Smartphone & Co: die Psychologie hinter der Benachrichtigung

von Elsa Philipp

· 2 min Lesezeit

Ich wette, ihr kennt dieses Phänomen: Euer Smartphone gibt ein kleines Geräusch von sich oder die Benachrichtigungs-LED blinkt und sofort wird der Drang übermächtig, das Telefon in die Hand zu nehmen und nachzuschauen, wer oder was nach eurer Aufmerksamkeit verlangt.

Klassische Konditionierung nennt man dieses Phänomen, das wir alle bereits zu Schulzeiten in Form des Pawlowschen Hundes gelernt haben. Zur Erinnerung: Hund hört Glocke, bekommt Leckerli und gleichzeitig Speichelfluss. Nach mehreren Wiederholungen läuft ihm beim Glockenklang der Speichel, ohne dass er überhaupt Futter bekommt.

Ja, der Pawlowsche Hund ist auch in euch stark. Ich erzähle euch mal, wie sich das äußert und krame ein bisschen in der Psychologie-Schublade.

Der Pawlowsche Hund wohnt auch in euch
Der Pawlowsche Hund wohnt auch in euch

Glücksgefühle durchs Smartphone

Brechen wir das Verhalten des Hundes auf unsere Technik-Nutzung herunter, kommen wir zu ähnlichen Ergebnissen: Mensch hört Smartphone, bekommt eine Nachricht, freut sich. Und schon baut sich eine positive Erwartungshaltung gepaart mit Neugier auf, sodass wir zwingend wissen wollen, welch freudiges Ereignis uns der Benachrichtigungston bringen mag und prompt auf unser Telefon schauen. Hier löst also ein externer Stimulus positive Gefühle aus.

Dieser externe Stimulus kann sich bei uns schließlich als interner Stimulus einnisten. Denn wenn es uns schlecht geht oder wir uns langweilen, wollen wir diesen emotionalen Misstand dringend beseitigen. Dann wird der Drang groß, Dinge zu tun, die uns bereits im Vorfeld positive Gefühle beschert haben. Schokolade, das Durchstöbern von Facebook oder Instagram, das Gespräch über WhatsApp oder das Rumhängen auf YouTube.

Und schon brauchen wir keinen externen Trigger mehr, sondern besuchen von selbst die App oder Webseite. Und da wir nie genug positive Gefühle haben können und zudem neugierig sind, hängen wir eben oft am Smartphone. Leuchtet ein, oder?

Na, neugierig, warum das Display leuchtet? Schau doch nach. Na komm schon.
Na, neugierig, warum das Display leuchtet? Schau doch nach. Na komm schon.

Wie Nutzen Apps dieses Phänomen?

Ihr seht also, dass Alltagsvorgänge unbewusst mit Gefühlen gekoppelt sind. Und App-Entwickler nutzen dieses Phänomen schamlos aus, um eure Aufmerksamkeit zu bekommen. Am besten funktioniert das, wenn interne und externe Motivation Hand in Hand gehen und vielleicht noch das schlechte Gewissen am Start ist.

Nehmen wir also an, ihr wollt mit Hilfe einer App Chinesisch lernen. Die ersten paar Tage seid ihr total motiviert, doch dann schleicht sich Faulheit ein – man müsste mal wieder. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Doch plötzlich poppt eine Benachrichtigung eurer App auf und erinnert euch mit persönlicher und wechselnder Ansprache an euer Training oder lockt sogar mit Belohnungen. Schon bekommt ihr die Lösung präsentiert, wie ihr das schlechte Gewissen eliminiert und klickt euch in die App.

Hier geht es aber nicht nur um die klassische Konditionierung à la Pawlow, sondern auch um Charme und Kreativität – denn mit lieblosen Standard-Notifications gewinnt keine App eure Aufmerksamkeit.

Und nun? Nun könnt ihr euch im Alltag mal beobachten, weshalb ihr gerade jetzt auf euer Smartphone schaut und diese spezielle App geöffnet habt. Fühlt ihr euch ertappt? ;)

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