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Schöner leben mit dem neuen Apple iPad - Teil 2



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Langzeittest eines frisch verliebten Apple-Users – Foto- & Videofunktion
Für mich persönlich, der sich mit Ehrgeiz dem Thema Fotografie widmet und sich dabei aus bewußten Gründen nach wie vor der hauptsächlich analogen Schiene verschrieben hat, sind die Möglichkeiten, mit Telefon oder Tablet Augenblicke per Bild festzuhalten, zwar eine nette Ergänzung für den einen oder anderen Schnappschuß, aber nicht mehr und nicht weniger. Da das neue Apple iPad wie schon sein Vorgänger zwei „Augen“ zum Sehen bzw. Fotografieren und Filmen bekommen hat, bin ich natürlich neugierig, was es zu leisten im Stande ist. So widme ich mich nach dem Ersteindruck im zweiten Teil meines iPad-Langzeit-/Alltagstests heute der verbauten Kameratechnik und deren Qualität. Die Bildqualität im iPad 2 war unterirdisch und sollte nun besser sein. Aber wie schlägt sich das neue iPad gegen das iPhone und ist es überhaupt als Digicam-Ersatz geeignet?
Face-Time-Kamera: Für Videotelefonie ok, aber ansonsten …

Apple hat sein iPad in der dritten Generation weiter aufgerüstet und diesem auch neue Kameras verpasst. Meint man. Aufgerüstet zum Vergleich mit dem iPad 2 mag stimmen, neue Optiken sind es allerdings nicht. Die oberhalb des Displays blinzelnde Face-Time-Kamera ist bereits aus dem bislang einzigen iPod nano mit Kamera bekannt und bringt es wie das Exemplar im Vorgänger nur auf VGA-Auflösung und -Qualität von 640 x 480 Pixel. Darüber hinaus sind mit dem Sensor aus dem Hause OmniVision auch Videomitschnitte mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde möglich. Sich lang und breit über deren Abbildungsergebnisse auszulassen, verbietet sich von selbst: Sie reicht für die Videotelefonie völlig, doch dabei sollte man es dann allerdings auch belassen.

iSight-Kamera: 5 Megapixel und HD-Videofunktion

Für jeden anderen Zweck ist es besser, auf die aus der Rückseite blickende iSight-Kamera zurückzugreifen. Sie ist das Herzstück für jene, die sich mit der neuen Flunder auch fotografisch betätigen wollen. Ebenfalls von OmniVision, belichtet sie in einer Auflösung von 5 Megapixeln und bietet Autofokus, das bekannte Fokussieren per Fingertipp und Gesichtserkennung. In die Videofunktion eingebunden, liefert sie echtes HD mit 1.920 x 1.080 Bildpunkten und bis zu 30 Bildern/s. Auch dieses Bauteil erscheint nicht zum ersten Mal in einem Gerät aus Cupertino. Bereits seit dem Jahr 2010 darf die OV5650, so die Herstellerkennzeichnung, ihren Dienst im iPhone 4 verrichten. Das macht sie solide, weswegen es seitens Apple wohl auch aus dem guten Grund, Risiko zu minimieren, ein naher Schritt war, auf Altbewährtes zurückzugreifen.

Schöner leben mit dem neuen Apple iPad – Fotoqualität“

Die Kamerafunktion des neuen Apple iPad im Praxistest

Soweit die trockenen Fakten. Wie aber verhält sich die Technik in der Praxis? Für all jene, die mit einem Apple iPad zum ersten Mal fotografieren oder gar filmen wollen, bedarf es schon einer Eingewöhnung, um das Gerät vernünftig händeln. Es erscheint sperrig und unhandlich, und es dauert, bis man eine perfekte Haltungsposition gefunden hat, in der man möglichst verwacklungsfrei auszulösen kann. Die Abmessungen des Apple iPad sind für diesen Zweck dann doch etwas (zu) groß. Ein weiterer Nachteil ist der 9,7 Zoll große „Sucher“. Wenngleich die Displayhelligkeit ein ordentliches Anpeilen erlaubt, so ist das nicht entspiegelte Retina-Display leider auch anfällig für Reflexionen jeglicher Art, die den Weg zum perfekten Bildausschnitt gelegentlich behindern können. Die große Fläche ist es auch, die ein Überblicken eines komplexen Motivs erschwert. Bei sich bewegenden Objekten eher kompliziert. Überhaupt: Ausschließlich zum Fotografieren wird man den Flachmann sicher ohnehin nur sehr selten bei sich haben. Für den Transport in der Hosentasche ist ein iPhone – um in der Apple-Familie zu bleiben – dann doch unbestritten die bequemere Wahl.

