Freitag, der 13.
Ein Tag wie jeder andere
Fehlendes Toilettenpapier beim Morgengeschäft? Ein tiefer Schnitt während der Nassrasur? Heißer Kaffee im Schritt und auf der neuen Anzughose? Der Tritt in Hundekot auf dem Weg zur Arbeit? Der Sturz über die Türschwelle ins Chef-Büro? – Ganz recht, heute ist Freitag, der 13. Doch abgesehen davon, dass dieser Tag, objektiv betrachtet, ein Tag wie jeder andere ist und du seit eh und je ein Tollpatsch bist, glaubst du zu wissen, dass dir gerade an so einem Datum die meisten Missgeschicke widerfahren…
Das ist natürlich Quatsch! Vielmehr bezeichnen Soziologen so gearteten Aberglauben als „Selbsterfüllende Prophezeiung“: Wenn du überzeugt bist, dass etwas schief gehen wird, dann tut es das auch – dein eigenes, übervorsichtiges Verhalten wird dazu führen, dass sich deine Horrorvisionen erfüllen. Doch was kümmert dich soziologisches Gedöns? Ist doch eh alles nur graue Theorie! Und schließlich ist deine Angst vor dieser hinterhältigen Zahl 13 ja auch begründet – nicht umsonst sparen sich Hotels die 13. Etage und Linienflüge die 13. Reihe! Nun, etwas Paranoia hat noch keinem geschadet, doch wenn dir bei jeder 13 vor Angst die Bodyhärchen zu Berge stehen, bist du ein Fall für die Medizin: Deine Krankheit nennt sich Triskaidekaphobie bzw. Paraskavedekatriaphobie und du brauchst Behandlung.
Doch irgendetwas muss es ja auf sich haben mit diesem Freitag, mit dieser 13 – Erklärungen könnte dir bspw. ein Blick ins berühmteste Märchenbuch der Welt, die Bibel nämlich, liefern: Schließlich soll es olle Judas gewesen sein, der als 13. Abendmahlist Kumpel Christus böse in den Rücken fiel, so dass dieser just an einem Freitag ans Kreuz gebracht wurde. Und ebenfalls freitags war es, als Adam und Eva, die beiden Schwerenöter, von der „verbotenen Frucht“ naschten und daraufhin den Kündigungsbescheid fürs Paradies erhielten. Und rufst du dir dann noch vor Augen, dass der etymologisch-mythologische Ursprung des Wortes „Freitag“ auf die nordgermanische Fruchtbarkeitschefin bzw. -göttin Freya zurückgeht, dann weißt du als gestandener Macho und Patriarch natürlich, dass Freitage generell seltsam sind. – Tjaja, die Religion trägt wahrlich dicke auf; und dennoch war sie über die Jahrhunderte hinweg so erfolgreich, dass das unaufgeklärte Volksseelchen bereitwillig aberglaubte und die Zahl 13 gern als das „Dutzend des Teufels“ ansah.
Doch auch ein Rückblick in die Weltgeschichte könnte Aufklärungsarbeit leisten, denn du weißt ja, dass am 13. Oktober 1307 (der natürlich ein Freitag war) und auf Geheiß von Philipp IV., des Königs von Frankreich, die wegen herrschaftsgefährdenter Umtriebe und angeblicher Ketzerei in Misskredit geratenen Tempelritter mittels europaweiter Blutorgie niedergemetzelt wurden. – Und auch die Heuschrecken Finanzschaffenden dieser Welt hatten mit Freitagen ihre liebe Müh und Not: Immer wieder wird „dieser Tag mit Bankzusammenbrüchen und Kursstürzen in Verbindung gebracht. Beispielsweise wurden am 24. September 1869 viele Anleger auf dem Goldmarkt durch Manipulationen amerikanischer Spekulanten ruiniert. 58 Jahre später – genau am 13. Mai 1927 – verzeichneten die deutschen Effektenbörsen starke Kursverluste“ (Quelle). Doch erst mit den Ereignissen von Donnerstag, dem 24. Oktober 1929, erhielt die Freitagophobie entscheidenden Auftrieb: Die amerikanische Börse erlebte den bis dato größten Crash ihrer Geschichte – eine weltweite Wirtschaftskrise folgte, die wiederum eine der Ursachen für die Wahlerfolge der braunen Volksverhetzer in Deutschland war. Kurios: Die Kurse fielen, wie erwähnt, bereits am Donnerstag ins Bodenlose, die Auswirkungen wurden jedoch erst tags darauf, nämlich am Freitag, den 25. Oktober 1929, spürbar – der Begriff „Schwarzer Freitag“ erhielt hier seine entscheidende Prägung.
Nun gut, all diese Informationen tragen natürlich zur Pflege deiner Paraskavedekatriaphobie bei. Und dabei weißt du ja noch gar nicht, dass das heutige Datum ein ungeheuer unheilschwangeres ist: Denn die Quersumme vom 13.10.2006 (1+3+1+0+2+0+0+6) ergibt – ganz recht – 13. Schlimmer noch, 2006 als ausgewiesenes Unglücksjahr besitzt „sogar zwei von diesen doppelt unheilvollen Tagen: den 13. Januar und den 13. Oktober. […] Das letzte Mal, dass ein Freitag auf einen Dreizehnten fiel und gleichzeitig sein Datum die Ziffernsumme 13 hatte, war am 13. Januar 1520 und das nächste Mal wird es erst wieder am 13. Mai 2011 geschehen. Noch seltener sind die Superunglücksjahre mit zwei solcher Tage. Das letzte Jahr war 1411 und das nächste Jahr wird 2051 sein“ (Quelle).
Tja, shit happens mal wieder! Und so wird dein heutiger Tag ganz bestimmt enden mit allerlei Bränden, Brüchen und Verbrühungen. Quasi wie jeden Tag also. ;-]








