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Notizbuch mit App & Cloud-Anbindung: Das RocketBook Everlast im Test



Zugeordnete Tags App | Buch | Cloud
Bereiche

Bewertung
Leicht zu bedienen, praktisch im Alltag
4,5

 Pro

  • Zahlreiche Cloud-Dienste werden unterstützt
  • Seiten können endlos oft beschrieben werden
  • Gute Scan-Ergebnisse
  • Einfache Bedienung

 Contra

  • Der Stift gleitet etwas zu leicht über das Papier
  • OCR-Erkennung erfordert sehr saubere Handschrift

Tablets sind praktisch, ob nun für Netflix, YouTube oder das World Wide Web, für den Konsum von Medien sind sie perfekt. Aber auch zur Content-Erstellung sind sie nützlich, zum Beispiel mit Stift als Notizbuch. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ob Vorlesungsmitschriften, Notizen aus Meetings oder Skizzen, vieles ist schnell mit einem Stift notiert. Das Ganze sollte dann am besten noch in digitaler Form vorliegen, denn dann habe ich, wenn es gut archiviert ist, von überall Zugriff darauf und finde schnell, wonach ich suche.

Leider gibt es ein paar Haken. Reguläre Android-Tablets sind vergleichsweise günstig, besitzen aber nur zwei Druckstufen: Entweder berührt der Stift das Display oder er tut es nicht. Einige Windows-Tablets verwenden hochwertige Digitizer mit zahlreichen Druckstufen und eignen sich damit auch für das Zeichnen. Leider sind diese Geräte aber recht teuer und trotz starkem Akku ist die Laufzeit nicht unbegrenzt. Um es in der Tasche zu transportieren, ist es zudem zu groß, zu empfindlich und zu schwer. Des Weiteren ist das Schreibgefühl auf Glas anders als auf Papier.

Das dachte sich auch Rocket Innovations und sammelte mit smarten Ideen rundum das Notizbuch insgesamt satte 4,4 Millionen Dollar auf Kickstarter und IndieGogo ein. Inzwischen erfreuen sich das Einwegbuch RocketBook One, das fünfmal verwendbare RocketBook Wave (gelöscht wird mit einer Mikrowelle) und das unbegrenzt nutzbare RocketBook Everlast großer Beliebtheit. Passend dazu gibt es eine Smartphone-App, über die die Inhalte digitalisiert werden. In diesem Test schaue ich mir das RocketBook Everlast genauer an und berichte euch, ob es hält, was es verspricht.

Lieferumfang

Der passende Stift ist dabei

Vor den Elementen geschützt
Schön erklärt
Ein Großteil der Anleitung steht bereits auf der Verpackung. Praktisch.
Der Designer mag anscheinend Origami.
Hiermit wird gelöscht. Auch andere Tücher funktionieren.
Vor den Elementen geschützt

In einer Plastikfolie eingeschweißt, kommt das RocketBook bei mir an. Ein clever gefalteter Karton zeigt mir das Notizbuch und preist gleichzeitig die Hauptfeatures an. Der abgetrennte Bereich an der Unterseite des Kartons enthält den passenden Stift. Es handelt sich um einen Frixion Clicker 07 von Pilot in Schwarz. Allerdings sieht das Schwarz eher wie ein Grau aus. Zu guter Letzt finde ich noch ein sehr weiches Mikrofasertuch vor.

Stift

Funktioniert auch auf Papier

Tribal-Grafiken zieren den Stift.
Was mir fehlt ist eine Edelversion für Anzugträger.
Tribal-Grafiken zieren den Stift.

Laut Rocket Innovations kann jeder Stift aus der Frixion-Reihe für das Rocketbook genutzt werden. Diese Kugelschreiber und Marker setzen auf Spezialtinte, die „wegradiert“ werden kann. Aus diesem Grund ist die Rückseite des Stiftes gummiert. Da sich der „Radiergummi“ nicht bewegen darf — beim Entfernen ist ein wenig Druck nötig — sitzt der Clicker im Clip. Dieser klappert allerdings etwas und das auch hörbar.

Auf normalem Papier schreibt der Stift wunderbar und auch ohne große Anstrengung. Tinte kommt entweder raus oder eben nicht, wenn sie leer ist. Schattieren ist jedoch schwerer als bei normalen Kugelschreibern oder Bleistiften. Das Wegradieren hingegen klappt auch auf normalem Papier. Tatsächlich ist es die Reibungswärme, die den Text verschwinden lässt. Dabei entstehen im Gegensatz zum sonst üblichen Bleistift und Radiergummi keine Krümel. Bei genauerem Hinsehen verändert die Tinte allerdings nur die Farbe, sodass der Text mit etwas Anstrengung weiterhin gelesen werden kann.

Reicht der schwarze Stift nicht aus, findet ihr Frixion-Stifte in vielen Online-Geschäften in den unterschiedlichsten Farben und Formen, vom Fineliner bis hin zum Highlighter. Zudem kann die Kugelschreibermine separat erworben werden.

