Frostige Stimmung garantiert

von Birgit F.

· 4 min Lesezeit

Winter in Schwedisch-Lappland
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Zwischen -20 und -30 Grad Celcius tagsüber, Schnee ohne Ende und nur ein paar Stunden Tageslicht: Was treibt einen mitten im Winter nach Nordschweden, nach Lappland? Als ich das Urlaubsziel meinen Freunden erzählte, konnte es keiner fassen. Kein Wunder: Frauen im Allgemeinen sind ja einfach mal, ganz pauschal gesagt, völlig verfroren, und ich bin da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Ich toppe sogar alle, die ich kenne. Aber Schweden im Sommer kann ja jeder. – Mit reichlich dicken Jacken und getreu dem Zwiebelprinzip hatte ich dann auch teilweise bis zu neun Schichten an. Was mich rein äußerlich einem Michelin-Männchen näher brachte. Egal, es hat geholfen, gefroren habe ich damit, obwohl ich 200 Kilometer nördlich des Polarkreises war, nie. Und dank dieser Jacken habe ich auch tatsächlich nicht nur zig Elche in der Wildnis gesehen, sondern auch Rentiere. Und wenn hinter einer der roten Hütten an den zugefrorenen Seen der Weihnachtsmann hervorgekommen wäre, hätte es mich auch nicht mehr groß gewundert, die Landschaft war einfach wunderschön. Meterhoch Schnee, die Wälder also nicht nur leicht überzuckert, sondern die Tannen bogen sich unter der Schneelast. Brachen aber nicht, weil es kein nasser Schnee war. Und weil es nur knapp vier Stunden Tageslicht gab, wurde der Schnee durch die lange Dämmerung in ein bläuliches Licht gefärbt, bevor es ganz Nacht wurde und manchmal sogar Nordlichter am Himmel zu sehen waren.

Zweimal habe ich nachts mitten im Wald an einem Picknick teilgenommen, bei jeweils -37 Grad. Einmal war es eine Hundeschlitten-Tour, die an einem großen Samen-Zelt (politisch korrekt sind es keine Lappen, sondern Samen) Rast gemacht hat und wo dann mitten im Zelt auf Rentierfellen gesessen und passenderweise Rentier gegrillt wurde. Das andere Mal war es eine Snowscooter-Tour, und die Rast war in einem Blockhaus, diesmal Rentier gebraten mit Nudeln, auch sehr lecker. Snowscooter selber zu fahren kann ich nur empfehlen. Es macht einen Heidenspaß, über verschneite Seen zu fahren und über sich einen sternenklaren Himmel zu haben und nirgends mit Gegenverkehr rechnen zu müssen. Was durch die extremen Temperaturen begrenzt wurde, war die Technik: Die Digicam machte meist nach einem Bild schlapp, die Spiegelreflex immerhin erst nach drei Bildern.

Der Höhepunkt der Reise war allerdings das Eishotel in Jukkasjärvi. Jedes Jahr Mitte Dezember eröffnet das Hotel, das tagsüber von Touristen gegen eine Gebühr bestaunt werden kann und nachts dann eiskalt Gäste beherbergt. Im Hotel selber ist es sogar fast warm: Durch die dicken Eisblöcke hat es eine konstante Temperatur von -5 Grad. Die Eisblöcke sind besonders klar und durchsichtig, weil der Torne River, der benachbarte Fluss, von dem das Eis ist, sehr sauberes Wasser führt. Jedes Jahr werden die Zimmer neu gestaltet; und jedes Zimmer sieht anders aus: Mal ist das Bett eine Muschel, mal eine Maya-Maske, mal steht ein Bär aus Eis darin, mal ist es ein Schachbrett. Als Maxime gilt, dass jedes Motiv, das schon einmal da war, nicht mehr verwendet werden darf. Und neben dem Eishotel ist eine Nachbildung (natürlich auch aus Eis!) des Globe Theatre in London. Jedes Jahr wird dort ein anderes Stück von Shakespeare aufgeführt.

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Natürlich habe ich dann auch eine Nacht darin übernachtet. Anscheinend sind die Schlafsäcke nämlich so warm, dass viele Leute nachts fast schwitzen. Ich war ja schon davor leicht skeptisch, schwitzen hätte ich gar nicht wollen, aber so halbwegs angenehm hatte ich es mir dann doch vorgestellt. Aber: Weit gefehlt! Ich habe die ganze Nacht über gefroren. Die Kälte in jedem Knochen zu spüren, war auf einmal nicht mehr nur ein Sprichwort. Dabei hatte ich alle Vorschläge beherzigt: Nicht zu viele Schichten anziehen, als Notfall Kleidung mit in den Schlafsack nehmen (weil sie sonst im Eiszimmer ja feucht geworden wäre), eine Mütze aufziehen (anscheinend gehen mehr als 50 Prozent der Körperwärme über den Kopf verloren) und nicht in den Schlafsack hinein ausatmen (auch wieder wegen der Feuchtigkeit).

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Ich hatte anfangs schon das Pech, dass es nur sehr große Schlafsäcke gibt – da ich eine kleine Frau bin, hatte ich bei dem Zwei-Meter-Schlafsack noch fast 40 Zentimeter Differenz. Und diese 40 Zentimeter habe ich auch nicht mit Klamotten auffüllen können, soviel hatte ich gar nicht dabei im Eishotel. Ich bekam den Schlafsack also einfach nicht warm, ich konnte machen was ich wollte. Nach kurzer Zeit (Uhren sollten wegen des Metalls (Kälte am Arm) auch nicht mit hineingenommen werden, daher hatte ich überhaupt kein Zeitgefühl) habe ich dann also die mitgenommene Kleidung angezogen, was allerdings noch mehr Platz im Schlafsack nach sich zog. Irgendwann dachte ich dann, meine Nase friert ab, und habe dann den Schlafsack bis unter die Augen hochgezogen – was natürlich ein Ausatmen und damit Feuchtigkeit im Schlafsack zur Folge hatte. Lange Rede, kurzer Sinn: Dadurch, dass ich überhaupt kein Zeitgefühl mehr hatte, war es bis zum nächsten Morgen die gefühlte längste und mit Abstand kälteste Nacht in meinem Leben. Gut, dass morgens gleich die Eisbar geöffnet hatte: Wodka nicht auf, sondern in Eis – selbst die Gläser im Eishotel sind nämlich aus Eisblöcken herausgeschnitten!

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