36 Hours of Fame
Die Verfallszeit von Artikeln in Online-Medien
Um komplexen Netzwerkstrukturen auf den Grund zu gehen, haben amerikanische und ungarische Wissenschaftler um den Physiker Albert-László Barabási in ihrer Studie „Fifteen Minutes of Fame: The Dynamics of Information Access on the Web“ die Zugriffe auf das größte ungarische Online-Nachrichten- und Unterhaltungs-Portal Origo untersucht. Ausgewertet wurden hierfür die Surfgeschichten der von 250.000 Besuchern an einem Tag hinterlassenen Cookies und der in diesem Zeitraum neu veröffentlichten 3.098 Dokumente.
Ein Ergebnis besagt, dass die Verfallszeit, mithin die Dynamik der Artikel weniger von ihrer Popularität, sondern von ihrer Präsentation und den Surfgewohnheiten der Besucher abhängt. So erzielen Nachrichten mit 28 Prozent ihre höchste Zugriffsrate am ersten Tag, einen Tag später sind es nur noch 7 Prozent, und bis zum vierten Tag ist noch ein kleiner, aber konstanter Besucherstrom zu erkennen; weitere Besucherzahlen resultieren aus Suchmaschinenergebnissen oder aus Querverweisen von anderen Artikeln des Portals bzw. des Web.
Es wurde ersichtlich, dass die Zugriffsrate auf einen Artikel nach 36 Stunden drastisch abnahm, wobei nur wenige Artikel überdurchschnittlich oft aufgerufen wurden, der Großteil hingegen auf wenig Interesse stieß. Gründe hierfür liegen darin, dass einerseits, oh wissenschaftliches Wunder, meist ein Artikel von einem Besucher nur einmal gelesen wird – sofern Zugriffszahlen überhaupt mit einem tatsächlichen Lesevorgang gleichgesetzt werden können! Andererseits offenbarte Origo ein unregelmäßiges Besuchermuster, demzufolge ein durchschnittlicher Besucher lediglich etwas Mehr als die Hälfte aller Artikel, die nur für eine bestimmte Zeit auf der Eingangsseite zu finden sind, wahrnimmt und gar nur auf 7 Prozent wirklich zugreift.
Der User, das unbekannte Wesen, ist man versucht zu sagen. Denn solange Artikel oder Neuigkeiten an prominenter, leicht einsehbarer Stelle platziert werden, ist das Interesse groß. Sobald sie aber ins Archiv entschwinden, sind sie interaktivem Vergessen ausgesetzt. Eine mehrere Klicks umfassende Suche entfällt. Wonach auch? Denn die nächste Neuigkeit wartet bereits. Themenspezialisierung oder Platzrotation der Topartikel könnten der täglichen Informationsflut und der Schnelllebigkeit des Bits-und-Bytes-Zeitalters also sicherlich noch einige Stündchen abringen.
Via Telepolis








