Kanada 1.Teil : Austauschschuljahr Kimberley, B.C.
Wer vor hat in die USA zu reisen: Go to Canada instead!!
Hier jetzt der erste Teil des Reiseberichts Canada: dazu werde ich auf die Ursprünge des Austauschjahres, die ganze Organisation und Ablauf sowie Höhepunkte eingehen. Alles fing damit an, dass mein Onkel damals (1997-1998) für ein Jahr in die USA gegangen war und ich schon mit zehn Jahren von der Idee begeistert war. Nun ging also in der 10. Klasse die ganze Organisation los – man kann ja nicht einfach eben für ein Jahr die Schule hier in Deutschland verlassen. Deswegen fiel nach langem Überlegen meine Wahl auf GIVE. Nicht nur wegen dem Preis (der „Spaß“ kostete damals immerhin um die 6000 Euro), sondern auch wegen dem allgemeinen Eindruck den dieser Verein auf mich machte. Nun wäre nur noch zu erwähnen, dass ich eigentlich anfangs gar nicht nach Canada wollte, sondern in die USA.
Tja und so fuhr ich also im Frühjahr 2005 nach Berlin um mir in der US-Amerikanischen Botschaft mein Visum erteilen zu lassen. Alles lief wie geschmiert, Koffer waren im Prinzip im Sommer schon gepackt und so blieb mir nur das Warten. Man sagte mir nämlich, dass meine Unterlagen in den Staaten unterwegs seien und sich irgendwann eine Gastfamilie bei mir melden wird. Ich wartete und wartete. Wartete bis Ende August – die Schule hier hatte längst wieder begonnen und alle meine Freunde waren jetzt in der 11. Klasse – bis irgendwann ein Anruf kam. JUHU – zu früh gefreut: Statt Freude Trauer! Man teilte mir nach gefühlten 10 Monaten mit, dass leider keine Gastfamilie für mich gefunden werden konnte, da ich wohl zu viele Allergien habe. Nun kann mir aber keiner erzählen, es gäbe in 50 Bundesstaaten keine Familie ohne Haustier, aber ich konnte es nun mal nicht ändern. Was sollte ich jetzt tun, in Gedanken war ich schon lange nicht mehr in Deutschland – einfach wieder in die Schule zu gehen schien mir unmöglich.
Zwei Tage später rief GIVE dann noch mal an und bot mir an (für einen geringen Aufpreis natürlich), ins benachbarte Canada zu fahren. Ich hatte die Wahl zwischen Victoria auf Vancouver Island, Kimberley in den Rocky Mountains und noch einer weiteren Stadt. Doch bereits bei „Rocky Mountains“ und Skilift klingelten bei mir alle Glöckchen und ich war innerhalb eines Tages von Amerika auf Canada umgepolt. Da die Koffer, wie gesagt, bereits fast komplett gepackt waren fehlte nur noch Eins, nämlich die Gastfamilie. Letztere war innerhalb der nächsten paar Tage gefunden und so brauchte ich nur noch mein „Student Visa“ um nach Canada einreisen zu dürfen. Über mein zukünftiges Zuhause hatte ich einiges erfahren und so sammelte ich schnell noch einige Gastgeschenke (besonders Haribo- und Milkaprodukte) ein um dann letztendlich am 27.9.2005 meine Reise anzutreten.
Dresden-Frankfurt-Calgary-Cranbrook: insgesamt 11 Stunden im Flieger, aber gefühlte 24 Stunden unterwegs, bis ich endlich durch die Tür in ein gemütliches Haus am Rande der Kleinstadt Kimberley treten konnte. Der restliche Tag – ich kam gegen 16.00 Uhr an – verlief ungefähr so: Geschenke verteilen und „nur mal kurz hinlegen“. Der Jetlag in diese Richtung der Zeitverschiebung ist doch fühlbarer als in die andere Richtung. Am nächsten Tag musste ich dann auch gleich früh mit in die Schule um meine Kurse für das Schuljahr zu wählen. Mir fallen dazu nur sächsische Worte ein: „ääh Drauhm“. Von den normalen Fächern wie Mathematik, Physik usw. wurde unter Anderem Metall- und Holzbearbeitung, sowie Psychologie und „Mechanics“ (wie in einer Autowerkstatt) angeboten. Jedoch sollte ich erst im 2. Semester in den Genuss eines dieser außergewöhnlichen Fächer kommen. Nämlich „Outdoor Careers“. Hier sind wir in 10 von 25 (!!) Wochenstunden draußen und folgendes stand auf dem Programm:
Im Sommer: Wandern und den heimischen Wald kennen lernen, Mountenbiken oder Arbeiten in der Community erledigen
Im Winter: Schneeschuhlaufen, Crosscountryskiing, Lawinenkurs und Schneehöhlen graben
Von so was kann man natürlich in Deutschland nur träumen, weswegen ich auch echt traurig war als der Kurs zu Ende ging. Soviel aber zum ganzen Alltag, jetzt noch mal ein paar andere Höhepunkte meines Austauschjahres.
