Sind 30 Prozent zuviel?
Gedanken zur iPhone-Software-Plattform bzw. deren Vermarktung
Am gestrigen Donnerstag konnte die versammelte Presselandschaft erneut den Worten des Technokraten Steve Jobs lauschen, doch nicht die Presse allein war direkter Ansprechpartner. Eigentlicher Adressat der Morgenmesse waren diesmal die Entwickler, denn ab sofort gilt es neben dem klassischen Mac OS eine weitere Plattform mit den eigenen Ideen zu unterstützen: das iPhone bzw. dessen Brüderchen, genannt iPod touch. In den folgenden Zeilen möchten ich hierzu meine Gedanken und Überlegungen darlegen, denn wie immer, sorgen die Inhalte entsprechender Ankündigungen für eine hohe Welle des Diskurses.
Eigentlich gab es diesmal keine größeren Überraschungen, fraglich waren im Vorfeld indes die Details. Mit der Öffnung für den Enterprise-Markt greift Apple unverhohlen den Platzhirsch Blackberry an, und das wie man sehen konnte auf voller Breitseite. Soweit so gut, die nächste Ankündigung betraf das iPhone SDK, sprich das Entwicklerkit für das iPhone bzw. den iPod touch. Kurz zusammengefasst, die Programmierer können auf alles zugreifen und so ohne Einschränkungen Anwendungen für die neue Touch-Plattform entwickeln. Von technischer Seite gibt es also nichts zu beanstanden. Jedoch das Vertriebsmodell lässt die Emotionen aufkochen. Hier die Fakten:
1. Apple ist alleiniger Distributor der Drittanwendungen, der Verkauf erfolgt über den iTunes-Store.
2. Die Entwickler bestimmen den Verkaufspreis allein.
3. Apple behält 30 Prozent vom Umsatz, 70 Prozent gehen an die Programmierer bzw. die Firmen.
4. Freeware wird kostenfrei über den iTunes-Store verteilt, Apple beansprucht hierfür keinerlei Zahlungen.
In vielen Foren geht es seit der Veröffentlichung dieser Fakten hoch her, sind 30 Prozent Umsatzbeteilung eigentlich zuviel? Nun ja, dies kommt auf den Standpunkt an. Normalerweise rechnen wir als Händler zwischen 10 und 25 Prozent Marge bei Software, jedoch kommt hier noch der Anteil für den Großhändler mit drauf. Insofern sind 30 Prozent nicht wirklich zuviel, sondern kumuliert betrachtet eher brachentypisch. Auch wenn dies einem Steve Ballmer von Microsoft nicht schmeckt und er dem Modell zunächst eine Abfuhr erteilt, Zitat: „30 Prozent Lizenzgebühren für Geschäfte mit iPhone-Anwendungen? Gutes Geschäft für ihn [Steve Jobs] – aber nicht mit uns.“
Dies mag ein Mr. Microsoft gerne so sehen, unter Umständen findet er auch Zuspruch mit dieser Meinung bei anderen, existierenden Softwaregiganten. Und genau da liegt der Hund begraben. Steve Jobs möchte mit diesem Ansatz nicht unbedingt die „Großen“ ansprechen, im Gegenteil. Denn für kleinere Firmen und Einzelkämpfer sind die Konditionen sehr gut. Welcher Hobbyprogrammierer kann es sich schon leisten ein eigenes Distributionsgeschäft aufzuziehen oder hohe Ausgaben ins Marketing zu stecken? In diesem Zusammenhang passt dann auch wiederum die Ankündigung des kalifornischen Wagniskapitalgebers Kleiner Perkins Caufield & Byers (KPCB) mit dem iFund einen 100 Millionen Dollar schweren Fond für Softwareentwickler aufzulegen. Dieses Verhalten ist für Apple und erst recht für Steve Jobs sehr typisch, nicht die Großen noch größer machen, sondern neue Talente suchen und dann für das eigene Geschäft nutzbar machen. Das ist gelebte Firmenphilosophie übertragen in das Business der Softwareentwicklung.
Denn was benötigt eine Softwareplattform um für die Zukunft gerüstet zu sein? Genau, jede Menge Anwendungen. Denn eines haben wir gestern auch gesehen, es geht längst nicht mehr nur um das iPhone. Eine ganz neue Plattform wird aus dem Boden gestampft, eine Plattform für mobile Endgeräte. Was Apple bisher im Desktop-Markt nicht gelang, soll nun im mobilen Sektor erreicht werden: Marktführung!!! Auch wenn die Veranstaltung für den gemeinen Endverbraucher nicht wirklich spannend war, so sollte man sich in einigen Jahren vielleicht an diesen 6. März des Jahre 2008 zurückerinnern, als den Tag an dem Apple durch die Hintertür sich aufmachte den Markt umzuwälzen. Ihr glaubt mir nicht? Nun ja, als der iPod 2001 das Licht der Welt erblickte konnte noch niemand erahnen, dass Apple einige Jahre später die unangefochtene Nummer Eins im digitalen Musikgeschäft sein wird.
Dass Apple hierbei als Monopolist im Vertrieb auftritt, kann und sollte man jedoch unter Beobachtung halten. Doch solange niemand klagt, wird man hiermit durchkommen, zumindest solange bis der Markt geordnet ist und dann spielt es auch keine große Rolle mehr. Für mehr Infos in dieser Situation kann Steve ja dann den Frühpensionär Bill Gates befragen ;-].








