Heuschnupfen sucks!

von Simone Hartmann

· 3 min Lesezeit

Und es geht schlimmer: Killerkraut Ambrosia
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Zellstoff – Grundausstattung jedes guten Allergikers

Das romantische Stelldichein mit der Neuen aus dem Marketing im lauschigen Wiesengrunde wird ebenso zum Zellstoffdesaster wie die Übernachtung in Großmutters alten Federbetten? Tja, Pech gehabt, denn du bist entweder Bettnässer oder aber, viel wahrscheinlicher, Heuschnupfen-Allergiker.

Bis zu 12 Millionen Deutsche (vermehrt Männer) sind betroffen: Schnauborgien, Nies- und Müdigkeitsattacken, Tränenbäche, Kopfschmerzstürme, Juckreizgelage bis hin zu Asthmaanfällen, so lautet das Vollzeitprogramm. Auslöser dieser unromantischen Widrigkeiten sind sog. Allergene, etwa Pflanzenpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Lebensmittel; als Ursachen gelten gemeinhin der Hyperindustrialisierung geschuldete Umweltfaktoren: Klimaveränderung, Stickoxide, Dieselabgase.

„Was tun?“, fragt der Geplagte. Mit Atemschutzmaske knutschen? Oma ins Altersheim? Eremit in Sibirien werden? – Alternativen sind überteuerte Standardmittelchen aus der Apotheke, Homöopathie für Dracula-Fans oder die langwierige Hyposensibilisierung.

Ich für meinen Teil habe mich, nach langjähriger Heuschnupfenpein, vor knapp drei Jahren schließlich für letztere Alternative entschieden: Zuerst erfolgte ein Allergietest, bei dem mir in jeden Unterarm 15 Löchlein gestochen wurden, in die man schließlich die gängigen Allergene träufelte um zu sehen, worauf ich am ehesten allergisch reagiere. Daraufhin bildete sich um jedes Löchlein ein mehr oder weniger großer Hügel, so dass sich die erschrockene Ärztin entschied, mir von einem großen deutschen Pharmaunternehmen eine speziell auf mich zugeschnittene Tinktur gegen die Allergene „Gräser“ und „Milben“ brauen zu lassen.

Mit ihr wurde ich über die Jahre hinweg gegen besagte Allergene „unempfindlich“ gemacht, in dem man mir selbige über verschieden Zeitabstände hinweg und in unterschiedlich hoher Dosierung impfte. – Lustige Szenen spielten sich hierbei ab, etwa die, als die zur Krankenschwester umgeschulte Fleischerin mir die Spritze ins gebrechliche Ärmlein rammte oder die, als mir die Arme ob zu hoher Dosierung auf Schwarzenegger-Maße schwollen.

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Garstige Flora verhindert Natur-Romantik

Wie auch immer, in wenigen Monaten ist’s überstanden – und in der Tat scheine ich zu jenen 70 bis 80 Prozent der Heuschnupfler zu gehören, bei denen die Hyposensibilisierung Erfolg verspricht: Schon letzten Sommer konnte ich wieder andere Dinge als Zellstofftaschentücher in den Rucksack packen und glücklich durch Wald und Wiese toben und mir Blumenkränze flechten, und selbst Großmutter hätte ich wieder besuchen, wenn sie nicht längst dahingeschieden wäre.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, scheint alles gut. Bis mich ein Artikel in der aktuellen Ausgabe des deutschen Warnblattes Nummer 1, dem SPIEGEL, aufhorchen lies: Von neuem Ungemach für alle Allergiker und jene, die’s werden wollen, wird gekündet, von einer „Ausweitung der Kampfzone“ (Spiegel 25/2006, S. 133) wird gesprochen. Grund hierfür ist die urplötzliche und exorbitante Vermehrung des Super-Allergens Ambrosia artemisiifolia, einem aus Nordamerika stammenden Unkraut, das als „Erzfeind menschlicher Schleimhäute“ gilt und sich derzeit seinen Weg nach Europa bahnt.

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Killerkraut Ambrosia

Und warum ist Ambrosia so gefährlich? – Nun, das Biest blüht bis Oktober, und jedes garstige Einzelstück bildet bis zu 60.000 Samen und ist in der Lage, bis zu einer Milliarde Pollen auszustoßen. Eine enorme Leistung wenn man bedenkt, dass bereits 10 bis 11 Pollen ausreichend sind, um allergische Reaktionen auszulösen – und Ambrosias Pollen zu den stärksten Allergenen weltweit gehören.

Erste Pollen wurde bereits in Sachsen nachgewiesen; und ebenso wie Amerikaner oder Ungarn haben die Schweizer die Gefahr erkannt: Sollten mehr als 20 Stück Ambrosia an einem Ort auftreten wird empfohlen, die Gemeindeverwaltung zu alarmieren. Und bereits vor einem halben Jahr trafen sich Allergie-Forscher zu einer „Ambrosia-Krisensitzung bei der Braunschweiger Biologischen Bundesanstalt“.

Seid also gewarnt, ihr 12 Millionen! Deutschland wird zwar Fußball-Weltmeister, aber spätestens danach gilt es, sich auf einen neuen Gegner* einzustellen. In diesem Sinne: Kampf dir, Ambrosia!

*Nein, hiermit ist nicht die Pharmaindustrie gemeint, die sich bspw. an antiallergischen Kombipackungen, die für fünf Niesattacken reichen, aber einen Monatslohn kosten (na ja fast), dumm und dämlich verdient. Apropos: Ob es eigentlich Tabletten gegen Heuschnupfen gibt, die nicht müde und lethargisch machen?

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