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Sigma & Tamron: Lichtstarke Objektive für den schmalen Geldbeutel



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Günstige Alternativen für ambitionierte Fotografen zu Canon-Objektiven
Wovon man bei Originalherstellern von Objektiven nur träumen kann, gehört beim Fremdhersteller zum Lieferumfang. Die Gegenlichtblende und eine passende Aufbewahrungstasche werden bei Sigma mit dem Objektiv ausgeliefert. Dazu gibt es zwei Jahre Hersteller-Garantie und den Sigma-Schutz in Form einer Registrierung bei CODE-No.com. Doch wie sieht es mit der Bildqualität und dem Handling aus? Getestet habe ich das Sigma 30mm/1,4 EX DC HSM und das Sigma 17-50mm/2,8 HSM OS mit einer Canon EOS 40D und 7D. Später zum Test gesellte sich noch das Tamron 17-50mm/2,8 Di II VC. Von der Haptik sind alle drei Objektive über jeden Zweifel erhaben und ergeben, aber welches überzeugt in Sachen Bildqualität und Preis/Leistung?
An einer kleineren, leichteren Kamera wird man das Problem haben, dass die Kamera nach vorne kippt, da keines der getesteten Objektive ein wirkliches Leichtgewicht ist. Die Objektive sind für das digitale APS-C-Sensor-Format konstruiert und erzeugen an einer Vollformatkamera eine Vigettierung.

Die Testobjekte (Fotos: Hersteller)“

Das 30er „Normal-Objektiv“: Sigma 30mm F/1,4 EX DC HSM
Das 30mm/1,4 EX DC HSM entspricht am APS-C-Sensor einer 48mm-“fast“-Normal-Brennweite, das dank seiner Lichtstärke auch in problematischen Situationen noch Fotos verspricht, die beim Kit-Objektiv (18-55mm/3,5-4,5) nicht möglich sind. Ein Ultraschallantrieb, bei Sigma HSM (Hyper Sonic Motor) genannt, soll für schnelle Scharfstellung sorgen. Soweit die Theorie. In der Praxis birgt die Lichtstärke allerdings auch Gefahren. Sitzt der Autofokus nicht zu 100 Prozent, dann bringt einem die tollste Lichtstärke und die schnellste Scharfstellung nichts. Zuerst setzt ein lichtstarkes Objektiv voraus, dass der Fotograf mit Schärfe und Unschärfe gestalten will und auch die richtigen Sensoren ausgewählt hat. Das AF-Feld-Messfeld sollte manuell ausgewählt werden. Damit wird sichergestellt, dass die Kamera auch wirklich dort scharf stellt, wo man die Schärfe haben will. Ein, von der Kamera gewähltes AF-Feld ist hier wenig hilfreich, da man nur eine kleine Schärfeebene hat und es bei der automatischen Auswahl der Fokusfelder passieren kann, dass bei einem Portrait die Nase statt den Augen scharf ist. Schuld daran ist die Automatik, die immer das, der Kamera am naheliegendste Objekt, scharfstellt. Bei Blende 4 spielt das keine allzu große Rolle, weil sich die Schärfe beim Objektabstand von einem Meter auf 17 Zentimeter verteilt. Bei Blende 1,4 schrumpft die Schärfentiefe allerdings auf sechs Zentimeter zusammen. (Für derartige Berechnungen gibt es für alle Smartphones entsprechende Apps – z.B. den DOF Calculator für Android.)

Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass das Objektiv und die Kamera harmonieren. Die Hersteller sprechen hierbei von einem Nullpunkt, der zwischen den beiden Bestandteilen (Kamera und Objektiv) justiert ist. Aufgrund von massiven Frontfokus lieferte das getestete 30-mm-Objektiv an der EOS 40D unscharfe Fotos oder vielmehr waren die Fotos nicht da scharf wo die Schärfe liegen sollte – Stichwort Fehlfokus. An der EOS 7D hat man die Möglichkeit der AF-Feinabstimmung, wobei der Nullpunkt vom Fotografen selbst justiert werden kann. Dies musste ich beim 30er-Sigma auch voll ausnutzten. Nach der Feinjustage machte das Fotografieren und das Spiel mit der Schärfe richtig Spaß. Schnell und scharf wurden die Motive für die Ewigkeit festgehalten. Toll war auch die Tatsache, dass man in Innenräumen auf den Blitz verzichten konnte, unbemerkt Fotos schießen konnte und so viele schöne Schnappschüsse entstanden.

Fotos mit dem 30er von Sigma“

Zum Thema Fehlfokus beim Sigma 30mm F/1,4 EX DC HSM
Der Sigma-Kundendienst verspricht, Objektive kostenlos auf die jeweilige Kamera einzustellen, allerdings muss hierfür das Objektiv eingeschickt werden. Glaubt man einigen Foren-Beiträgen variieren die Bearbeitungszeiten von einigen Tagen bis hin zu einigen Wochen. Will man auf Nummer sicher gehen, sollte sowohl Objektiv als auch die Kamera zu Sigma eingeschickt werden. Aufgrund des Testzeitraums und der hierfür notwendigen Registrierung des Objektivs muss verzichtete ich leider auf den Test des Services.

Als Vorteil einer Festbrennweite wird immer wieder die optische Qualität hervorgehoben. Das mag sicherlich zutreffen, doch sind Zoom-Objektive inzwischen auf einem Qualitätsniveau angekommen, bei dem selbst Profis Schwierigkeiten haben werden, anhand eines Fotos festzustellen, ob es mit einer Festbrennweite oder einem Zoom-Objektiv aufgenommen wurden. Viel wichtiger für mich ist die Erfahrung, dass man sich mehr mit dem Fotografieren an sich beschäftigt. Man geht einen Schritt vor oder einen Schritt zurück, um das Foto zu komponieren. Man beschäftigt sich einfach mehr mit dem Motiv. Gedankenloses „drauflosfotografieren“ ist nicht mehr. Dieses bewusste Fotografieren übernimmt man dann auch beim Einsatz eines Zooms.

