Produkttest: iPad 2

von joerg-pittermann

· 9 min Lesezeit

Begehrte Zweitauflage eines Bestsellers
Das iPad 2 ist zwar bereits seit weit über einem Monat auf dem hiesigen Markt vertreten, trotzdem möchte ich es mir nicht nehmen lassen, dessen ungeachtet einen Testbericht zu schreiben. Vorab: Das Testgerät wurde von mir persönlich erworben – nicht über Cyberport, wartende Kunden müssen deshalb nicht fürchten, dass ihre laufende Bestellung hierdurch verzögert wird. Warum nun der Test? Die Erfahrung zeigt, dass es noch genug Menschen gibt, die den Fortschritt des iPad 2 gegenüber seinem Vorgänger nicht sehen. Schaut doch gleich aus, da hat sich nichts Wesentliches geändert – dies sind die häufigsten Sätze die ich und andere iPad 2-Nutzer zu hören bekommen – Aufklärungsarbeit ist demnach notwendig.
Schon der Vorgänger war sehr erfolgreich und definierte eine vollkommen neue Produktkategorie, auch das iPad 2 soll an diese Leistung anknüpfen und Apples Marktführerschaft untermauern. Aufgrund der positiven Ausgangslage, musste der Hersteller die sichtbaren, technischen Merkmale nicht großartig verändern und konzentrierte sich vielmehr auf eine interne Beschleunigung. Das 9,7 Zoll große Display hat daher immer noch eine Auflösung von 1024 x 768 Pixel, doch ist das iPad dünner und leichter geworden. Allerdings halten sich die Designänderungen in Grenzen, so dass Laien die beiden Versionen nicht sofort auseinanderhalten können. Im Inneren gibt es einen neuen Prozessor mit zwei Kernen (A5), zwei Kameras die Rückseitig für Videos und Frontseitig für FaceTime (Videotelefonie) zuständig sind. Dazu kommt noch ein deutliches Plus an Arbeitsspeicher. Haben die Skeptiker vielleicht doch Recht, und das iPad 2 ist vorderhand nur eine schnellere und leichtere Version des Originals, keine bahnbrechende Neuerung? Oder ist es vielmehr ein gutes und notwendiges Upgrade für die Besitzer bisheriger iPads und kann es auch Tablet-Neulinge überzeugen?

Hardware
Deutlich flacher, mit 8,8 Millimetern merklich dünner, ein bisschen weniger breit und hoch – so präsentiert sich das iPad 2 dem Nutzer. In der Hand liegt es noch deutlich besser als die alte Version, die Ecken sind nicht mehr ganz so rund und somit ist der Grip nochmals deutlich verbessert wurden. Wenn man sich vor Augen führt, dass das iPad 2 sichtbar dünner als das iPhone 4 ist, dann wird bewusst, dass Apple ein Kunstwerk schuf – eine interessante Ausgangslage für das kommende iPhone 5. Die Vorderseite besteht wie beim originalen iPad komplett aus Glas, wenngleich das Glas nicht wie beim iPhone vollständig an die Kante geht. Der Home-Button ist auch noch an der selben Stelle wie beim iPad 1, lediglich an der Oberseite des Displays findet sich nun eine FaceTime-Kamera. Die Rückseite ist komplett aus Alu, somit angenehm zu greifen und relativ kratzresistent. Das von mir erworbene 3G-Modell beinhaltet einen kleinen Plastikstreifen am oberen Ende – die UMTS-Antenne. Die Kamera an der Rückseite des iPad befindet sich links oben in der Ecke, der größere (und besser klingende) Lautsprecher links unten. Lautstärke und Mute/Rotate-Button sind linksseitig zu finden, der Micro-SIM-Slot befindet sich rechts. Der Apple Standard 30-Pin-Dock-Connector ist wie gewohnt unten angebracht. On/Off Button und 3.5 mm Klinke befinden sich am oberen Rand. Erhältlich ist das iPad 2 erstmals in schwarz und weiß, eine der wenigen Kaufentscheidungen neben der Größe, die man eigentlich beim iPad treffen muss. Für mich persönlich ist die reine WLAN-Variante ein echtes No-Go, denn bei den 3G-Modellen bekommt man neben UMTS auch noch ein echtes GPS mitgeliefert. Der angeblich ach so breite Rand des Displays ist übrigens sehr sinnvoll: Tablets mit einem weniger breiten Rand, lassen sich nicht wirklich gut anfassen und so hat der Anwender das Gerät nicht wirklich im Griff.

