Cliqz – Leben ohne Google leicht gemacht
Suchmaschinen wie Google sind grundlegende Werkzeuge des Netz-Alltages und ein Internet ohne sie ist undenkbar. Dass diese Suchmaschinen fleißig Daten sammeln und zu Nutzerprofilen verknüpfen, sollte bekannt sein. Letztlich erlauben die gesammelten Daten verbesserte und personalisierte Suchergebnisse. Und ganz nebenher bringen die Daten den Suchmaschinenbetreibern bei der Vermarktung viel Geld ein. Die umfangreiche Datenerhebung und -verwertung ist jedoch sicherlich nicht im Sinne eines jeden Nutzers. Mit Cliqz tritt nun ein Browser an, der sich genau diesem Punkt widmet: Weniger Datensammlung, mehr Privatssphäre. Entwickelt wird Cliqz von einem Müncher Startup, dass sich einerseits ein Stück weit von Suchmaschinen verabschieden, zum anderen der Trackingwut vieler Websites etwas entgegensetzen möchte. Ich habe mir Cliqz für euch angesehen und geprüft, wie gut der Browser im Alltag funktioniert.
Cliqz setzt auf Firefox
Cliqz ist für Windows, Mac OS, iOS und Android verfügbar. Ich habe mir die Mac-Version für euch installiert. Dem geübten Auge fällt sofort auf, dass Cliqz ein Firefox-Abkömmling ist. Damit ist Cliqz automatisch auch Open Source – bereits ein erster Pluspunkt, denn so ist der Programm-Quellcode für jeden Fachkundigen überprüfbar. Optisch mutet Cliqz auf dem Mac schick an. Im folgenden stelle ich euch die Funktionen vor:
Weniger Daten sind mehr
Kommen wir zum Herzstück des Cliqz-Browsers: Der neu entwickelten Suche. Zunächst gibt es bei Cliqz kein dediziertes Suchfeld, sondern alles läuft, wie von anderen modernen Browsern gewohnt, über die Adresszeile ab: Gibt man dort Suchbegriffe ein, schlägt Cliqz ein paar Treffer vor oder vermag sogar direkte Antworten zu geben. So liefert zum Beispiel die Eingabe „Wetter Dresden“ ein direktes Ergebnis und bietet auch die Chance für eine detaillierte Vorhersage – die kommt dann von Weather Underground. Das gleiche funktioniert auch für Nachrichten-Seiten, diese präsentieren dann die jeweils aktuellsten Beiträge direkt in der Suchleiste. Ebenso gibt es eine Integration für Google Maps, Flugdaten, Einheiten-Umrechnung und einen Taschenrechner.
Natürlich zeigt Cliqz auch „normale“ Suchergebnisse an, jedoch meist nur drei Stück – das könnten aus meiner Sicht auch mehr sein. Wählt man keines der angegeben Ergebnisse aus sondern bestätigt die Suche einfach mit Enter, schickt Cliqz euch zur sogenannten „ergänzenden Suchmaschine“. Das kann Google sein, Cliqz bietet in den Optionen jedoch auch zahlreiche andere Suchmaschinen an. Dem geneigten Datenschutzfreund sei an dieser Stelle DuckDuckGo empfohlen – auch diese Suchmaschine schreibt sich explizit auf die Fahnen, keine persönlichen Daten zu sammeln. Wer für einzelne Suchen zu anderen Suchmaschinen wechseln möchte, stellt dem Suchbegriff einfach ein #du für DuckDuckGo oder ein #wi für Wikipedia voran – funktioniert hervorragend. Doch wie funktioniert die Suche von Cliqz nun eigentlicht? Dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Nutzer speisen anonym den Suchalgorithmus
Bisher beeindruckt Cliqz mit aktiver Suchmaschinenvermeidung – doch wie funktioniert das? Natürlich kommt auch Cliqz bei der Eingabe von Suchbegriffen nicht um Datenaustausch herum – dieser läuft hier jedoch zwischen Nutzer und Cliqz-Rechenzentrum. Cliqz nennt seinen eigenen Suchindex „Human Web“ und setzt dabei auf anynome Daten der User. Jede Suche geht somit – vollkommen anonym – in Human Web ein und verbessert die Suchergebnisse. Diese Anonymität der übermittelten Daten kann man Cliqz einfach glauben – oder besser: Kontrollieren. Im sogenannten „Transparenz Cockpit“ ist jederzeit einsehbar, welche Daten übermittelt werden. Das ist zunächst ein Wust aus technischen Namen, Cliqz liefert jedoch eine ausführlich Erklärung mit. Die Teilnahme am Human Web ist zwar standardmäßig aktiviert, lässt sich aber bei Bedarf mit einem Klick sofort deaktivieren.
Anti-Tracking-Funktion stopft die restlichen Datenschlupflöcher
Die Desktop-Versionen von Cliqz enthalten neben der neuartigen Suche zusätzlich eine Anti-Tracking-Funktion. Diese verhindert, dass Websites ungehindert Daten über euch erfassen können. Nur anonyme, unpersönliche Daten sind erlaubt und auch nur diese werden übertragen. Habt ihr euch schon immer gefragt, warum euch die Shopping-Geschenkidee des Vortages danach erneut an allen möglichen Stellen des Netzes begegnet? Genau das vermeidet die Anti-Tracking-Funktion von Cliqz – schließlich geht es niemanden etwas an, was ihr wann im Netz sucht. Cliqz bildet die Zahl der blockierten Tracker in einem kleinen Symbol ab. Dieses schafft erst einmal ein Bewusstsein für das Thema – es ist schon erstaunlich, wie sammelwütig manche Datenkraken sind.

Fazit - Die Rechnung geht auf
„Privacy by Design“ so lautet das grundlegende Motto von Cliqz. Der Browser bringt eine eigene Suchmaschine und bei den Desktop-Versionen auch eine Anti-Tracking-Funktion mit. Somit schiebt Cliqz eifrigen Datensammlern à la Google & Co. effektiv einen Riegel vor. Die Cliqz-eigene Suche überzeugt mit ihrer zusätzlichen Funktionalität und direkten Vorschauen gegenüber gewohnten Suchmaschinen. Anzukreiden ist, dass Cliqz keinerlei Addons unterstützt. Besonders den Ad-Blocker habe ich hier schmerzlich vermisst, ebenso Plugins von anderen Webdiensten wie Evernote & Co. Auch fehlt die Anti-Tracking-Funktion in den mobilen Versionen von Cliqz – hier fließen also weiterhin teils unerwünschte Daten. Dennoch überwiegen für mich die Vorteile und ich werde Cliqz nun künftig regelmäßg einsetzen. Was haltet ihr von Cliqz? Schon ausprobiert? Teilt mir eure Meinung in den Kommentaren mit!






