Apple iPad (3. Generation) vs. iPhone 4: Wer ist besser für Fotografie geeignet?

Die Aufnahmen, die das neue iPad bei Tageslicht festhält, können sich im Großen und Ganzen, gemäß der Klassifizierung der Optik und der eigentlichen Ausrichtung der iDevices, durchaus sehen lassen. Ich will es jedoch genauer wissen und duelliere es zudem mit dem iPhone 4, das, wie oben erwähnt, im Grunde genommen über die baugleiche Ausstattung verfügt. Die Ergebnisse bringen zum Teil erstaunliche Unterschiede mit sich: Der Minibauart der Optik geschuldet, fehlt selbstverständlich beiden Probanden das letzte Quäntchen Klasse, in der Grundschärfe liegen sie aber im für die Kategorie vertretbaren Bereich. Das iPad hat jedoch mit der einen Hauch besseren Detailwiedergabe die knapp Nase vorn, während das iPhone diese leicht verwaschener aufnimmt.

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Mit dem der Digitalfotografie anhaftenden Problem, im Kontrastumfang schnell an Grenzen zu stoßen, kämpfen selbstredend ebenso meine zwei Kandidaten. Die Bilder des iPhones erscheinen gesättigter, eine Nuance dunkler, „saufen“ dafür in den Tiefen regelrecht ab, während die iPad-Aufnahmen insgesamt heller abgestimmt sind und so in den dunkleren Partien ein paar Details mehr wiedergeben können. Im Gegensatz dazu brechen dann bedauerlicherweise die Lichter eher weg. Überdies ist mir aufgefallen, dass die Aufnahmen des Tablets einen wärmeren Touch haben, während die Bilder vom iPhone etwas blaustichig daherkommen.

Die Fotofunktion im iPad ist, wie sollte es auch anders sein, vollautomatisch: Programm aufrufen, notfalls fokussieren, auslösen, fertig! Variationen in Blende, Belichtungszeit oder auch Empfindlichkeit sind in Eigenregie nicht möglich. Auch die feste Brennweite von 4 mm (entspricht einem Weitwinkel von ca. 30 mm im Kleinbild-Format) mit einer Naheinstellgrenze von ca. 75 mm kann zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht verändert werden – auch nicht digital. Für die einen ein Segen, für die anderen ein Fluch, übernimmt alles die Automatik. So ist in der Regel jedoch eine Fehlbelichtung nahezu ausgeschlossen. Dabei wird mit einer Art Blendenvorwahl bzw. Zeitautomatik gearbeitet, im Fall des iPads mit der Blende f/2,4. Der beim Apple iPhone benutzte Wert von f/2,8 ist wohl auch die Erklärung für die erwähnten Helligkeitsunterschiede. Danach richtet sich die errechnete Wahl von Empfindlichkeit und Belichtungszeit – in meinem Test zwischen ISO 80 und 1000 bzw. zwischen 1/15 und 1/1080 s. Mit dieser Verfahrensweise werden mit der kürzestmöglichen Belichtungszeit bei entsprechenden Lichtverhältnissen zumindest verwacklungsfreie Bilder erreicht, allerdings frei jeglicher Gestaltungsmittel in Form von Tiefenschärfe o.ä.

