Honor 9 vs. Honor 8: Wie gut ist das Smartphone-Upgrade?
Honor 9 vs. Honor 8: Wie gut ist das Smartphone-Upgrade?
„For the brave“ – dahinter verbirgt sich nicht etwa ein Ork-Schlachtruf aus der neuesten World of Warcraft-Erweiterung oder ein Filmzitat aus einem gewaltigen Heldenepos, sondern ganz schlicht der Leitspruch der chinesischen Smartphone-Marke Honor. Diese gehört zum Huawei-Imperium und verzückte in der Vergangenheit immer wieder mit gut ausgestatteten Smartphones zu hervorragenden Preisen.
Das letztjährige Honor 8 überzeugte mit tollem Design, faszinierender Optik und überzeugender Technik zum Kampfpreis. Kann man das noch besser machen? In diesem Vergleichstest erfahrt ihr, ob sich der Griff zur aktuellen Ausgabe des Smartphones lohnt.
Gutes Design-Smartphone mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis
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Schneller Prozessor
Gute Kamera
Tolles Design
Hervorragende Haptik
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Absturzgefahr durch glatte Rückseite
Keine IP-Zertifizierung
Man möchte es nicht ohne Hülle benutzen
Unboxing & Ersteindruck Neues Verpackungsdesign
Beginnen wir bei der Verpackung: Der Karton des Honor 9 ist wenige Millimeter größer und innerlich anders aufgebaut als der seines Vorgängers. Beim Öffnen des Schubers habt ihr direkten Zugriff auf das Smartphone und könnt sofort loslegen. Das mitgelieferte Zubehör wiederum gleicht dem Vorgänger (Netzteil, USB-C-Ladekabel, Kopfhörer) mit einer Abweichung: Wohlwissend legt der Hersteller nun direkt eine Schutzhülle bei – warum das gut ist, erfahrt ihr gleich.
Befreit man das Honor 9 von seiner schützenden Verpackung, fällt zunächst die erste Änderung im Vergleich zum Vorgänger auf: Der Homebutton mit integriertem Fingerabdrucksensor wandert von der Rück- auf die Vorderseite und lässt sich ganz iPhone-like gar nicht mehr wirklich drücken. Links und rechts neben dem Home-Button signalisieren zarte leuchtende LEDs, dass sich hier Touch-Flächen für den Zurück-Button und den App-Switcher verbergen. Die Benachrichtigungsleuchte integriert der Hersteller nach wie vor unsichtbar ins Lautsprechergitter.
Neue Verpackung, Schutzhülle im Lieferumfang – was will man mehr?
Design & Haptik Ein echtes Schmuckstück
Auch sonst wurde das Design mehr als runderneuert: Die Glasscheibe des Displays schmiegt sich nun noch besser an den Aluminiumrahmen an und die gläserne Rückseite ist neuerdings an den Seiten stark zum Alu-Rahmen hin gewölbt. Beim Blick auf die Rückseite wird dann auch klar, warum das Smartphone unter dem Hashtag #lightcatcher präsentiert wurde: Unter dem 3D-Curved-Glas befindet sich eine aus fünfzehn Schichten bestehende, geschliffene Oberfläche, die das Licht kunstvoll einfängt und in schönen vertikalen Linien reflektiert. Überall schimmert, glitzert und glänzt es. Das Honor 8 beeindruckte ja schon mit hochwertigem Design, doch das Honor 9 setzt locker noch einen drauf und gibt sich als echtes Schmuckstück mit sehr hochwertiger Anmutung. In diesem Punkt steht es den Flaggschiffen in nichts nach.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Haptik dennoch: Es gab wahrscheinlich noch nie ein glatteres Smartphone als das Honor 9. Auch wenn die glasähnlichen Oberflächen bewusst so vom Hersteller eingesetzt werden und der Eindruck sehr schick ist, gereicht es dem Smartphone zum Nachteil: Legt ihr es auf einer nicht vollkommen ebenen Fläche ab, gerät es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ins Rutschen, was wiederum zu äußerst unangenehmen (Sturz-)Folgen führen kann. Das Handling schreit an jeder Ecke: „Steck mich in eine Hülle!“. Und genau das sollte man mit dem Honor 9 auch machen. In der Hand liegt es dank der abgerundeten Kanten übrigens deutlich besser als sein Vorgänger. Es fühlt sich schlanker an und sitzt auch in meinen vergleichsweise kleinen Händen stets sicher.
