Confessions Of Rock 2006
Die Rock-Nacht in Bildern
Vergangenen Freitag wurden sie abgelegt, die ersten „Confessions Of Rock“ – ein überaus gelungener Konzertabend, der sechs Bands der schlicht und einfach reichhaltigen Rock City Dresden eine wunderbar rockige, mithin gut organisierte musikalische Plattform bot. Zwar darf festgehalten werden, dass mit der Reithalle eine etwas überdimensionierte Lokation gewählt wurde, dennoch: Die ca. 400 Musikbegeisterten feierten bei hervorragendem Sound frenetisch ihre Helden, die sich durchweg schwer ins Zeug legten. Und deshalb gilt: Nein, es braucht nicht immer die große Mainstream-Sause zu sein, denn im Underground geht’s mindestens ebenso zackig und enthusiastisch zur Sache! Ach, was red’ ich: Besser, bombastischer, weil: ehrlicher. – Bleibt also zu hoffen, dass das Team um Veranstalter Wassili „Wasko“ Lasarov in Zukunft noch viel, sehr viel zu beichten und zu gestehen hat…
Der Abend wurde eröffnet von Juliana, der Band von Hausherr Wasko (links im Bild am Bass). Zünftiger Grunge Rock kam zu Gehör, der jedoch etwas Eigenständigkeit und Bühnenpräsenz vermissen ließ.

Juliana-Frontmann Tobi Dada im dunklen Cobain-Style.

Als zweite Band des Abend gaben sich Black Tequila die Ehre. Und es war eine Wonne, den Herren und Damen Epicorern (gut möglich auch: Metalpunker) zuzuhören und -zusehen: Energie pur. (Die Annahme, dass ihr Sieg beim diesjährigen Uni-Air nicht so ganz mit rechten Dingen zugegangen war, muss ich nach diesem famosen Gig wohl revidieren.) Black Tequila – eines der heißesten Eisen im Rockofen Dresden, …

… nicht zuletzt deshalb, weil Frontmann Christoph Kuehn ein sangesstarker und wahrer Entertainer vorm Herrn ist, …

… der beispielsweis durch Juliane „Die erste Geige“ Fetter bravouröse Unterstützung findet.

Sound-, Licht- und Nebelshow an diesem Abend? Vom Feinsten!

Silent Poem, die dritte Band, trieb den Altersdurchschnitt kräftig nach unten – und mir die Denkerfalten auf die Stirn, denn auch wenn’s mit der Abstimmung unter den Musikanten zu Beginn arg zu hapern schien, erinnerte mich der dargebotene Folk Rock allzu sehr an die erfolgreicheren Zeiten der Letzten Instanz, allerdings in einer etwas schläfrigeren Variante.

Immerhin: Sänger und Kontrabassist Felix gab im weißen Feinripp sein Bestes, …

… ebenso Violinist Johannes, der allerdings hörbar über so manche Saite stolperte.

Recht munter ging’s dagegen Backstage zu, …

… wo sich Meister Meißelbach, seines Zeichens 7ieben-Frontmann, als süffisante Melange aus Freddy Mercury …

… und Atze Schröder auf den anstehenden Gig vorbereitete.

Und dieser war Stoner- respektive Hardrock-Bombast per excellence: Christoph bewies stimmgewaltig sein unnachahmliches, überzeugendes Talent für Inbrunst, …

… Ausbrunst …

… und herrliche Rockattitüde, …

… der sich die Fanscharen einfach nicht entziehen konnten. Der Mann atmet, liebt und lebt Rock’n’Roll, genialst!

Und die Kollegen Peter Lemke (rechts) und Sebastian Belke standen ihrer geliebten Rampensau selbstredend in nichts nach. Sebastian übrigens wird fortan die 7ieben-Geschicke als festes Bandmitglied begleiten, zumal sich der Heilige Bandrat nun definitiv dafür entschied, anstelle des bisherigen Cellos eine zweite Gitarre auf den 7ieben-Tanker zu holen. Eine schwierige, jedoch keine schlechte Entscheidung, will ich angesichts des hochwertigen Klangkörpers Belke meinen, auch wenn ohne Cello ein gewisser musikalischer Wiedererkennungswert verloren gehen mag. Ein solcher aber wird sich – neue Gitarren braucht das Land – zweifellos recht schnell wieder einstellen, sofern die 5ünf 7iebener die Neuformation als Chance bzw. Aufbruch zu noch ausgefeilteren Arrangements begreifen. – Ob der gebotenen Rock Show muss da jedoch niemandem allzu bange sein.

