Tests

Produkttest: Shure Professional Headphones – Teil 2



2
Zugeordnete Tags Kopfhörer | Shure | Produkttest | Test
Bereiche

SRH240, SRH440 und SRH840 im Vergleichstest – Der Test
Shure SRH240: Der Einstiegs-Around-Ear-Kopfhörer von Shure, liegt im attraktiven Preissegment von unter 60 Euro. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass er im Gegensatz zu seinen beiden größeren Brüdern etwas „plastisch“, aber trotzdem noch sehr stylisch wirkt. Der Bügel ist extrem biegsam und kann auf beiden Seiten in zehn verschiedenen Stufen verstellt werden, sodass er auch auf größeren Köpfen ohne Probleme Platz finden wird. Die Ohrpolstern unterdrücken zum einen, einen Großteil der Außengeräusche für ungestörten Musikgenuss, zum anderen sind sie gut gepolstert, sodass man auch längere Zeit ohne Schmerzen seine Lieblingsmusik genießen kann. Dem in die Karten spielt auch das geringe Gewicht von nur 181 g. Damit der Kopfhörer auch gut sitzt, lassen sich die Ohrmuscheln neigen.
Allerdings ist es sehr schade, dass den Kopfhörern keine Tragetasche beigelegt wurde, die ihn vor Kratzern im Rucksack oder der Tasche durch Schlüsselbund & Co. schützen könnte. Auch lässt er sich nicht platzsparend zusammenfalten, sodass man ihn wohl größtenteils im Nacken absetzt.

Shure SRH240″

Der Klang selber ist vor allem in den Höhen sehr sauber, auch wenn es an Bass mangelt und man beim Test mit „Madden NFL 2010“ nicht in die Atmosphäre eines Stadionbesuches via Surround-Sound kam – kein tobendes und für den Gegner furchteinflößendes Stadiongebrüll und auch kein Knirschen der Knochen bei einem brutalen Hit. Wenn man nicht rund um die Uhr reine, basslastige Musik hört, findet man im SRH240 einen sehr guten Around-Ear-Kopfhörer, der besonders Frauenstimmen liebt und klar wiedergibt. Bei rockigen Klängen mangelt es ihm leider etwas an Druck, wodurch mein Verlangen nach Headbangen zu den kraftvollen Klängen von Iron Maiden nicht befriedigt werden konnte. Trotzdem ist der Klang für dieses Preissegment mehr als gut und vielleicht ist meine Meinung zu sehr vom Klangbild seiner beiden Brüder beeinflusst.

Pro:
+ Klares Klangbild mit sauberen Höhen
+ Preislich mit 59 Euro sehr attraktiv
+ Geringes Gewicht von nur 181 g
Contra:
– Fehlender Bass
– Nicht faltbar
– Keine Transporttasche

Shure SRH440
Der Shure SRH440 ist das mittlere Kind des dreiköpfigen Nachwuchses im Hause Shure. Folglich wurde ihm schon ein wesentlich größerer Frequenzbereich von 10 Hz bis 22 kHz spendiert – statt 20 Hz bis 20 kHz beim SRH240 – der im gleich viel mehr Bassvolumen verleiht. Optisch springt einem nicht der glänzend, plastische Look des kleinen Brüderchen an. Alles wirkt matter und hochwertiger. Etwas störend am Design finde ich die blau-rote Markierung an den Seiten, die wohl jedem Menschen um einen herum signalisieren sollen: Hey, sie/er ist fähig, die Kopfhörer richtig und nicht seitenverkehrt aufzusetzen ;-); Spaß beiseite. Die dezenteren Markierungen mir L und R oberhalb der Falltgelenke reicht meines Erachtens aus. Wie beim kleinen Bruder auch, ist der Bügel extrem biegsam und lässt sich in je 10 Stufen an jede Kopfgröße anpassen. Zudem ist es bei diesem Modell möglich, diesen platzsparend zusammenzufalten und in der mitgelieferten Transporttasche zu verstauen. Die Gelenke besitzen ein guten Spielraum zum Schwenken der Ohrmuscheln, die um (fast) 180° gedreht werden können. „Fast“ deshalb, da sich an der linken Ohrmuschel der Eingang für das Kabel befindet, welches außerdem verriegelt und somit nicht aus Versehen aus den Kopfhörern gezogen werden kann. Folglich muss man sich bei eine solchen Ausführung überlegen, wie man die zweite Ohrmuschel versorgt. Hier entschied man sich für die Lösung, die Kabel von den Ohrmuscheln hinauf bis vor den Bügel außen an der hinteren Seite entlanglaufen zu lassen. Dies hatte ich bereits auf der diesjährigen Musikmesse in Frankfurt schon feststellen müssen, worauf ich meine Sorge vortrug, dass der Genuss schnell zunichte ist, wenn man ungewollt mit dem Kabel hängenbleibt und diese herausreißt.

