Umdenken im IT-Zeitalter
Alte Gewohnheiten über Bord werfen
Mein erster Rechner (das war 1992) hatte gerade einmal vier MB Arbeitsspeicher und eine Festplatte mit sagenhaften 40 MB. Damals hat man noch um jedes Byte gekämpft, was man freihalten konnte: Ich habe tagelang in der config.sys herumgedoktert, um endlich die 490 kB EMS-Speicher freizubekommen, die nötig waren, um ein Spiel zu starten…was mir dann letztlich gar nicht gefiel. Inzwischen habe ich einen PC mit Windows 7 (Home Premium, 64 bit). Der hat vier GB RAM und auf zwei Festplatten insgesamt 820 GB Kapazität. Trotzdem deaktivierte ich immer wieder (vermeintlich) unnötige Hintergrund-Dienste und lasse beim Rechnerstart die temporären Dateien von CCleaner entfernen.
Jetzt, wo mich Windows trotz des Administrator-Accounts fast nichts mehr am Rechner machen lässt, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich endlich umdenken und aus meinem alten Schema ausbrechen muss. Und das werde ich tun: Ein Rechner wird nicht merklich schlechter laufen, nur weil z.B. der UPnP-Dienst automatisch startet, fünf MB Speicher einnimmt und im Taskmanager eine Zeile mehr verursacht. Die 40 Audiodateien unter C:\Windows\Media werden den Rechner ebenfalls nicht ausbremsen. Und auch die buntesten Tuning-Programme bringen vielleicht einen Programmstartgeschwindigkeits-Gewinn von einer Fantastilliardstelsekunde – aber ist es dies wirklich wert?
Auch wenn man es sich ungern eingesteht: Eigentlich bringt man mit solchen Maßnahmen ein System ins Wanken, was auf Millionen Rechnern wunderbar funktioniert. Und das nur, weil man zu sich selbst sagen will, man hätte alles für ein sauberes System getan. Dabei sagt schon ein altes Sprichwort, dass Dreck den Magen reinigt.
Jetzt suche ich gerade die aktuellen Treiber meiner Systemkomponenten im Netz zusammen, schiebe sie auf meine externe Festplatte – den Treiber-Ordner habe ich übrigens auch schon über anderthalb Jahre nicht mehr entstaubt – und dann installiere ich Windows neu. Und ich werde nicht mehr im System herumbasteln. Das spart Zeit und Nerven. Wahrscheinlich saß bei Google immer ein Administrator vorm Rechner und sagte: „Da ist schon wieder dieser Kerl, der sein Windows zerkloppt hat“. Der wird sicher keine Freude an diesem Artikel haben :-).
Wie sieht das bei euch aus? Seid ihr digitale Reinlichkeitsfanatiker? Oder ist euch egal, wenn Desktop und Infobereich überquellen und Ihr nur von einem Drittel der Icons wisst, woher die eigentlich stammen?