Stargäste des Abends: Die ehemaligen 7ieben-Helden Christoph „Cellohorst“ Lippmann und Sebastian „Dr. Rock“ Hofmann, die ihren „Meessl“ hochleben ließen.

Als fünfte Band des Abends gaben die Jungs von Universal Mind ihr psychedelisch-rockiges Stelldichein, und Frontmann Tom Vörös ließ keinen Zweifel daran, dass er die Nuancen zwischen grimmig-brachialer …

… und schwermütig-sanfter Sangeskunst mühelos beherrscht.

Das Tambourin darf selbstverständlich nicht fehlen, und ebenso wenig darf Gitarrist Joss „Wieselfinger“ Rossmanns dezent scheuer Blick darüber hinwegtäuschen, dass sein Spiel imstande ist, Götterdämmerungen einzuläuten. Reife Leistung der UniMinder alles in allem, die letztlich auch darüber Aufschluss gab, dass die Herren mit ihrem Übersong „City Universe“ nicht umsonst auf dem aktuellen CCC-R-Sampler (u.a. Beastie Boys, David Byrne) vertreten sind.

Tastenmann Thomas Philipp hochkonzentriert, und Dank an dieser Stelle für den Gehörschutz, ohne den mein Trommelfell die beeindruckende Klangwand im Fotografengraben nicht überstanden hätte.

Die Steffen-Sturm-Partei in Bestform, und vor allem beim Song „Place On Earth“ so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und so knallhart wie ein Schlagbohrer.

Schönheit meets Schönheit: Eine Göttin inmitten jubelnder UniMind-Fans.

Beschlossen wurden die „Confessions Of Rock“ von den selbsternannten Finnen-Porncore-Rockern [pi!], die es nicht zuletzt ob ihrer ausgefallenen bis gewöhnungsbedürftigen Kostümierung und Bühnenshow dereinst ins Vorprogramm von Knorkator schafften.

Doch Gitarrist „Finnishman“ mit Fisch- respektive Pavianmund, …

… Drummer „Middlelegman“ mit frisch gestärkten Buchsen und …

… Bassist „Hagebuttenman“ als Santa Claus boten ein astreines, abwechslungsreiches, Hard- bis Metalcore-lastiges Sturmgewitter; …

… lediglich mit den stimmlichen Qualitäten der hübschen Frontfrau „Womanman“ Claudia konnte ich mich nicht anfreunden. Kaum möglich, dass ausnahmsweise der Mann am Mischpult (Nik vom Virtouse Vibes Tonstudio) versagt hätte; denn weil mir die teils recht schrill-schräge Sirenenhaftigkeit aus früheren [pi!]-Konzerten ihm Ohre verblieben war, tippe ich eher auf eine verschleppte Lungenentzündung.

Achselschweiß? Hoden eingeklemmt? Oder doch einfach nur: Bock auf Rock?

Letzteres stimmt. Und so stand unversehens 7ieben-Frontmann Meißelbach auf der Bühne, um im Duett mit Frau „Womanman“ – man höre und staune – den Roxette-Straßenfeger „The Look“ darzubieten. Gelungene Überraschung das, vor allem deshalb, weil der Song von allen Beteiligten so hervorragend interpretiert wurde, dass das gute Stück unweigerlich Einzug in mein Cover-Top-10 hielt (angeführt von Amorphis und ihrem Doors-Cover „Light My Fire“).

Tja, und zu guter Letzt? Schlicht und einfach: Schön warnse, gelungen warnse, die ersten „Confessions Of Rock“…
(Btw, für die vierte Ausgabe des Underground-Fanzines Abditus Vultus ist ein weiterer Bericht über die „Confessions Of Rock“ geplant; allerdings wird es bis zum Erscheinungstermin noch einige Wöchelchen dauern. Weihnachten rum? Hmm, ok, gut Ding will Weile haben… ;-] )