iPad 2 im Dresdner Cyberport Store“

Zum Prozessor: Der A4 hat ausgedient, nun ist der A5 das neue Herz des iPads. Doppelt soviel Kerne wie vorher – sprich zwei – und immer noch mit einem Gigahertz getaktet. Die zwei Kerne merkt man dann doch, wenn man mit dem iPad 2 arbeitet, alles geht wesentlich flüssiger und schneller von der Hand und man hat nicht mehr das Gefühl, dass das iPad langsam ist. Der Geschwindigkeitsvergleich zwischen einem iPhone 3G und 3GS drängt sich auf. Ein weiterer Grund – der wesentliche – für den Geschwindigkeitszuwachs ist die Verdoppelung des Arbeitsspeichers: 512 MB vs. vormals 256 MB. Damit ist das iPad 2 nun endlich auf Augenhöhe mit dem iPhone 4. Natürlich könnte man auch noch wesentlich mehr Speicher fordern, 1 GB wäre sicherlich hilfreich, aber auch mit 512 MB ist das iPad 2 ausreichend schnell unterwegs, insbesondere beim surfen.

Das Display wurde wohl unverändert übernommen: 1024 x 768 Pixel und ein IPS-Panel, welches eine extrem gute Sicht auch bei flachen Blickwinkeln ermöglicht. Die Qualität des Displays ist wie zuvor überragend. Ich würde mir zwar eine wesentlich höhere Auflösung wünschen – aber alles im allen ist man doch ganz zufrieden. GPS, UMTS, Wifi (a/b/g/n), Bluetooth 2.1, hier fehlt nichts Elementares in der 3G-Version, die Wifi-Only-Version verzichtet dagegen auf UMTS und GPS. Weiterhin findet sich beim iPad 2 noch ein Licht- und Beschleunigungssensor und – ganz neu – ein Gyroskop (Kreiselinstrument). Eine weitere Verbesserung findet sich im Lautsprecher: Klang dieser zuvor noch blechern und übersteuert, ist das Sounderlebnis mit dem iPad 2 wesentlich hochwertiger, ein Grund sich auch mal den einen oder anderen Film über iTunes anzuschauen und diesen zu zweit vor dem iPad zu genießen. Beim iPad 1 war hingegen die Nutzung von Kopfhörern angebracht. Grundsätzlich entsprechen die Veränderungen der Hardware nur einer milden Verbesserung gegenüber dem iPad 1 – gegenüber der Konkurrenz des Jahres 2011 dürfte dies für das iPad 2 wohl aber ausreichen.

Batterie bzw. Akku
Der Akku des iPads ist fest verbaut und damit nicht ohne Weiteres für den Endnutzer zu wechseln, aber die Qualität des Akkus und die langen Laufzeiten erfordern dies nicht wirklich. Vor einigen Jahren hat sich Apple den Ruf erworben, besonders genaue Batterielaufzeiten anzugeben, und wie beim iPad 1 trifft dies auch beim iPad 2 zu. Mit der Erstaufladung bin ich problemlos über die ersten Paar Tage gekommen, erst dann musste ich zum Ladegerät greifen. Hier glaube ich Apple ohne genauen Test mit der Stoppuhr, dass die versprochenen 10 Stunden Batterielaufzeit erreicht werden – außer es werden massive Datenabrufe über UMTS gemacht oder Apps genutzt, die den Prozessor massiv fordern. Aber bei gleichzeitiger Reduktion der Außenhülle, die gleichen Batteriewerte wie das iPad 1 zu erzielen – dies verdient ein kräftiges Lob!

Kameras
Kommen wir zum letzten Punkt der Hardware, den Kameras. Ja, das iPad 2 hat endlich zwei Kameras erhalten und wenn man nach objektiven Kriterien urteilt, dann sind diese „Knipsen“ eine bessere Zumutung. Bei entsprechenden Handys schreibe ich gerne etwas von Pixelbrei, den es nicht weiter zu beachten gilt. Grundsätzlich gilt dies auch für das iPad 2, aber aus zwei Gründen möchte ich die sonst berechtigte, negative Wertung etwas relativieren.

 

Vorab: Mit den Kameras Fotos zu schießen ist ziemlich witzlos (außer mit der App Photo Booth) – das iPad hat auch nicht unbedingt, die kompakten, praktischen Ausmaße einer Digitalkamera. Ebenfalls sollte man beachten, dass die Kameras vornehmlich für die Videoaufnahme bzw. Videotelefonie gedacht sind – da sind sie relativ gut. Für den schnellen Video-Schnappschuss ist die rückseitige HD-Kamera gar nicht mal so schlecht. Bei der vorderen Kamera gibt es zwar nur VGA-Auflösung, aber die ist (momentan) noch ausreichend für erwähnte Videotelefonie – FaceTime.