Die üblichen Bedienknöpfe für Lautstärke und Ein-/Ausschalter befinden sich wie schon beim Vorgänger auf der rechten Seite. Auch sonst gleichen sich Honor 8 und Honor 9 bei der Konnektivität: Auf der Oberseite gibt’s einen Infrarotsender, links den Slot für bis zu zwei SIM-Karten beziehungsweise eine SIM- und eine Speicherkarte. An der Unterseite befinden sich schließlich der Klinkenanschluss, der USB-C-Anschluss zum Laden des Smartphones und das Lautsprechergitter. Das Honor 9 ist minimal, nämlich exakt zwei Millimeter, länger als der Vorgänger, bringt es aber ansonsten auf die gleichen Maße (70,9 mal 147,3 mal 7,45 Millimeter).
Optik und Haptik gelingen beim Honor 9 noch besser als beim Vorgänger. Die neuerdings abgerundeten Kanten machen im täglichen Umgang mit dem Smartphone viel aus und tragen zum sehr angenehmen Haltegefühl bei.
Leistung Ein Budget-Smartphone dreht richtig auf
Honors neues Flaggschiff verfügt über einen HiSilicon Kirin 960 Prozessor und damit über die gleiche CPU wie das Huawei P10. Beim Kirin 960, dem Nachfolger des Kirin 950 aus dem Honor 8, handelt es sich um einen Octa-Core-Prozessor, bei dem vier Kerne mit 2,4 Gigahertz und vier weitere Kerne mit 1,8 Gigahertz takten. Der Arbeitsspeicher gleicht mit vier Gigabyte dem Vorgänger und ist vollkommen ausreichend bemessen, üppige 64 Gigabyte internen Speicher gibt’s obendrauf. Die Steigerung der Taktrate bei der CPU beträgt gerade einmal 100 Megahertz, stellt aber dennoch eine enorme Verbesserung gegenüber dem Vorgänger dar. So erzielt das Honor 9 nun über 150.000 Punkte im AnTuTu-Benchmark und damit knapp 60 Prozent mehr als das Honor 8 – wow! Mit diesem Wert lässt es sogar gestandene Smartphone-Flaggschiffe à la Huawei P10 alt aussehen. Bei so viel Leistung ist klar, dass weder Anwendungen noch Spiele das Smartphone wirklich in Bedrängnis bringen können. Für ein vergleichsweise günstiges Smartphone bietet das Honor 9 jedenfalls eine enorme Leistung.
In puncto Konnektivität bringt das Honor 9 alles nötige an den Start: WLAN-ac, Bluetooth 4.2, GPS, NFC und ein Infrarotsender sind an Bord. Letzterer erweist sich als besonders praktisch, wenn ihr euer Fernsehgerät mit dem Smartphone steuern wollt, um so die Anzahl der Fernbedienungen auf dem Wohnzimmertisch zu verringern. Lediglich den Qi-Standard für das drahtlose Laden unterstützt das Honor 9 nicht.
Der Hersteller dreht deutlich an der Leistungsschraube. Das Honor 9 spielt leistungsmäßig sehr weit vorn mit und bringt das ein oder andere Flaggschiff in Bedrängnis.
