Nokia Life Tools
Nokia hilft
Bildquelle: Nokia (PDF-Datei)
Nokia, der größte Handyhersteller der Welt, ist durch die Produktion und den Verkauf von Handys groß geworden. Jetzt aber, in den Zeiten von Wirtschaftskrise und Marktübersättigung, versucht Nokia den Umsatz nicht mehr nur traditionell mit dem Verkauf von Hardware zu erzielen, sondern darüber hinaus auch Dienste anzubieten – Dienste, die den Handykunden an Nokia binden und damit auch Geld in Nokias Kassen spülen. Ovi ist ein Multimediaportal, dass der typische europäische Nokiakunde nutzen kann, um seine Kontakte zu synchronisieren, Musik und Karten für die Navigation herunterzuladen oder einfach den letzten Rekord vom sonntäglichen Fitnesslauf über den Nokia Sportstracker mit seinen Freunden zu teilen. Das funktioniert zumindest, wenn er ein UMTS-Handy mit 16 Millionen Farben, einer Fünf-Megapixel-Kamera und einer Internet-Flatrate sein eigen nennt und auf ein UMTS-Netz zugreifen kann, welches das Handy zum Versenden der großen Datenmengen ja braucht. Nokia sieht aber ein großes Potenzial in den sogenannten „Emerging Markets“, den aufstrebenden Märkten wie China, Indien und auch Afrika. Dort gibt es jedoch vor allem einfache, robuste Handys wie das Nokia 1200, welche die grundlegenden Funktionen (Telefonie, SMS) beherrschen und mehr nicht. Auch sind die Mobilfunknetze dort entsprechend auf Basisfunktionalität ausgelegt, denn Sprache und SMS zu übertragen ist wesentlich günstiger, als die breitbandigen Verbindungen zu ermöglichen.
Für viele Menschen ist ein einfaches Nokia das erste Telefon, das sie besitzen. Ein Handy ist für diese Menschen viel mehr – es ist das erste Bankkonto und die erste Möglichkeit, mehr aus dem eigenen Leben zu machen, weil ungefiltert Informationen fließen können. Es ist der erste Kontakt mit der Informationsgesellschaft und damit auch dem Internet. Daher bietet Nokia eine Art Ovi, Nokia nennt diese Plattform Life Tools, genau für diese Ansprüche. Life Tools basiert auf der einfachen Datenübertragung via SMS, so dass Informationen auf schmalbandigen Wege und bei schlechten Netzversorgung trotzdem zuverlässig übertragen werden können. Life Tools stellt im ersten Schritt Bauern, Schülern und Studenten in Indien Informationen zur Verfügung, mithilfe derer ihr Leben einfacher werden kann. Bauern können so z. B. die Verkaufspreise für Gemüse oder Getreide erfragen, Schüler und Studenten können Informationen abfragen und damit besser lernen. Nokia möchte Life Tools noch in diesem Jahr weiteren Ländern zugänglich machen, so z. B. in Afrika.
Die ersten Erfolge haben sich bereits eingestellt. Es hat sich gezeigt, dass z. B. Fischer, die sich über den möglichen Verkaufspreis ihrer Ware informieren können, selbst einen deutlich höheren Verkaufspreis erzielen und somit mehr Einkommen haben, als Fischer, die von den Angeboten der Händler auf dem lokalen Fischmarkt abhängig sind. Kurzum, Nokia bietet einen einfachen Internetzugang, wie er hier in der westlichen Welt als selbstverständlich erachtet wird. Mithilfe des Wissensvorsprungs, den dieser Zugang ermöglicht, können die Menschen in anderen Teilen der Welt selbst mehr aus ihrem Leben machen und selbstständig Entscheidungen treffen.
Man kann davon ausgehen, dass die von vielen Menschen gewünschte mobile Revolution in den aufstrebenden Ländern nicht in erster Linie von Notebooks und Initiativen wie OLPC ausgehen wird, sondern von einem kleinen, unscheinbaren Telefon wie dem Nokia 1200. Es ist der erste Schritt in Richtung Wissensgesellschaft. Selbst wenn pro Anfrage nur geringe Centbeträge vom Nutzer entrichtet werden, die Menge an möglichen Nutzern sollte Life Tools eine solidere Geschäftsbasis garantieren, als das Ovi in der westlichen Welt. Hier hat Nokia nämlich alle Mühe, die verwöhnten Konsumenten für Ovi und die vielen angebotenen Dienste zu begeistern, trotz Hightech-Handy und Highspeed-Internetzugang. Wie dem auch sei, Nokia zeigt die richtigen Ansätze, um die eigenen Aktivitäten von der reinen Produktion von Hardware auf weitere, durchaus interessantere Geschäftsfelder auszudehnen. Die Änderung der strategischen Firmenziele hat bei den Finnen Tradition. Am Anfang produzierte Nokia Gummistiefel, was sie nicht daran hinderte Erfolg zu haben.








