COBI – das smarte Fahrradsystem im Test

von Dirk Lindner

· 6 min Lesezeit

COBI – das smarte Fahrradsystem im Test

Dieser Testbericht beginnt mit einem Geständnis: Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und Techniknerd. Und ich habe schon viel zu viel Geld auf Kickstarter und Indiegogo für smarte Alltagsdinge ausgegeben. Perfekte Voraussetzungen also, um ein Crowdfunding-Projekt zu testen, dass sich speziell an Radenthusiasten richtet und auf lediglich vier Buchstaben hört: COBI. Was sich dahinter verbirgt? COBI ist die Kurzform von „Connected Bike“ und möchte als Mischung aus Scheinwerfer, Smartphone-Halterung, Fernbedienung, Powerbank und Alarmanlage aus vielen Halterungen und Gadgets am Fahrradlenker, nun eine Zentrale machen. Der Erfinder bezeichnet es als „intelligent vernetztes Fahrrad-System“, welches Bike und Smartphone in perfekte Harmonie bringen soll. So kommt auch das Fahrrad zur derzeit etwas überstrapazierten Eigenschaft „smart“ zu sein. Zusätzlich habe ich noch das Rücklicht und die Smartphone-Universalhalterung von COBI erhalten.

Smartes Gesamtpaket mit Lichtschwäche

PRO
    Schicke, gut funktionierende App
    Integrierte Powerbank
    Praktische Lenkerfernbedienung
    Hoher Funktionsumfang
    Durchdachtes Design
CONTRA
    Ausleuchtung des Scheinwerfers könnte besser sein
    Sehr hoher Preis
Gesamtbewertung 3,5

Unboxing

In der Verpackung des COBI finden sich neben dem Hauptgerät – dem sogenannten Hub samt Akkupack – noch einiges Montagezubehör und eine Lenkerfernbedienung, die per Kabel fest mit dem Hub verbunden ist. Zusätzlich liegt meinem Testgerät noch eine Universalhalterung für Smartphones und das intelligente COBI-Rücklicht bei. Das alles ist dank des umfangreichen Montagezubehörs für alle Lenkerarten geeignet und in etwa 15 Minuten montiert.

Rücklicht und Smartphone-Halterung sind abnehmbar, der Hub verbleibt hingegen ständig am Rad. Wer wie ich also vielleicht mehr als ein Fahrrad hat, muss sich bei der Montage für ein Rad entscheiden – schnell mal wechseln funktioniert nicht so einfach. Die Smartphone-Halterung und das Rücklicht geben sich beim Lieferumfang eher spärlich – aber es ist alles dabei, was der Käufer zur Montage benötigt.

Hub, Rücklicht und Smartphone-Halterung kommen jeweils einzeln verpackt an.
Hub, Rücklicht und Smartphone-Halterung kommen jeweils einzeln verpackt an.
Dank des durchdachten Designs macht schon das Auspacken Spaß.
Dank des durchdachten Designs macht schon das Auspacken Spaß.
Das Akkupack des Hub ist entnehmbar und lässt sich per microUSB laden.
Das Akkupack des Hub ist entnehmbar und lässt sich per microUSB laden.
Das Tagfahrlicht sieht sehr schick aus!
Das Tagfahrlicht sieht sehr schick aus!
Auch das Rücklicht leuchtet kräftig rot
Auch das Rücklicht leuchtet kräftig rot
Dank Dämmerungsautomatik schaltet es sich abends selbstständig ein
Dank Dämmerungsautomatik schaltet es sich abends selbstständig ein
Die Smartphone-Halterung ist für viele Displaygrößen geeignet...
Die Smartphone-Halterung ist für viele Displaygrößen geeignet...
... und wird einfach auf den Hub geklickt.
... und wird einfach auf den Hub geklickt.

