Kommentar zu Apple: Der Hype frisst seine Kinder!
Gedanken eines wahren Fanboys – Songs by Tocotronic
Wer bin ich? Mein Name ist Sven Kaulfuß, Mac-User seit 15 Jahren, 11 davon verdinge ich mich als Cyberport-Mitarbeiter. Schon Anfangs waren die Rollen klar verteilt: „Das ist der Kaule, Mac-Fan!“ Mein Fan-Sein der frühen Jahre verdanke ich meine heutige, berufliche Heimat. Fürwahr, ich gab Apple in den letzten 15 Jahren jede Menge Geld und Leidenschaft, dafür erhielt ich Technik und eine Horizonterweiterung die es mir ermöglichte mit meinem Enthusiasmus Geld zu verdienen – ein gutes Tauschgeschäft. Ich liebte es nahezu Mac-User zu sein: Du bist was du kaufst und nutzt! Eine einfache und überschaubare Philosophie. Ich und zig Gleichgesinnte fühlten sich wohl in der Rolle der digitalen Rebellen, die dem Mainstream der Windows-Jahre versagten. Heute ist Apple im einstmals verhassten Massenmarkt angekommen – „Think Different“ nur noch ein Spruch aus vergangen Tagen. Der einstmals verständliche Hype kehrt sich um – Abstand vonnöten.
Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit (YouTube-Link)
Heute belächeln wir ältere Semester die „neuen Fans“, welche sich in der Frühe vor den Apple-Stores postieren um das Geld von Papi in ein magisches iPad verwandeln wollen. Doch waren wir so anders? Auch ich stand im Jahre 2000 gegen sechs Uhr morgens vor dem Jacob K. Javits Convention Center in New York um MC Jobs erleben zu dürfen. Damals war Apple gerade wieder erstarkt, doch noch weit weg um von der breiten Masse akzeptiert zu werden. Man fühlte sich wohl, die bisherige ereignisreiche Geschichte von Apple wurde Teil der eigenen Identität. Man wahr nicht nur Apple-Kunde sondern zugleich Evangelist, aus einem inneren Bedürfnis heraus wollte man die Unwissenden bekehren. Apple war ein Underdog, dies gefiel uns – waren wir selbst doch auch nicht unbedingt die Helden in der Schule, der Uni oder beim Job. Apple wurde immer erfolgreicher, die Prophezeiungen und Wünsche der alten Tage erfüllten sich: Mac OS X war nach ersten Anlaufschwierigkeiten zur Referenz im Desktop-Markt geworden, der iPod revolutionierte die Musikindustrie und mit dem iPhone zeichnete sich der nächste Hit ab – und doch, irgendetwas stimmte nicht mehr.
Ich mag dich einfach nicht mehr so (YouTube-Link)
Apple und insbesondere Steve Jobs war und ist nie ein Befürworter der Basisdemokratie gewesen – Steve befiehl, wir folgen dir! Doch mehren sich die Indizien, dass das frühere Gleichgewicht der Kräfte ins wanken gerät. Zensur im App-Store, Mimosenhafte Anwandlungen beim Vertrieb (Stichpunkt iPhone und iPad) und das teilweise sehr unkritische Gebaren der Presselandschaft – all dies im Zusammenhang mit einer immer stärkeren Marktmacht lässt in mir Zweifel aufkommen. Spätestens seitdem sich Springer-CEO Mathias Döpfner im amerikanischen Fernsehen erdreistete den täglichen Gottesbeistand für Steve Jobs einzufordern, war auch mir klar: Hier ist was faul im Apfel-Staate. Allen voran die Bild-Zeitung, das Zentralorgan der Dummheit in dieser Republik, schlägt sich auf die Seite des ehemaligen Underdogs? In diesen Tagen lernt Apple, was es heißt tatsächlich im Massenmarkt anzukommen, Querdenker stehen diesem Vorhaben natürlich im Wege.
Ich bin viel zu lange mit euch gegangen (YouTube-Link)
Fassen wir also zusammen, unstrittig sind Apple-Produkte in ihrer Funktionsweise immer noch ein herausragendes Beispiel für konsequente Entwicklungsleistung. Doch verkommen diese immer mehr zu seelenlosen Lifetyle-Artikeln, die von einer neuen Generation Fanboys grundsätzlich gekauft werden müssen. In früheren Zeiten basierte die Coolness Apples auf einer Kombination von Innovation und Geist – heutzutage beschränkt sich dieses Image allein auf das Produkt. Die Geschichte dahinter gerät in Vergessenheit. Zurückbleibt eine Pseudo-Coolness die die „alten“ Kunden abschreckt und nur noch die unkritische Masse anspricht. Apple steht mit einer solchen Markenentwicklung nicht alleine da, Sony bspw. war vor Jahren noch echter Innovator, durch Selbstüberschätzung und Arroganz ist der ehemalige Branchenführer aus Japan heute nur noch ein Schatten seiner selbst – in diesem Sinne, wehret den Anfängen.
Es ist egal, aber (YouTube-Link)
Grundsätzlich könnte mir die Firma Apple gleich sein, schließlich war und bin ich in den letzten 15 Jahren nicht nur Mac-User gewesen. Mit dem Alter kommt die Weisheit – so hofft man. Und doch, existiert wieder ein inneres Bedürfnis diese Zeilen aufs virtuelle Papier zu bringen. Fanboys wie ich treten momentan einen Schritt zurück und überlassen den „Neuen“ das Feld vor den Apple-Stores dieser Welt. Doch vergessen können wir nicht, wir werden weiter unsere Macs und Gadgets kaufen – wohlüberlegt, nicht aus dem „Must-Have-Zwang“ heraus, sondern weil wir Werkzeuge benötigen um unsere Ideen in Form und Gestalt zu bringen. Nicht weil wir unseren Sexual-Reiz beim anderen Geschlecht steigern möchten (dies hat übrigens früher auch schon nicht funktioniert ;-]), sondern für uns „objektiv“ keine Alternative besteht. Wir werden noch da sein, wenn Opportunisten wie ein Mathias Döpfner die nächste Sau durchs Dorf treiben – Think Different!