Shure SRH440″

Der Klang beeindruckt schon mit dem ersten Aufsetzen. Man wägt sich in einer anderen Welt, wenn man sich zuvor den 240er zu Ohren geführt hatte. Für nur 40 Euro Aufpreis (99 Euro VK) bekommt man einen wesentlich satteren und wärmeren Klang. Das Klangbild beeindruckt mit knackigen Bässen, ausgewogenen Mitten und klaren Höhen. Beim Gaming auf der heimischen Xbox fühlt man sich fast wie im legendären Lambeau Field zu Green Bay, wenn die Fans die gegnerische Offense durch Lärm zu stoppen versuchen. Die Geräuschkulisse macht fast so viel Spaß wie über die Boxen und man spürt förmlich den Schmerz bei jedem Hit. Ausreichend Zeit für puren Musikgenuss hatte ich während der Zugreise zur Shure-Roadshow von Dresden nach Halle und wieder zurück, auf dessen Weg mich die SRH440 begleiteten und für neugierige Blicke sorgten. Egal ob etwas basslastigere HipHop-Tracks, Armin van Buuren’s Lieblings-Trance-Hits mit viel Bass und traumhaften Frauen-Vocals oder die etwas ruhigeren und weiblich, warmen Stimmen von Stefanie Kloß (Silbermond) oder Katie Melua – die Shure Kopfhörer waren jedem Sound gewachsen, sodass man eigentlich die Kopfhörer nicht wieder absetzen will. Zudem werden die Umgebungsgeräusche noch ein wenig mehr ferngehalten als beim Einstiegsmodell, sodass man bei Gesprächsbedarf seiner Mitmenschen das ein oder andere Mal angestupst werden wird. Die etwas 90 g mehr auf dem Kopf machen sich nur nach sehr langem Tragen im Nacken bemerkbar, sorgen aber für einen guten Traniningsanreiz.

Pro:
+ Warmes, ausgewogenes Klangbild
+ Faltbar und geschützt durch Transporttasche
+ Einseitiges, verriegel- und abnehmbares Kabel

Contra:
– Etwas gestörte Optik durch farbliche Seitenbezeichnungen
– Teils freiliegende Kabel zu den Ohrmuscheln hin

Shure SRH840
Der SRH840 stellt momentan die Oberklasse der Around-Ear-Kopfhörer von Shure da und setzte sich bereits durch einen Preis von 199 Euro von seinen beiden Geschwistern ab. Optisch und auch technisch orientiert er sich am SRH440, ohne diesen zu imitieren. Auffällig ist der stärkere Bügel mit einer noch besseren Polsterung. An den Seiten findet man nicht mehr die blau-roten Links-Rechts-Markierungen. Diese wurden dort von einer silberglänzenden Bezeichnung verdrängt. Um aber auch bei diesem Modell einen Farbtupfer hinterlassen zu können wurden die rückwärtigen Bezeichnungen in – genau – blau und rot gehalten. Obwohl ich ein Mensch bin, der knallige Farben dem tristen Schwarz und Weiß der Masse vorzieht, würde ich mich glücklich schätzen, wenn man auch hier auf die beiden Farben verzichtet hätte. Ansonsten ist auch dieses Modell faltbar und die Ohrmuscheln sind schwenk und drehbar. Ebenfalls identisch ist die Kabelführung – sowohl die Verriegelung des Kopfhörerkabels als auch die offene Führung der Kabel von einer Ohrmuschel zur anderen.

Shure SRH840″

Beeindruckte schon der Klang vom Shure SRH440, so ist er hier noch einmal um eine Länge besser. Der Frequenzband wurde nochmals erweitert (5 Hz bis 25 kHz) und die Leistung auf 1.000 mW verdoppelt. Folglich spürt man mit dem ersten Ton einen noch dynamischeren und druckvolleren Klang – egal ob beim Gaming, lauter Rockmusik oder leisen, chilligen Klängen. Hat man schon beim 440er gedacht, einen sehr guten Kopfhörer in den Händen zu halten, wird sich der ein oder andere sicherlich beim Probehören überlegen, ob er nicht doch 100 Euro mehr für mehr Dynamik und noch besseren Klang ausgibt. Lediglich das „enorme“ Gewicht von 318 g wird wohl viele davon abhalten, sofort zum SRH840 greifen. Hier macht sich schon nach deutlich kürzer Zeit bemerkbar, dass man gegenüber dem Einstiegskopfhörer fast das doppelte Gewicht (+ 137 g) zu tragen hat.

