Leroys langer Weg
Brauner Irrsinn vs. Zivilcourage
Dresden einmal mehr im Gerede: Das zentrale Hetzorgan der rechtsextremen NPD, die „Deutsche Stimme“, richtet am 5. August im Ortsteil Pappritz das „Pressefest“ aus, zu dem zwischen 6.000 und 7.000 Ewiggestrige erwartet und Altnazis wie Herbert Schweiger sowie NPD-Ideologen wie Holger Apfel oder Udo Voigt sprechen werden. Schlichte bis dümmliche Weltsicht verpflichtet schließlich, und so feiert das braune Pack, das Herrn Gröfaz posthum am liebsten den Friedensnobelpreis verleihen würde, sich selbst. – Gegen diesen Irrsinn richtet sich das u.a. von CDU, SPD, FDP, Grünen, PDS und DGB unterstützte „Bürgerfest gegen Rechts“ (Ullersdorfer Platz, 12 bis 18 Uhr), in dessen Rahmen auch ein Protestzug geplant ist.
Zivilcourage tut also Not, vor allem wenn man bedenkt, dass die Neonazis die Lokation mit Bedacht gewählt haben: Ausschlaggebend dürfte u.a. auch die unmittelbare Nähe zum Wahlkreis Sächsische Schweiz/Weiseritzkreis gewesen sein, denn hier stimmten zur Bundestagswahl 2005 gut 12.000 Wahlberechtigte für die NPD. Immerhin: Gegen einen der Rädelsführer der Neonazi-Organisation „Skinheads Sächsische Schweiz“, die trotz Verbotes 2001 verdeckt weiterexistierte, wurde am gestrigen Mittwoch eine achtmonatige Freiheitsstrafe verhängt. – Dass sich die Weltsicht des Übermenschen und seiner arischen Schläger dadurch grundlegend ändern wird, darf bezweifelt werden. Denn nicht umsonst sendet Radio Figaro heute um 17 Uhr und im Rahmen der Serie „Was tun gegen Rechts?“ ein Feature mit dem Titel „Die Sächsische Schweiz – eine No-go-Area?“, das die Faschisierung von Teilen der ostdeutschen Provinz förmlich greifbar macht.
Verantwortungsvolle Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit? – Von braunen Demagogen und Revisionisten nicht erwartbar, und für viele Deutsche ein zumindest langwieriges Unterfangen.
Dieser Tatsache nahm sich 2005 auch Armin Völkers mit seinem 19-minütigen Film „Leroy räumt auf“ an, der im April diesen Jahres beim Sankt Petersburger „Time To Live Film Festival“ den ersten Preis als bester Kurzfilm erhielt. Der Afrodeutsche Leroy und sein bester Freund, der Grieche Dimi, schlendern durch Berlin und reden, so das Arte-Portät, über „alle wunden Punkte des Deutschseins: über weiße Ausländer und schwarze Deutsche, das Problem, das Deutsche damit haben, das Wort ‚Jude’ auszusprechen, über Schwarze im Solarium und Hitlers Plan, die deutschen Ampeln auf die Farben Schwarz, Rot und Gold umzustellen“.
Dieser Kurzfilm – der auf der Website seines Cutters Marty Schenk zum kostenlosen Download angeboten wird – ist, wie u.v.a. auch die Kollegen vom Spreeblick erkannten, ein kleines Meisterwerk, das sich mit pointierten Dialogen sowie hervorragenden Jungschauspielern der Deutschen und ihrer (un)bewältigten Vergangenheit annimmt. Ein Film, der trotz – oder gerade wegen – seines ebenso ironischen wie lakonischen Hintersinns jedem, der den Geschichtsunterricht nicht gänzlich verschlafen hat und also gesunden Menschenverstand besitzt, zum Nachdenken über das nach wie vor in Deutschland und seinen No-go-Areas anzutreffende braune Gedankengut anregen dürfte.
Selten war ein Download so wertvoll. – Und nur weil das Medienecho hinsichtlich rechtsradikaler Umtriebe im Land der „Richter und Henker“ gegenwärtig nicht allzu umfangreich ausfällt, bedeutet das noch lange nicht, dass NPD und kopflose Konsorten keine Gefahr darstellen. Mit den Mitteln der Demokratie die Demokratie bekämpfen? – Kommenden Samstag können wir Dresdner beweisen, dass für dieses braune Hirngespinst, für menschenverachtende Ideologie und Rassismus in unsrer Gesellschaft kein Platz ist.








