Leben Apple-Watch-Träger gesünder?

von Clemens Behrendt

· 3 min Lesezeit

Ob Apps für’s Gedächtnistraining, Fitness-Tracker oder ähnliche Wearables: Laut der Strategieberatungsfirma LSPdigital besteht in Deutschland ein hohes Interesse an digitalen Gesundheits- und Fitnessangeboten. Nutzer, welche einen digitalen Service für medizinische Informationen, Risiko-Tests, Diagnose-Prüfungen und für Erinnerungen zur Medikamenteneinnahme verwenden, haben sogar ein über fünf mal stärkeres Interesses an Smartwatches und Fitness-Trackern.

Ich frage mich immer, ob derartige Geräte tatsächlich etwas bringen und ob die Hoffnung, dass sie sportlich motivieren und die Gesundheit fördern, nicht nur ein gutes Verkaufsargument ist. Eine aktuelle Studie von Wristly, die eigenen Angaben zufolge „größte unabhängige Forschungsplattform der Apple-Watch“, hält fest, dass das Wearable tatsächlich zu einem gesünderen Leben führt.

Rund 1000 Menschen haben wir gefragt...
Rund 1000 Menschen haben wir gefragt...

Regelmäßiges Tragen & veränderter Lebensstil

Für die Studie wurden vom 21.-28. Juli 1.030 Personen dazu befragt, inwiefern die Apple Watch zu einem veränderten Lebensstil beiträgt.

78 Prozent der Befragten stimmten (stark) mit der Angabe überein, dass sie mehr stehen und vermehrt auf ihre Gesundheit achten, seit sie das Gerät besitzen. Über 50 Prozent laufen mehr, treffen bessere gesundheitliche Entscheidungen für sich und betätigen sich häufiger sportlich. Rund 45 Prozent der Nutzer haben außerdem Gewicht verloren. Zu neuen Sportarten scheint das Gerät nur bei den wenigsten Nutzern zu führen: Lediglich rund 15 Prozent stimmten der Aussage zu. Außerdem scheinen die Befragten recht zufrieden mit den Health-Features (z.B. Workout-App) zu sein und tragen die Uhr sehr regelmäßig: Über 86 Prozent haben sie täglich am Arm und 12,3 Prozent an den meisten Tagen.

Die Nutzer empfinden es zusammenfassend als wesentlich einfacher, ihr tägliches Pensum an Sport zu erreichen und fühlen sich motiviert. Wie ein Fitness-Coach scheint die Uhr also tatsächlich zu einem höheren Sportkonsum und damit zu einem gesünderen Lebensstil beizutragen. Zufriedene und gesunde Menschen – ein tolles Unternehmensziel. Oder nicht?

Sieht gut aus & unterstützt die Gesundheit
Sieht gut aus & unterstützt die Gesundheit

Kleine statistische Befindlichkeit

Wristly befragt für verschiedene Studien regelmäßig jene Personen, die die Apple Watch tragen und sich gleichzeitig auf ihrer Plattform zum „inneren Kreis“ anmeldeten. Dadurch kann ein User das interne Forschungsprojekt unterstützen, mit eigenen Angaben beeinflussen und die Ergebnisse vor der Veröffentlichung erhalten.

Aus streng wissenschaftlicher Sicht kann die Studie allerdings auch hinterfragt werden: Schließlich wurden die Befragten unkontrolliert in die Umfrage aufgenommen, indem sich die User selbst zum Mitmachen entschieden (Stichwort Selbstselektion). Weiterhin kann angenommen werden, dass vor allem Personen mit höheren Einkommen ein derart preisintensives Wearable tragen und die Befragten damit statistisch gerade zu jener Gruppe gehören, welche sowieso „mit höherer Wahrscheinlichkeit Sport“ treibt.

Es kann also sein, dass gerade die Personen teilnahmen, die ihre Zufriedenheit zum Ausdruck bringen möchten, sowieso viel Sport treiben und sich die Ergebnisse insofern nicht so einfach verallgemeinern lassen. Weil es außerdem hin und wieder Hinweise gibt, dass gerade die Langzeitmotivation eine Herausforderung für die Hersteller ist, wären Studien über einen langen Zeitraum spannend.

Bleib gesund!

Zwar kann man mit der Umfrage nur schwer eine repräsentativ verallgemeinerte Aussage über den Effekt derartiger Wearables treffen, dennoch aber sprechen zumindest bei den rund 1.000 Probanden die Ergebnisse für sich: Durch das Tragen der Apple Watch fühlen sich die Nutzer zu weiteren Bewegungen motiviert.

Bedenkt man, dass bereits 5 Minuten täglichen Sports die Lebensqualität und -erwartung steigern soll, kann man sich den Mehrwert für den tragbaren Motivationsschub vorstellen. Klar, dass dann auch Krankenkassen ein Interesse daran haben und den Kauf dieses doch recht preisintensiven Wearables bezuschussen.

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