Notizbuch

Das Buch, das gelöscht werden kann

Der Einband. Sehr schlicht und modern.
Hergestellt in Amerika.
Die QR-Codes, die bei der Identifikation und Zuweisung helfen.
Und so wird gelöscht: Etwas Feuchtigkeit und ein Mikrofasertuch reicht.
Der Einband. Sehr schlicht und modern.

Zwischen dem schwarzen Plastikeinband, das von der Textur her an mattes Fotopapier aus analogen Zeiten erinnert, warten 36 Seiten darauf, beschrieben und wieder gelöscht zu werden. Das Buch erkennt man an dem Rocket-Innovations-Logo und dem stylishen grünen RocketBook-Schriftzug. Ansonsten ist das Buch aber sehr schlicht und passt auch zu Business-Meetings. Das zeigt sich besonders auf der Rückseite, bei der lediglich das Logo sowie ein „Made in USA“-Schriftzug eingeprägt wurde. Angesichts des Preises wären hochwertigere Materialien für Vorder- und Rückseite allerdings wünschenswert.

Die Ringbindung ist in Grau gehalten und wirkt für das sehr dünne Buch übertrieben dick. Hier scheint es sich um Plastik zu handeln — angesichts des Preises wäre hier vielleicht etwas Hochwertigeres angemessen gewesen.

Jede der 36 Seiten verfügt über einen QR-Code, ein leichtes Gittermuster bestehend aus Punkten sowie einem schwarzen Rahmen. Zudem sind die Seiten nummeriert und haben am unteren Rand eine Reihe von Symbolen. So identifiziert die App schlussendlich, welche Seite gerade abfotografiert wurde, begradigt und entzerrt diese und weiß letztendlich, in welchen Cloud-Dienst sie hochgeladen werden soll. Die erste Innenseite zeigt alle Icons mit einem Feld an, in das ich dann eintragen kann, welches Symbol für welchen Dienst oder Account genutzt werden soll. Ganz unten steht noch der Hinweis, dass dieses Buch nicht in eine Mikrowelle gehört.

Rocket Innovations verspricht, dass sich die Seiten besser beschreiben lassen als ein Display. Dem stimme ich in vielen Fällen zu, aber mit regulärem Druckpapier ist es nicht vergleichbar. Vielmehr erinnert es mich an 200 Gramm starkes Papier, nur noch glatter und rutschiger. Zudem ist es sehr dünn und flexibel. Der Stift gleitet für meinen Geschmack etwas zu leicht über die Seiten, das ist allerdings vielleicht auch nur Gewöhnungssache: Eine Freundin, der ich das Notizbuch für ein paar Skizzen überlassen habe, wollte es gar nicht mehr zurückgeben. Ihr hat das Schreibgefühl sehr gut gefallen. Ist die Tinte einmal getrocknet, verschmiert sie auch nicht so leicht.

Um ein Blatt zu löschen, feuchte ich eine Ecke des Mikrofasertuches an und wische über die Schrift. Sofort löst sich die Tinte und verschwindet im Tuch. Die Anleitung sagt, es müsste kein Mikrofasertuch sein, doch ich finde, es funktioniert damit am besten. Danach trockne ich die Seite noch, bevor ich sie neu beschreibe, denn sonst kann die Oberfläche beschädigt werden. Rückstände erkenne ich so gut wie gar nicht, auch die Überreste des Wegradierens sind verschwunden.

Rocket Innovations empfiehlt übrigens, die Seiten nach Möglichkeit sauber zu halten. Nach einem Monat bleibt die Tinte jedoch zunehmend mehr haften, sodass die rückstandslose Entfernung schwerer wird.

App

Zahlreiche Cloud-Dienste werden unterstützt

Die möglichen Icons, die auf jeder Seite abgedruckt sind.
Der schlichte Ladebildschirm.
Die eingestellten Accounts.
Die wichtigsten Dienste werden unterstützt.
PDF, JPEG, Anim GIF? Ihr habt die Wahl.
Packt den Titel zwischen Hashtags und er wird zum Dateinamen.
Die ganzen Scanoptionen.
Und so sieht es während des Scans aus.
Hier findet man alle Scans, damit sie nochmal verschickt oder exportiert werden können. Natürlich kann hier auch gelöscht werden.
Die möglichen Icons, die auf jeder Seite abgedruckt sind.

Nachdem ich zunächst meinen RocketBook-Account erstellt habe, füge ich die Accounts hinzu, die ich als mögliches Ziel nutzen möchte. Zur Wahl stehen Dropbox, Evernote, OneDrive, OneNote, Trello oder ein bestimmter Nutzer oder Kanal bei Slack. Hinzu kommt der Versand an eine festgelegte E-Mail-Adresse oder das Speichern auf dem Smartphone. Bei der Einrichtung des Accounts wähle ich zudem aus, ob ich die geschriebenen Dateien lieber als JPEG oder als PDF speichern möchte. Letzteres kann als mehrseitiges Dokument oder in Form von mehreren Dateien erfolgen.