Pro:
+ dynamisch, druckvolles Klangbild
+ Faltbar und geschützt durch Transporttasche
+ Einseitiges, verriegel- und abnehmbares Kabel

Contra:
– Teils freiliegende Kabel zu den Ohrmuscheln hin
– 100-Euro-Aufpreis gegenüber SRH440 werden viele vom Kauf abhalten

Fazit: Ich bin wirklich sehr positiv überrascht von den Ergebnissen langer Arbeit eines Herstellers, der bislang nur durch In-Ear-Headphones bekannt war und keinerlei On-Ear- oder Around-Ear-Kopfhörer vertrieben hat. Mit den drei Modellen SRH240, SRH440, SRH840 ist es Shure eindrucksvoll gelungen, mit einer übersichtigen Produktpalette die drei wichtigsten Preissegmente perfekt zu treffen: Einstiegsmodell für unter 60 Euro, Mittelklassemodell für unter 100 Euro und ein Oberklassenmodelle ab 100 Euro. Nach dem Vergleichstest muss ich sagen, dass für einen Ottonormal-Musikliebhaber, der die Chance hat, im Geschäft vielleicht zwei oder alle drei Modelle klanglich testen zu können, die Kluft zwischen dem SRH240 und dem SRH440 deutlicher hörbar sein wird, wie die vom SRH440 hin zum SRH840.

Für den Interessenten, der einen guten, stylishen Around-Ear-Kopfhörer um die 50 Euro sucht, ist der SRH240 eine sehr gute Wahl, auch wenn es ihm etwas am tiefen Bass mangelt. Sucht ein Kunde einen Kopfhörer um die 75 Euro, würde ich ihm jedenfalls den SRH440 ans Herz legen. Die 40 Euro „Aufpreis“ zum SRH440 sind deutlich hör- und fühlbar. Einzig das Spiralkabel wird beim Gebrauch außerhalb der eigenen vier Wände für eine gut gefüllte Hosentasche sorgen. Interessenten, die einen höherwertigen Kopfhörer suchen und vielleicht schon mal ein ähnliches Modell von AKG, Sennheiser oder den Monster Beats by Dr. Dre in den Händen hatten, sollten unbedingt vor einer Kaufentscheidung den SRH840 ausprobieren, der sich wahrlich nicht hinter der Konkurrenz verstecken muss.

RSS-Feed

Werde Autor!

Dieser Beitrag wurde von veröffentlicht.
hat bereits 278 Artikel geschrieben.
Sei auch dabei: Werde jetzt Autor und teile dein Wissen!

2 Kommentare

  1. Matthias Schleif schrieb am
    Bewertung:

    der bessere Druck „untenrum“ am 440er Modell kommt doch wohl eher auch durch eine höhere Milliwattleistung zustande denn durch den erweiterten Frequenzgang zwischen 10 und 20 Hz, denn diese hört man doch (gar) nicht. Wie waren denn die Leistungswerte der beiden kleineren Modelle 240 und 440? Weisst Du das eventuell?

    Ansonsten sehr schöner Testbericht, danke…

  2. Ben Walther schrieb am
    Bewertung:

    @Matthias: Die Leistungsdaten findest du im ersten Teil des Produkttests. Und da siehst du, dass sowohl SRH240 als auch 440 beide die identische Milliwattleistung besitzten.

Kommentieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Ähnliche Beiträge

Sony WH-1000XM3 mit ANC im Test - Der mächtige Bose QC35II Gegner

Tests

18.12.2018

 | Sebastian Kundisch

Innerhalb weniger Monate durfte ich gleich zwei Over-Ear Kopfhörer der Sony WH-1000X Serie mit aktiver Geräuschreduzierung (engl. Active Noise Cancelling, kurz ANC) testen. Den WH-1000XM2 in schwarz (zum Test) und nun den aktuellen WH-1000XM3 in... mehr +

Nackenlautsprecher im Test: Bose SoundWear Companion

Tests

15.08.2018

 | Sebastian Kundisch

 | 1

Während ich dieses Review schreibe, ist es Hochsommer mit über 30 Grad in Deutschland und ich trage einen Schal – aber nicht irgendeinen Schal oder weil mir kalt wäre, sondern um meinen Hals schmiegt sich der Bose SoundWear Companion... mehr +