Montage und Inbetriebnahme

Der Hub ist – sofern rund um den Vorbau genügend Platz ist – schnell montiert. Gleiches gilt für das Rücklicht: Die Halterung wird mit einer Schraube fixiert und verleibt dann an der Sattelstütze. Das herausnehmbare Akkupack des Hubs bedurfte ebenso wie das Rücklicht einer ersten Ladung. Nach der Erstmontage kann es dann auch direkt losgehen – und zwar mit der Installation und Einrichtung der COBI-App auf dem Smartphone.

Schicke COBI-App

Herzstück von COBI ist neben dem Hub natürlich auch die App – ohne diese wäre COBI nicht viel mehr als ein Scheinwerfer mit Smartphone-Powerbank. Die App möchte zunächst mit dem Hub verbunden werden, was auch auf Anhieb gelingt. Ebenso schnell klappt das Pairing mit dem Rücklicht – worauf hin es gern ein Softwareupdate hätte. Das Rücklicht! Das ist schon außergewöhnlich – viele andere Fahrradrücklichter, deren Software aktualisiert werden kann, dürfte es nicht geben.

Doch auch das ist dank der gut funktionierenden App schnell erledigt. Überhaupt ist die COBI-App in einem sehr ansprechendem und modernen Design gehalten. Schnell wird klar, dass sie nicht nur schmückendes Beiwerk sondern ebenso wie der Hub große Aufmerksamkeit in der Entwicklung erfahren hat.

Die App teilt sich in die Bereiche Navigation, Fitness, Musik und Kontakte auf. Zusätzlich stehen Wetterinformationen bereit und es lassen sich mehrere Fahrräder konfigurieren. Die App ist vollständig über die Lenkerfernbedienung steuerbar – der Nutzer muss also nicht die Hand vom Lenker nehmen, um einen Anruf zu tätigen oder die Musik zu steuern – sehr praktisch! Außerdem zeigt die App jede Menge Fahrtinformationen rund um Strecke und Geschwindigkeit.

Die App läuft während der Fahrt immer im Querformat.
Die App läuft während der Fahrt immer im Querformat.
Vorher seht ihr Informationen zum Wetter.
Vorher seht ihr Informationen zum Wetter.
Während der Fahrt steuert ihr Musik...
Während der Fahrt steuert ihr Musik...
... oder folgt einer vorher geplanten Route.
... oder folgt einer vorher geplanten Route.
Na, schon mal ein Rücklicht upgedatet? Kein Problem mit COBI.
Na, schon mal ein Rücklicht upgedatet? Kein Problem mit COBI.
Am rechten Rand zeigt die App Informationen zur Route...
Am rechten Rand zeigt die App Informationen zur Route...
... und Fitnessdaten der Tour
... und Fitnessdaten der Tour

Praxiseinsatz COBI im Alltagseinsatz

Soviel also zum Konzept und zur App – Zeit sich dem wahrhaftigen Praxiseinsatz zu widmen. Noch vor Fahrtbeginn fällt COBI dabei positiv auf: Ist die App auf dem Smartphone aktiv, erkennt das Fahrrad, dass man sich ihm nähert und aktiviert das Tagfahrlicht – sehr cool!

Die Smartphone-Halterung fasst mein iPhone SE sehr fest und sicher, gleichzeitig wird es über die integrierte Powerbank aufgeladen und kann so während der gesamten Fahrt aktiv sein. Vor Fahrtbeginn sehe ich noch einmal kurz aktuelle Informationen zu Wetter und Temperatur.

Während der Fahrt stehen in den verschiedenen Bereich der COBI-App Informationen zu Verkehr, Route und Fitnessdaten zur Verfügung. Die Steuerung von Musik oder auch der Telefonfunktion geht dank der Lenkerferbedienung auch während der Fahrt sehr einfach von der Hand. Die bereits existierenden Fahrradhelme mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung dürften so noch einmal ganz besonders ihre Stärke ausspielen.