Das „Standard-Zoom“ mit Extras: Sigma 17-50mm F/2,8 EX DC OS HSM
Fast schon perfekt war der Nullpunkt des 17-50mm/2,8 EX DC HSM OS eingestellt. Neben dem Ultraschallantrieb wartet das Objektiv mit einem Bildstabilisator (OS) auf. Hilfreich ist dieser vor allem bei statischen Objekten mit langer Belichtungszeit, zum Beispiel bei wenig Licht oder aber man möchte einfach ein wenig mehr Schärfentiefe im Bild und ist dadurch gezwungen, abzublenden, und kommt dabei in einen verwacklungs-gefährdeten Bereich. Der Stabilisator am Testobjektiv arbeitete äußerst zuverlässig und der Autofokus lieferte sowohl an der EOS 40D, als auch an der 7D, scharfe Fotos. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass das Objektiv mit 565 Gramm nicht zu den Leichtgewichten gehört und der Filterdurchmesser von 72 mm ein kleines Loch in den Geldbeutel reißt, wenn es um die Anschaffung eines hochwertigen Pol-Filters oder Schutzfilters geht.

Der Zoomring lief geschmeidig und lässt sich, im Gegensatz zum 17-55mm/2,8 IS USM Pendant von Canon, verriegeln. Die fehlenden 5 mm bei der Brennweite könnte ich bei der Preisersparnis von knapp 300 Euro gegenüber dem Canon locker verschmerzen. Die Schärfe konnte mich über das komplette Foto hinweg überzeugen. Die häufig zu findende Aussage von De-Zentrierung oder generell abfallende Schärfe zum Bildrand konnte ich nicht feststellen. Allerdings mache ich auch keine Fotos von Ziegelwänden oder Zeitungsseiten um bewusst nach Fehlern zu suchen. Wichtig ist mir vielmehr die Alltagstauglichkeit. Negativ fiel mir nur das Klappern auf, dass das Objektiv in der Fototasche von sich gab. Nach meiner Internet-Recherche handelt es sich hierbei um das bildstabilisierende Linsenelement und soll vollkommen normal sein. Trotzdem ist es ungewohnt und wenig vertrauenserweckend.

Fotos mit dem 17-50mm von Sigma“

Lichtstärke zum Schnäppchenpreis
Auch Mitbewerber Tamron hat ein Zoom mit gleichem Brennweitenbereich und Bildstabilisierung im Sortiment, das Tamron 17-50/2,8 Di II VC, welches jedoch ohne schnelle Ultraschall-Scharfstellung auskommen muss. Hier kann man nochmals Geld sparen. Für rund 359 Euro bekommt man ein Objektiv, Front- und Bajonettdeckel, eine Streulichtblende und die 5 Jahre Tamron-Garantie. Einzig ein Aufbewahrungsbeutel fehlt. Beim Gewicht muss man nochmals einige Gramm mehr mit sich herumschleppen. Mit 570 g wiegt das Objektiv 85 g mehr als zum Beispiel das Gehäuse einer Canon EOS 1100D und 5 g mehr als das Sigma-Objektiv 17-50mm/2,8 HSM OS.

Der fehlende Ultraschallantrieb hat neben der langsameren Scharfstellung noch einen weiteren Nachteil. „Gut hörbar“ ist der Fokusiervorgang. Es als laut zu beschreiben wäre übertrieben, aber irgendwas ist immer. Vergleichbar ist das Geräusch mit den Non-USM-Objektiven, z.B. dem 50mm/1,8 oder dem 28mm/2,8 aus dem Hause Canon. Dennoch packt der Autofokus das Motiv zuverlässig und überraschend schnell. Durch die hohe Lichtstärke findet das Duo aus Objektiv und Kamera sowie des dadurch möglichen Einsatzes aller Kreuzsensoren, ohne langes „Pumpen“, zuverlässig den Fokuspunkt. Probleme mit der Schärfe oder Dezentrierung hatte ich am Tamron ebenfalls nicht. Es funktionierte an der 40D als auch an der 7D ohne Feinjustage out of the box.

Fotos mit dem 17-50mm von Tamron“

Fazit
Kann man auf die schnelle und (fast) lautlose Scharfstellung verzichten, und will man einige hundert Euro sparen, macht man mit dem Tamron nichts falsch. Das Sigma kommt für alle infrage, die einen schnellen, fast lautlosen, Autofokus benötigen. L-Qualität (Premium-Linie von Canon), Bildstabilisierung und Ultraschallantrieb bekommt man mit dem Canon EF-S 17-55/2,8 IS USM, was allerdings auch seinen Preis hat. Eine tolle Ergänzung zum Zoom ist das lichtstarke 30mm/1,4. Fotos im Kerzenschein oder an Orten an denen Blitzen entweder nicht gestattet oder nicht angebracht ist, werden hier Realität. Bei der Bildqualität gab es bei allen drei Objektiven wenig auszusetzen. Amateure werden sich am Gewicht der Objektive stören und eventuell an den Preisen für Filter.

Ansonsten kann ich die beiden Zoom-Objektive als auch die Festbrennweite empfehlen. Sowohl das Sigma 17-50mm F/2,8 EX DC OS HSM, als auch das Tamron 17-50/2,8 Di II VC wissen als Zoom-Objektive zu überzeugen. Das Sigma 30mm F/1,4 EX DC HSM als Festbrennweite überzeugt ebenso.

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