Japan – Australien – Dynamo – Museum
Fußball verzückt!
Quelle: Spiegel Online / dpa
Was eine Aufholjagd der Australier im gestrigen WM-Spiel gegen Japan! Aber echt. Innerhalb der letzten neun Minuten drehten die „Socceroos“ einen 0:1-Rückstand in einen fulminanten 3:1-Sieg. Und das nicht nur, weil die Jungs aus Down Under martialischen Kampfgeist bewiesen, sondern auch deshalb, weil Trainer Guus Hiddink mit seinen Einwechslungen Gespür für Notwendigkeiten bewies: Tim Cahill (53.) und John Aloisi (75.) besorgten die Tore (84., 89., 92.), Joshua Kennedy (61.) glänzte ohne Umschweife als Gestalter.
Joshua Kennedy? Nein, liebe Geschichtslegastheniker und Fußballhasser, dieser 23-jährige Australier ist nicht das Produkt extern-familiärer Umtriebe des guten alten John F. (R.I.P.), sondern vielmehr die australische Fußballhoffnung. Zwar absolvierte Kennedy bis zu seiner WM-Nominierung kein einziges Länderspiel, doch überzeugte er in seinem Verein Dynamo Dresden mit solch guten Leistungen, dass Hiddink um die Berufung Kennedys ins Nationalteam nicht herumkam. Leider, leider glänzten in der vergangenen Zweitligasaison bekanntlich nicht alle Dynamos, so dass der sächsische Hauptstadtverein in der Saison 06/07 vorerst wieder gegen stramme Burschen aus der Region kicken muss. Verständlich daher, dass Kennedy sein Ränzlein schnürt und sich Richtung erste Liga respektive 1.FC Nürnberg verabschiedet, was nun zwar auch nicht der Fußballweisheit letzter Schluss ist, aber immerhin das Sprungbrett in eine noch erfolgreichere Kicker-Karriere bedeuten dürfte. Wir drücken jedenfalls die Daumen, hoffen aber zunächst auf weiterhin hervorragende Leistungen während der WM-Vorrunde – und vielleicht sogar darüber hinaus?
Tja, und weil doppelt bekanntlich besser hält, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass noch ein weiterer Australier mit Dynamo-Erfahrung gegen Japan auf dem Feld stand, Torwart Mark Schwarzer nämlich: Der 32-Jährige hütete in der Saison 1994/95 zwar nur für soviele Spiele, wie man sie an einer halben Hand abzählen kann, das Dynamo-Tor, ist aber seit 1997 Stammtorhüter beim englischen Club FC Middlesbrough. Völlig zu Recht, denn Schwarzer gilt auch in Australien – im Gegensatz zu manch anderem zänkischen Völklein – als die unumstrittene Nummer 1 im Tor, nicht zuletzt deshalb, weil er mit großartigen Paraden und gehaltenen Elfmetern in den WM-Qualifikationsspielen überzeugte. Und solche Heldentaten werden auch in den noch ausstehenden WM-Spielen der Gruppe F vonnöten sein, denn mit Kroatien und vor allem Brasilien warten Gegner, die jedem Keeper die Handschuhe glühen lassen und gegen die über 90 Minuten hinweg so konzentriert gespielt werden muss wie in den letzten Minuten gegen Japan!
Apropos: Für die zukünftigen Spiele des ägyptischen Schiedsrichters Abdel Fatah beantrage ich einen Blindenhund, der ihn anbellen kann, wenn irgendwo Beine brechen bzw. ein Foul geschieht – schließlich war es unverständlich, wie man das 0:1 der Japaner als reguläres Tor werten konnte, obwohl zwei Kamikazianer Torwart Schwarzer regelwidrig attackierten!
Aber – trotz aller WM-Euphorie – noch einmal zurück zu Dynamo Dresden. Und Einige dürften’s bereits wissen: Der gelb-schwarze Heldenverein und seine fußballvernarrte Hauptstadt besitzen seit Mai ihr eignes Fußball-Museum. Mir als Literaturwissenschaftler geht’s natürlich zünftig gegen den Strich, dass dafür ausgerechnet die alte Jugendbibliothek auf der Dresdner Hauptstraße weichen musste, aber immerhin werden, initiiert durch Dynamos Aufsichtsratsmitglied Jens Genschmar, auf ca. 250 Quadratmetern um die 10.000 Devotionalien aus der überaus erfolgreichen Dynamo-Historie sowie generell zum Fußball in Dresden gezeigt. Wusstet ihr beispielsweise, dass der erste organisierte örtliche Fußballverein der „Englische Fußball-Club Dresden“ war? Nee, oder? – Neben einem Besuch der heiligen Stätten sei also allen Interessierten als Appetithappen dieses Werbefilmchen im WMV-Format des lokalen Senders Dresden Fernsehen empfohlen.








