelöst werden. Der Markt würde das nicht mehr hergeben, die Kunden würden entweder eine kleine Digi-Knipse oder was richtig Anständiges nehmen. Nun, im Jahr 2009 sind immer noch Bridge-Kameras erhältlich, die SLRs sind in das Preisniveau gerutscht wo man 2007 nicht mal eine ordentliche Bridge-Kamera bekommen hätte und auch die kleinen Digi-Knipsen gibt’s immer noch.
Zu verlockend sind die vielfältigen Möglichkeiten einer Bridgekamera, die man ohne das großartige Wissen einer SLR bedienen kann und trotzdem aus dem Stand sehr ansehnliche Bilder hinbekommt. Heute im Test ist die Canon Powershot G9, leider war zu dem Zeitpunkt des Tests der Nachfolger Canon Powershot G10 nicht sofort erhältlich.
Features der G9
Erste Eindrücke
Die G9 ist eine handliche, aber durchaus ernstzunehmende Kamera, die nicht direkt in der Kategorie „Spielzeug“ eingeordnet wird. Die Verarbeitungsqualität ist absolut solide, hier könnte sich manche SLR eine dicke Scheibe von abschneiden. Das Gehäuse ist aus Metall in einem attraktiven, matten Schwarz-Finish, lediglich die Deckplatte der G9 scheint aus Plastik zu sein. Das Gewicht liegt zusammen mit der starken 720 mAh Batterie bei über 370g. Damit ist die G9 eine der schwersten Kompaktkameras. Das große 3-Zoll-Display zusammen mit dem separaten Sucher, erlaubt schnelle und einfache Schnappschüsse und eine gute Kontrolle der Ergebnisse. In der Hand liegt die Kamera sehr gut, auch wenn ein ausgeprägter Griff fehlt. Es gibt auf der Vorderseite der Kamera eine Leiste, mit der man die Kamera gut im Griff hat, auf der Rückseite findet der Daumen oberhalb des Displays einen guten Platz. Auch die Bedienung ist sehr ergonomisch, auch wenn meine Hände etwas zu kräftig sind, um nur mit dem Daumen das Menü und weitere Einstellungen der Kamera einhändig zu bedienen. Um mal meinem Fazit vorzugreifen – die Kamera macht genauso gute Bilder wie sie sich anfühlt und anfasst – und das ist sicherlich eine Seltenheit.
Handhabung
Natürlich ist die Canon Powershot G9 nicht einfach so aus dem Handgelenk zu bedienen wie eine kleine kompakte Digitalkamera – aber selbst wenn man nur den Automatikmodus benutzt gibt es ordentliche Bilder. Die Menüführung und die Möglichkeiten die die Kamera bietet sind in klarer Canon-Struktur im Menü hinterlegt, wer einmal eine Canon Kamera hatte, egal ob eine Ixus oder eine SLR, der wird sich auch bei der G9 heimisch fühlen. Aber auch Laien finden sich mit der G9 zurecht, eine nette junge Dame aus dem Porschemuseum haben wir gebeten ein Gruppenbild zu schießen – leider war vorher der Blitz ausgeschaltet worden. Aber nach dem ersten Bild, welches mit einem fachkundigen „Das ist aber dunkel!“ kommentiert wurde, hat die junge Dame mit ein bisschen Schauen und ohne uns um Rat zu fragen, den Blitz aktiviert. Ein besseres Beispiel, um die einfache Bedienung zu demonstrieren gibt es eigentlich nicht. Aber auch dem Profi bietet des Canon-Menü, mit den verschiedenen Programmen und den verschiedenen Iso-Stufen, genug Auslauf – wer es drauf anlegt kann aus der Kamera einiges an Potential herausholen und das im Vergleich mit weniger Einarbeitungsaufwand als es eine SLR erfordert. Natürlich wird der fortgeschrittene SLR-Fotograf über die Möglichkeiten der Kamera nur lachen, aber im Vergleich zu einer Ixus ist doch schon einiges mehr an Funktionen da.