Auch die Navigationsfunktionen der App überzeugt und führt stets über radfreundliche Routen zum Ziel. Stellt man das Rad ab, kann man es in der COBI-App sperren. Der Hub fungiert dann als Alarmanlage und warnt bei Berührung des Fahrrades einmal kurz. Wird das Fahrrad dann nochmal bewegt, ertönt ein Alarm.

So wird COBI inkl. Fernbedienung am Lenker montiert.
So wird COBI inkl. Fernbedienung am Lenker montiert.
Das Rücklicht macht einen sehr schlanken Eindruck.
Das Rücklicht macht einen sehr schlanken Eindruck.
Die Fernbedienung befindet sich immer in Griffweite – toll!
Die Fernbedienung befindet sich immer in Griffweite – toll!
COBI unterscheidet zwischen Tagfahrlicht...
COBI unterscheidet zwischen Tagfahrlicht...
... und zwei Scheinwerferleuchtstufen.
... und zwei Scheinwerferleuchtstufen.

Lichtanlage COBI als Scheinwerfer und Rücklicht

Bei COBI handelt es sich ja nicht nur um eine gut funktionierende App, sondern auch um eine vollwertige Lichtanlage fürs Fahrrad. Der Scheinwerfer kann dabei mit drei Helligkeitsstufen aufwarten: Beim Tagfahrlicht leuchten nur die LED-Streifen neben dem Hauptscheinwerfer. Bei Dämmerung aktiviert sich dieser dann mit zunehmender Dunkelheit automatisch und leuchtet mit ordentlicher Helligkeit. Auf Wunsch gibt es auch noch einen Fernlicht-Modus, in dem der Scheinwerfer dann mit voller Helligkeit strahlt.

Auch das Rücklicht schaltet sich bei Dämmerung von allein ein und hat sogar eine Blinkerfunktion, mit der der Fahrer seinen Abbiegewunsch unterstreichen kann. Dazu drückt man auf der Lenkerfernbedienung lange nach links bzw. rechts und schon blinkt das Rücklicht ein paar Mal in die jeweilige Richtung – auch wenn das in Deutschland eigentlich nicht zugelassen ist. Im Test funktionierte die Lichtautomatik jedoch nicht ganz überzeugend: In der Dämmerung schaltete sich der Scheinwerfer mehrfach ein und wieder aus, da die Lichtverhältnisse offenbar genau am Schwellwert lagen.

Auch die Ausleuchtung des Scheinwerfers könnte besser sein: Er überzeugt zwar mit hoher Helligkeit, das Licht ist allerdings an einem diffusen Punkt konzentriert. Von einer Unterscheidung in Nah- und Fernbereich findet sich hier keine Spur, auch könnte die Ausleuchtung breiter sein. Das können schon einfache Scheinwerfer für nicht einmal ein Zehntel des Preises besser. Und gegen hochwertige Fahrradscheinwerfer hat der COBI dann offen gesagt einfach keine Chance mehr.

Die Ausleuchtung könnte besser sein (Oben Sigma Roadster USB, unten COBI)
Die Ausleuchtung könnte besser sein (Oben Sigma Roadster USB, unten COBI)
Oben COBI, unten B&M Ixon IQ Premium
Oben COBI, unten B&M Ixon IQ Premium

Fazit Perfekt für smarte Radler

Kann COBI das Versprechen vom Connected Bike einlösen? Ja! COBI ist eine gute Wahl für Crowdfunding-Enthusiasten mit gut trainiertem Portemonnaie. Die App funktioniert gut, sieht schick aus und ist wirklich durchdacht.

Das Aufladen des Smartphones funktioniert einfach und schnell und die Universalhalterung hält viele Smartphones sicher und fest. Dank der Fernbedienung geht die Steuerung während der Fahrt ganz einfach von der Hand. Lediglich bei der Ausleuchtung kann der Scheinwerfer leider nicht überzeugen – da muss der Hersteller nochmal ran.

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