Erste Eindrücke aus Nepal
Das Praktikumssemester in Nepal kann beginnen: Nach einigen Turbulenzen am Frankfurter Flughafen mit meinem Gepäck, saß ich pünktlich 11.40 Uhr im Flugzeug nach Doha. Der Flug gestaltete sich nach Überwindung der Wut auf den Supervisor sehr angenehm, da es an nichts mangelte. Um 20 Uhr Ortszeit bin ich dann in Doha aus der Maschine gestiegen und wurde erstmal von knapp 40°C bei Nacht überrumpelt. Anschließend habe ich 8 Stunden Wartezeit mit Chatten (freies WLAN im Airport), Filmchen gucken, Essen suchen und Leute beobachten verbracht. Der Check-in in Doha verlief diesmal ohne Probleme, und so war ich dann 12.00 Uhr Ortszeit in Kathmandu. Nachdem ich knapp eine Stunde auf die Ausstellung eines Visums gewartet habe, habe ich mein Gepäck gegriffen und bin zum Ausgang gewandert. Eigentlich erhoffte ich mir, meinen Freund Johannes zu sehen, doch was ich zu sehen bekam, war erstmal erschreckend.
Eine Menschen- und Taximasse belagerte den Ausgang. Ich wurde natürlich sofort angequatscht, ob ich ein Taxi oder einen Gepäckträger brauche, aber ich habe dankend abgelehnt. Immer noch verwirrt, steuerte ich weiter aus der Menschenmenge heraus, konnte Johannes aber nirgends entdecken. Plötzlich traf mich ein doch eher unsanfter Hieb auf der Schulter, gefolgt von einer wohlvertrauten sächsischen Stimme. Johannes hatte mich gefunden.
Tja, dann hieß es erstmal Taxi suchen und zähes Verhandeln. Der erste Taxifahrer wollte uns für 1.500 Rs (Euro = Rs/90) zu unserem Ziel fahren. Hans hat das Handeln dann mal schnell in die Hände genommen und schon waren wir bei 250 Rs, wir wollten aber für 200 Rs fahren. Obwohl alles schon im Auto eingeladen war, sind wir also wieder ausgestiegen und haben unsere Sachen gepackt und das nächste Taxi gesucht. Dieses fuhr uns, wenn auch anfänglich sehr widerspenstig, nach Kathmandu. Tja, zu der Fahrt kann man nicht viel sagen, das muss man erleben; aber folgende Ereignisabfolge sollte die Fahrt (Linksverkehr) ganz gut schildern: Hupen, Kuh umfahren, schroffer Spurwechsel, zum Überholen auf die Gegenfahrbahn, hupen, hupen, rumstehen, hupen…
Mittlerweile hat man sich an dieses Verkehrsgebahren doch sehr gut gewöhnt. Erstaunlich ist, dass es kaum Unfälle ob dieser nahezu ungeregelten Verkehrslage gibt. Das offizielle Gesetz sagt: Wer jemanden im Verkehr nachhaltig verletzt, muss sämtliche ärztlichen Folgekosten sowie „Berufsunfähigkeitsrente“ für den Angefahrenen zahlen. So soll es vorkommen, dass Verkehrsteilnehmer bei ernsthaften Unfällen noch einmal zurücksetzen, damit sie sichergehen, dass keine Folgekosten entstehen, obwohl sie dann drei Jahre in den Knast wandern. Doch das inoffizielle Gesetz der Straße unterbindet solche Sachen relativ gut. Denn wenn ein Verkehrsteilnehmer jemanden ernsthaft anfährt, so sollte er schnellstmöglich die Flucht ergreifen, da die Nepalis sehr harte Selbstjustiz ergreifen und dann sehr schnell das Gefährt in Trümmern liegt oder gar angezündet wird. Was mit dem Fahrer im Falle des Falles passieren sollte, ist wohl jedem klar…
Als Wohnort haben wir uns das im Klinikum hergerichtete Zimmerchen genommen und sind damit sehr zufrieden, da es doch erstaunlich ruhig ist. Momentan verbringen wir sehr viel Zeit mit kleineren Reperaturen im Klinikum und ausführlichen Streifzügen durch Kathmandu, um Ersatzteile zu besorgen oder uns das Leben etwas gemütlicher zu gestalten. Am Samstag, meinem freien Tag, war ich dann mit Johannes und einem ausgeliehenen Möppi (125er Yamaha Gladiator, etwas viel Größeres ist in dem Verkehrschaos auch völlig überflüssig) mal außerhalb von Kathmandu unterwegs, und wir haben eine kleine Parkanlage besucht sowie einen kleinen Pass befahren, um einen Überblick übers Kathmandutal zu bekommen. Leider war die Sicht nur mäßig.
Ein paar Eindrücke findet ihr in meinem Picasa-Album. – Das soll es erstmal an dieser Stelle gewesen sein, ich melde mich bald mit neuen Eindrücken zurück. Denn die wird es sicher geben. ;-]