Performance
Die Kamera macht alles im allen einen sehr schnellen und zügigen Eindruck – leider habe ich kein Vergleichsmodell an der Hand. Zu bemängeln ist allerdings der Autofocus, hier hatte ich manchmal den Eindruck, dass eine Ixus oder eine andere Powershot von Canon schneller fokussiert – dies allerdings ist nur mein Eindruck der auf vergangenen Tests mit diesen Kameras basiert. Insbesondere im Dunkeln hat die G9 manchmal schon die eine oder andere Gedenksekunde mehr gebraucht. Der 12-Megapixel-Sensor erzeugt natürlich auch eine Menge an Daten und so schafft die G9 „nur“ noch 1,5 Bilder in der Sekunde (fps), die G7 als Vorgänger lag noch bei 2 fps. Auch hier liegt die G9 nur im Mittelfeld. Im RAW-Modus sind (natürlich) die Verarbeitungszeiten noch länger, weil größere Datenmengen anfallen, aber für eine Nicht-SLR schlägt sich die G9 sehr tapfer, hier kommt die Kamera auf 1.1 fps. Der Blitz schafft Reichweiten von bis zu 4 Metern – für Schnappschüsse in Räumen ist dies ausreichend – aber wer mehr will, der kann gerne den Blitzschuh mit einem besseren Blitz bestücken, der natürlich auch bessere Ergebnisse bringt.
Bildqualität
Die Bildqualität ist über jeden Zweifel erhaben – ich als Laie kann eigentlich keine schlechte Umsetzung des Bildes erkennen. Auch hier hängt natürlich viel von den Möglichkeiten des Fotografen ab, der ist in meinen Augen meistens das schwächste Glied in der Kette. Zusammen mit einem Stativ kann man wirklich vernünftige Bilder erzielen. Anbei einige originale, unveränderte Aufnahmen, an dem der geneigte Betrachter gerne selber die Rückschlüsse auf die Bildqualität ziehen kann ( ISO 80, 100, 200, 250, 400, 800, 1600).
Fazit
Grundsätzlich ist die Canon Powershot G9 eine solide Weiterentwicklung der G-Serie, das größere Display, die Verarbeitungsqualität, die Haptik, das alles spricht für ein grundsolides Modell mit entsprechenden Fähigkeiten und Möglichkeiten. Rundum ein gelungenes Modell, wenn sie nicht ein bisschen schwer wäre. Im Vergleich zu einer SLR zieht dieses Argument natürlich nicht, aber im Vergleich zu einer Ixus, die etwas schlechtere Bilder macht, ist die Kamera zu schwer, der Laie wird sich über die Qualität und die Leichtigkeit einer Ixus freuen, die einfach in die Hosentasche gesteckt werden kann und der Profi oder Semiprofi freut sich über die Möglichkeiten der SLR, die auch natürlich preislich in interessante Regionen gerutscht sind. Für den Aufsteiger ist wahrscheinlich der Griff zu einer SLR leichter gegeben, auch wenn die Linsen der Kits nicht unbedingt empfehlenswert sind, dann ist es immerhin eine SLR, die er in den Händen hält. Hier würde ich aber den Schritt zu einer Bridge-Kamera machen – den erst mit einer vernünftigen Bridgekamera kann man billiger (Objektive!) und einfacher den Umgang mit einer SLR lernen und erleben.
PS
Zusammen mit der Canon Powershot G9 habe ich ein Gorillapod-Stativ in pink erhalten. Wie auch schon im Sommer, bin ich wieder von den Möglichkeiten des Stativs begeistert – aber für die G9 war das Stativ schon zu zierlich. Sprich die Kamera war zu schwer und es bestand immer die leichte Gefahr, dass der Kopf mitsamt der Stativplatte und der Kamera nicht die gewünschte Position halten kann, was bei Selbstauslöseraufnahmen durchaus nervig sein konnte.














