Nokia hinkt hinterher
Der Weltmarktführer taumelt
Nokia ist eine einzige Erfolggeschichte. Vom Autoreifen und Gummistiefel zum Handy und zum und „Featurephone“ – Nokia hat es immer geschafft sich erfolgreich anzupassen und erfolgreich zu sein – das ist ein Fakt, der zweifelsfrei festgehalten werden kann. Allerdings bröckelt der Erfolg langsam aber sich, die Vormachtstellung die Nokia, innerhalb der europäischen Telekommunikationsindustrie hatte schwindet langsam. Es ist immer noch europäische Mobilfunktechnik die die Welt dominiert (GSM), aber die Endgeräte, die sind auf dem absteigenden Ast. Über amerikanische Mobiltelefone konnte man in den letzten Jahren lachen, außer dem Motorola StarTAC und dem V3 kam wenig aus der USA was erfolgreich war, alle coolen Mobiltelefone mit gut umgesetzten Features und Funktionen kamen aus Europa, Asien hat in den letzten Jahren auch ein wenig aufgeholt. Nun aber, im Jahre 2009 kommen die coolen Smartphones, allesamt aus der USA, bzw. wurden in der USA designed und die Software hierfür geschrieben.
Das iPhone, die Google-Phones, Windows Mobile, der Palm Pre – es sind die amerikanischen Mobiltelefone die in ihren Kategorien den Markt noch nicht komplett beherrschen, aber über die geredet wird und die neue Standards setzen. Der Marktführer in Stückzahlen, nicht mehr aber in der Usability kann nur noch mühsam hinterherhinken, seitdem Apple den Standard mit dem iPhone mit einem Schlag um ein paar Jahre nach vorne verschoben hat. Dass das iPhone noch kleinere Probleme hatte, die erst in der dritten Generation ausgemerzt worden sind, hat in den Absatzzahlen niemand gemerkt. Das dem Google Android-Betriebsystem erst in der zweiten Iteration nicht mehr ganz das Label „beta“ anhängig war – auch das muss an dieser Stelle erwähnt werden – hat aber nicht wirklich was am relativen Erfolg geändert. Auch der Palm Pre soll dem Vernehmen nach noch nicht perfekt sein, aber hier ist es ja ein Gerät der ersten Generation. Wie sieht es bei Nokia aus?
Nach dem ersten echten Touchscreenhandy, dem Nokia 5800 wurde mit Prunk und Protz das Nokia N97 vorgestellt – auch ein Touchscreenhandy. Die technische Seite liest sich hervorragend, aber die Usability? Ein Grauen, es ist nicht wirklich soviel besser als die erste Iteration (Nokia 5800). Nokia hat dem Anschein nach nichts gelernt und hält sich krampfhaft an einem Betriebsystem fest, dass der Aufgabe (noch?) nicht gewachsen ist, was zuviel RAM braucht und das ist zusammen mit einem Smartphone wie dem N97, was davon zu wenig hat einfach nur tödlich. Aber ein gutes Smartphone besteht ja nicht nur aus dem Smartphone, der Technik und dem Betriebsystem an sich, sondern – so wie es uns Apple schon zum zweiten Mal nach iTunes jetzt mit dem Appstore vor macht – aus vielen Applikationen, die den Nutz- und Spaßwert des Smartphones steigern. Und da sieht es ähnlich bitter aus für Nokia. Der mit Pauken und Trompeten angekündigte Ovi-Store ist kein Vergleich mit dem Apple App Store, der gerade erst ein Jahr alt wurde.
Die für Nokia programmierten Apps sind auch mehr schlecht als recht, das liegt sicherlich auch an dem Betriebssystem aber auch an den Programmieren, niemand programmiert gerne für ein Produkt, was vom Publikum und von der Presse nicht heiß begehrt ist, die größeren Lorbeeren kann man momentan nun mal bei Android und beim iPhone OS ernten. Ich möchte jetzt nicht die reinen Zahlen vergleichen, viele der über 50.000 Apps im App Store sind sicherlich nur „Crap-Apps“, die sicherlich niemand wirklich vermissen würde oder die in der einen oder anderen Form einfach nur Kopien von anderen Apps sind, aber es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass im Appstore die Gesamtzahl der nützlichen, gut funktionierenden Apps deutlich höher ist als im Ovi Store. Und sieht man sich in den beiden Stores um, so fallen beim Appstore die im bereits im Internet etablierten Marken auf, während im Ovi Store deutlich weniger Markennamen auftauchen, ohne derer die Entscheidung eine App zu kaufen oder auszuprobieren deutlich schwerer zu fällen ist.
Als Fazit kann man nur festhalten, dass sich das Gleichgewicht in Sachen Mobilfunk und Endgeräte deutlich verschoben hat und auch noch weiter verschieben wird, zum einen ist jetzt erstmal Schwung in die Sache gekommen und zum anderen ist objektiv betrachtet Amerika momentan deutlich besser. Ein Gegensteuern aus Europa kann ich beim besten Willen derzeit nicht erkennen.