Ich möchte nur an dieser Stelle sagen: FaceTime auf dem iPad ist einfach nur genial und bringt die Menschen zusammen, hier erschließt sich erst wirklich der Sinn von Videotelefonie, auch wenn natürlich das iPhone 4, der aktuelle iPod touch und auch der Mac hierfür geeignet sind. Das große, dem Anwender sehr nahe Display ist ideal dafür – bessere Bildqualität als bei Skype inklusive. Diese könnte theoretisch noch besser sein, da FaceTime auf den Mac jetzt auch 720p ermöglicht – die Front-Kameras von iPad und Co aber (noch) nicht. Nichtsdestotrotz ist diese Anwendung schon alleine ein Kauf- bzw. Upgrade-Grund für das iPad 2.

Software
iOS 4.3 ist die Standardsoftware, die auf allen aktuellen iOS-Geräten (iPhone 4, iPod Touch 4G, iPad 1 und iPad 2) läuft. Im Groben sind die Verbesserungen wie folgt auf allen Geräten: Ein verbesserter, schnellerer Browser für ein besseres Surferlebnis, Airplay-Support und beim iPad die Möglichkeit, den Lautlos-Switch auch zum Sperren der Rotation des Displays zu verwenden. Im iPhone gibt es unter iOS 4.3 noch einen WLAN-Hotspot, der es bis zu fünf Endgeräten ermöglicht, via WLAN die UMTS-Verbindung zu nutzen.

 

Browser (Mobile Safari)
Der Browser ist schneller – keine Frage. Aber um objektive Fakten liefern zu können, habe ich zwei Benchmarks über Safari laufen lassen: Sunspider JavaScript Benchmark und Google V8. Bei Sunspider bin ich auf Werte im Schnitt von 2117,2 ms gekommen, bei Google V8 bin ich auf einen Wert von 384 gekommen. Im direkten Vergleich mit dem iPad 1 mit iOS 4.2.1 liegt hier Sunspider bei Werten von über 8000 ms. Hier merkt man schon das mehr an Leistung. Beim täglichen Surfen gelten natürlich nicht Benchmarks, sondern allein das Gefühl der Geschwindigkeit – ist gegeben und wird für gut befunden! Flash läuft natürlich nicht auf dem iPad, aber da der Flash-Inhalte meist nicht touchoptimiert sind und Flash eine hohe Rechenleistung und damit viel Akku zieht, kann man getrost darauf verzichten – Werbung sehe ich bspw. auch sonst genug.

Über FaceTime auf dem iPad habe ich mich bereits ausgelassen – ein klarer Gewinn. Und wenn man unterwegs gerade mal nicht mit FaceTime die Vorteile einer Kamera auf dem iPad vorführen kann, dann nimmt man einfach Photo Booth. Photo Booth findet sich ebenfalls schon in Mac OS X und führt dort eher ein aus meiner sich verstecktes Leben, denn ein MacBook ist bei weitem nicht so transportabel wie ein iPad. Auf dem iPad hingegen macht Photo Booth einen wahnsinnigen Spaß. Zum Grundverständnis: Das Kamerabild wird in neun verschiedenen Kacheln angezeigt, jede Kachel hat einen unterschiedlichen Effekt auf das Bild – witzig!

 

AirPlay
Airplay funktioniert am besten mit dem Apple TV und auch arbeitet AirPlay nunmehr mit mehr Apps zusammen. Hier wird es sicherlich in Zukunft noch einen gewaltigen Schub an Anwendungen und Möglichkeiten geben, Videos und Fotos drahtlos über das iPad auf einen entsprechenden Fernseher zu spielen. Leider habe ich momentan niemanden an der Hand, bei dem ich das iPad zusammen mit dem Apple TV ausprobieren könnte –deshalb muss ich auf einen Test leider verzichten.

Fazit
Das Apple iPad 2 hält, was Steve Jobs bereits versprochen hatte: Eine geniale und funktionale Weiterentwicklung des iPads der ersten Generation. Auch hat sich erneut bewahrheitet, das Apple-Geräte erst ab der zweiten Generation so richtig gut werden. Auch dem iPad 2 wird Apple den Markt 2011 wiederholt beherrschen. Bis die Mitbewerber Tablets in anständigen Stückzahlen und zu vernünftigen Preisen liefern können, vergeht noch genügend Zeit, als den Konkurrenten und den Android-Fans lieb sein sollte. Übrigens hab ich noch ein weiteres iPad 2: Dieses bekam jemand zum testen, der vorher noch nie mit iOS bzw. einem iPad in Berührung gekommen ist. Auch drüber werde ich sicherlich noch berichten.

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