Ganz wichtig für mich als Wintersportler natürlich der Skiberg, fünf Autominuten von zu Hause entfernt. Ich hatte mir natürlich einen „Seasonpass“ gekauft und war damit fast jede freie Minute von Dezember bis Anfang April am Berg, mich austoben. Obwohl man es nicht wirklich mit den Massenanlagen in den Alpen vergleichen kann, haben die Pisten gereicht und als Snowboarder ist man ja sowieso häufiger abseits der Pisten unterwegs. Wer also mal im Winter nach Canada fahren will, dem kann ich das Kimberley Alpine Resort nur empfehlen.
Zwar muss ich ehrlich zugeben, dass ich in während meines Aufenthalts in Canada an sich nicht wirklich rumgekommen bin, einige Sehenswürdigkeiten habe ich allerdings doch „mitgenommen“. So zum Beispiel die Nationalparks um Banff, Lake Louise und Lake O’Hara. Man kann sich gar nicht vorstellen wie schön es dort ist. Riesige Areale unberührter Natur, wo man vielleicht alle 10 km mal einen anderen Menschen sehen kann. Die Dimensionen sind einfach gewaltig!!!
Auf dem Weg nach Calgary fährt man vorbei an Hängen wo vor Jahren riesige Waldbrände getobt hatten und die Bäume nur wie schwarze Nadeln aus dem Boden kommen. Aber die Waldbrandsaison gehört einfach zum normalen Jahresrhythmus dort. Man muss nicht immer extreme Katastrophen befürchten, es gehört einfach dazu.
In Calgary und damit im Nachbarstaat Alberta war ich auch einige Male. Es gibt sicher schönere und ansehnlichere Städte als diese, sehr zu empfehlen sind aber wirklich der Calgary Zoo und das jährlich stattfindende Westernfestival Calgary Stampede. Ich bin zwar selbst nicht wirklich ein Westernfan, doch DAS muss man mal erlebt haben, wenn man schon dort ist. Vom klassischen Jahrmarkt über kostenlose Konzerte (bei mir Nelly Furtado) hin zu Planwagenrennen und Bullenreiten.
Jetzt habe ich doch relativ viel geschrieben und in Wirklichkeit nur einen Bruchteil davon wiedergegeben was ich erlebt habe. In einem Jahr sieht, hört, fühlt, schmeckt und erfährt man einfach so viel! Deswegen finde ich sollte man immer versuchen möglichst so lange wie möglich in einem fremden Land zu bleiben. Man lernt Dinge, die sich in einem 2-Wochen-Urlaub gar nicht aufdecken lassen. Als ich wiedergekommen bin und auch schon vorher, haben mir immer wieder Leute (die „Alten“ :-]) gesagt wie toll das Alles ist, was man heutzutage für Möglichkeiten hat usw. Auch wenn es für, ich schätze knapp 100% der Leser schon zu spät ist, während der Schulzeit ins Ausland zu gehen ist so ziemlich das Beste was man machen kann. Auch wenn man dann ein Schuljahr nachholen muss, die Zeit weg von zu Hause prägt sehr und fördert die charakterliche Entwicklung meiner Meinung nach extrem. Man lernt nicht nur selbstständig zu sein, sondern auch Verantwortung zu übernehmen und vieles mehr!
Wer möglicherweise Fragen zur Region oder anderen Dingen hat, einfach fragen, ich teile gern mein Wissen :-D. So viel zum ersten Teil, der nächste folgt bald.
PS: Ich hoffe es stört niemanden, wenn ich Kanada einfach immer mit „C“ schreibe. Man gewöhnt sich einfach an solche Sachen…
















