Akustikträume

von Simone Hartmann

· 3 min Lesezeit

3. Juni 2006: Eric Fish In Concert
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Der Dresdner Club Tante Ju ist – zumindest nach Aussage des Barmannes – eher für ein Publikum bekannt, das sich aus dickbäuchigen, barttragenden 40-Jährigen rekrutiert und im Blues die Erleuchtung findet. Eine willkommene, wenngleich nicht weniger anspruchsvolle Abwechslung stellte demnach am vergangenen Samstag das Gastspiel von Klangakrobat Eric Fish dar, der eigentlich Erik Hecht heißt, im Hauptberuf Frontmann und Blasebalg der überaus erfolgreichen Berliner Mittelalter-Folk-Metaller Subway to Sally ist und sich seit 1990 einen guten Ruf als findig-forscher Musikus und Liedermacher erarbeitete, der vor allem die Fan-Scharen der alternativ-rockigen und Schwarzen Szene zu begeistern weiß.
Dumm nur, dass just an diesem Wochenende der Großteil besagter Schwarzgewandteten nach Leipzig gepilgert war, um auf dem 15. Wave-Gotik-Treffen Exzessen aller Art zu frönen – und somit nur ca. 70 zahlende Gäste den Weg zur Akustik-Session Meister Fishs fanden. Zeitlich etwas fehlgeplant dieser Auftritt, möchte ich meinen, zumal lediglich knapp 40 Menschlein am Sit In auf den Teppichen vor der in Kerzen- und dezentes Schweinwerferlicht getauchten Bühne teilnahmen, während es sich die Restlichen in froher Erwartung auf den Flugzeugsesseln an den Rändern des dunklen und großen, großen Laderaumes von Tante Ju bequem gemacht hatten. Aber einerseits hat Herr Fish, so liest man, auf seiner Solo-Tour schon vor weitaus weniger Leutchen gespielt; und andererseits ist es eben jene fast intime Atmosphäre zwischen Publikum und Künstler, die Konzerte dieser Art zu einem einzigartigen Erlebnis macht.

Und dieses war es auch, denn, soviel sei vorweggenommen, die Begeisterung, mit der Fish und sein aus drei befreundeten Musikern bestehendes Ensemble sagenhafte dreieinhalb Stunden lang Akustikgitarren, Mundharmonika, Piano und vor allem Stimmwerkzeug bedienten, sucht ihresgleichen! Allerdings fühlte ich mich gleich beim ersten Stück leicht an den Sound von Schönes Gerhard erinnert, der – eine Anekdote am Rande – Herrn Fish 1988 bei einem Nachwuchswettbewerb für Liedermacher zünftig verrissen hatte, harhar. Doch mittlerweile hat Fish, zumindest was das Handwerklich-Musikalische angeht, gleichgezogen und wartet dort, wo Guru Schöne in selig-seichte Gefühlsduselei abgleitet, mit wütend-melancholischem Habitus auf, dem die völlige Hingabe an die Musik durch jede gespielte Note, durch jedes gesungene Wort zu entnehmen ist. Vor allem auch deshalb, weil sein markantes, an Variationen reiches Sangesorgan schlicht und einfach zu überzeugen weiß und in herrlicher, fast inbrünstiger Mimik glaubwürdige Unterstützung findet, vom ausgefeilten Spiel auf der Akustikgitarre ganz zu schweigen.

Begleitet wurde Fish, wie erwähnt, von drei kaum minder talentierten Kollegen, nämlich von Gerit Hecht (Piano), Uwe Nordwig (Gesang, Gitarre) und Rainer Michalek (Gitarre, Mundharmonika, Gesang), wobei vor allem Letzterer für seine im rauchigen Tom-Waits-Stil gehaltenen Sangeseinlagen des Öfteren Szenenapplaus erhielt. Dem verzückten Publikum wurden Songs aus dem reichhaltigen Repertoire Fishs geboten, das in angenehm lyrischer Manier durch schwermütiges Verlorensein im Welteinerlei und Anti-Kriegs-Appelle, durch Alltagsbeobachtungen und Naturmystizismus oder durch Liebesglück und Liebesleid geleitete und hin und wieder mit einem ironischen Unterton garniert wurde. Hinzu kamen Stücke der Kollegen von Subway to Sally, irische Volksweisen sowie eine Vielzahl an Cover-Versionen, die ob der eigenständigen Interpretation der Vorlage durchweg gefielen; vor allem Nick Caves Klassiker „Weeping Song“ war aus Fishs Kiemen ähm Munde eine wahre Wonne. Äußerst angenehm zudem die erfrischend frivole und bisweilen nachdenkliche Art und Weise der Musiker, mit ihrem Publikum zu interagieren; Geschichten aus dem bisherigen Musikerleben wurden ebenso zum Besten gegeben wie Anweisungen zum richtigen Musikgenuss. Und weil Fish sowohl kürzlich Geburtstag hatte als auch, wie er freudestrahlend und mehrfach betonte, vom teils lautstark mitsingenden Publikum begeistert war, ließ er sich’s nicht nehmen, selbigem ein Fläschlein Whiskey zu spendieren.

Kurz und gut, wer abseits des üblichen computergenerierten Bumbums oder englischen Geknüppels seinen musikalischen Horizont erweitern möchte, wem dafür jedoch Liedermacherabende zu steif und Gothic-Konzerte zu morbide sind, dem sei ein Abend mit Herrn Fish und Freunden allerwärmstens ans musikvernarrte Herzlein gelegt. Jedem anderen natürlich auch.

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