Wenig Veränderung: 5,15 Zoll & Full HD
Das Display der diesjährigen Ausgabe des Honor-Smartphones setzt ebenfalls auf die bewährte Full-HD-Auflösung, die auf dem 5,15 Zoll messenden Screen für überaus scharfe 428 Pixel pro Zoll sorgt. Mehr muss ein Smartphone 2017 auch nicht haben! Zwar fehlen dem Bildschirm im Vergleich zum Vorjahr nun 0,05 Zoll an Diagonale, in der Praxis fällt das jedoch nicht weiter ins Gewicht. Ganz im Gegenteil: Dadurch, dass das Honor 9 für die Zurück-Funktion und den App-Switcher nicht mehr auf On-Screen-Buttons sondern Touch-Flächen neben dem Home-Button setzt, steht nun einiges mehr an Platz auf dem Screen zur Verfügung.
Das Display punktet mit Farbstabilität aus nahezu jedem Blickwinkel. Auch die maximale Helligkeit ist angenehm hoch, sodass es sich auch noch bei vollem Sonnenlicht ganz brauchbar ablesen lässt. Beim Vergleich mit den Honor 8 fällt auf, dass die Farbdarstellung nun neutraler und weniger kalt ist.
Die Softbuttons verschwinden vom Screen, damit steht mehr Platz für Apps zur Verfügung. Das ist zwar Geschmacksache, für die meisten aber eine Verbesserung.
Dual-Kamera, optischer Zoom & 4K
Wer denkt, dass das Honor 9 die Leica-Kamera des P10 erbt, irrt. Das Honor 9 übernimmt die Dual-Kamera des Vorgängers in einer verbesserten Version. Die Sensoren lösen mit 12 respektiven 20 Megapixeln auf und erzielen nun noch einmal schärfere und farbechtere Bilder als sein Vorgänger, der es auf beiden Linsen auf zwölf Megapixel brachte. Die Sensoren üben sich übrigens in Arbeitsteilung: Der 12-Megapixel-Sensor fotografiert in Farbe, sein höher auflösender Partner speichert die 20 Megapixel Bildinformation in Schwarz-Weiß. In manchen Bildabschnitten wirkt das Honor 9 dabei fast schon überschärft – da hilft eindeutig die Software nach. Videos lassen sich jetzt erstmals auch in 4K aufnehmen, elektronische Bildstabilisierung gibt’s noch obendrauf.
Neu beim Honor 9 ist der Hybrid-Zoom: Dank zweier Linsen mit verschiedenen Brennweiten kann das Honor 9 ähnlich dem Huwaei P10 oder auch ähnlich den iPhones mit Dual-Kamera das Bild 2-fach optisch vergrößern. Das funktioniert erstaunlich gut: Das fotografische Objekt erscheint plötzlich doppelt so nah. Und dank echtem optischen Zoom lassen sich so tatsächlich zusätzliche Bildinformationen gewinnen. Wer bis dato oft die Digitalzoom-Funktionen seines Smartphones nutzte, wird diese Funktion beim Honor 9 lieben lernen.
Wie sich den Testaufnahmen entnehmen lässt, erzielt das Honor 9 deutlich schärfere Aufnahmen mit kräftigerer Sättigung und neutralerem Weißabgleich im Vergleich zum Vorgänger. Setzt man den Zoom ein, erzielt das Honor 9 ein erstaunliches Mehr an Schärfe gegenüber seinem Vorläufer. Gleiches gilt für die Low-Light-Performance: Deutlich mehr Details und mehr Schärfe bei weniger Rauschen – das gefällt! Das Honor 8 hatte zwar keine schlechte Kamera, doch das Honor 9 ist in allen Belangen etwas oder gleich sehr viel besser. Kamerafans sollten unbedingt zum neueren Modell greifen.
Mehr Pixel, mehr Funktionen, mehr Schärfe. Das Kamera-Upgrade ist hervorragend gelungen.