Insgesamt stehen mir sieben Icons zur Verfügung, denen ich die oben genannten Accounts und Zielorte zuweise — ich kann dabei zum Beispiel auch unterschiedliche Slack-Kanäle mit verschiedenen Icons verbinden.

Möchte ich nun Blätter einscannen, wähle ich einfach das Kamera-Icon rechts unten in der Ecke aus. Das Bedienelement ist dabei überall zu sehen, sogar in den Einstellungen. Wie bei einem QR-Scanner werde ich nun angewiesen, die Seite möglichst formatfüllend ins Visier zu nehmen. Erkennt die App eine Seite, werde ich gebeten, die Kamera still zu halten. Bei meinem LG V20 dauert es meist unter eine Sekunde, bis mir die App visuell und akustisch den Erfolg vermeldet. Sofort kann ich zur nächsten Seite wechseln oder mir den Scan nochmal ansehen und gegebenenfalls löschen. Bin ich damit fertig, wähle ich „Done“ und das Ergebnis wird automatisch abgeschickt — je nachdem, was ich als Ziel-Account abgespeichert habe, können die Dateien auch an mehrere Dienste oder Empfänger weitergeleitet werden. Habe ich mehrere, unterschiedlich markierte Seiten ausgewählt, darf ich wählen, wohin das Paket geht.

Nun kann es passieren, dass die Notizen doch noch in den Slack-Kanal sollen. Kein Problem, denn die App behält eine Übersicht über alle Seiten. Von dort aus kann ich weitere Empfänger auswählen oder sogar mit Androids Teilen-Dialog verschicken. Selbst über Whatsapp, Signal oder Instagram: Alles kein Problem!

Eine weitere Funktion der App ist die Handschrift-Erkennung. Sie versucht, aus meinem Gekritzel einen digital verarbeitbaren Text zu machen. Dieser wird dann bei E-Mails mitgeschickt. Die Software erkennt erstaunlich viel, aber nicht genug. Für hundertprozentige Erkennung muss ich sehr sauber schreiben, was länger dauert als das schnelle Notieren mit nachträglichem Eintippen.

Möchte ich der Seite einen Titel geben, setze ich einfach zwei Hashtags davor und danach, zum Beispiel „##Mathematik-Vorlesung 1.10.2018##“. Beim Scan erkennt die RocketBook-App den Namen, gibt die Möglichkeit, Fehler zu korrigieren und speichert die Datei dann entsprechend.

Scan-Ergebnisse

Gut lesbar

Handgeschriebener Text.
Und was die OCR-Funktion daraus macht.
Skizzen...
...sehen eingescannt ebenfalls gut aus.
Die unterschiedlichen Bildoptimierungsoptionen im Vergleich: "None", "Color Enhancement", "Pencil Enhancement" und "Magic Color Enhancement".
Handgeschriebener Text.

Wie gut die gescannten Seiten im Endeffekt aussehen, hängt davon ab unter welchen Lichtbedingungen und mit welchem Smartphone sie abfotografiert werden. In der App kann ich einstellen, wie das Bild optimiert wird. Gar nicht, „Color Enhancement (Default)“, „Pencil Enhancement“ und „Magic Color Enhancement“. In der Default-Einstellung erhöht die App den Kontrast stark, was gut für die Lesbarkeit ist. Den LED-Blitz lasse ich inzwischen einfach eingeschaltet, dann gefallen mir die Ergebnisse am besten und ich muss mir über Schatten keine Gedanken machen. Auch sind die Linien dann schärfer, das Schwarz weist keinen Farbstich auf.

Die Scans haben standardmäßig eine Auflösung von ungefähr fünf Megapixel. Wenn ich möchte, kann ich aber auch zahlreiche andere Auflösungen einstellen, bis hin zu den 16 Megapixeln meines Smartphones.

Seiten werden anhand des Rahmens entzerrt, sodass ihr die Kamera nicht perfekt zentriert über das Blatt halten müsst.

Fazit

Es funktioniert einfach

Eine einfache Idee...
...gut umgesetzt.
Eine einfache Idee...

Gerade, wenn mehr als nur Fließtext digital festgehalten werden soll, ist das RocketBook Everlast eine wunderbare Sache. Ob Formeln in einer Vorlesung oder das schnelle Skizzieren von Ideen, die Seiten sind schnell im Smartphone sowie in der Cloud abgespeichert oder an die Kollegen geschickt. Die App funktioniert gut, ist durchdacht und praktisch. Auch die Qualität der Dokumente geht völlig in Ordnung. Nur bei größeren Textmengen würde ich ein Notebook mit echter Tastatur vorziehen. Genauso bei detaillierten Zeichnungen und digitalen Gemälden, hier ergibt ein Windows-Tablet mit hochempfindlichem Digitizer und Photoshop mehr Sinn.

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