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Ebenso nicht vorhanden ist die Option, Serienaufnahmen zu produzieren. Dies ist etwas mühselig nur in Handarbeit möglich, indem man wiederholt den Auslöse-„Knopf“ betätigt, sobald die vorhergehende Datei gespeichert wurde. Leider funktioniert es nicht, mit einem permanenten Druck auf den Auslöser mehrere Fotos nacheinander zu schießen wie bei einer Digicam. Wie lang dann so eine Serie wird, hängt vornehmlich davon ab, wie groß die Geduld des „Knöpfchendrückers“ ist – sollte man meinen. Ich wurde beim Selbstversuch allerdings negativ überrascht. Mit ca. 1,5 Sekunden pro Bild war der Beginn zwar vielversprechend. Mit der Dauer ließ sich das iPad allerdings mehr Zeit bzw. benötigte es eine größere Spanne, um speichern zu können. Bis sich nach 22 Bildern bzw. 45 Sekunden die Kamera-App – wohl beleidigt – verabschiedete. Die Wiederholungen dauerten maximal 23 Sekunden länger und erlaubten eine Serie von 32 Fotos. Spätestens an dieser Stelle stürzte das Programm erneut ab. Sollte ich den A5X schon damit zur Verzweiflung gebracht haben, wäre das eine etwas zu simple Art und Weise, ihn aus der Fassung zu bringen! Aber ich halte fest: In Bildserien sind im Schnitt 2 Sekunden für eine Datei zu veranschlagen. Dass es anders geht, bewies mir im Vergleich dazu ganz tapfer das iPhone 4: Nach drei Minuten war es mein Finger, den die Lust verließ. Bis dahin fanden 115 Fotos den Weg in den Speicher, macht im Schnitt nicht einmal 1,6 Sekunden pro Aufnahme.

Videofunktion: Bildqualität top, Tonqualität flop

Nach dem gleichen Prinzip der Fotofunktion arbeitet die Videofunktion. Auch deren Qualität ist, erwartet man jetzt keine HD-Qualität wie in Bockbustern, von ordentlicher Güte. Natürlich muss man einige Abstriche wie bei schnellen Schwenks in Kauf nehmen. Großer Pluspunkt ist hier sicher die Aufnahme in nativer HD-Auflösung (1080p). Schade nur, dass das mitgeschnittene Material tontechnisch dem Bild nachsteht. Da lediglich das interne Mono-Mikrofon zur Verfügung steht, bleibt der Audio-Part der Filme etwas flach und eindimensional.

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Schlecht Lichtverhältnisse: Was nun?

Doch was macht das neue iPad, wenn nicht (mehr) genügend Licht zur Verfügung steht? Können die letzten beiden iPhone-Generationen auf ein LED-Licht zurückgreifen, das zumindest für Nahaufnahmen wie Portraits noch versucht, die Kohlen aus dem Feuer zu holen, steht mein neuer Liebling sprichwörtlich im Dunkeln. Mehr, als die Empfindlichkeit hochzuschrauben und die Belichtungszeit zu verlängern, ist leider nicht drin. Die Ergebnisse sind entsprechend ernüchternd. Ist die Belichtungsdauer aufgrund der kurzen Brennweite noch halbwegs zu verkraften, schafft der erhöhte ISO-Wert folgerichtig ein unangenehmes Grundrauschen. Damit allerdings nicht genug: Dem fehlenden Umgebungslicht geschuldet, braucht es Geduld und mitunter Geschick, um das Motiv scharf stellen zu können, sofern es überhaupt gelingt. Den Schlusspunkt in Sachen Überraschungen in der Dunkelheit setzen erscheinende Geisterlichter, die sich als Reflexionen von Scheinwerfern entgegenkommender Autos den Weg auf Bild und Video gebahnt haben.

Fazit: Die Verbesserung ist da, aber wer fotografiert bzw. filmt mit dem iPad?

Die Präferenzen dürften damit klar abgesteckt sein: Ein wirklicher Fotoapparat wird das war das Apple iPad nie und wird es auch in der dritten Generation nicht werden. Als „Hosentaschenknippse“ steht es nicht nur in Bezug auf seine Größe auch firmenintern im Schatten der iPhones. Apples Tablet hat dafür aber andere Vorzüge. Dazu aber mehr von mir in den nächsten Folgen.

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2 Kommentare

  1. PhonePhox Hanau schrieb am
    Bewertung:

    Im direkten Vergleich der Bilder finde ich die Bilder des iPhone 4 deutlich harmonischer und von den Farben kräftiger.

  2. James schrieb am
    Bewertung:

    Habt ihr mal die Aufnahmen vom Blackberry Playbook gesehen? Allein die eingebauten Mikrofone sind unglaublich, selten so eine gute Tonaufnahmequalität gehört, ich glaube das letzte mal so gut, bei meinem Sharp Minidisc Recorder.
    Da kann das ipad nicht mithalten ;)

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