Selfie-Kamera Bokeh-Filter für (vielleicht) schöne Porträts
Die Frontkamera belässt Honor bei 8 Megapixeln, stattet sie aber jetzt mit einem Bokeh-Modus aus, welcher den Hintergrund um das Gesicht unscharf werden lässt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um echte Schärfentiefe sondern nur um einen Filter, was besonders an den Rändern des Gesichtes auffällt: Ein paar Pixel neben dem eigentlichen Rand des Gesichts sind noch scharf, erst dann setzt der Filter an. Ein zusätzlicher Beauty-Modus entfernt stufenlos regelbar Hautunreinheiten aus dem Gesicht. Was in der Theorie sehr praktisch klingen mag, endet in der Realität leider in verwaschenen Selfies mit deutlich sichtbaren Filter-Effekten. Aber wer’s mag…
Akku Mehr Leistung braucht mehr Saft
Der Akku ist beim Honor 9 mit 3.200 Milliamperestunden normal groß dimensioniert und legt gegenüber dem Vorgänger um 200 Milliamperestunden zu. Das ist auch nötig, denn die deutlich potentere Hardware verlangt dem Energiespeicher einiges ab, was sich insbesondere im Spielebetrieb in Form von Abwärme bemerkbar macht. Bei normaler Nutzung sind etwa 1,5 Tage Laufzeit beziehungsweise 5,5 Stunden Screen-On-Time drin, was dem klassenüblichen Durchschnitt entspricht. Ist der Akku mal leer, finden dank Schnellladefunktion binnen 30 Minuten 40 Prozent Ladung zurück in den Stromspeicher – sehr angenehm, wenn’s mal schnell gehen muss. Praktisch: Dank EMUI lässt sich der Stromverbrauch von Hardware und Software getrennt einsehen, sodass sich hier bei Bedarf an den richtigen Schrauben (Displayhelligkeit, stromfressende Apps, Hintergrundsynchronisation) drehen lässt.
Der Akku legt zwar um knapp 10 Prozent zu, erzielt damit aber keine längere Laufzeit. Das ist wohl mit der deutlich erhöhten CPU-Leistung zu erklären.
Betriebssystem Android 7.0 Nougat - gibt's aber auch für das Honor 8
Beim Honor 9 kommt Android 7.0 Nougat zum Einsatz, welches der Hersteller mit dem firmeneigenen Software-Aufsatz EMUI in Version 5.1 versieht. Zu EMUI gilt es zu sagen: Wer sich bisher mit Smartphones von Huawei, Honor oder Xiaomi ausgestattet hat, fühlt sich gleich wie zuhause. Optik und Benutzerführung weichen stark vom Android-Standard ab und ähneln in Ansätzen Apples iOS. Es sind eine ganze Reihe zusätzlicher Apps vorinstalliert, die in der Regel auch sinnvolle Funktionen mitbringen. Ohne Bloatware geht’s auch beim Honor 9 nicht, doch immerhin lässt sich diese mit ein paar mal Tippen deinstallieren.
Android 7 und EMUI 5.1 nun ab Werk, kann das Honor 8 per Update aber auch.
Fazit Tolles Gesamtpaket zum hervorragenden Preis
Der Hersteller schnürt ein tolles Paket aus fantastischer Haptik (sofern man sich mit der äußerst glatten Oberfläche anfreunden kann), tollem Design und hochwertiger Verarbeitung. Das Honor 9 punktet anders als der Vorgänger nun auch voll bei Leistung und Kamera und so erhält der geneigte Käufer mit dem Honor 9 ein hochwertiges Smartphone in Edeloptik. Viel trennt das Honor-Smartphone nicht von den aktuellen Flaggschiffen. Einzig eine IP-Zertifizierung gegen feuchte Umwelteinflüsse und vielleicht ein noch schärferes Display fehlen. Auch wenn der Preis nicht mehr wirklich in die Kategorie „Budget-Smartphone“ fällt, ist das Honor 9 ein schnelles Design-Smartphone, das mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis imponiert.



























